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LE-2-2021

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LOGISTIK express Journal 2/2021

LOGISTIK express

LOGISTIK express 2/2021 | S52 Käseproduktion von Vorarlberg Milch automatisiert Fast 33 Milliarden Liter Milch wurden dem Milch Industrie Verband (MIV) zufolge 2018 in Deutschland verarbeitet. Ein Großteil, nämlich 44 Prozent der gesamten Rohmilch, floss dabei in die Produktion von Käse. BEITRAG: REDAKTION Bei einer der größten österreichischen Molkereien, der Vorarlberg Milch eGen, kommt am Produktionsstandort in Feldkirch Automatisierungstechnik aus dem Hause Dematic zum Einsatz. (Foto: Vorarlberg Milch eGen) Die konstant hohe Nachfrage hat zur Folge, dass traditionelle manuelle Produktionsprozesse in der Milchindustrie inzwischen selten sind. Steigende Hygiene-, Qualitäts- und Geschwindigkeitsanforderungen sowie der digitale Wandel haben die Automatisierung in Produktion, Lagerung und Distribution zusätzlich forciert. Auch bei Vorarlberg Milch eGen, einer der größten österreichischen Molkereien, kommt Automatisierungstechnik zum Einsatz. Die Genossenschaft setzt auf die innovativen Lösungen aus dem Hause Dematic. Im Zuge der Standorterweiterung im österreichischen Feldkirch hat der Intralogistikspezialist dort ein maßgeschneidertes Fahrerloses Transportsystem (FTS) installiert. Vier Fahrerlose Transportfahrzeuge (FTF) übernehmen dort nun alle Transportbewegungen zwischen Reiferäumen und Pflegeanlage. Manövriert werden sie dabei von der integrierten Dematic-Navigationssoftware. Das „Ländle“, zwischen Arlberg und Bodensee gelegen, ist traditionell von Landwirtschaft geprägt und vor allem für seine Alpenmilch bekannt. Knapp 60 Prozent aller Milchprodukte der Region stellt Vorarlberg Milch her. Insgesamt verarbeitet die vor mehr als 70 Jahren gegründete Genossenschaft heute knapp 66 Millionen Liter Milch pro Jahr. Hierfür wird die österreichische Molkerei täglich von über 500 regionalen Landwirten am Produktionsstandort in Feldkirch mit frischer Milch beliefert. Dort wird der Rohstoff dann unter strengen Hygiene- und Qualitätsrichtlinien verarbeitet. Besonders bekannt ist der Vorarlberger Bergkäse – eine treibende Kraft der gesamten Wirtschaftsregion. Zu den größten Herausforderungen in der Herstellung zählt es, stets gleichbleibend hohe Qualität zu gewährleisten. Die traditionelle Schichtarbeit früherer Tage hatte diesbezüglich häufig Schwankungen zur Folge. Heute sind moderne Produktionen oftmals automatisiert. So hat auch Vorarlberg Milch im Zuge einer Standorterweiterung kürzlich ein Fahrerloses Transportsystem von Dematic installiert. „Wir versprechen uns davon eine höhere Produktivität sowie qualitativ hochwertige Endprodukte. Für uns gilt: Je weniger manueller Einsatz desto geringer die Fehlerquote“, erklärt Johannes Wehinger, Technischer Leiter der Vorarlberg Milch eGen. Zum Lieferumfang von Dematic gehörten vier Fahrerlose Transportfahrzeuge (FTF) des Typs FLV 3317/CMM, die den Käse selbständig zwischen der Auf- und Abbrettlanlage, den Reiferäumen sowie der Pflegeanlage transportieren. Ebenfalls im Automatisierungspaket enthalten sind eine E’nsor® Steuerungseinheit und die Leitsystem-Steuerungssoftware E‘tricc® zur Transport- und Verkehrskontrolle.

