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LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2017 Journal 1

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LE-1-2017 | S4 | LEITARTIKEL | WIRTSCHAFT + POLITIK Alternative Fakten. Oder: Was ist Wahrheit? Wird eine Lüge zur Wahrheit, wenn sie oft genug wiederholt wird? Ist die Welt sicher, wenn ich nichts darüber erfahre, dass sie unsicher ist? Gibt es Objektivität im Journalismus? Wer schon einmal von Nachrichtenwertfaktoren gehört hat, weiß, dass es keine objektiven Nachrichten gibt. Doch was ist stärker- die gefühlte Wahrheit oder Fakten? REDAKTION: ANGELIKA GABOR ANGELIKA GABOR Der Zitatgeber mag zwar nicht ideal wirken, doch seine Aussage hat erschreckende Aktualität im aktuellen Weltgeschehen: „Wenn man eine große Lüge erzählt und sie oft genug wiederholt, dann werden die Leute sie am Ende glauben“ sprach der Propagandaminister Goebbels bereits im August 1934. Was danach folgte, weiß jeder aus dem Geschichtsunterricht. Soeben wurde in den USA dafür der Ausdruck der „Alternativen Fakten“ verbreitet, der sich bei genauerem Hinsehen schon in Donald Trumps Buch „The Art of the Deal“ findet. Ich bin sehr sicher, dass auch dies in die Geschichte eingehen wird. Populisten verstehen es, dem Volk das zu erzählen, was es hören will und zu bestätigen, was es ohnehin „weiß“. Nehmen wir als Beispiel die Kriminalitätsrate und das subjektive Sicherheitsgefühl. Spricht man mit Nachbarn und Freunden, wird fast jeder sagen, dass die Kriminalität in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Das zeigt auch eine Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstitutes Imas Ende 2016. Ergebnis: 65 Prozent der 1.030 befragten Personen sagen, dass die Kriminalitätsrate „eher gestiegen“ ist – nur sieben Prozent plädieren für „eher gesunken“. Ein Blick in die derzeit verfügbare Kriminalstatistik des Bundesministeriums für Inneres aus dem Jahr 2015 zeigt, dass 517.870 Anzeigen erstattet wurden. Im Jahr 2007 (lange vor der Flüchtlingskrise, Anm.) waren es noch 592.636. Allein im Vergleich zu 2014 (527.692 Anzeigen) ist die Anzahl um 1,9 Prozent gesunken, bei gleichzeitig gestiegener Aufklärungsquote. Übrigens ist auch die Zahl der Sexualstraftaten seit Jahren nicht gestiegen. Woher kommt diese Diskrepanz? Ich behaupte, das ist ein Fluch der neuen Medien, der dieses Phänomen befeuert. Ein Posting auf Facebook oder Twitter wird millionenfach geteilt, ohne auf den Wahrheitsgehalt geprüft zu werden. Hauptsache es ist reißerisch genug und untermauert die eigene Meinung. In kürzester Zeit werden Menschen, Bevölkerungsgruppen oder ganze Völker diskreditiert und unter Generalverdacht gestellt. „Wir“ gegen „die“. Faktencheck? Fehlanzeige. Arbeitslosigkeit Die Zahl der Arbeitslosen steht im direkten Zusammenhang mit der Wirtschaft. Während die Weltbank der weltweiten Wirtschaftsleistung von 2,7 Prozent - davon in den Industrieländern 1,8 Prozent - ausgeht, rechnet das WIFO in einer Prognose vom Dezember 2016 für Österreich mit 1,5 Prozent für 2017 und 1,4 Prozent für 2018. Es stimmt: Die Arbeitslosenquote liegt laut Statistik Austria mit durchschnittlich 5,7 Prozent im Jahr 2016 höher als noch vor zwei Jahren (5,6 Prozent in 2014, Berechnung nach ILO-Konzept). Aber auch die Zahl der Beschäftigten stieg in diesem Zeitraum von 3,503 Mio. auf rund 3,587 Mio. an. Es naschen also mehr Leute vom Kuchen – dafür ist, Wirtschaftswachstum sei Dank, auch der Kuchen größer geworden. Warum haben dann so viele das Gefühl, dass die Arbeitslosigkeit extrem steigt? Übrigens liegt bei dieser Berechnungsmethode der EU-28-Schnitt bei 8,2 Prozent, wobei der Spitzenreiter Griechenland mit unglücklichen 23 Prozent Arbeitslosenquote natürlich für Verzerrungen sorgt. Wertigkeiten Wenn in meine Wohnung eingebrochen wird, interessiert mich das sehr. Betrifft es die Wohnung von Herrn X in Timbuktu, ist mir das völlig egal. Willkommen bei der angewandten

