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— persönlich „Die Märkte belohnen unethisches Verhalten“ Interview. CSR hat zu Recht einen zwielichtigen Ruf und in Donald Trump steckt mehr Keynes, als man meinen könnte, sagt Christian Felber. Christian Felber ist freier Publizist und unter anderem Autor von „Die Gemeinwohl-Ökonomie“, das mittlerweile in zwölf Sprachen erschienen ist. Wer sich näher mit dem Thema beschäftigen will, kann ab Herbst 2018 den Master of Arts „Angewandte Gemeinwohl- Ökonomie“ an der FH Burgenland absolvieren. Foto: José Luis Roca Christian Felber Ethischer Welthandel Alternativen zu TTIP, WTO & Co 224 Seiten, Deuticke Verlag (März 2017) retail: Ihr Konzept der Gemeinwohlökonomie baut unter anderem darauf auf, dass Unternehmen eine sogenannte Gemeinwohl-Bilanz erstellen. Diese soll zeigen, wie sich die Unternehmenstätigkeit auf Umwelt und Menschen auswirkt. Was unterscheidet Ihr Modell von einem konventionellen Nachhaltigkeitsbericht, wie ihn viele große Unternehmen bereits heute vorlegen? Christian Felber: CSR war anfangs eine Abwehrstrategie transnationaler Konzerne, um einklagbare Regeln von den Menschenrechten bis zum Umweltschutz zu verhindern. Durch das Prinzip der Freiwilligkeit wird das Nachhaltigkeits-Reporting zu einer Farce, von daher ist der zwielichtige Ruf der CSR durchaus berechtigt. Es ist gut, dass es die GRI-Richtlinien (der weltweit am häufigsten verwendete Standard für Nachhaltigkeitsberichte, Anm.) und andere Rahmenwerke gibt, aber sie werden nicht zu einem alternativen Wirtschaftsmodell führen. Denn sie ändern nichts daran, dass die Märkte unethisches Verhalten belohnen. Wer heute rücksichtlos agiert – gegenüber Lieferanten, Mitarbeitern, der Um - welt –, der kann seine Produkte günstiger anbieten, erwirbt sich also Wettbewerbsvorteile. Was die Gemeinwohl-Bilanz daher auszeichnet: Sie ist bewertbar, vergleichbar und soll für alle Unternehmen verbindlich sein. Und in einer Gemeinwohl-Ökonomie würden gute Bilanzergebnisse etwa mit niedrigeren Steuern, günstigeren Krediten oder Vorrang bei öffentlichen Beschaffungen belohnt werden. Manche behaupten, die Umsetzung der Gemeinwohl-Ökonomie würde in die wirtschaftliche Katastrophe führen. Wenn jemand so heftige Attacken reitet, dann ist das oft ein Ablenkungsmanöver, um eine Sachdiskussion zu verhindern. Der EU-Wirtschafts- und Sozialausschuss hat einen Initiativantrag zur Gemeinwohl-Ökonomie immerhin mit 86 Prozent angenommen. Was stört Sie an den Praktiken des Einzelhandels am meisten? Das größte Problem besteht darin, dass er unvollständig informiert. Am Regal wird lediglich der finanzielle Preis ausgeschildert, aber nicht der ethische – der darüber informieren würde, inwieweit bei der Herstellung eines Produkts Grundwerte wie Menschenwürde, Umwelt, Gerechtigkeit berücksichtigt wurden. In Ihrem aktuellen Buch „Ethischer Welthandel“ kritisieren Sie Freihandel als Selbstzweck. Klingt das nicht ein wenig nach Donald Trumps „America first“? Die USA haben ein gigantisches Leistungsbilanzdefizit. Wenn sich jemand überlegt, wie man das verringern kann, dann klingt das mindestens so sehr nach Keynes wie nach Trump. Keynes hat darauf hingewiesen, dass nicht nur die makroökonomische Stabilität, sondern auch der politische Frieden von dauerhaft ausgeglichenen Leistungsbilanzen abhängen. Davon abgesehen: „America first“ ist ein Slogan, aber „Germany first“ ist ein Faktum. Die Deutschen produzieren mit ihrer Exportorientierung bewusst einen riesigen Leistungsbilanzüberschuss. Das ist nicht Freihandel, sondern Merkantilismus. Warum kann Deutschland seine Interessen besser durchsetzen als die mächtigen USA? Entscheidend ist nicht Deutschland, sondern die Interessen der transnationalen Konzerne. Die setzen über mächtige Lobbyverbände Handels- und Investorenprotektionismus durch und kümmern sich nicht darum, welches Land davon gerade am meisten profitiert. Es ist eigentlich verkehrt, dass es überhaupt Handels- und Investitionsschutzabkommen gibt. Wir bräuchten umgekehrt einklagbare Abkommen über Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz. Ich bin für internationalen Handel und Investitionen, aber sie sollten bloß das Mittel zum Zweck sein. ▪ Gerhard Mészáros 46 — Dezember 2017

HANDELS- #28KOLLOQUIUM CONNECTING THE DOTS 17. APRIL 2018 SCHLOSS SCHÖNBRUNN NEUE SPIELREGELN. NEUE HERAUSFORDERUNGEN. NEUE CHANCEN. EARLY BIRD TARIF! -20%* Der Handel wird sich in den nächsten 10 Jahren stärker verändern als in den vergangenen 40. Das stationäre Wachstum stößt an seine Grenzen und auch im E-Commerce wird die Branche völlig neu vermessen. Globale Plattformen sorgen für eine immer stärkere Marktkonzentration und die Umsatzverteilung entwickelt sich unaufhaltsam Richtung Long-Tail-Modell. Mobile ist zum absoluten Standard geworden und Smartphone-Shopping verzeichnet zweistellige Wachstumsraten. Smart Data hat sich vom Schlagwort zum must-have entwickelt und last but not least steht die gefürchtete Europäische Datenschutzgrundverordnung vor der Tür. Zahlreiche Entwicklungen also, die den Handel vor neue Herausforderungen stellen und die Spielregeln völlig neu definieren. Aber wohin geht die digitale Reise wirklich und was kommt danach? Seien Sie am 17. April 2018 live dabei, erleben Sie internationale Top-Speaker, vernetzen Sie sich und Dezember 2017 — 47 erfahren Sie alles über die wichtigsten Handelstrends im Jahr 2018. *bis 28. Februar 2018

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