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RETAIL 04/2020

Zeitschrift RETAIL Ausgabe 4/2020 vom österreichischen Handelsverband

ZUKUNFT VERPACKUNG NEU

ZUKUNFT VERPACKUNG NEU GEDACHT Die Anforderungen an Verpackungen steigen nicht nur mit höheren Erwartungen hinsichtlich der Nachhaltigkeit, sondern auch mit neuen Produkten und Vertriebswegen. Entscheidend ist neben Reduktion daher vor allem Innovation. Preisträchtig. Nikolas Loidolt, Christian Bachleitner- Hofmann und Moriz Lanzerstorfer sind die Gründer von temprify, dem Retail Startup des Jahres. Ihre Boxen sollen den Kühlversand revolutionieren. Text / Rainer Brunnauer-Lehner abhängt, sieht Roland Fink hier einen entscheidenden Faktor für die Verpackung der Zukunft. KLEINERE PÄCKCHEN PACKEN Der Green Deal, mit dem die EU-Kommission die Wirtschaft in Europa nachhaltiger gestalten will, setzt unter anderem auf Kreislaufwirtschaft. Ein entsprechender Aktionsplan zielt besonders auf ressourcenintensive Sektoren, zu denen die Kommission die Verpackungsindustrie zählt. Er sieht neben strengeren Anforderungen an Materialien die Verringerung des Verpackungsaufkommens vor. Händler, Logistikunternehmen und Verpackungsentwickler arbeiten schon längst an nachhaltigeren Lösungen und warten nicht auf strengere Gesetze. Dies liegt nicht nur daran, dass das Umweltbewusstsein eine immer wichtigere Rolle für Konsumenten spielt: „Verpackung ist heute schon supergünstig. Trotzdem und gerade im besonders wettbewerbsintensiven Onlinehandel ist sie weiterhin ein Kostenfaktor“, sagt Roland Fink, Gründer und Betreiber des E-Commerce-Unternehmens Niceshops. Daher erprobt die steirische Firma in Graz, wo sie die Zustellung selbst per Fahrradkurier besorgt, bereits eine verpackungsfreie Zustellung. Weil die Gestaltung von Lieferungen nicht nur vom Schutz der Produkte, sondern auch von Prozessen in der Logistik Podcast HANDELSZONE Den neuen Podcast des Handelsverbands finden Sie auf www.retail.at und bei Spotify. „Ich persönlich sehe nicht ein, warum ein Paket, das von unserem Standort in Paldau weggeht nach Wien, überhaupt verpackt werden muss“, sagt Roland Fink in der ersten Folge der „Handelszone“, dem Podcast des Handelsverbands mit Rainer Will. Dort erzählt Fink unter anderem, warum Niceshops trotz der schwierigen Rahmenbedingungen für E-Commerce in ganz Europa erfolgreich ist und wie das Unternehmen in bestimmten Bereichen sogar Amazon überflügelt. Die Österreichische Post versucht dem gerecht zu werden, indem sie beispielsweise ihre Sortieranlagen möglichst flexibel gestaltet, um auf neue Verpackungskonzepte reagieren zu können. Ein solcher Fall sind etwa Polybags, in denen Versandhäuser mittlerweile Kleidung verschicken, die jedoch anders beschaffen sind als herkömmliche Pakete aus Karton. Die Post ist mit einem stetig steigenden Paketaufkommen konfrontiert. Um gleichzeitig Nachhaltigkeit im E-Commerce fördern und Händler unterstützen zu können, verfolgt sie zwei Stoßrichtungen: „Erstens streben wir eine mehrfache Verwendung von Verpackungen an. Zweitens wollen wir Verpackung grundsätzlich reduzieren, weil viele Pakete im Grunde für ihren Inhalt zu groß sind und dann auch noch zusätzliches Füllmaterial anfällt“, erklärt Marc Sarmiento, Leiter der Forschungs- und Inno vationsabteilung der Post. In diesem Zusammenhang ist etwa 3D-Druck-Technologie interessant: „Es gibt bereits Maschinen, die Verpackungen für jedes Produkt bzw. jede Lieferung maßschneidern. Das hilft, weniger Material produzieren, transportieren und schließlich entsorgen zu müssen“, sagt Sarmiento. Bei allen Entwicklungsmöglichkeiten steht für die Post das Kundeninteresse im Mittelpunkt: „Der pünktliche und sichere Transport der Waren, die tadellos beim Empfänger ankommen müssen, muss jedenfalls gewährleistet sein“, so Sarmiento. Fotos / Severin Wurnig, Unsplash 16 / Q4/2020

Klimafaktor. Die tempriBox setzt auf einen Kühlakku und ersetzt damit CO 2 -intensives Trockeneis oder die aktive Kühlung von Zustellfahrzeugen. Das spart nicht nur Emissionen, sondern auch Geld. / Q4/2020 » Wir bieten für unsere Kühlboxen ein Mietmodell an und arbeiten an einem Pooling- System, das die Zeit für den Rückversand spart. So müssen unsere Kunden möglichst wenig Kapital in Versandtechnologie binden. « Moriz Lanzerstorfer temprify MEHR WEGE IM VERSAND Wenige Startups verkörpern das Potenzial von Innovation im Bereich der Verpackung so wie temprify. Seine tempriBox ermöglicht es, ohne aktive Kühlung oder den Einsatz von Trockeneis eine Temperatur von minus 18 Grad über 24 Stunden zu halten. Die Macher versprechen ein Einsparungspotenzial bei den operativen Kosten gegenüber aktiv gekühlten Fahrzeugen von 30 Prozent. Gegenüber der Verwendung von Trockeneis betrage das Einsparungspotenzial sogar 70 Prozent. Noch deutlicher soll sich der Vorteil bei der Klimafreundlichkeit auswirken: Da Trockeneis pures CO 2 ist, kann die tempriBox im Vergleich 90 Prozent des freigesetzten Treibhausgases einsparen. Temprify hat mit seiner Lösung für gekühlten Versand und gekühlte Zustellung den Retail Startup Award 2020 von Handelsverband und aws gewonnen. „Neben Versand und Zustellung sehen wir großes Potenzial im Einsatz unserer Technologie bei Click&Collect und Abholstationen, wo eine aktive Kühlung verglichen mit der tempriBox extrem teuer ist“, sagt Mitgründer Moriz Lanzerstorfer. Das Wiener Startup entwickelte damit nicht nur eine umweltschonendere Verpackung, sondern könnte mit seinem Konzept gleichzeitig die Möglichkeiten im Handel mit (tief)kühlbedürftigen Waren erheblich erweitern. 17

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