Logik der Nachrichtenwertfaktoren. In jeder Sekunde passieren auf dem gesamten Globus verteilt unzählige Dinge: Unfälle, Geburten, Überfälle, Todesfälle, Aktiengewinne und Firmenpleiten. Beispiel gefällig? Am 25. Juni 2009 starben weltweit wie jeden Tag rund 152.500 Menschen. Auf der Titelseite der Zeitungen, in Nachrichtensendungen und im Radio fand sich aber nur ein gewisser Michael Jackson wieder. Ist sein Tod wichtiger als der der restlichen 152.499? Aus der Sicht eines Journalisten ist diese Frage eindeutig mit „JA“ zu beantworten. Rund 560 Meldungen produziert alleine die Austria Presse Agentur täglich. Der Redakteur hat die Aufgabe, diese Nachrichten zu filtern und zu entscheiden, welche Meldungen es wert sind, publiziert zu werden. Hierbei entscheiden verschiedene Faktoren, wie etwa Nähe oder Bekanntheit darüber, ob eine Nachricht für den Konsumenten interessant ist. Da liegt jedoch die Krux: ein Redakteur ist auch nur ein Mensch und wählt anhand seiner persönlichen Präferenz kombiniert mit der Blattlinie. Es ist unmöglich, sämtliche Meldungen beispielsweise in einer Zeitung zu veröffentlichen. Fazit: ein Großteil des Weltgeschehens fällt unter den Tisch. Das bedeutet aber auch, dass man sich nie nur auf eine einzige Quelle verlassen sollte. Wer sein gesamtes Wissen aus der Lektüre kostenloser U-Bahn-Zeitungen oder einer Facebook-Seite bezieht und sich davon ausgehend seine Meinung bildet, ist das perfekte Opfer für Populisten und alternative Fakten. Digitalisierungsperspektiven Wir stecken mitten in der vierten industriellen Revolution, das ist eine Tatsache. Die Digitalisierung einst analoger Techniken schreitet rasant voran. Der Plan des aktuellen Bundeskanzlers, künftig jedes Kind in der fünften Schulstufe mit einem persönlichen Tablet und in der neunten Schulstufe mit einem Laptop auszustatten, ist ein Versuch, den künftigen Generationen entsprechendes Rüstzeug mitzugeben. Aufgrund der Vernetzung heutzutage kann auf Trends, Geschmäcker und die Bedürfnisse der Kunden schneller eingegangen werden, Lieferketten sind minutiös getaktet und Automatisierungen verhelfen zu enormen Effizienzsteigerungen. Moderne Roboter können längst nicht mehr nur monotone Tätigkeiten übernehmen, Spitzenmodelle ersetzen sogar schon Pflegekräfte. In modernen Supermärkten braucht man nicht mal mehr eine Kassenkraft, die Artikel können eigenständig gescannt, gewogen und bezahlt werden. So weit, so gut. Aber wie geht das weiter? Nicht jeder Mensch ist dazu berufen, Medizin zu studieren oder Informatiker zu werden. Einfache Tätigkeiten – wie sie etwa von Menschen mit geringem Bildungsstandard und Schulabbrechern ausgeführt werden – fallen weg. Jede Automatisierung bedeutet den Wegfall des Bedarfs an menschlicher Arbeitskraft. Um im Wettbewerb bestehen zu können, sind Unternehmen aber regelrecht gezwungen, im digitalen Wettrüsten mitzumischen. Hier ist die Politik dringend gefordert, Maßnahmen zu setzen, um den betroffenen Berufsgruppen, beispielsweise Kommissionierern, unter die Arme zu greifen. Andernfalls droht ein starker Anstieg der Arbeitslosigkeit – auch wenn die Wirtschaft wächst. Schlusswort Es gibt keinen Terror, wir haben Vollbeschäftigung, die Klimaschutzziele sind alle erreicht und alle faulen Kredite wurden zurückbezahlt. Wenn wir uns alle anstrengen und international miteinander, statt gegeneinander arbeiten, dann könnten mit etwas Glück auch diese alternativen Fakten eines Tages wahr werden. (AG)

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