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LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2019 Journal 3

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LOGISTIK express 2/2019 | S44 Die EU im Handelsstreit - Tipps zum Umgang mit Strafzöllen Weltweit nehmen Handelsstreitigkeiten und protektionistische Tendenzen zu. Außenhandelsunternehmen müssen schnell auf Zusatzzölle, nicht-tarifäre Handelshemmnisse und neue Sanktionen in Lieferländern und Absatzmärkten regieren. Digitalisierung und Transparenz mildern Negativeffekte. BEITRAG: ARNE MIELKEN Die schlechten Nachrichten kommen Schlag auf Schlag: Erst verhängten die USA Strafzölle auf rund 1300 chinesische Industrie-, Medizin, Hightech- und Transportprodukte, dann erhöhte China die Zollabgaben auf diverse US-Importe. Es folgten Androhungen von Strafzöllen auf Importe aus Mexiko in die USA. Damit schließt sich der Umweg über Mexiko, um deutsche Waren zollfrei in die USA einzuführen. Die Zölle auf China-Exporte treffen Hunderte von EU-Firmen, die aus Produktionsstätten in China den US-Markt beliefern oder Teile, die in China produziert werden, in Produkte für Exporte in die USA einbauen. Produktionswerken sowie Absatzmärkte. Wie können oder sollten Unternehmen reagieren, um die finanziellen Schäden möglichst gering zu halten? Dabei geht es nicht nur um Verzollungskosten, sondern auch um sinkende Absatzmengen auf Grund der wachsenden Unsicherheit im bilateralen wie auch im Welthandel. Transparenz Es ist empfehlenswert, mit einer sorgfältigen Evaluierung des Supply Chain-Ökosystems und der Import- und Exportprozesse des Unternehmens zu beginnen. Dabei sollten folgende Fragen beantwortet werden: Die USA drohen aber auch mit Strafzöllen auf EU-Importe. Am 1. Juni 2018 wurden bereits Sonderabgaben für Stahl und Aluminium eingeführt. Die EU ihrerseits erhebt ab 22. Juni 2019 Extrazölle auf US-Produkte wie Whiskey, Erdnussbutter, Motorräder, Jeans und Tabakwaren. Der Streit über illegale Subventionen für Airbus, Boeing etc. sowie Schwarzlisten unerwünschter Firmen wie Huawei, Fedex usw. befeuern weitere Strafmaßnahmen. Der Brexit wird zusätzliche Veränderungen in der Zolllandschaft bringen, genauso wie verschärfte Sanktionen gegen Nordkorea, Venezuela, den Iran und Russland. Die Spirale von Strafzöllen, Gegenmaßnahmen und neuen Sanktionslisten dreht sich so fast im Monatstakt ständig weiter. Dazu kommt der drohende Verlust von Präferenzbehandlung in den USA für Waren beispielsweise aus Indien. • Welche Länder sind für meine Im- und Exporte relevant? • Welche Länder sind für meine Lieferanten als Lieferquellen relevant (2. Und 3. Ebene)? Welche gesetzlichen Vorgaben und Zölle betreffen diese Warenflüsse, direkt und indirekt? Was sind die Ursprungseigenschaft von Zulieferteilen und Herstellungserzeugnissen? Habe ich einen Gesamtüberblick über die Ursprungskalkulationen? Verfüge ich über eine korrekte Produktklassifizierung aller Vorprodukte und des Exportprodukts, eine Zuordnung der Exportkontroll- und Zolltarif-Nummern? Nutze ich irgendwelche Freihandelsabkommen? Verändern sich die Präferenzkalkulationen eventuell durch die neuen Schutzzölle in Lieferländern oder Absatzmärkten? Die Kollateralschäden im deutschen Außenhandel sind enorm. Betroffen sind Lieferquellen bis auf die zweite und dritte Ebene, firmeninterne Lieferungen aus ausländischen Die notwendige Transparenz in der Beschaffung, wie auch im Absatz zu erreichen, ist, insbesondere für KMU, eine große Herausforderung. Die Komplexität lässt sich