Automatische Rezepturund Lagerverwaltung Käse ist nicht gleich Käse. Jede Sorte hat ihre eigene Rezeptur und unterliegt unterschiedlichen Lager-, Kühlund Pflegeprozessen. Bei Voralberg Milch wandern die Laibe nach einer bis zu achtmonatigen Reifung zunächst in ein Salzbad und dann zum Abtropfen auf eine Aufbrett- oder Abbrettlanlage. Von dort aus befördern sie die FTF mit einer Tragfähigkeit von 1,7 Tonnen und einer Hubhöhe von 3.300 Millimetern auf ein Reifegestell. Anschließend werden diese mit einem Barcode versehen. So lassen sie sich sowohl vom Barcode-Leser auf dem automatischen Fahrzeug, als auch mithilfe eines mobilen Scanners identifizieren. Die Informationen können dann problemlos in die Leitsystem-Steuerungssoftware E‘tricc® übertragen werden. „Hier laufen alle informationstechnischen Fäden zusammen, damit sämtliche Funktionen wie gewünscht durchgeführt werden können“, erklärt Wehinger. Denn die Software übernimmt nicht nur die Steuerung der Fahrzeuge, sondern verwaltet auch die Lagerplätze in den acht Reiferäumen sowie die dortigen Abläufe. Die Rezepturverwaltung findet ebenfalls in E‘tricc® statt. Hierzu müssen zunächst die einzelnen Käse-Rezepturen in die Software importiert werden. Die Rezepte bestehen aus einer Anzahl vordefinierter Behandlungen, die während der Produktion des Käses durchgeführt werden müssen. So sind zum Beispiel die Dauer der Reifungsphasen oder die Pflegemaßnahmen wie Bürsten, Brettwenden oder Käsewenden festgelegt. Sobald ein Käsegestell in einem der Reiferäume eingelagert ist, stößt die Software alle erforderlichen Transportabläufe zwischen den Reiferäumen und den Pflegemaschinen an. Sobald die Behandlung abgeschlossen ist, sorgt sie dafür, dass ein FTF die Produkte zu der im Rezept definierten Zielposition befördert. So bedienen die autonomen Fahrzeuge das Kühl- und das Reifelager und übernehmen auch den Zu- und Abtransport der Reifegestelle an der Käsepflegeanlage. Je nach Anforderung transportiert ein FTF den Käse aus den Reiferäumen zur Käsepflegeanlage. Das Entstapeln auf die dort installierte Fördertechnik und das erneute Aufeinanderstapeln der Gestelle nach der Pflege erledigt das FTF ebenfalls. „Das Fahrerlose Transportsystem von Dematic sorgt dafür, die jeweiligen Abläufe en détail einzuhalten. Dadurch schaffen wir 50 Verladungen pro Stunde“, sagt Wehinger. Die Anlage wird an sieben Tagen pro Woche in jeweils drei Schichten betrieben. Lückenlose Rückverfolgung der hergestellten Käse Darüber hinaus visualisiert E‘tricc das gesamte Lager inklusive der Fördertechnik und der Pflegeanlagen. So wird dem Bediener zum Beispiel der Zeitpunkt der im Rezept hinterlegten nächsten Behandlung angezeigt. Ebenfalls signalisieren unterschiedliche Farben dem Mitarbeiter die Zustände der Chargen oder ob die Pflegeanlage belegt und aktiv ist. Zudem werden die Gestelle sowie die Fahrzeugzustände dynamisch visualisiert. „Für uns bedeutet das eine enorme Erleichterung, was die exakte Rückverfolgbarkeit aller Fahrzeuge und der Käseleibe von der Einlagerung bis zur Auslagerung betrifft“, fasst Wehinger zusammen. Manövriert werden die FTF mit der integrierten Dematic-Navigationssoftware E’nsor® über ein vordefiniertes Layout. Die Software benutzt hierfür Sensoren und ein Ortungs- beziehungsweise Positionierungsmodul, um die Fahrzeuge durch das Layout zu steuern. Hierzu sind auf dem FTF alle Fahrrouten gespeichert, sodass es vollautomatisch Ladungen transportieren und Aktionen ausführen kann. „Dabei sind die Dematic-Fahrzeuge nicht auf eine Spur festgelegt, sondern können je nach Auftrag verschiedene Wege und Lagerplätze anfahren. Abweichungen der festgelegten Routen werden verhindert“, sagt Wehinger. Aktualisierungen des Layouts sind über E‘tricc möglich. Die Software sorgt außerdem für einen optimierten Materialfluss, indem sie bestimmt, welches Fahrzeug welchen Auftrag übernimmt und dafür die schnellste Route errechnet. Über eine Schnittstelle ist die Dematic-Lösung außerdem an die hauseigene Software von Vorarlberg Milch angebunden. Reibungslose Inbetriebnahme Die Auftragsvergabe an Dematic begründet Vorarlberg Milch einerseits mit der nachgewiesenen Expertise des Intralogistikspezialisten. Andererseits überzeugte dessen hohe Kundenorientierung. „Im Bereich der Automatisierung der Käseproduktion gehört Dematic zweifelsohne zu den Vorreitern und hat in den vergangenen Jahrzehnten eine hohe fachliche Kompetenz nachgewiesen“, sagt Wehinger. Während der Projektphase habe man sich intensiv über die Eigenschafen einer für Vorarlberg Milch optimalen Lösung ausgetauscht. Die Inbetriebnahme der Fahrzeuge und die Installation der Software liefen daraufhin reibungslos. „Seitdem arbeiten wir deutlich effizienter“, resümiert Wehinger. (RED)

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