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RETAIL 04/2020

Zeitschrift RETAIL Ausgabe 4/2020 vom österreichischen Handelsverband

AKTUELL DIE

AKTUELL DIE WIEDERERÖFFNUNG Händler, Einkaufsstraßen, Fachmarkt- und Shoppingcenter rüsten sich in einem bundesweiten Schulterschluss für das Ende des harten Lockdowns. 100 Shoppingcenter wollen ihre Infrastruktur für Covid-Teststraßen zur Verfügung stellen. Die Gesundheit der Konsumenten steht immer an erster Stelle. Text / Gerald Kühberger Der gesamte heimische Handel blickt dem Ende des harten Lockdowns und der Wiedereröffnung des stationären Non-Food-Handels am 7. Dezember entgegen. Die vom Finanzminister Ende November präsentierten zusätzlichen Staatshilfen für betroffene Betriebe (Umsatzersatz und Fixkostenzuschuss II) können das Schlimmste abfedern, wenngleich die Deckelung mit 800.000 Euro vielen größeren, beschäftigungsintensiven Unternehmen heftiges Kopfzerbrechen bereitet. VOM LOCKDOWN GELERNT Der Umsatz im Weihnachtsgeschäft ist entscheidend, um die Verluste aus dem Lockdown so gut es geht zu kompensieren und auch langfristig alle Arbeitsplätze erhalten zu können. Die Betriebe können viele Lernerfahrungen aus dem Frühjahr mitnehmen und haben detaillierte Hygiene- und Sicherheitskonzepte ausgearbeitet, um auch mit dem verstärkten Kundenandrang nach der Wiedereröffnung gut umgehen zu können. Oberstes Ziel ist es, die Kundenströme zu entzerren. Natürlich kam der harte Lockdown bis 6. Dezember für die Branche zur Unzeit, die Schließung fällt voll in die Sondereinkaufstage wie Black Friday und Cyber Monday sowie in das angelaufene Weihnachtsgeschäft. Umso wichtiger ist eine erfolgreiche Wiedereröffnung des Non-Food-Handels ab 7. Dezember, bei der die Gesundheit der Konsumenten absolute Priorität hat. Der stationäre Handel braucht diese Wiedereröffnung jetzt mehr denn je, um endlich wieder persönlich für seine Kunden da sein zu können. Gerade die heimischen Geschäfte bieten eine sichere Umgebung sowohl für die Konsumenten als auch für die 600.000 Beschäftigten, immerhin ist in der gesamten Branche bis dato kein einziger Corona-Cluster aufgetreten. Selbstverständlich wird sich der Handel weiterhin an alle Vorgaben der Bundesregierung zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung halten. Dazu zählen die Einhaltung des Mindestabstands, der Appell, möglichst bargeldlos zu bezahlen, die bundesweite Maskenpflicht beim Einkauf, der Einsatz von Plexi glas- Schutzwänden insbesondere im Kassenbereich, die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln im Eingangsbereich, intensivierte Reinigungsintervalle, eine regelmäßige Kommunikation über die Abstandsregeln und Maßnahmen sowie die Begrenzung der Kundenzahl in den Geschäften auf maximal einen Kunden pro 10 m 2 Verkaufsfläche. BESUCHERMANAGEMENT IST A UND O Großflächenbetriebe (u. a. Bau- & Pflanzenmärkte, Möbelhäuser, Lebensmittelgroßhandel) und Shoppingcenter können dank ihrer weitläufigen Verkaufsflächen und Besucherzählsysteme Kundenströme aktiv steuern und damit ausreichend Flächen bzw. Abstände zwischen den Konsumenten sicherstellen. Darüber hinaus haben viele Händler noch zusätzliche Konzepte entwickelt, die je nach Region und Standort umgesetzt werden. Die Sicherheitskonzepte des österreichischen Handels umfassen den gesamten Einkaufsprozess – vom Betreten des Geschäfts über den Aufenthalt bis hin zur Bezahlung im Kassenbereich, wo etwa Aufsteller und Regale entfernt werden können, um mehr Platz für den Verbraucher zu schaffen. Das A und O ist ein durchdachtes Besuchermanagement. Viele Geschäfte haben sehr gute Mittel und Werkzeuge, um die Besucherwege zu steuern und alle Sicherheitsmaßnahmen des Gesundheitsministeriums einzuhalten. Zur Vermeidung von Warteschlangen vor den Eingängen können etwa Parkplatzbereiche gesperrt werden. Des Weiteren wird zusätzliches Personal Entschädigt. Handelsunternehmen sollen zwischen 20 und 60 Prozent der Umsatzverluste ersetzt werden. bereitgestellt, um kritische Wartebereiche zu steuern. Für jene Bereiche, wo es zu Stoßzeiten mehr Zulauf geben könnte, gibt es proaktive Konzepte, um die vorgeschriebenen Abstandsregeln einhalten zu können. Vielerorts werden beispielsweise von der Öffnung bis zum Ladenschluss alle Kassen durchgängig besetzt sein, um Schlangenbildung zu vermeiden. Weitere Covid-Sicherheitsmaßnahmen umfassen spezielle Trainings für Mitarbeiter, um sie auf die Einhaltung der Hygienevorkehrungen detailliert zu schulen. Mehr als 100 heimische Shoppingcenter planen überdies, ihre Infrastruktur (insbesondere Parkflächen) für Covid- Teststraßen zur Verfügung zu stellen und damit die Massenteststrategie der Bundesregierung zu unterstützen. Einige Malls wollen ihren Kunden und Beschäftigten – in enger Abstimmung mit den Behörden und lokalen Apotheken – auch Covid-Schnelltests im Eingangsbereich anbieten. HANDEL BRAUCHT FAIRE HILFEN Der Handel hatte immer vollstes Verständnis für die verschärften Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, zumal die Infektionszahlen zuletzt besorgniserregend angestiegen sind. Kein Verständnis gibt es jedoch für Umsatzersatzquoten von lediglich 20 Prozent etwa im Elektrohandel, wenn alle anderen direkt betroffenen Branchen wie Gastronomie, Hotellerie und sogar Wettcafés im Lockdown mit 80 Prozent entschädigt werden. Entscheidend ist jetzt, dass allen betroffenen Händlern rasch und fair geholfen wird. Der Lockdown darf nicht zu einem Amazon-Förderungsprogramm werden. Fotos / Picturedesk, Unsplash, beigestellt 46 / Q4/2020

