LOGISTIK-EXPRESS I&E 3/26 | S14 Shein eröffnete im Dezember 2025 bei Breslau (Polen) ein 740.000 m2 großes Logistikzentrum - eines der größten E-Commerce-Lager Europas. Das Zentrum ist mit vollautomatisierten Picksystemen und Sortierlinien ausgestattet und soll über 100 Millionen europäische Kunden beliefern. AliExpress hat zehn Warehouses in Spanien, Großbritannien, Frankreich, Polen und Deutschland akquiriert. Temu setzt auf Partnerschaften mit bestehenden Lagerdienstleistern in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und den Niederlanden. Großbritannien). Mit über 100.000 Produkten von Marken wie Apple, Bosch, Sony und Same- Day Delivery als kostenlosem Standard positioniert sich Joybuy als ernsthafte Alternative zu Amazon. Bereits in der zweiten Hälfte 2026 wird die Plattform für externe Verkäufer geöffnet - der Wandel vom Retailer zum vollwertigen Marktplatz. AliExpress betreibt seinen Marktplatz seit Jahren und hat mit "Local+" Mitte 2025 einen eigenen Logistikservice für europäische Seller gelauncht - mit zehn Lagerhäusern in Spanien, Großbritannien, Frankreich, Polen und Deutschland. Shein - ursprünglich reiner Direktimporteur - eröffnete seinen Marktplatz für europäische Händler und treibt die Lokalisierung ebenfalls massiv voran. 2. Fulfillment: Die Logistik-Offensive Das zweite Standbein: der Aufbau eigener Fulfillment-Kapazitäten in Europa. JD.com verfügt über mehr als 100 Übersee- Lager weltweit, davon signifikant in Europa, mit über 1 Million m2 Fläche. Das Logistikzentrum in Oberhausen umfasst 90.000 m2, hinzu kommen 30 Fulfillment-Center über die wichtigsten europäischen Märkte verteilt. JD.com hat von Anfang an auf eigene Infrastruktur gesetzt - das Full-Stack-Modell. Cainiao (Alibaba-Logistikarm) betreibt über 40 Übersee-Lager in 18 Ländern und betreibt für AliExpress zehn Warehouses in Spanien, Großbritannien, Frankreich, Polen und Deutschland Übrigens - 2025 gab Cainiao jedoch Pläne zur Expansion am zentralen Importflughafen Lüttich auf (mehr als 1 Mrd. Sendungen/Jahr 2025), ein Indiz dafür, dass der reine Cross-Border-Hub nicht mehr das Zukunftsmodell ist und Kapazitäten nun stärker in inner-europäische Strukturen verlagert werden. 3. Zustellung: Die Eroberung der letzten Meile - Das dritte Standbein: die Kontrolle über die letzte Meile. JD.com hat mit JoyExpress im Februar 2026 seinen eigenen europäischen Express-Lieferdienst gelauncht. Über 60 Lager und Depots in ganz Europa, eine eigene Flotte aus Lkw, Transportern und E-Lastenrädern, Zustellung durch eigene Mitarbeiter in einheitlicher Kleidung. In Deutschland aktiv in Berlin, Köln, Düsseldorf, Großraum Frankfurt und Teilen Baden- Württembergs - mit über 20.000 Abholstationen und 100 Paketautomaten. AliExpress betreibt ein dichtes Netz von Paketautomaten in ganz Europa - in Deutschland allein über 15.000 Standorte in Kooperation mit DHL, Hermes und anderen Partnern. In Polen arbeitet AliExpress mit InPost zusammen, das über 22.000 Paketautomaten landesweit betreibt. In Spanien und Frankreich sind es tausende weitere Standorte.
Temu verfolgt das Partnerschaftsmodell: keine eigene Flotte, sondern Nutzung bestehender Netze - in Deutschland mit der Mail Alliance (einem Verbund etablierter Zustelldienste), in Frankreich mit La Poste (über 17.000 Abholstationen), in Spanien mit Correos, in Benelux mit bpostgroup (Zugang zu deren Paketautomatenund Abholnetz), in Österreich mit der Österreichischen Post. Die kollaborative Logik chinesischer Player Ein zentraler Punkt, der häufig übersehen wird: Chinesische Player kooperieren am Ende immer miteinander, sobald Skaleneffekte erreichbar sind. In China betreiben Cainiao, JD Logistics und SF Express gemeinsam genutzte Hub- Strukturen - nicht aus Idealismus, sondern aus Effizienz. Die großen Volumina machen getrennte Infrastrukturen unwirtschaftlich. Deutschland als Blaupause: Das JD.com-Ökosystem In Deutschland zeigt JD.com, wie die Vollintegration aussieht: Joybuy als Marktplatz, JoyExpress als eigene Last Mile, eigene Lager (u.a. 90.000 m2 in Oberhausen) und die spektakuläre Übernahme der Ceconomy AG (Media- Markt/Saturn) für 2,2 Milliarden Euro. Die Vision: Online-Bestellung am gleichen Tag geliefert oder in der Filiale abgeholt - alles aus einer Hand. Sollte die EU-Kommission die Übernahme genehmigen (Entscheidung bis 2. Oktober 2026), entsteht ein vollwertiger Konkurrent zu Amazon - mit Innenstadt-Präsenz, die Amazon so nicht hat. Fokus Österreich: Temu Österreich ist für Temu ein strategischer Markt - aber einer, der aufgrund seiner Größe (9 Mio. Einwohner) stufenweise erschlossen wird. Die Strategie folgt exakt dem Amazon-Playbook, aber mit einem ressourcenschonenden Einstieg. Die erste Phase - Marktplatz plus Zustellung - ist aktiv Seit September 2025 ist das Local Seller Program in Österreich aktiv. Österreichische Händler können ihre Produkte auf Temu listen und an Kunden mit österreichischer Lieferadresse verkaufen. Die Österreichische Post ist der strategische Partner für die Zustellung - eine Kooperation seit 2023, ausgebaut im November 2025. Die Post übernimmt die letzte Meile, Temu liefert den Marktplatz und die Bestellabwicklung. Die Händler müssen jedoch selbst lagern und kommissionieren. Die Marktposition ist beachtlich: Temu hat in Österreich bereits Platz 2 unter den E-Commerce-Plattformen erreicht - noch vor Zalando (5,5 %), eBay (4,5 %) und Otto (3 %).
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