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LOGISTIK express Journal 6/2020

LOGISTIK express

LOGISTIK express 6/2020 | S12 Der harte Lockdown – ein Amazon- Förderungsprogramm Seit 17. November befindet sich Österreich im zweiten harten Lockdown. Die von der Schließung betroffenen Non-Food Händler kritisieren die Ungleichbehandlung in puncto Umsatzersatz und erwägen Klagen beim Verfassungsgerichtshof. BEITRAG: GERALD KÜHBERGER Lockdowns zu ersetzen. Alle anderen direkt betroffenen Branchen wie die Gastronomie, der Tourismus und sogar das Glücksspiel werden hingegen mit 80 Prozent entschädigt. Genau das erwartet sich auch der Handel – in einer Phase, in der er wichtige Mehrumsätze hin zum Weihnachtsgeschäft erzielen müsste. Händler erwägen wegen Umsatzersatz Klagen beim Verfassungsgerichtshof RAINER WILL, GESCHÄFTSFÜHRER HANDELSVERBAND Die Bundesregierung hat am 14. November neue Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus bekanntgegeben. In der Covid-19- Notmaßnahmenverordnung ist u.a. eine Sperre des gesamten heimischen Non-Food Handels von 17. November bis 6. Dezember vorgesehen. Ausgenommen sind lediglich Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Drogerien und Trafiken sowie Banken und Post- Filialen. Überall, wo es möglich ist, soll zudem auf Homeoffice umgestellt werden. Die Gesundheit der Bevölkerung steht für den österreichischen Handel an höchster Stelle. Da die Covid-Infektionszahlen zuletzt besorgniserregend angestiegen sind, hat die Branche vollstes Verständnis für die verschärften Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Kein Verständnis hat der Handel jedoch für die Ankündigung, den krisengebeutelten Händlern nur zwischen 20 und 60 Prozent der Umsatzverluste während des Zwischen den betroffenen Branchen sollte kein Unterschied gemacht werden, immerhin wurde versprochen, dass niemand in dieser Krise zurückgelassen wird. Gerade jetzt, wo das Weihnachtsgeschäft richtig anläuft und die doppelten Gehälter (Weihnachtsgeld) sowie hohe Mieten anstehen, brauchen die Betriebe rasche Unterstützung, um die 490.000 Arbeitsplätze im Non-Food Handel abzusichern. Das Gegenteil scheint nun der Fall, nachdem zwar harte Maßnahmen verhängt werden, jedoch keine Sicherheit bei der Höhe der Hilfen besteht. Aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen (Gewinnspannen, verderbliche Güter, Wiederverkauf, Nachholeffekte) wird der Handel differenziert betrachtet: Ausgehend von einer 40 Prozent Basis soll es Aufstufungen bis zu 60 Prozent für Bereiche mit verderblicher und stark saisonal bedingter Ware sowie Abstufungen bis 20 Prozent für jene Bereiche geben, wo die Waren kaum Wertminderungen unterliegen. Der Handelsverband fordert stattdessen im Sinne der Fairness einen einheitlichen Umsatzersatz von 80 Prozent, also in gleicher Höhe wie für die bereits von Schließungen betroffenen Branchen. Eine ungleiche Behandlung wäre sachlich nicht gerechtfertigt. Einige Handelsunternehmen haben dem Handelsverband bereits angekündigt, Klagen beim Verfassungsgerichtshof zu erwägen.

Volles Spektrum des EU Beihilfenrahmens endlich ausschöpfen Schon seit Beginn des "Corona Lockdown light" Anfang November leidet der heimische Handel massiv, die Branche musste einen Umsatzverlust von fast 750 Millionen Euro verkraften. Die erneute Schließung des gesamten Non-Food Handels bis 6. Dezember kommt für die angeschlagenen Betriebe zur Unzeit, sie fällt voll in die Sondereinkaufstage (Black Friday, Cyber Monday) sowie in das angelaufene Weihnachtsgeschäft. Wir befinden uns im neunten Monat der Krise. Zeitgleich mit dem zweiten harten Lockdown bräuchte es jetzt Zug um Zug die Entschädigungen auf den Konten der Händler. Das volle Spektrum der EU-Hilfen muss endlich ausgeschöpft werden. Hier ist das Finanzministerium gefordert, das Mittel des Verlustausgleichs in Kombination mit den Fixkostenzuschüssen zu beantragen. Viele europäische Länder haben dies längst gemacht und ihre Unternehmen damit rasch geholfen. Non-Food Handel: 900 Mio. Euro Umsatzentfall pro Lockdown-Woche Für die gesamte Branche ist der harte Lockdown das Worst Case Szenario. November und Dezember sind die beiden umsatzstärksten, wichtigsten Monate des Geschäftsjahres. Pro Lockdown-Woche rechnet der Handelsverband im Non-Food Handel mit einem Umsatzausfall von bis zu 900 Millionen Euro. Profitieren werden in erster Linie jene internationalen Onlinehändler aus Drittstaaten, die kaum Steuern zahlen und wenig zum Gemeinwohl beitragen. Der Lockdown gleicht für die Handelsbranche einem Amazon- Förderungsprogramm. (GK) GERALD KÜHBERGER PRESSESPRECHER HANDELSVERBAND IHR STARKER PARTNER FÜR IHRE LOGISTIK Lagerprozesse gezielt optimieren - mit modularen Lösungen von manuell über teil- bis vollautomatisch ssi-schaefer.com

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