ei der Beschaffung, im Vorfeld von geplanten Strategieänderungen, die Auswirkungen auf die Ursprungskalkulationen beim Import und auf die Herstellungsprozesse sowie ggfs. den Export in die diversen Exportmärkte zu überprüfen. Die Erfassung aller Daten in einem System ermöglicht zudem eine schnelle Auswertung aller Informationen (AI = Intelligent Analytics) für eine zeitnahe Kostenkontrolle und weitere Optimierungen. Innovative Cloud-basierte Global Trade Management (GTM)-Lösungen schaffen Transparenz in Supply Chains. Mit ihnen können Firmen sämtliche Supply-Chain-Prozesse im grenzüberschreitenden Handel automatisieren – von der Beschaffung und Produktentwicklung über die Logistik und Zollabwicklung bis zur Distribution. häufig nur mit Softwarelösungen, gekoppelt mit einer aktuellen Datenbank, und einer entsprechenden Schulung der Mitarbeiter in den Griff bekommen. Die Veränderungen im Welthandel (Zolltarife, Gesetze, Währungskurse usw.) und im eigenen Unternehmen, die Einfluss auf strategische Entscheidungen haben könnten, sollten stets im Auge behalten werden. Hierfür muss abgeklärt werden: • Wer übernimmt und dokumentiert das Monitoring? • Wer veranlasst welche Maßnahmen wann (Event-Management)? • Wer kontrolliert die Umsetzung? Digitalisierung Bei den vorherrschenden volatilen Rahmenbedingungen im Außenhandel ist es wichtig, bei Veränderungen jeweils schnell einen Überblick über möglicherweise betroffene Lieferteile oder Exportprodukte zu gewinnen. Eine automatisierte Datenanalyse sollte die finanziellen Auswirkungen der Veränderungen bei Zolltarifen, aber auch Absatzmengen und Absatzprognosen zeitnah aufzeigen. So kann das Unternehmen entscheiden, ob es Lieferanten wechseln, Herstellungsprozesse und/oder Transportrouten ändern, Exporte umleiten oder vor Zollerhöhungen und bei sinkendem Absatz, Zwischenläger in den betroffenen Absatzmärkten anlegen, oder die Handelsbeziehungen mit von den USA sanktionierten Ländern oder Personen ganz einstellen möchte. Es ist empfehlenswert, insbesondere Nur eine weitgehende Digitalisierung des Supply Chain Managements versetzt Unternehmen in die Lage, dynamisch zu planen und schnell Veränderungen umzusetzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Automatisierung von Prozessen von der Exportverzollung, übers Compliance-, Lager- und Transportmanagement bis zur Importverzollung, einschließlich Absatzprognosen und Supply Chain Finance, reduziert Komplexität, verhindert Fehler, reduziert Kosten und erhöht die Profitabilität. Zusammenarbeit Die schnellen und zunehmenden Veränderungen im Unternehmensumfeld verlangen eine höhere Flexibilität und Agilität. Falls ein Lieferantenwechsel auf Grund einer Zollerhöhung notwendig war, möchte man nach Abschaffung der Schutzzölle eventuell wieder zum Originallieferanten zurückkehren. Eine Supply-Chain-Plattform- oder -Netzwerklösung versetzt ein Unternehmen in die Lage, sich zeitnah und kosteneffizient mit neuen oder alten Firmen digital und nahtlos zu vernetzen. Eine IT-gestützte, unternehmensübergreifende Zusammenarbeit birgt unumstritten hohes Rationalisierungspotenzial und hilft allen Beteiligten dieses Potenzial in der Praxis auch zu heben. Fazit: Europas Wirtschaft kann nur erfolgreich mit einem freien Warenverkehr und möglichst geringen Zöllen bleiben. Doch die Entwicklung geht in die entgegengesetzte Richtung. Außenhandelsunternehmen müssen sich darauf einstellen. Bei der Androhung von Strafzöllen müssen Firmen schnell reagieren können. Jedes Unternehmen, das über Produktionsstätten im Ausland (z.B. in China, den USA oder Mexiko) verfügt oder Komponenten zur Weiterverarbeitung zwischen mehreren Ländern transportiert, kann möglicherweise betroffen sein. In der Textil- und Hightech-Branche, aber auch in anderen Industriezweigen mit komplexen globalen Lieferketten erstreckt sich die Wertschöpfung vom Rohstoff bis zum Fertigprodukt häufig auf bis zu zehn Länder. In der Halbleiterindustrie haben einige Endprodukte – abstrakt gesprochen – bereits vier Mal die Welt umflogen, bevor sie zum Endabnehmer versandt werden. Basis für fundierte, schnelle Entscheidungen sind Digitalisierung und Transparenz. Das eine ist ohne das andere nicht möglich. Um die Auswirkungen von Zusatzzöllen und anderen Handelsbeschränkungen, aber auch daraus folgenden Absatzeinbrüchen zeitnah auf die eigenen Exporte einschätzen zu können, braucht es transparente Wertschöpfungsprozesse, KI und IT-Kompetenz. Moderne Plattformtechnologie ermöglicht eine schnelle Einbindung neuer Lieferanten und Kunden in Suppy-Chain-Ökosysteme. (AM)

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