LOGISTIK-EXPRESS T&L 3/26 | S26 4. Inwiefern helfen die vom VNL organisierten Veranstaltungen und Seminare dabei, aktuelle Herausforderungen in der Logistik praxisnah zu adressieren und Lösungsansätze zu entwickeln? Unsere Veranstaltungen und Seminare funktionieren deshalb gut, weil sie nicht bei Schlagworten stehen bleiben. Wir holen Themen wie KI, Robotics, Beschaffung, Bestandsmanagement, Transport, ESG, E-Trucking oder Risikomanagement in einen konkreten Unternehmenskontext. In den Fachveranstaltungen sieht man Best Practices, hört aber auch offen, wo Umsetzung schwierig ist. In den Seminaren geht es dann um Werkzeuge, Methoden und Entscheidungen, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Betrieb einsetzen können. Gerade für KMU ist dieser Praxisbezug wichtig, weil sie keine Zeit für abstrakte Zukunftsdebatten haben. Sie brauchen klare Prioritäten: Was ist dringend, was bringt messbaren Nutzen und womit fange ich am Montag an? Der VNL schafft dafür den Raum - in großer Runde, im kleinen Kreis und in geschlossenen Expert:innenrunden. So werden Herausforderungen nicht nur beschrieben, sondern in lösbare Arbeitspakete übersetzt. 5. Wie trägt die Zusammenarbeit mit Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Technologiezentren im VNL dazu bei, zukunftsfähige Logistiklösungen für KMU und EPUs zu schaffen? Die Zusammenarbeit mit Forschung, Bildungseinrichtungen und Technologiezentren ist ein Kern des VNL. Wir bringen wissenschaftliche Tiefe mit der Erfahrung aus dem Betrieb zusammen. Gerade KMU und EPUs profitieren davon, weil sie nicht jedes Thema selbst erforschen oder jeden Technologietrend selbst bewerten können. Projekte zu resilienten Lieferketten, KI in der Logistik oder Risikotransparenz zeigen, wie wichtig diese Übersetzung ist. Eine gute Lösung muss fachlich fundiert sein, aber sie muss auch in einem kleinen oder mittleren Unternehmen anwendbar bleiben. Das bedeutet: verständliche Methoden, passende Werkzeuge, realistische Kosten und klare Umsetzungsschritte. Bildungseinrichtungen liefern außerdem die Talente, die wir für die Transformation der Logistik dringend brauchen. Wenn Forschung, Ausbildung und Unternehmenspraxis zusammenarbeiten, entstehen Lösungen, die nicht nur modern klingen, sondern im Betrieb Wirkung zeigen. 6. Welche Trends und Entwicklungen in der Logistik sehen Sie als besonders relevant für die kommenden Jahre, insbesondere für kleinere Unternehmen? Für die kommenden Jahre sehe ich fünf Themen besonders stark. Erstens wird Resilienz zum normalen Bestandteil jeder Logistikentscheidung, nicht nur zur Krisenreaktion. Zweitens wird KI viele Planungs-, Prognose- und Steuerungsaufgaben verändern, aber nur dort Nutzen stiften, wo Daten, Prozesse und Verantwortlichkeiten sauber sind. Drittens wird Transparenz in Lieferketten wichtiger, sei es wegen Risiko, Nachhaltigkeit, Compliance oder Kundenanforderungen. Viertens werden Automatisierung und Robotics auch für kleinere Unternehmen interessanter, wenn Lösungen modularer und leichter integrierbar werden. Fünftens bleibt der Faktor Mensch nach wie vor entscheidend: Qualifikation, Erfahrung und Führung sind durch Technologie nicht ersetzbar. Für kleinere Unternehmen wird entscheidend sein, nicht jedem Trend nachzulaufen, sondern die zwei oder drei
Hebel zu finden, die im eigenen Geschäftsmodell wirklich Wirkung erzeugen. Genau hier kann ein Netzwerk helfen, weil es Orientierung aus der Praxis liefert. 7. Wie kann das VNL-Netzwerk dazu beitragen, die Versorgungssicherheit in Österreich auch in Krisenzeiten zu gewährleisten? Versorgungssicherheit entsteht nicht erst in der Krise, sondern lange davor. Sie braucht Transparenz über kritische Lieferanten, realistische Alternativen, belastbare Transportketten und Menschen, die im Ernstfall schnell entscheiden können. Das VNL-Netzwerk kann hier auf mehreren Ebenen beitragen. Wir schaffen Bewusstsein, bringen Entscheidungsträger:innen zusammen und machen gute Lösungen sichtbar. Über Projekte, Veranstaltungen und Arbeitskreise können Unternehmen voneinander lernen, wie sie Risiken erkennen, Lieferketten diversifizieren und digitale Frühwarnsysteme nutzen. Besonders wichtig ist, dass Versorgungssicherheit nicht als Gegensatz zu Wirtschaftlichkeit verstanden wird. Eine resiliente Supply Chain kostet Geld, aber ein Stillstand kostet meist deutlich mehr. Österreich braucht deshalb nicht weniger Logistik, sondern bessere, transparentere und stärker vernetzte Logistik. 8. Welche Bedeutung hat die internationale Vernetzung des VNL, etwa über die European Logistics Association, für KMU und EPUs? Die internationale Vernetzung ist für österreichische Unternehmen ein echter Hebel. Viele Risiken und Chancen enden nicht an der Staatsgrenze: Rohstoffe, Energie, Häfen, Handelsrouten, Regulierung und Technologie entwickeln sich europäisch bzw. global. Der VNL ist Networker des VNL: Hubert Zajicek, Franz Staberhofer, Peter Umundum (c) VNL Zusätzlich sind wir, mit dem WIFO, der FH OÖ und dem CSH, Gründungsmitglied des ASCII, dem Supply Chain Intelligence Institute Austria, der zentralen Forschungseinrichtung für Lieferketten- und Produktionsnetzwerke in Österreich. Es wurde mit dem Ziel gegründet, Stakeholder aus Wirtschaft, inklusive Politik und Gesellschaft daten- und evidenzbasiert zu unterstützen und resiliente, nachhaltige und zukunftsfähige Lieferketten zu gestalten.
Gerhard Schauperl, Geschäftsführe
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