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LE-3-2022

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LOGISTIK express Journal 3/2022

LOGISTIK express

LOGISTIK express 3/2022 | S66 TRANSPORT & LOGISTIK Alexander Friesz: Politik verhindert Alternativen Österreichs Speditionswirtschaft ist auf das Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2035 nicht gut zu sprechen. Dabei ist gerade der Lkw ein wichtiger Hebel zur Erreichung der Klimaziele. Alexander Friesz, Präsident des Zentralverbandes Spedition & Logistik, im Gespräch mit Logistik Express. TEXT: REDAKTION Herr Friesz, in Österreich wird derzeit ein Masterplan für den Güterverkehr erarbeitet. Was erwartet sich die Speditionswirtschaft von diesem Plan und wie soll damit die politisch vielbeschworene Dekarbonisierung des Güterverkehrs erreicht werden? Alexander Friesz: Der Masterplan sollte zum Ziel haben verkehrsträgerneutral den Transformationsprozess in Richtung Zero-Emission aufzusetzen. Seit Beginn dieser Regierung drängen wir Verkehrsministerin Gewessler auf einen, mit uns abgestimmten, möglichst konkreten Maßnahmenplan zur Dekarbonisierung des Güterverkehrs, Ergebnisse gibt es noch keine. Deutschland ist bei den geplanten Maßnahmen schon viel konkreter und auch wesentlich technologieoffener. Ohne Lkw wird es auch im klimaneutralen Österreich wie es ab 2040 sein soll nicht gehen. Für welche Antriebstechnologien setzt sich Ihre Branche ein mit welchen Forderungen an die Hersteller und die Politik? Friesz: Solange die Politik alle Alternativen verhindert, stellt uns das vom EU-Parlament am 8. Juni 2022 beschlossene Verbot für den Verkauf von Verbrennungsmotoren ab 2035 vor unlösbare Probleme. Der Straßengüterverkehr ist ein wesentlicher Hebel zur Erreichung der EU-Klimaziele. Wir wissen das und treten seit langem nachdrücklich für die Umsetzung entsprechender Maßnahmen ein. Wenn die Politik aber weder den Einsatz von e-Fuels noch von Wasserstoff noch von energie-effizienten Lkw ermöglicht, werden Warenverkehr und Güterversorgung in ihren Grundzügen gefährdet, da die Alternativen fehlen. Welche politische Unterstützung erwartet Sie sich bei ihrer Bereitschaft in emissionsarme Fuhrparks zu investieren? Friesz: Wir wünschen uns eine technologieoffene Förderung der Zero-Emission-Antriebslösungen Wasserstoff und Batterie, da die Investitionskosten im Vergleich zum fossilen Antrieb mindestens den 3,5-fachen Steigerungsfaktor aufweisen. Für eine Übergangszeit wäre es, auch wenn das EU-Parlaments jetzt dagegen gestimmt hat, sinnvoll Brückentechnologien wie E-Fuels ebenfalls in die Förderplanung aufzunehmen, um bereits heute Emissionseinsparungen zu erzielen. Die kürzlich – spät aber doch – präsentierte Wasserstoff-Strategie für Österreich begrüßen wir grundsätzlich. An vielen Ecken und Enden fehlt es aber an Konkretem. So muss sowohl der Wasserstoff für den Schwerverkehr aktiv gefördert als auch die Errichtung von Lade- und Produktions-Infrastruktur massiv vorangetrieben werden. Bei der Förderung geht es zudem um eine Gleichbehandlung aller alternativen Antriebsformen. Bei der E-Mobilität gibt es keine Auflagen, wo der Strom herkommt. Bei Wasserstoff soll nur die Verwendung von neuem, zusätzlich gewonnenem erneuerbarem Wasserstoff förderbar werden. Das ist eine klare Ungleichbehandlung. Technologieneutralität, wie von uns und auch von der EU-Kommission eingefordert, um die Ziele erreichen zu können, sieht anders aus. Nicht nachvollziehbar ist für uns auch die Industrielastigkeit der österreichischen H2-Strate-

