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UMWELT JOURNAL 2020-2

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UMWELT JOURNAL 2/2020 (veröffentlicht: 30.04.2020) Themen: FEMtech-Expertin des Monats, Ende der Kohlekraft in Österreich, Rekordjahr für Windkraft, Photovoltaik-Ausbau in Österreich, Post fährt mit Solar-Lkw, E-Mobilität in Österreich, Kreislaufwirtschaft, Regenwasser versickern, Pellets speichern, Umwelttechniker gesucht, Condition Monitoring Systeme (Dekanterzentrifugen), Modernes Wohnen, Bibliothek, Ausbildungen, Seminare.

UMWELTjournal 1/2020 | S20 „Wir müssen endlich aus dem Hamsterrad der materiellen Bedürfnisse aussteigen und uns einem guten Leben für alle zuwenden.“ Überlegungen zur großen Transformation aus der Sicht eines Reparatur-Lobbyisten. Text: SEPP EISENRIEGLER Wir leben heute in einer Welt, deren „Wohlstand“ – besser deren werbeinduzierter, angestrebter Lebensstandard im globalen Norden – nur durch Raubbau an den nichtregenerativen Rohstoffen im globalen Süden möglich ist. Diese kapitalistische, imperiale Wirtschafts- und Lebensweise tötet, macht süchtig, ist ungerecht und zerstört die Lebensgrundlagen der menschlichen Spezies. Die Implementierung der Kreislaufwirtschaft bedeutet eine große Transformation von einer ressourcenvernichtenden, linearen zu einer enkeltauglichen, zirkulären Wirtschaftsweise. Sie ist nicht konzipiert ohne Wachstum auszukommen. Allerdings ist die Postwachstumsökonomie derzeit politisch nicht anschlussfähig. Progressive Wissenschaftler empfehlen seit Jahrzehnten Dienstleistungen statt Produkteigentum, Sharing- und Reuse-Modelle und eine generelle Abkehr vom Wachstumsparadigma, um unsere imperiale Lebensweise auf ein sozialökologisch vertretbares Maß zu reduzieren. Der Materialaufwand für Elektro- und Elektronikgeräte liegt beim 50- bis 10.000-fachen des Eigengewichts der Produkte. Jeder Schritt in der Wertschöpfungskette ist mit Emissionen verbunden. Bei rund 9.000 Reparaturen pro Jahr und einer Erfolgsquote von 80% spart allein das R.U.S.Z enorme Mengen an kritischen Rohstoffen (insbesondere Metalle und Mineralien) und klimaschädlichen Gasen ein. Als Branchenvertreter und Netzwerkknoten für Ressourcenschonung und ©Alexandra Roth SEPP EISENRIEGLER GESCHÄFTSFÜHRER, REPARATUR- UND SERVICEZENTRUM R.U.S.Z. CO2-Äquivalente-Reduktion trägt es dazu bei, diese Einsparungen zu vervielfachen. Warum? Weil im gesamten Lebenszyklus einer Waschmaschine 53% aller negativen Umweltwirkungen bei der Produktion und Distribution entstehen! Ein besseres Argument Produkte länger zu nutzen, anstatt durch die Produktion immer kurzlebigerer Produkte nicht regenerative Ressourcen zu vernichten, gibt es wohl nicht. Dachten viele! Und jetzt sind sogar Autor*innen des Global Ressources Outlook (2019) überrascht: 50% der globalen Kohlenstoffemissionen entstehen durch den Abbau natürlicher Ressourcen und deren Weiterverarbeitung! Reparieren ist also nicht nur ein Beitrag zur Ressourcenschonung, sondern auch ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz! Das R.U.S.Z und seine Kund*innen nehmen politische Verantwortung wahr. „Ein Sozialunternehmen initiiert einen Wandel in der EU-Politik“ ist nicht übertrieben. Seit 20 Jahren kämpfen wir uneigennützig für Ressourceneffizienz. Unsere KundInnen unterstützen uns dabei durch ihre Konsumentscheidungen: Es darf auch einmal eine Reparatur, was runderneuertes Gebrauchtes oder ein Nutzen-statt-Kaufen Gerät sein. Statussymbole einer wachsenden Minderheit! Die EU-Ordnungspolitik hat ihre Hausaufgaben gemacht. Die Hersteller haben teilweise erfreut zur Kenntnis genommen, dass sie ihre linearen Geschäftsmodelle ändern müssen. Erfreut, weil viele

Fotos (2) © R.U.S.Z. leitende Industrievertreter diese Work-Life- Schizophrenie nur mehr schwer ertragen: Zu Hause die unmittelbare Umwelt sauber halten, aber im Unternehmen global Ressourcen vernichten! Bosch-Siemens führt bereits ein großflächiges Waschmaschinen-Miet-Modellprojekt nach dem Slogan „Mieten statt Kaufen“ in den Niederlanden durch. Das R.U.S.Z bietet die Produktdienstleistung „Saubere Wäsche“ ohne Eigentumsübergang der Geräte seit drei Jahren an. Im B2B-Bereich wird dieses Sorglospaket geschätzt, die österreichische Seele muss erst ihr mindset anpassen … Es lebe der Homo Oeconomicus! Nicht dass es erstrebenswert wäre, in seinem Konsumverhalten nur egozentrische Ziele zu verfolgen: Aber die Konsumentinnen und Konsumenten in den „entwickelten“ Ländern im globalen Norden verhalten sich so unvernünftig, dass Kon- sumentscheidungen, die sich nach der Lehre von Adam Smith ausrichten, weniger Umweltbelastungen verursachen würden. „Verbraucher“ merken nicht einmal, wie sie über den Tisch gezogen werden. Sie halten Waschmaschinen um € 300,- tatsächlich für billig, ohne den Bezugsrahmen zur Nutzungsdauer herzustellen. Jetzt liegt es an uns! Wir sind alle Konsument*innen. Manche sind kaufsüchtig, andere muss man als Konsumtrotteln bezeichnen. Es ist aber auch eine wachsende Bevölkerungsgruppe (einkaufs-) politisch aktiv. Sie haben verstanden, dass „Kunde ist König“ kein leeres Schlagwort ist und nutzen lokale Initiativen, die die Kreislaufwirtschaft schon lange vor der EU-Kommission erfunden haben, um sich mit dem nötigen (aber nicht mehr) zu versorgen. Eine dieser Initiativen heißt Reparaturund Service-Zentrum R.U.S.Z.

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