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RETAIL 2021-Q2

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RETAIL MAGAZIN | HANDELSVERBAND

AKTUELL NEUE

AKTUELL NEUE STEUERPRAXIS FÜR ONLINE- SHOPS: DER ONE-STOP-SHOP Für Onlinehändler steht im Sommer eine wesentliche Neuerung an: Ab 1. Juli können sie sämtliche Lieferungen in den EU-Raum zentral über den neu geschaffenen EU-One-Stop-Shop (EU-OSS) erklären und ihre Umsatzsteuer dort entrichten. Text / Harald Sager Erleichterung. Für Händler, die in unterschiedliche EU-Staaten versenden, soll die Steuererklärung ab Sommer einfacher werden. 22 / Q2/2021

Fotos / Picturedesk, beigestellt Onlinehändler aufgepasst! Vom 1. Juli dieses Jahres an kommt es im Rahmen des EU-Mehrwertsteuer pakets für elektronischen Handel bei Lieferungen an Private in einem jeweils anderen EU-Mitgliedstaat zu einer maß geblichen Änderung beziehungsweise De-facto-Vereinfachung und Ver ein heitlichung: Ab dann können inner gemeinschaftliche Onlinehandels lieferungen nämlich über den EU-One-Stop-Shop (EU-OSS) erklärt und die darauf entfallende Umsatzsteuer dort entrichtet werden. Jenen heimischen Onlinehändlern, die viel in andere EU-Länder liefern, wird das Leben dadurch wesentlich leichter gemacht, denn sie müssen sich nicht mehr in den einzelnen Mitgliedsländern registrieren lassen. Um die Besteuerung im Bestimmungsland sicherzustellen, gilt ab diesem Zeitpunkt der Ort, an dem die Beförderung oder Versendung an den Abnehmer endet, als Ort der Lieferung. Die bisherigen Regelungen nationaler Lieferschwellen fallen weg und werden durch eine einheitliche EU-Schwelle für Kleinstunternehmer in Höhe von 10.000 Euro ersetzt. EU-Umsätze unterhalb dieser Schwelle werden im Ursprungsland besteuert. Es ist davon auszugehen, dass sämtliche Onlineshops, die ihr Geschäft professionell und nicht nur nebenher betreiben, die Kleinstunternehmerschwelle überschreiten. Was ist in dem Fall zu tun? Da die Onlinehandelsumsätze in den Bestimmungsländern der Lieferungen zu besteuern und die Steuern dort abzuführen sind, hat der Händler nun die Wahl, sich des neu geschaffenen Instruments des EU-OSS zu bedienen und die erwähnten Umsätze dort zu melden und zu bezahlen – was die praktikablere Lösung für jene ist, die in mehrere EU-Staaten versenden. Oder er bleibt im jeweiligen EU-Land registriert und gibt dort Steuererklärungen ab – was unter Umständen Sinn macht, wenn er weitgehend nur in ein bestimmtes Land liefert. SO FUNKTIONIERT DER EU-OSS „Die ab 1. Juli eingeführte Sonderregelung EU-OSS bietet die Möglichkeit, sich in einem Mitgliedsland der EU wie zum Beispiel Österreich zu registrieren, sämtliche darunterfallenden Umsätze über den MSI (Mitgliedstaat der Identifizierung) zu erklären und die daraus entstandene Umsatzsteuer zu bezahlen“, fasst Klaus Gaedke von der Steuerberatungskanzlei Gaedke & Angeringer die Neuerung zusammen. Die Antragstel- lung und die Registrierung erfolgen hierzulande über FinanzOnline. Was sind die Vorteile für den Webshop-Betreiber? Er muss sich nicht mehr in den einzelnen EU-Staaten für seine Leistungen zu umsatzsteuerlichen Zwecken registrieren und in weiterer Folge dort weder Umsatzsteuererklärungen abgeben noch bezahlen. Durch die zentrale Bündelung dieser Aktivitäten im EU-OSS fällt