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UMWELT JOURNAL 2021-2

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UMWELT JOURNAL Nr. 2/2021 mit den Themen: EU-Klimagesetz, Filtrationsprojekte, Luftqualität, Kreislaufwirtschaft, Grüne Logistik, Energie, Recycling, Green Logistics, E-Mobilität, Wasserstoffspeicherung, Green Finance, Ausbildungen, Seminare, Sonderausgaben

UMWELTjournal 2/2021 | S26 Werkstoffiches Recycling in der Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe Die Unternehmen CreaCycle GmbH, EPC Engineering & Technologies GmbH und LÖMI GmbH haben gemeinsam ein Positionspapier entwickelt. Dieses soll alle Beteiligten zum Thema Recycling von Kunststoffen ansprechen und die Diskussion zur Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe auf eine faktenbasierte Ebene heben. Die Experten drängen darin auf die Verbesserung der aktuellen Terminologie der relevanten Abfallrichtlinien. Dabei sollten die neuesten verfügbaren Technologien für das Kunststoffrecycling, wie die lösemittelbasierte Aufbereitung, einbezogen werden. Sie schlagen eine EU-Richtlinie speziell für Kunststoffabfälle vor, die eine Verwertungshierarchie auf der Grundlage physikalischer und chemischer Prozesse ermöglicht. Darüber hinaus spricht das Papier den Bedarf an verbesserten Sortiermöglichkeiten für das werkstoffiche Recycling und einen regulatorischen Rahmen an, der sicherstellt, dass die End-of-Life- Kosten berücksichtigt werden. Schließlich fordert das Papier die Anerkennung und Einbeziehung der lösungsmittelbasierten Reinigung/Auflösung als werkstoffiches Recycling für die Berechnung der Recyclingquote. Das Positionspapier steht unter https://www.creacycle.de/de/presse-news/ positionspapier.html zum Download bereit. Als Basis für zukünftige Entwicklungen fordern die Autoren eine exakte Definition des Begriffs „Recycling“. Diese müsse im Einklang mit den Erkenntnissen der Physik und Chemie stehen, dem Konzept der Abfall-Hierarchie (Reduzieren – Wiederverwenden – Recyceln) folgen, auf der Wertschöpfungskette für Kunststoffe basieren (chemisches Element – Zwischenprodukt – Monomer – Polymer – Kunststoff) und werkstoffiches Recycling (Polymer zu Polymer) als Vorbereitung zur Wiederverwendung der Polymerkomponente definieren. HISTORIE DES LÖSEMITTELBASIERTEN RECYCLINGS Lösemittelbasiertes Recycling wird seit Jahrzehnten praktiziert. Billiges Deponieren, Verbrennen und Exportieren von Kunststoffabfällen nach Asien hat die Kommerzialisierung dieser Technologie aber bis heute begrenzt. • 1996 – mit dem von Sony entwickelten System Orange R-net wurden in Tokyo Verpackungen aus expandiertem Polystyrol (EPS) in D-Limonen-Lösung gesammelt und wieder zu expandiertem PS für Verpackungen recycelt. Nach zirka 10 Jahren wurde das Projekt aus Kostengründen aufgegeben. • 2002 – Solvay betreibt das Vinyloop®-Werk zum Recycling von Polyvinylchlorid (PVC) in Ferrara, Italien bis 2018. Dann wird das Werk geschlossen, weil der Prozess nicht dafür ausgelegt war, den ab 2018 verbotenen Weichmacher DEHP abzutrennen. • 2011 – Polystyvert in Quebec, Kanada, sammelt Verpackungen aus Polystyrolschaum (EPS) in p-Cymol- Lösung und recycelt es zu Polystyrol. • 2018 – Unilever baut und betreibt ein Pilotwerk für den CreaSolv®-Prozess zum Recyceln von Beutelverpackungsabfällen (multilayer sachets) in Indonesien. • 2018 – APK betreibt ein Werk für den Newcycling® Prozess für industrielle Polyethylen/Polyamid-Multilayer-Verpackungsabfälle in Merseburg, Deutschland. • 2019 – PolyStyreneLoop baut ein Demonstrationswerk für den CreaSolv® Prozess für das Recycling von Polystyrol-Isolierschaum aus dem Baubereich (EPS and XPS), der das verbotene Flammschutzadditiv HBCD enthält. Die Inbetriebnahme in Terneuzen, Niederlande, ist für das 2. Quartal 2021 geplant. • 2020 – CreaSolv® Pilotanlage mit 700 t/a Kapazität für Multilayer-Kunststoffverpackungsabfälle von LÖMI in Bayern, Deutschland – Circular Packaging und MultiCycle Projekt. • 2020 – PureCycle schließt die Finanzierung von 250 Millionen US-$ ab und beginnt den Bau eines 48.000-t/a- Recyclingwerkes für Polypropylen in Ohio, USA. • 2021 – CreaSolv® Pilotanlage mit einer Kapazität von 15-20 kg/h am Fraunhofer Institut IVV zum Recycling von PVC-Bodenbelägen (Circular Flooring Projekt) mit Ausschleusung von verbotenen Weichmachern (Phthalsäureestern). Die Inbetriebnahme ist für die 2. Hälfte 2021 geplant.

