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LE-5-2020

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LOGISTIK express Ausgabe 5/2020

LOGISTIK express

LOGISTIK express 5/2020 | S6 Ein Abgesang. Dass die deutsche Einheit nun schon länger währt als die Mauer überhaupt stand, verdeutlicht uns Älteren mehr als nur das rasante Fortschreiten der Zeit. GASTBEITRAG: DANIEL MATISSEK PETER WEBER GRÜNDER HALLO MEINUNG Eine Spanne von drei Jahrzehnten müsste eigentlich - zumindest sollte man das meinen - allemal ausgereicht haben, die deutsche Teilung weitestgehend zu überwinden und uns das zurückzubringen, was den Deutschen in der Nachkriegszeit, unter zwei verfeindeten Systemen, scheinbar auf alle Ewigkeit ausgetrieben worden war: Ein gemeinsames Nationalbewusstsein, eine deutsche Identität. Tatsächlich ist die geographische Teilung der Deutschen bewältigt worden; doch an ihre Stelle trat eine neue Teilung. Denn gespalten ist dieses Land heute mehr denn je. 30 Jahre nach der feierlichen Einheitsfeier am Brandenburger Tor verläuft durch diese Gesellschaft ein weit schlimmerer Riss, als ihn Stacheldraht, Wachposten und Selbstschussanlagen je verursachen konnten. Die neue Trennung verläuft nicht mehr entlang eines Todesstreifens, sondern weltanschaulich-kulturell. Sie betrifft das Selbstverständnis der Bürger dieses Landes als Deutsche, und sie schafft ein Klima fortschreitender Feinseligkeit, Intoleranz und Verständnislosigkeit, die jedem Gemeinsinn die Basis raubt. In der Folge ist diese Gesellschaft von einem gesunden Nationalbewusstsein weiter entfernt, als sie es in den eisigsten Zeiten des Kalten Krieges je war. Wer damals im Herbst 1990 - oder kurz zuvor schon, beim identitätsstiftenden ersten gesamtdeutschen Triumph der Fußball-Weltmeisterschaft im selben Jahr - hoffnungsfroh in die Zukunft blickte und voller Optimismus die Überwindung und baldige Heilung der Trennungsschäden erwartete, hatte dabei die schrittweise Angleichung der sozialen und vor allem ökonomischen Lebensverhältnisse im Sinn. Was diese anlangt, so ist in der Tat viel erreicht worden. Kohls Vision der "blühenden Landschaften", später mit Hohn und Spott bedacht und geschmäht: Sie wurde tatsächlich, cum grano salis, weitgehende Wirklichkeit - wenn auch teuer erkauft durch Ungerechtigkeiten bei der Treuhand-"Abwicklung" des Ostens in den frühen Neunzigern sowie mit dem Ausbluten vernachlässigter strukturschwacher Regionen im Westen. Doch bei allen nach wie vor bestehenden Divergenzen zwischen Ost und West wurde, dank zwei Billionen Aufbauleistungen und Dauer-Soli, unendlich viel aufgebaut und angeglichen - zumindest materiell. Auch was das ideelle Wiederzusammenwachsen der Deutschen zu einer Nation anlangte, sah zunächst alles danach aus, als wären wir auf einem guten Weg. Der aus Groll auf den überwundenen Sozialismus gespeiste Drang der Ostdeutschen, fortan als Teil der Bundesrepublik endlich wieder zur gemeinsamer Größe, unbefangenem Nationalstolz und damit einer neuen Identität zurückzufinden, stieß zunächst auf Widerstand der - diesbezüglich von der Muttermilch an defätistisch eingestellten - westdeutschen Eliten, die auf jegliche Deutschtümelei, nationale Symbolik oder Vaterlandsliebe allergisch reagierten.