ein großer administrativer beziehungsweise bürokratischer Aufwand – der meist in mehreren EU-Ländern anfällt – einfach weg. NUTZER DES EU-OSS Den EU-OSS können Onlinehändler nutzen, die an Private beziehungsweise an Schwellen erwerber (das sind in erster Linie Personen unterhalb der Erwerbsschwelle) in EU-Ländern liefern, dort Das Wichtigste auf einen Blick ECKDATEN ZUM EU-OSS Das sieht das Verfahren zur Erklärung auf Leistungen an Nichtunternehmer in der EU vor: • Der EU-OSS ist ab dem Kalendervierteljahr anzuwenden, das auf die Antragstellung via Finanz Online folgt. • Die Sonderregelung gilt für sämtliche steuerpflichtigen Leistungen an Nichtunternehmer in allen EU-Mitgliedstaaten. Es ist daher nicht möglich, sie nur auf einzelne Staaten einzugrenzen. • Ist der Onlinehändler bereits in einem anderen EU-Land umsatzsteuerlich registriert, so ist das kein Hindernis, seine Umsatzsteuererklärung trotzdem über den EU-OSS abzuwickeln. Besteht hingegen eine Betriebsstätte in einem anderen EU-Land, ist der EU-OSS nicht anwendbar. • Die EU-OSS ist spätestens bis zum letzten Tag des auf den Erklärungszeitraum folgenden Monats abzugeben und die Umsatzsteuer bis dahin auf ein eigens dafür eingerichtetes Konto einzuzahlen. • Die Erklärung muss die Umsätze und die darauf anzuwendenden Steuersätze, eine Gliederung der Umsatzsteuer nach Mitgliedstaaten sowie die Gesamtsumme der zu entrichtenden Steuer enthalten. aber keine Betriebsstätte haben. Gleiches gilt für Unternehmer, die elektronische Dienstleistungen in diesen Ländern erbringen. Auch Plattformen, die sich an einer Versandhandelslieferung aus Drittländern in die EU beteiligen, gelten als Lieferer und können den EU-OSS nutzen. Das gilt sowohl für den Fall, dass die Lieferung im selben Mitgliedsland beginnt und endet, als auch dann, wenn sie in ein anderes weiterversandt wird. Die Voraussetzungen für die Nutzung von EU-OSS fallen in die Kategorie „versteht sich von selbst“: eine gültige UID-Nummer, die rechtzeitige Anmeldung über FinanzOnline sowie als Unternehmer für die Anwendung nicht gesperrt zu sein. REGELUNG FÜR KLEINUNTERNEHMER AUF ONLINEPLATTFORMEN Nicht zuletzt sind auch Kleinunternehmer ausdrücklich berechtigt, den EU-OSS zu verwenden, da ihre Umsatzsteuerbefreiung in Österreich bei Lieferungen in andere Länder der EU nicht gilt. Da viele Kleinunternehmer ihren Onlinehandel über Webportale beziehungsweise -plattformen durchführen, stellt sich aber die Frage, ob sie von der EU-OSS-Regelung überhaupt betroffen sind. Die Antwort lautet in dem Fall „Nein“: „Nicht der Kleinunter nehmer, sondern der Portalbetreiber ist gegenüber dem Endkunden als Leistungserbringer anzusehen. Daher obliegen ihm auch die umsatzsteuerlichen Verpflichtungen“, erklärt Klaus Gaedke. Der Kleinunternehmer hat lediglich seine Leistung gegenüber dem Portalbetreiber zu erfüllen und unterliegt im Übrigen seiner Kleinunternehmerbefreiung. Klaus Gaedke von der Gaedke & Angeringer Steuerberatung GmbH hat für den Handelsverband ein Webinar und einen Leitfaden zum Thema ausgearbeitet. Gaedke & Angeringer ist Ansprechpartner für nationales und internationales Steuerrecht sowie für betriebswirtschaftliche, arbeits- und sozialrechtlichen Fragen. / Q2/2021 23

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