LOGISTIK-EXPRESS I&E 3/26 | S34 Report: Deutsche Firmen verschwinden nach Osteuropa und Asien United Interim Wirtschaftsreport 2026: Produktion wandert zunehmend ins Ausland - führende Interim Manager erklären die Hintergründe und Herausforderungen. Eine anhaltende Abwanderungswelle der deutschen Industrie stellt der Wirtschaftsreport 2026 fest, den die Management-Community United Interim (www.unitedinterim.com) herausgegeben hat. „Osteuropa oder Asien ist die primäre Frage bei vielen Industrieunternehmen, wenn es um Produktionsverlagerungen geht“, sagen die beiden Interim Manager Dr. Sven Mues und Friedhelm Best. Die beiden haben den Report gemeinsam mit ihren Kollegen Ulvi Aydin, Jan Beutnagel, Ulf Camehn, Christian Florschütz, Eckhart Hilgenstock, Christian Jung, Jane Enny van Lambalgen, Ulrich Schmidt, Klaus-Peter Stöppler, Roland Streibich, Paul Stricker und Dr. Andreas Vieweg verfasst. „Dem Report liegt eine Umfrage unter 550 Interim Managern zugrunde“, erläutert Studienleiter Dr. Harald Schönfeld. Starker Trend zur Verlagerung nach Osteuropa Beinahe die Hälfte der Befragten (48 Prozent) spricht von einem starken Trend zur Verlagerung von Fertigungsstätten nach Osteuropa. „Am beliebtesten sind Polen, Ungarn, Rumänien und Tschechien“, weiß Dr. Sven Mues zu berichten, der regelmäßig mit derartigen Projekten befasst ist. Diese Einschätzung teilen auch viele seiner 550 Kollegen. Deutlich mehr als ein Drittel (37 Prozent) erwartet eine weitere Umsiedlungsbewegung von Deutschland nach Rumänien. Beinahe ein Drittel (32 Prozent; Mehrfachnennungen waren erwünscht) sagt Werksverlagerungen nach Polen voraus. 29 Prozent sehen Ungarn in einer bevorzugten Position. Ein Viertel stuft Tschechien als beliebtes Zielland ein. Dr. Sven Mues nennt die Gründe: „Die Unternehmen profitieren dort von deutlich geringeren Lohnkosten, niedrigeren regulatorischen Belastungen und einer insgesamt investitionsfreundlicheren Industriepolitik. Gleichzeitig bieten Länder wie Polen, Rumänien, Ungarn und Tschechien gut ausgebaute industrielle Infrastrukturen, qualifizierte Arbeitskräfte und eine enge Anbindung an die europäischen Absatzmärkte.“ Er spricht von einer Kombination aus Kostenvorteilen, höherer Flexibilität und stabileren Produktionsbedingungen.
Verlagerung nach Asien: China, Indien, Vietnam Viele Unternehmen zieht es allerdings in die weitere Ferne. An erster Stelle steht dabei Asien, wissen 40 Prozent der kontaktierten Interim Manager. Als die wichtigsten Länder für Produktionsverlagerungen stufen sie China (44 Prozent), Indien (43 Prozent) und Vietnam (35 Prozent) ein. Weniger gefragt sind Singapur (7 Prozent) und Japan (6 Prozent). „Die Verlagerung von Produktionskapazitäten nach Asien bietet deutschen Unternehmen handfeste Vorteile“, erklärt Friedhelm Best, der seit Jahrzehnten westliche Firmen in Asien aufbaut und betreut. Er zählt auf: deutlich niedrigere Lohnkosten, je nach Land bis zu 70 Prozent unter deutschem Niveau, geringere Produktions- und Energiekosten sowie häufig staatliche Förderprogramme und Steueranreize. Als weiteren Vorteil nennt er die Nähe zu schnell wachsenden Absatzmärkten - Asien steht für über die Hälfte des globalen Wirtschaftswachstums - was Transportkosten reduziert und Markteintrittsbarrieren senkt. Friedhelm Best weiter: „Gleichzeitig profitieren die Unternehmen von hochentwickelten industriellen Clustern, etwa in China, Vietnam oder Südkorea, die eingespielte Lieferketten, spezialisierte Zulieferer und kürzere Innovationszyklen ermöglichen. Auch Skaleneffekte lassen sich durch große Produktionsvolumina leichter realisieren. In Summe verbessert die Verlagerung die Wettbewerbsfähigkeit, erhöht Margen und beschleunigt die Reaktionsfähigkeit auf globale Nachfrageverschiebungen.“ USA: eines der innovativsten Länder Neben Osteuropa und Asien spielen auch die USA durchaus eine Rolle beim Thema Werksverlagerungen. 22 Prozent der Interim Manager halten die Vereinigten Staaten von Amerika für ein lohnendes Zielland für Produktionsstätten. Ulvi Aydin erläutert: „Völlig losgelöst von der aktuellen US-Politik sind und bleiben die USA eines der innovativsten Länder der Welt, insbesondere bei der Digitalisierung und modernen Ausprägungen davon, wie Künstlicher Intelligenz. Wer dorthin geht, profitiert von diesem Umfeld. Zudem bietet das Land einen weitgehend einheitlichen Absatzmarkt und nicht zuletzt gibt es interessante steuerliche Anreize.“ „In einer digital getriebenen Welt lohnt sich der Blick in die USA immer, um technologische Entwicklungen frühzeitig zu entdecken“, meint Klaus-Peter Stöppler. Er verweist exemplarisch auf den Bau- und Immobiliensektor mit Innovationen wie 3D-Druck von Gebäuden, Drohnen zur Baustellenüberwachung, automatisiertem Bricklaying, Modular/Prefabricated Construction, Augmented und Virtual Reality für Planung und Training, Digital Twins und Building Information Modeling (BIM). „Alle diese Technologien lassen sich auch in Deutschland nutzen“, sagt Klaus-Peter Stöppler. Abhängigkeiten reduzieren ist am wichtigsten Unabhängig von konkreten Standorten rät Jane Enny van Lambalgen zum verstärkten Local Sourcing. Sie sagt: „Unternehmen sollten interkontinentale Dependenzen so weit wie möglich abbauen, um sich vor Lieferengpässen durch Geopolitik, Zöllen oder ähnlichen kaum vorhersehbaren Entwicklungen zu schützen.“ Sie empfiehlt daher allen Industrieunternehmen, ihre Lieferketten regionaler aufzustellen. Re-Regionalisierungen erfordern enorme strategische Investitionen, stellt Christian Jung fest. Schätzungen gehen von über zwei Prozent des Jahresumsatzes aus, die Firmen mit globalen Lieferketten mobilisieren müssen, um interkontinentale Abhängigkeiten abzubauen oder substanziell zu verringern. „Aber der Schritt lohnt sich“, stellt Jan Beutnagel klar, „denn nur
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