Dazu Gerald Altnau, Geschäftsführer von Crea- Cycle: „Der EU fehlt bislang eine Verwertungs- Hierarchie. Außerdem sind die aktuellen Abfall-Richtlinien für polymerbasierte Abfälle nicht differenziert genug, und sie berücksichtigen keine Bedingungen für wiederholtes Wiederverwenden von ein und demselben Material, also dem werkstoffichen Recycling von Polymeren. Recycling wird als allgemeiner Oberbegriff verwendet, der eine Wiederverwendung und Downcycling in Form einer Depolymerisation als gleichwertig definiert. Dadurch lassen sich zwar hohe Recyclingquoten erreichen, aber das sorgt für Konflikte bei Kunststoffen, da Wiederverwendung und Recycling zwei unterschiedliche Positionen in der Abfall-Hierarchie einnehmen.“ Lösemittelbasiertes Recycling mit Potenzial In diesem Zusammenhang verweisen die Autoren auf das ihrer Ansicht nach bisher zu wenig genutzte Potenzial des lösemittelbasierten Recycling. Sie fordern, dieses physikalische Verfahren des werkstoffichen Recyclings in die Richtlinien aufzunehmen, da es sich zwischen die bisher als alleinige Alternativen diskutierten Verfahren des mechanischen und des chemischen Recyclings einordnet und die Wiederverwendung von Polymeren aus Kunststoffabfällen ermöglichen kann, die heute verbrannt werden müssen. Exemplarisch erläutern sie den CreaSolv® Prozess, der unter anderem zur Aufbereitung von schadstoffbelastetem expandiertem Polystyrol (EPS) eine neue Alternative zur Verbrennung bietet. Diese fortschrittliche Trenn- oder Sortiertechnologie wurde von der CreaCycle GmbH und dem Fraunhofer-Institut IVV für Verpackungs- und Verfahrenstechnik entwickelt. EPC Engineering & Technologies GmbH und LÖMI GmbH waren an der Prozessentwicklung, dem Design und dem Bau von Pilotanlagen beteiligt. Derzeit bauen sie zusammen mit der PolyStyrene Loop B.V. eine CreaSolv® Prozess-Demonstrationsanlage für das Recycling von flammgeschützten Polystyrol-Dämmschaumplatten LINK-TIPP: Das gesamte Positionspapier in deutsch und englisch finden Sie auf der Website von CreaSolv: https://www.creacycle.de/images/2021.04.15_ CreaSolv_Positionspapier_DE.pdf aus dem Baubereich mit einer Kapazität von 3.300t/ Jahr. PolyStyreneLoop hat mehr als 70 Mitglieder aus der Polystyrolschaum-Wertschöpfungskette und wurde gegründet, um eine Recyclinglösung zu entwickeln, die in der Lage ist, Polystyrol von dem Flammschutzmittel HBCD (Hexabromcyclododecan) zu trennen, das heute als schwer abbaubarer, organischer Schadstoff (POP) eingestuft wird. CreaSolv® ist ein eingetragenes Warenzeichen der CreaCycle GmbH.

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