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LE-1-2022

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LOGISTIK express Journal 1/2022 Titel: Wirtschaftsstandort Europa

LOGISTIK express

LOGISTIK express 1/2022 | S4 LEITARTIKEL Alles im Leben ist relativ Vor Kurzem wurde gegen Maskenpflicht und Corona-Maßnahmen demonstriert, und nun gegen den Krieg in der Ukraine. Ganz schnell wird einem bewusst, wie fragil unsere Demokratie und der Friede sind, und die Perspektiven verschieben sich. Die Leidtragenden sind die einfachen Menschen, egal auf welcher Seite der Grenze. Die Antwort des Westens sind Sanktionen, aber die werden das Problem nicht lösen: DEESKALATION ist das Gebot der Stunde. REDAKTION: ANGELIKA GABOR Die letzten Tage waren für mich surreal. Pünktlich aufstehen, zur Arbeit gehen, einkaufen… ein normaler, alltäglicher Ablauf, als wenn nichts gewesen wäre. Circa 1.000 km entfernt – das ist gerade Mal so weit wie ein Ausflug von Wien nach Bregenz und zurück – verstecken sich Menschen in Bunkern oder kämpfen ums nackte Überleben. Vor 1 Woche ging es ihnen wie mir: normaler Tagesablauf. Es ist erschreckend, wie schnell die Idylle enden und das eigene Leben auf den Kopf gestellt werden kann. Aus Machtinteresse, aus gekränktem Stolz, aus Trotz oder auch aus ökonomischen Gründen. Das Resultat ist dasselbe, Tod, Elend, Gewalt. Eine Negativspirale, die sich immer schneller dreht, weil keiner nachgeben möchte. Stärke demonstrieren, was es auch kostet. Und plötzlich wird wieder zum Thema, was eigentlich als verpönt galt: droht uns ein Atomkrieg? Radioaktive Strahlung kennt keine Grenzen, sie pfeift auf Neutralität, Wünsche und Träume. Die Sanktionen gegen Russland sollen laut US-Angaben so lange fortgesetzt werden, bis der Krieg in der Ukraine endet. Die russische Wirtschaft soll sich zurückentwickeln, solange Kremlchef Wladimir Putin die Invasion vorantreibe, hieß es zu Sanktionsbeginn aus dem Weißen Haus. Laut Einschätzung von Ökonomen könnte die russische Wirtschaft im zweiten Quartal um 20 Prozent einbrechen. https://bit.ly/3vsykdG Ich erinnere mich gut daran, als ich damals in der Schule Jod-Tabletten ausgeteilt bekam. Das könnte auch jetzt passieren, wobei radioaktives Jod in der Schilddrüse nicht unser größtes Problem sein wird, sollte es tatsächlich zu einem atomaren Angriff kommen. Dabei ist es gerade mal 6 Wochen her, dass Russland gemeinsam mit den anderen vier ständigen Mitgliedern im UN-Sicherheitsrat (USA, China, Frankreich und Großbritannien) erklärte, nicht nur die weitere Ausbreitung von Atomwaffen verhindern zu wollen, sondern dass „Ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und nie geführt werden darf.“ War das nur Show? Ablenkungsmanöver? Leider kann man in niemanden hineinschauen, und Politiker haben sich schon öfter als unberechenbar herausgestellt. Allerdings geht es hier nicht um Postenschacher, Schwarzgeld oder Privatisierungen, es geht um Millionen von Menschen und deren Schicksal. Propaganda und gezielte Fehlinformationen führen dazu, dass längst nicht eindeutig gesagt werden kann, wer hier der Bösewicht ist. Die Region um den Donbass ist seit Jahren umkämpft. Pro-Russische Separatisten

und ukrainisches Militär haben immer wieder blutige Auseinandersetzungen, etwa in den ostukrainischen Städten Donezk und Lugansk. Die Annexion der Krim 2014 gilt bei den meisten westlichen Staaten bis heute als völkerrechtswidrig. Staaten, die das Völkerrecht anerkennen – Russland zählt da eigentlich dazu - ist es verboten, einen anderen Staat mit kriegerischen Mitteln anzugreifen. Schon vor dem (von der Ukraine nicht anerkannten) Referendum, bei dem die Mehrheit der Bevölkerung für den Anschluss an Russland stimmten, ließ Russland die Welt wissen, dass seine Armee den Willen der Krim-Bewohner zur Not auch mit Waffengewalt durchsetzen wird. Ist es jetzt soweit? In der Geschichte gab es viele Verträge und Übereinkünfte, die einen dauerhaften Frieden und Stabilität, Wohlstand und Freiheit für alle europäischen Staaten bringen sollten. Man erinnere sich beispielsweise an das Budapester Memorandum von 1994, in dem Russland, Großbritannien und die USA den drei Staaten Ukraine, Belarus und Kasachstan Sicherheitsgarantien gegen Bedrohungen ihrer territorialen Integrität oder politischen Unabhängigkeit gaben, während diese im Gegenzug auf ihre Nuklearwaffenarsenale aus Sowjetunion- Zeiten verzichteten. Zu der Zeit war Putin gerade stellvertretender Bürgermeister von Sankt Petersburg und noch nicht Präsident, vermutlich kennt er das Memorandum deshalb nicht. Heute will er mit aller Macht verhindern, dass die Ukraine zur NATO kommt – denn Russland sieht dieses Vorhaben als Verstoß gegen die Europäische Sicherheitscharta und als Bedrohung. Doch kann er wirklich befürchten, dass die Ukraine nach ihrem NATO-Beitritt Russland angreift? Oder fürchtet er eher, dass er die Krim-Halbinsel und den Donbass endgültig abschreiben muss? Egal was die Gründe sind, wer „angefangen hat“, es ist irrelevant. Alles, was zählt, ist ein Ende des Krieges, der Aggression, des Leides. Ich wünsche mir, dass unser aller Kinder ohne Angst aufwachsen können. Das betrifft nicht nur die Ukraine, sondern auch Syrien, Afghanistan, den Jemen, Äthiopien, Libyen, den Sudan, Myanmar, Nigeria, Mali und alle anderen konfliktgebeutelten Bereiche dieses Planeten. Wir haben nur eine Erde, lasst sie uns nicht in Blut tränken! (AG)

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