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— storys Stadt an

— storys Stadt an Handel: Baby, come back! Innenstadt-Belebung. Wie können Geschäfte zurück in die Ortskerne gebracht werden? Die Antworten reichen von lokalen Onlinemarktplätzen über neue Mobilitätskonzepte bis zu Stammtischen für Hausbesitzer. Foto: Günther Peroutka/WirtschaftsBlatt/picturedesk.com Die Raumordnung konnte Fachmarktagglomerationen, die aus mehreren großen „Boxen“ nebeneinander bestehen, nicht verhindern, kritisiert Hannes Lindner von Standort + Markt: „Das fördert die landschaftliche Zersiedelung und freut weder den Konsumenten, der zu jeder Box extra hinfahren muss, noch die Händler, die keine Synergieeffekte wie im EKZ nutzen können.“ Ein Donut ist ein Kreis und in der Mitte ist nichts. „Das beschreibt die Situation von mittelgroßen Städten sehr gut“, sagt Stephanie Schwer. „Es gibt einen Wust an Geschäften, Arbeitsplätzen und Wohnungen am Stadtrand – und aus den Städten selbst wandern immer mehr Funktionen ab“, so die Expertin für Stadtentwicklung beim Städtebund. Ob ein bestimmtes Maß an Leerstand problematisch ist, sei eine Frage der Definition, meint hingegen Hannes Lindner. „Zum Teil hat sich einfach der Mix verändert, es gibt in den Innenstädten weniger Handel, dafür mehr Dienstleistungen und Gastronomie“, so der Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Standort + Markt. Allerdings: „Modegeschäfte sind ein wichtiger Grund, warum Menschen Innenstädte aufsuchen. Deren Anteil ist zuletzt zurückgegangen.“ „Die Medien schreiben die kleinen Städte regelmäßig nieder“, kritisiert Peter Jungreithmair. Zeitungen titeln mit „toten Innenstädten“, ein dramatischer Konflikt mit Einkaufs- und Fachmarktzentren am Stadtrand werde inszeniert. „Das geht aber schwer an der Realität vorbei“, so der Geschäftsführer von Wels Marketing & Touristik. Die gemeinsame Bedrohung liege vielmehr ganz woanders – beim boomenden Onlinehandel. Ob EKZ am Stadtrand, internationale Onlinegiganten oder auch der Bevölkerungsrückgang im ländlichen Raum – die Ortskerne vieler österreichischer Städte stehen unter Druck und müssen attraktiver, lebendiger werden. Nur wie? Was bringt Lokalpatriotismus? Einige Kommunen in Österreich und Deutschland experimentierten in den vergangenen Jahren mit lokalen Onlinemarktplätzen – also Internetportalen, auf denen nur Händler aus der Region vertreten sind. Einige setzen dabei auf professionelle Unterstützer von Anbietern wie Atalanda. „Die Digitalisierung ist ganz klar eine Chance für den lokalen Handel“, ist Steffen Hess, Leiter des Programms „Smart Rural Areas“ der deutschen Fraunhofer-Gesellschaft, überzeugt. „Wenn sich mehrere Händler zusammenschließen, schaffen sie damit mehr Aufmerksamkeit. Kunden ent decken so oft erst, was es alles gibt.“ Händler können dabei ihren Standortvorteil ausspielen und etwa Anprobe- oder Abholmöglichkeiten im Laden anbieten. Oder sie versuchen, spezifische Produkte überregional abzusetzen und auf diese Weise zusätzlichen Umsatz zu generieren. Koryphäen wie Gerrit Heinemann haben sich kritisch über den „local commerce“ geäußert, Lokalpatriotismus sei ihm zufolge kein Verkaufsargument. Hess: „Das ist schon richtig, aber regionale Qualität und gute Erreichbarkeit sind sehr wohl relevante Faktoren.“ Das größte Problem: „Vielleicht fünf Prozent der Händler verstehen, dass sie digital präsent sein müssen, und investieren auch Zeit in das Thema.“ Gerade lokale Händler 14 — September 2017