Es war dann ausgerechnet die Alterskohorte der "Millenials", der ersten gesamtdeutsch sozialisierten Generation Y, die hier die entscheidenden Hürden sprengte und schließlich ein neues, fröhliches, unaufdringliches Nationalgefühl entdeckte, über welches das Ausland ebenso überrascht war wie ihre eigenen Eltern und Großeltern. Zum ersten Mal - und dann auch gleich mit kulturdominanter Sendungskraft – brach sich dieses neue Selbstbewusstsein der Deutschen beim "Sommermärchen" 2006 Bahn. Es war kein Zufall, dass es - wie schon 1954 und 1990 - eine Fussball-WM war, die wie ein Katalysator wirkte, quasi als volkspsychologisches Befreiungsmoment, und eine weit über den Sport hinausgehende ansteckende Dynamik entfaltete. Das „Wir sind Deutschland“-Feeling brachte uns in gesunder Form ein Stück dessen zurück, was der Nationalsozialismus - wie es schien, für immer und unwiederbringlich - deformiert und zerstört hatte: Ein gesundes, unbelastetes Gemeinschaftsgefühl, ein unbefangenes Verhältnis der Deutschen zu sich selbst. 1990 noch (bei der eigentlichen Einheitsfeier) eher verschämt rezipiert, war Schwarz-Rot-Gold Mitte der Nullerjahre plötzlich sexy und hip wie nie; das sorglose Spiel der Jüngeren mit der Trikolore der deutschen Demokratie, ob nun als Fanschminke auf strahlenden Teeniewangen oder als Fahnenmeer beim Public Viewing, zeigte: Das vereinte Deutschland war endlich bei sich selbst angekommen. Selbst ewiggestrige Linke, die als Party-Pooper versuchten die Stimmung madig zu machen und das neue Wir-Gefühl als einen Rückfall in den Nationalismus torpedieren wollten, fanden kein Gehör mehr. Dies waren wahrlich glückliche Jahre; die Zukunft des Landes schien golden. Dann aber setzte das ein, was in den Geschichtsbüchern vermutlich einst als "BleierneZeit der Merkel-Ära" beschrieben werden wird: Binnen weniger Jahre blieb praktisch nichts übrig von der Ausgelassenheit und Zuversicht des damals wirklich bunten, ebenso "weltoffenen" wie "freien" Deutschland, das die WM-Devise "Die Welt zu Gast bei Freunden" wahrhaftig gelebt und gefühlt hatte: Zuerst wurde die Weltoffenheit pervertiert, dann die Freiheit. Mit dem Einzug der Hypermoral, eines neuen linken Jakobinertums und eines penetranten Sendungsbewusstseins setzte eine Re-Ideologisierung der Politik nach innen wie außen ein, die alle vorherigen Freiräume konsequent einzuengen begann: Freiräume des Wählbaren, des Sagbaren und schließlich des Denkbaren. Worte werden seither pausenlos mit neuen Inhalten gefüllt, eine verschärfte Political Correctness 2.0 sorgt für ein ubiquitäres Minenfeld des "Toxischen", das heute schließlich überall mit Gruben und Fallstricken lauert Gastfreundschaft, Ausländerfreundlichkeit, Weltoffenheit fanden ihre Selbstkarikierung in dem Wahn, "obergrenzenfrei" buchstäblichen jeden auf einseitiges Verlangen unter rechts- missbräuchlicher Aufweichung des Asylrechts ins Land lassen zu müssen. Konservative Überzeugungen (vor allem die Einsicht in die stete Gültigkeit der Jellinek'schen Drei-Elemente-Lehre des Dreiklangs Staatsvolk - Staatsgebiet - Staatsgewalt als für jede Nation elementare Grundvoraussetzung) wurden binnen weniger Jahre nicht nur in Frage gestellt, sondern ihre Anhänger – als Ergebnis einer beispiellosen Begriffsverschiebung, ins "rechte" oder gar "rechtsextreme" Lager gerückt. Die anhaltende Pejorisierung des Substantivs "Volk" mit all seinen Ableitungen sorgte hochwirksam dafür, dass bei diesem Wort die meisten inzwischen ebenso zusammenzucken wie bei der Vokabel „deutsch“.Angela Merkel hat als Kanzlerin dazu auf praktisch allen Ebenen beigetragen. Es ist kein Zufall, dass während ihrer Regentschaft im Innenhof des Reichstags der "künstlerische" Sinnspruch "Der Bevölkerung" erstrahlte -in ostentativer Abgrenzung zur Inschrift " Dem Deutschen Volke" (über dessen Beseitigung, ebenso bezeichnend, ernsthaft debattiert wird).

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