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RETAIL 2021-Q2

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RETAIL MAGAZIN | HANDELSVERBAND

AKTUELL man den Konsum

AKTUELL man den Konsum abdreht, also alles, was mit Einkaufen und Freizeit zu tun hat“, sagt Andreas Kreutzer. DAS SAGT DIE WISSENSCHAFT Lockdown. Zur Bekämpfung der Pandemie blieben Teile des Handels, der Gastro nomie und der Hotellerie mehrmals über lange Zeiträume geschlossen. liarden geschrumpft. Im laufenden Jahr zeichnet sich ein weiterer Rückgang um 20 Milliarden Euro ab“, rechnet der Studienleiter Andreas Kreutzer. Insgesamt würden die Haushaltsausgaben in den Jahren 2020 und 2021 damit bereits um 39 Milliarden Euro niedriger ausfallen, als dies ohne die Maßnahmen zur Pandemieeindämmung der Fall gewesen wäre: „Ich rechne damit, dass wir erst im Jahr 2024 wieder das Niveau von 2019 erreichen“, so Kreutzer. Wie einzelne Segmente der Branche durch das erste Krisenjahr gekommen sind, erfahren Sie im Detail auf den Seiten 26–27. Gesamtwirtschaftlich fällt Kreutzers Fazit kritisch aus: „Das Bruttoinlandsprodukt ist zuletzt wesentlich stärker gefallen als zunächst erwartet. Das wird gerne auf das Ausbleiben der Touristen zurückgeführt. Sieht man sich aber den BIP­Beitrag des Handels im Verhältnis dazu an, zeigt sich hier eine viel größere Bedeutung. Da ist es immer fatal, wenn Neben der Politik ist in der Pandemie die Wissenschaft besonders gefragt, die belastbare Grundlagen für gute Entscheidungen liefern soll. In Österreich hat unter anderem der Complexity Science Hub Vienna (CSH) die unterschiedlichsten Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Covid­19 erforscht. Vor der weltweiten Gesundheitskrise beschäftigte sich die Institution mit anderen Herausforderungen einer zunehmend vernetzten Welt, etwa mit Finanzmärkten, globalisierter » Das Bruttoinlandsprodukt ist zuletzt wesentlich stärker gefallen als zunächst erwartet. Das wird gerne auf das Ausbleiben der Touristen zurückgeführt. « Andreas Kreutzer BRANCHENRADAR.com Ereignisse PANDEMIE IN ÖSTERREICH Covid-19 hat Österreich schwer getroffen. Zur Eindämmung ging das Land seit März 2020 mehrmals in den Lockdown. Anfang 2020 erschütterten Berichte über ein hochinfektiöses Coronavirus die Welt. Knapp zwei Monate später wurden die ersten Fälle in Österreich bekannt. Seither befindet sich das Land in einem Ausnahmezustand zwischen Schließungen und Öffnungsschritten. Erst mit Mai 2021 zeichnete sich eine Rückkehr zur Normalität ab. Datenquelle / AGES Dashboard COVID19 7. Jänner 2020 Chinesische Behörden identifizieren neuartiges Coronavirus. Neu identifizierte Fälle: 2 25. Februar 2020 Erste Fälle des Virus in Österreich werden gemeldet. 109 11. März 2020 WHO erklärt den Ausbruch offiziell zur Pandemie. 198 15. März 2020 Das Covid­19­ Gesetz wird beschlossen. 226 16. März 2020 Österreich geht in den ersten Lockdown. 306 6. April 2020 Mund­Nasen­ Schutz­Pflicht in Lebensmittelgeschäften. 150 14. April 2020 Die ersten Geschäfte öffnen wieder. 82 15. Mai 2020 Gastronomie öffnet wieder. 380 6.352 3. November 2020 Ausgangsbeschränkungen zwischen 20 und 6 Uhr, Schließung von Hotel­ und Gastgewerbe, Kultur­ und Freizeiteinrichtungen. 4. September 2020 Corona­Ampel wird in Betrieb genommen. 8 / Q2/2021