— storys Begegnungszonen können die Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Radfahrer erhöhen – und damit die Innenstadt attraktiver machen. Fotos: Shutterstock/TasfotoNL, Heiko Kueverling, Roman Babakin können rasche Zustellung anbieten. Das geht mit smarter, kombinierter Mobilität. „In einer kleinen Stadt ist immer jemand unterwegs“, so Hess. „Sei es der Bäcker oder der Lieferdienst der Apotheke. Es ist sinnvoll, diese bereits vorhandene Mobilität mitzunutzen. Das ist billiger, als einen professionellen Lieferservice zu verwenden.“ Digitale Tools können die dafür nötige Vernetzung unterstützen. Einkaufen via Chat Die Stadt Wels hat vergangenen Herbst eine App vorgestellt, die noch einen Schritt weiter geht. „Hallo Wels“ setzt auf Conversational Commerce: „Das ist keine reine Verkaufsplattform, wir spielen vielmehr die Stärke des stationären Handels aus, das heißt, wir helfen unseren Kunden beim Lösen von Problemen“, sagt Jungreithmair. Die Welser können eine Anfrage stellen (zum Beispiel „Ich suche eine passende Tasche für den Fotoapparat XY“), die Händler geben via Chat direkt eine Antwort und machen einen Lösungsvorschlag (zum Beispiel „Ich hinterlege Ihnen ein passendes Modell und Sie können es sich im Geschäft ansehen“ oder „Ich schicke es Ihnen zu“). Mehr als 100 Betriebe machen mittlerweile mit, darunter Händler, Dienstleister und Gastronomen aus der Innenstadt ebenso wie aus den Einkaufszentren. Um Filialbetriebe internationaler Ketten gehe es laut Jungreithmair jedoch nicht. Jeden Tag gebe es mindestens eine Kundenanfrage. „Bis jetzt war das eher ein Marktforschungsprojekt“, so der Stadtmarketing-Chef. „Aber die Erkenntnis ist klar: Das Lösen von Problemen kann für den lokalen Handel definitiv eine Antwort auf die Onlinekonkurrenz sein. Wir werden uns dieses Thema noch sehr intensiv anschauen.“ Sprechen Sie mit dem Arzt In Sachen Reduzierung von Leerstand war Wels zuletzt jedenfalls erfolgreich, laut Standort + Markt hat sich die Leerstandsquote innerhalb eines Jahres von mehr als 10 auf 3,6 Prozent verringert. Entscheidend dafür waren etwa Großveranstaltungen, welche die Frequenz in der Innenstadt erhöhten und das Image verbesserten, aber auch ein neues Wirtschaftsservice, das proaktiv Mieter akquiriert und jeden unterstützt, der sich ansiedeln will. „Händler haben ein Interesse daran, mit möglichst wenig Aufwand konfrontiert zu sein“, so Jungreithmair. Auch Waidhofen an der Ybbs konnte seine Innenstadt in den vergangenen Jahren erfolgreich beleben. Stephanie Schwer vom Städtebund verweist auf verschiedene Maßnahmen, die zum Erfolg beigetragen haben: So kümmerte man sich nicht nur um den Handel, sondern auch um andere Frequenzbringer, es wurde etwa aktiv der Kontakt zu Fachärzten gesucht, damit sie sich in der Innenstadt ansiedeln. Für Hausbesitzer wurden eigene Stammtische eingeführt, wo ihnen kostenlos Nutzungskonzepte für ihre Gebäude präsentiert wurden. Dadurch konnten einige von ihnen zu Investitionen motiviert werden. Durch den direkten Kontakt zum Bundesdenkmalamt wurden Lösungen für Probleme im Zusammenhang mit dem Denkmal- schutz gefunden. Freilich: „Das größte Erfolgsgeheimnis für die funktionierende Innenstadt ist die Verhinderung eines Einkaufszentrums auf der grünen Wiese im unmittelbaren Umfeld“, so Schwer. Darüber hinaus sieht die Stadtforscherin Reformbedarf bei den Bauordnungen und der Gewerbeordnung – so sollte es etwa mehr Raum für kreative, temporäre Zwischennutzungen geben. Gretchenfrage Mobilität Das „Weißbuch Innenstadt“ des Städtebundes wiederum fordert eine Reform der Gemeindefinanzierung. Damit soll die „Zersiedelung in die Fläche als einfachstes Instrument zur kurzfristigen Aufbesserung der Gemeindefinanzen“ verhindert werden. Derzeit verspricht etwa die Neuwidmung von Handels- und Gewerbeflächen Arbeitsplätze und damit Kommunalabgaben. Standortberater Lindner betont die Bedeutung des Themas Mobilität: „Wenn man am Stadtrand leichter parken kann, dann hat das eine logische Bewegung nach außen zur Folge.“ Die Raumplaner Christine Itzlinger und Robert Krasser meinten am Städtetag 2017 dazu: „Ein attraktives Ortszentrum schließt eine überwiegende Flächenbeanspruchung durch das Kfz aus.“ Mehr Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Radfahrer etwa in Form von Begegnungszonen sei notwendig, in Kombination mit zentrumsnahen Sammelparkplätzen. Fraunhofer-Forscher Hess ist noch visionärer: Er kann sich in Zukunft auch Shuttleservices mit selbstfahrenden Fahrzeugen vom Stadtrand ins Zentrum vorstellen. ▪ Gerhard Mészáros September 2017 — 15

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