gie, die damit ausgerechnet den alternativlosen Güterverkehr so gut wie unbeachtet lässt. Unsere Unternehmen investieren Millionen in Klimaschutzmaßnahmen und werden dabei von der Politik in jeder Hinsicht alleingelassen. Zu unterstützen sind Anzeichen, dass die EU-Kommission im Rahmen ihrer Klimaschutzpolitik auch auf längere und schwerere Lkw setzen will. Die Kommission hat damit die Diskussion über längere Lkw und über den Nutzen aerodynamischer Verbesserungen an den Fahrzeugen zumindest neu eröffnet. Europäische Modulare Systeme (EMS) mit Fahrzeugkombinationen von 25,25 Metern Länge sollen demnach grenzüberschreitend fahren und Gewichte und Höchstmaße auf die in der EU am häufigsten zugelassenen Werte angehoben werden. Anreize oder Vorschriften für aerodynamische Änderungen, Länge, Gewicht, Achslast und Ladekapazität sollten jedenfalls für emissionsfreie Lkw angepasst werden. Auch mehr Lkw Ladekapazität im intermodalen Verkehr ist ein Thema. Sinnvolle und richtig umgesetzte Vorgaben bei Aerodynamik, Länge und Volumen können den Verbrauch und damit die Emissionen um bis zu 30 Prozent reduzieren. Dazu müsste aber auch Österreich endlich von seinem besonders restriktiven Kurs abgehen. Die steigenden Energie- und Treibstoffkosten bringen die Logistikwirtschaft unter Druck. Mit welchen Entlastungen sollte die Politik dem Transportsektor entgegenzukommen? Friesz: Die steigenden Energie- und Treibstoffkosten treffen unsere Branche naturgemäß besonders hart. Die Senkung der Mineralölsteuer (MöST), das Aussetzen der CO2-Bepreisung ab Juli und die Einführung eines Gewerbediesels wurden vom Zentralverband bereits öffentlich gefordert. Zummindest bei der CO2-Bepreisung haben wir uns durchgesetzt. Diese wird erst einmal auf Oktober verschoben. Entlastungen im Energiebereich helfen den Konsumenten, ja der gesamten Wirtschaft und wirken der massiv steigenden Inflation entgegen. Alle reden von grüner Logistik und erwarten, dass die Logistik-Branche hier mit Super-Lösungen aufwartet. Sollte nicht jeder Bürger mehr Bewusstsein für grüne Logistik entwickeln, weil er es ist, der mit seiner Konsumnachfrage mehr Güterverkehr „erzeugt“? Friesz: Das Konsumentenverhalten führt derzeit dazu, dass in immer kürzen Bestellrhythmen immer kleiner werdende Warenmengen transportiert werden. Damit ist auch ein weiteres Verkehrswachstum verbunden. Eine Veränderung dieser Kaufgewohnheiten kann das positiv beeinflussen. Damit kann auch jeder Einzelne etwas zur Dekarbonisierung beitragen. Durch den Ukraine-Krieg sind über Nacht 100.000 ukrainische Lkw-Fahrer in Polen und anderen Oststaaten nicht mehr vorhanden, weil sie ihr Heimatland verteidigen. Wie viele Lkw-Fahrer fehlen in Österreich und wie lässt sich der Mangel in den Griff bekommen? Friesz: Der Ausfall von 100.000 ukrainischen Lkw-Fahren verschärft den bereits zuvor großen Fahrermangel massiv. Durch vorausschauende Dispositionen versuchen wir Spediteure diese Beeinträchtigungen zu reduzieren. Ganz kompensieren können wir diesen eklatanten Mangel aber nicht. Der Beruf des Lkw-Fahrers muss attraktiver werden und der Zugang zur Ausbildung erleichtert. (RED) Alexander Friesz, Präsident Zentralverbandes Spedition & Logistik

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