HANDEL UND WWF GEGEN ABHOLZUNG IN BRASILIEN Die exzessive Sojaproduktion bedroht den brasilianischen Savannenwald. Der Handelsverband und die führenden heimischen Lebensmittelhändler haben nun im Schulterschluss mit der Umweltschutzorganisation WWF ein Positionspapier zum Schutz der Cerrado-Region unterzeichnet. Text / Gerald Kühberger Österreichs größte Lebensmittelhändler setzen sich aktiv für einen Stopp der Entwaldung und Zerstörung der Cerrado-Savanne in Brasilien ein und unterstützen damit eine Forderung der Umweltschutzorganisation WWF. In einer gemeinsamen Deklaration haben REWE, SPAR, HOFER, Lidl Österreich, UNIMARKT, MPREIS, denn’s, Kiennast, Kastner, TransGourmet, METRO und der Handelsverband als Branchenvertretung die brasilianischen Sojahändler aufgefordert, die Entwaldung für die Sojaproduktion zu beenden. „Mit einem aggregierten Umsatz von mehr als 30 Milliarden Euro und über 120.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind die angeführten Unternehmen nicht nur ein wichtiger Teil der österreichischen Wirtschaft, sondern auch große Arbeitgeber. Gemeinsam nehmen wir un- sere Verantwortung wahr, um den artenreichsten Savannenwald des Planeten zu schützen“, erklärt Handelsverband- Geschäftsführer Rainer Will im Namen der heimischen Lebensmittelhändler das Ziel der Initiative. Auch aus großen europäischen Ländern wie Deutschland und Frankreich kommen gleichlautende Appelle. 100.000 HEKTAR JÄHRLICH GERODET Für den Sojaanbau werden im Cerrado immer mehr Flächen gerodet (etwa 100.000 Hektar jährlich), um Futtermittel für die Viehhaltung zu liefern. Fast 50 Prozent der brasilianischen Sojaproduktion stammen aus dieser Region. Soja ist für die Hälfte der Entwaldung aufgrund der Lebensmittel- und Fleischproduktion weltweit verantwortlich. Der Cerrado ist ein Savannenwald, der mit über zwei Millionen Quadratkilometern mehr als 24-mal so groß ist wie Österreich. Er beherbergt etwa fünf Prozent der biologischen Vielfalt der Erde, ist einer der wichtigsten Süßwasserlieferanten Südamerikas und bindet enorme Mengen an Kohlenstoff. Sein Erhalt ist auch für den weltweiten Klimaschutz bedeutsam. Im Laufe der letzten 40 Jahre wurde rund die Hälfte der natürlichen Vegetation in Acker- und Weideflächen umgewandelt, weitere 30 Prozent sind stark beeinträchtigt. Rinderhaltung und Sojaanbau gehören zu den Haupttreibern dieser bedrohlichen Entwicklung. Bedrohung. Der Produktion von Futtermittel fallen jährlich 100.000 Hektar des Savannenwaldes in der Cerrado- Region zum Opfer. / Q4/2020 47

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