Fotos / Picturedesk Wirtschaft und Innovation. In der Gesundheitskrise untersuchte der CSH gemeinsam mit Wissenschaftsinstitutionen weltweit, wie gut konkrete Schritte im Kampf gegen das Coronavirus wirken. Dazu wurden unzählige Maßnahmen und Daten aus allen Regionen der Welt ausgewertet: „Die wirksamsten Maßnahmen sind nach wie vor diejenigen, die direkt auf die Reduktion von sozialen Kontakten in Settings abzielen, in denen enge Kontakte in geschlossenen Räumen über einen längeren Zeitraum hinweg stattfinden können“, sagt Peter Klimek vom CSH Vienna. Dazu würde eben auch die Schließung von Gastronomie, Hotellerie und körpernahen Dienstleistungen sowie von Ausbildungsstätten zählen, auf die in Österreich gesetzt wurde. Weiters hätten sich Mobilitäts­ und Bewegungseinschränkungen wie Ausreisetests, Grenzschließungen und Ausgangssperren sowie die Beschränkung von Zusammentreffen auf Personen aus lediglich zwei Haushalten ebenfalls als effektiv erwiesen. „Für die erwähnten Maßnahmen gilt, dass wir hier nur von der Effektivität in Bezug auf die Eindämmung der Virusausbreitung sprechen. Dem müssen natürlich immer die Folgeschäden einer Maßnahme gegenübergestellt werden“, stellt Klimek klar. Und im März 2021 veröffentlichte der französische Conseil scientifique – das wissenschaftliche Gremium, das die fran­ Impfung. In vielen europäischen und amerikanischen Ländern liegt die Hoffnung auf Entspannung der Situation auf einer flächendeckenden Corona­Schutzimpfung. zösische Regierung bei den Maßnahmen berät – eine Studie, wonach Einzelhandelsgeschäfte eindeutig nicht mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden sind. Selbiges gilt auch für öffentliche Verkehrsmittel, Vorträge in Hörsälen, Sport im Freien oder Friseursalons. KRITIK AM HEIMISCHEN VORGEHEN Eine zentrale Erkenntnis der Komplexitätsforschung ist bei der Pandemiebekämpfung, dass die Kontrolle der Virusausbreitung bei niedrigeren Fallzahlen wesentlich leichter fällt als bei hohen. Denn die Kontaktverfolgung zur Isolierung von Infektionsherden funktioniert bei niedrigeren Fallzahlen effektiver und Mobilitäts­ oder Kontaktreduktion können deutlich kleinräumiger, kürzer und zielgenauer angewendet werden: „In Österreich wurde hingegen Kontrolle bei hohen Fallzahlen versucht, indem man erst mit beherzteren Maßnahmen eingreift, wenn die Infektionszahlen so hoch werden, dass eine Überlastung der Intensivstationen de facto eintritt“, erklärt Klimek. Österreich war damit jedoch nicht allein. Eine ähnliche Strategie verfolgten auch viele andere Länder in Europa und Amerika: „Die Hoffnung bestand oftmals darin, sich bis zur Impfung durchwursteln zu können. Eine solche Hochinzidenzstrategie ist allerdings riskant und oftmals mit einem höheren gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schaden verbunden als kontrollierte Niedriginzidenzstrategien, wie sie etwa die meisten asiatischen Länder verfolgen“, meint Klimek. Neu identifizierte Fälle: 9.187 7.563 2.518 1.164 1.700 1.240 2.762 3.098 2.112 2.489 1.116 667 Neu identifizierte Fälle: 562 11. November 2020 Höchststand in Österreich. 7. Dezember 2020 Handel öffnet für das Weihnachtsgeschäft. 27. Dezember 2020 Erste Impfungen in Österreich mit BioNTech/Pfizer. 15. März 2021 Vorarlberg wird zur Modellregion und öffnet die Gastronomie. 18. April 2021 Harter Lockdown endet im Bgld. 2. Mai 2021 Harter Lockdown endet in NÖ, W. 19. Mai 2021 Österreich öffnet mit FFP2­Masken­ Pflicht und „3­G­Regel“. 17. November 2020 Schulen gehen in den Fernunterricht. 26. Dezember 2020 Dritter Lockdown startet, Geschäfte schließen. 8. Februar 2021 Handel, Museen, Tiergärten, Bibliotheken öffnen. Eintrittstests für körper nahe Dienstleistungen. 1. April 2021 Verschärfter Lockdown in NÖ, W, Bgld. 22. April 2021 Marke von 10.000 Covid­19­Toten in Österreich wird überschritten. 17. Mai 2021 Schulen wieder im Präsenzunterricht. / Q2/2021 9

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