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LE-3-2026-Journal-I&E

LOGISTIK express Journal 3-2026 Intralogistik & E-Commerce

LOGISTIK-EXPRESS I&E

LOGISTIK-EXPRESS I&E 3/26 | S54 Produktivität muss heutzutage als Gesamtsystem gedacht werden Steigende Kosten, volatile Märkte, Fachkräftemangel und wachsende Komplexität setzen Industrieunternehmen zunehmend unter Druck. Klassische Effizienzprogramme stoßen dabei immer häufiger an ihre Grenzen. Produktivität galt lange Zeit als klassisches Optimierungsthema der operativen Ebene. Prozesse wurden analysiert, Verschwendungen reduziert und Kennzahlen verbessert. Doch die Rahmenbedingungen industrieller Wertschöpfung haben sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Volatile Märkte, instabile Lieferketten, steigende Energie- und Materialkosten sowie der Fachkräftemangel führen dazu, dass Produktions- und Logistiksysteme zunehmend unter Druck geraten. Gleichzeitig wächst die Komplexität der Unternehmen durch Digitalisierung, Nachhaltigkeitsanforderungen und neue regulatorische Vorgaben. Nachhaltige Produktivitätssteigerungen entstehen heute nicht mehr nur durch isolierte Maßnahmen, sondern durch ein ganzheitliches Verständnis von Produktions- und Logistiksystemen, klare strategische Zielbilder sowie integrierte Transformationsprogramme. Vor diesem Hintergrund wird deutlich: Produktivität lässt sich heute nicht mehr nur isoliert in einzelnen Bereichen steigern. Sie wird zu einer strategischen Führungsaufgabe, die das gesamte industrielle Wertschöpfungssystem betrifft. Zwischen Volatilität und Kostensteigerungen Mehrere Faktoren wirken derzeit gleichzeitig auf die Produktivität von Industrieunternehmen ein. Ein zentraler Treiber ist die zunehmende Volatilität der Nachfrage. In vielen Branchen schwankt der Auftragseingang deutlich stärker als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig bleiben Fixkostenstrukturen bestehen, wodurch Unternehmen weniger flexibel auf Marktschwankungen reagieren können. Hinzu kommen anhaltende Störungen in globalen Lieferketten. Fehlteile, Verzögerungen im internationalen Transport oder eingeschränkte Verfügbarkeiten einzelner Komponenten können dazu führen, dass selbst gut geplante Produktionsabläufe ins Stocken geraten. THOMAS JURGELEIT Parallel dazu verschärfen strukturelle Kostenfaktoren die Situation. Steigende Energie- und Materialpreise wirken sich unmittelbar auf die Produktionskosten aus. Gleichzeitig erschwert der Fachkräftemangel in vielen Industriebereichen die Aufrechterhaltung stabiler Produktionsprozesse. Zusätzlich stehen Unternehmen vor umfangreichen Transformationsaufgaben. Digitalisierung, der Einsatz von Datenplattformen und künstlicher Intelligenz sowie neue

Nachhaltigkeitsanforderungen erfordern Investitionen und organisatorische Veränderungen. Diese Entwicklungen binden Ressourcen und erhöhen die Komplexität in den Unternehmen weiter. Warum klassische Effizienzprogramme häufig scheitern Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren zwar umfangreiche Effizienzprogramme umgesetzt, doch bleiben die Ergebnisse häufig hinter den Erwartungen zurück. Ein wesentlicher Grund liegt darin, dass Maßnahmen oft nur lokal wirken. Verbesserungen werden beispielsweise in einzelnen Abteilungen oder Prozessen umgesetzt, ohne den gesamten Wertschöpfungsprozess zu betrachten. Dadurch entstehen lokale Optimierungen, die an anderer Stelle im System wieder verloren gehen. Ein typisches Beispiel ist die Reduzierung von Lagerbeständen. Kurzfristig lassen sich dadurch Kosten senken. Gleichzeitig kann jedoch die Lieferfähigkeit sinken, wenn benötigte Teile nicht rechtzeitig verfügbar sind. Das Gesamtsystem wird dadurch unter Umständen sogar weniger leistungsfähig. DR. JÖRG PIRRON

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