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UMWELT JOURNAL 2022-1

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UMWELT JOURNAL Nr. 1/2022 mit den Themen: Abfallsammlung, Digitalisierung am Bau, Umwelttechnologien, Wasserstoff, Energie, Renexpo Interhydro, E-XPO 5020, IFAT 2022, E-world - energy & water, Staatspreis Unternehmensqualität, Josef Ressel Zentrum, Kommunikation & Nachhaltigkeit, Cloud für nachhaltige Unternehmen, Nachhaltiges Kerosin, Das Buch zur Ressourcenwende, Ausbildungen, Seminare, Sonderausgaben

UMWELTjournal 1/2022 | S38 Nachhaltiges Kerosin für die Luftfahrt Sustainable Aviation Fuels (SAF) gelten als Zukunftstechnologie zur Dekarbonisierung der Luftfahrt. Noch gelten SAF als zu teuer, doch eine Analyse der globalen Unternehmensberatung Kearney zeigt, wie die Kosten für neuartiges, nachhaltiges Kerosin in den nächsten zehn Jahren auf nur 1 Euro/Liter und damit auf ein wettbewerbsfähiges Niveau gesenkt werden könnten. ASustainable Aviation Fuels (SAF) sind ein wichtiger Baustein, um die Vision vom klimaneutralen Fliegen möglich zu machen, doch ihr Einsatz ist (noch) unwirtschaftlich. Abhängig von der eingesetzten Technologie bewegen sich die Preise aktuell zwischen rund 0,5 Euro/Liter bei Speisefett als Ausgangsstoff und 4–5 Euro/ Liter bei Power-to-Liquid-Anlagen (PtL) und sind somit zwei- bis dreimal höher als die von konventionellem Kerosin. „In Kombination mit der sehr geringen Verfügbarkeit führen diese hohen Preise dazu, dass die Beimischungsquote für SAF heute weltweit bei nur 0,1 Prozent liegt. Um diese Situation möglichst rasch zu verbessern, wird in der Europäischen Union im Rahmen des Gesetzespakets „Fit for 55“ eine Beimischungsquote von bis zu fünf Prozent bis ins Jahr 2025 diskutiert, die bis 2050 schrittweise auf 63 Prozent gesteigert werden soll“, sagt Dr. Carsten Gerhardt, Partner und Nachhaltigkeitsexperte bei Kearney. So plant zum Beispiel der Mutterkonzern der Austrian Airlines, die deutsche Lufthansa, ihre CO2- Bilanz bis zum Jahr 2030 zu halbieren und weist dabei explizit auf die Bedeutung von SAF für die Erreichung dieses selbstgesteckten Ziels hin. Und auch die gemeinsame IAG (Iberia und British Airways) peilt eine SAF-Quote von zehn Prozent bis 2030 an. Aus Strom, CO2 und Wasser wird Kerosin Heute bereits verfügbare SAF-Mengen bestehen größtenteils aus sogenanntem „Bio-Kerosin“, das aus regenerativen, pflanzenbasierten Rohstoffen hergestellt wird. Bio-Kerosin der ersten Generation basiert auf Nutzpflanzen wie Raps, Zuckerrüben oder Sojabohnen und konkurriert dadurch mit der Nahrungs- und Futtermittelproduktion. Die zweite Generation dieser Treibstoffe löst das Problem weitestgehend und baut auf Reststoffe, wie etwa Hausmüll und Frittierfett, sowie auf Algen und andere Pflanzenabfälle. Doch auch diese Rohstoffe sind nur begrenzt verfügbar und können ebenfalls für andere Anwendungen, wie beispielsweise die Fernwärmeerzeugung, verwendet werden. Die meisten Experten sind sich daher einig, dass zur Erreichung der oben beschriebenen Ziele vor allem der großflächige Einsatz synthetischen Kerosins auf Basis des Power-to-Liquid-Verfahrens (PtL) notwendig ist. Diese SAF der 3. Generation werden mit bereits erprobten chemischen Prozesstechnologien aus den Grundstoffen CO2 und Wasser unter Einsatz von Elektrizität erzeugt. Dr. Sumit Mitra, Partner bei Kearney: „Der Preis für konventionelles (fossiles) Kerosin liegt aktuell bei ca. 0,50 Euro/Liter. Wir gehen davon aus, dass die Kosten der PtL-SAF-Produktion 2030 bei etwa 1 Euro/ Liter liegen können, sofern entsprechend hohe Produktionsmengen

Foto © Kearney / shutterstock erreicht werden und die niedrigen Strompreise in sonnen- oder windreichen Regionen wie Australien, Chile oder Saudi-Arabien genutzt werden. Eine Produktion in Deutschland oder Österreich führt hingegen aufgrund der strom- und energieintensiven Prozesse zu deutlich höheren Kosten pro Liter SAF.“ Durch die erwartete Erhöhung des CO2-Preises im Europäischen Emissionshandel (EU-ETS) von heute 60 Euro pro Tonne auf 130 Euro bis 2030 wird die Kostenlücke zwischen SAF und konventionellem Kerosin zwar weiter verringert, aber nicht vollständig geschlossen. „Unter der Annahme, dass Fluggesellschaften und ihre Kunden bereit sind, für nachhaltige Kraftstoffe einen Kostenaufschlag von 10 bis 20 Prozent zu akzeptieren, können SAF schon in zehn Jahren eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative sein“, so Dr. Philipp Bensel, Partner bei Kearney. Erste Pilot-Projekte sind bereits in Entwicklung Die ersten Schritte in diese Richtung werden bereits gesetzt, denn Anfang Oktober 2021 wurde im Emsland in Deutschland die weltweit erste Produktionsstätte für Power-to-Liquid-SAF in Betrieb genommen. Zu den Partnern der durch die von der Klimaschutzorganisation Atmosfair betriebenen Anlage gehören unter anderem die Unternehmen Lufthansa, Siemens und EWE. „Auch wenn die Produktionsmenge der Anlage mit einer Tonne pro Tag noch begrenzt ist (dies entspricht circa zwölf Flugminuten eines Airbus A350), so werden doch wichtige Erkenntnisse für die weitere Skalierung und Implementierung der Technologie erwartet“, so Bensel abschließend. Fazit: Nachhaltige Luftfahrt ist möglich. Es bedarf aber großer Antsrengungen der Fluggesellschafen und die nötigen Rahmenbedingungen.

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