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LOGISTIK express Fachzeitschrift

TRANSPORT & LOGISTIK

TRANSPORT & LOGISTIK Divide et impera war gestern Von Shared Space zu Ship shared. Wie die Binnenschifffahrt zur Überwindung von Wettbewerbsnachteilen Logistiktrends setzen kann. Shared Space ist in der Binnenschifffahrt keine neuartige Idee der Infrastrukturplanung, sondern seit Anbeginn der Schifffahrt auf Wasserstraßen täglich gelebte Realität aller Gewässernutzer untereinander. Vergleicht man die Wasserstraßeninfrastruktur mit der Infrastruktur anderer Verkehrsträger, wie zum Beispiel Bahn, Flugverkehr oder auch Straßenverkehr, so wird ein wesentlicher Unterschied sichtbar. Die Infrastruktur der Binnenschifffahrt dient auch und zu erheblichen Teilen zahlreichen anderen Nutzern, die ihrerseits einen Rechtsanspruch auf die Wasserstraße geltend machen können. Auf der Autobahn ist es ganz selbstverständlich ausgeschlossen, dass nicht auch Fahrradverkehr stattfinden kann. Auf der Wasserstraße hingegen fährt das Paddelboot seelenruhig neben Schiffsverbänden mit 10.000 Tonnen Ladung einher. Selbstverständlich darf keine Privatperson mit einer Draisine das Bahngleis des ICE für Freizeitfahrten nutzen. Die Wasserstraße hingegen, die von einem Gefahrguttransportschiff räumlich ohnehin beinahe schon völlig eingenommen wird, bietet auch dem Rudersportler noch Platz. Viel mehr noch, der Ruderer darf sogar mit dem Rücken – also blind – zum Schiffsverkehr fahren. Ein Autofahrer auf der Straße bekäme dafür eine Haftstrafe. Und niemand würde eine Erlaubnis für einen Tennisplatz am Rande eines Flugfeldes bekommen. Schwimmer hingegen, selbst Kleinkinder, können sich ungehindert in der Wasserstraße vergnügen. Shared Space auf den Wasserstraßen ist nicht immer konfliktfrei. Aber auch wenn es oft gefährliche Situationen gibt und alljährlich Todesopfer zu beklagen sind, niemand käme auf die Idee, Shared Space auf den Wasserstraßen zu verbieten. Dazu kommt noch, dass Wasserstraßen vielfach zur Energiegewinnung verwendet werden. Das hat zwar einige Vorteile für die Binnenschifffahrt, PETER BAUMGARTNER Redaktion: Peter Baumgartner BUCH-TIPP Die Befugnisse des Bundes zur Verwaltung der Wasserstraßen in Deutschland Schriften zum Öffentlichen Recht (SÖR) Sven Kreuter / 2014 / Euro 72,90 Duncker & Humblot ISBN 978-3-428-14136-4 bringt jedoch auch erhebliche Einschränkungen. Ganz abgesehen von den negativen klimatischen Einflüssen in Stauhaltungen (Eis, Nebel), verfolgen Wasserkraftwerke eine eigene Wasserbewirtschaftung, die mit den Interessen der Binnenschifffahrt wenig kompatibel ist. Trotzdem muss die Binnenschifffahrt ihre Infrastruktur mit der sehr mächtigen Stromlobby teilen. Ein weiterer mächtigerer Nutzer der Schiffsinfrastruktur ist die Wasserbewirtschaftung. Der Wasserstand wichtiger Wasserstraßen ist von Speicherseen oder Talsperren und deren Bewirtschaftungsplan abhängig. Diese Wasserspeicher verfolgen nicht nur touristische Interessen, sondern dienen auch der Trinkwasserversorgung großer Kommunen. Ein Ausgleich der Interessen zwischen Binnenschifffahrt und Wasserwirtschaftsplan wird spätestens dann zum Problem, wenn Wasser knapp ist oder bei Hochwasser Überschuss herrscht. Ein Sonderfall ist dabei der Rhein-Main-Donaukanal. Er verbindet die Wasserscheide des Rheingebietes mit der des Donaueinzugsgebietes und ist insbesondere für Bayern von hoher wasserwirtschaftlicher Bedeutung. Der Kanal wird nämlich zur Wasserbewirtschaftung des trockenen Maingebietes durch das nasse Donaugebiet verwendet. Kritiker behaupten, der Kanalbau war gar nie als Schiffsinfrastruktur gedacht, sondern dient vordringlich der lebensnotwendigen Wasserbewirtschaftung von europäischer Dimension. Tatsächlich muss die Binnenschifffahrt an diesem Teil des Wasserstraßennetzes Nachteile zugunsten der Wasserbewirtschaftung in Kauf nehmen. So wurde der Kanal von Anfang an für die Binnenschiffe viel zu klein dimensioniert – wohlwissend, dass er so von wichtigen Verkehrsbereichen dauerhaft ausgeschlossen bleibt. Für die Binnenschiffslogistik heißt das, dass sie die „natürlichen“ Wettbewerbsnachteile auf anderen Ebenen wettmachen muss, um am ^ Ein Schubleichter (auch Barge genannt) ist ein unbemannter und antriebsloser Ladungsbehälter, der im Schubverband durch ein Motorschiff befördert wird. Die Anzahl der Schubleichter in einem Verband kann auf europäischen Wasserstraßen bis zu zwölf Stück betragen, wobei ein Schubleichter etwa 2.000 Tonnen Ladung aufnehmen kann. Foto: P. Baumgartner Markt erfolgreich zu sein. Mit technischen Innovationen allein wird das in Zukunft nicht möglich sein. Divide et impera - teile und herrsche. Was vielleicht als außenpolitisches Dogma gelegentlich erfolgreich war, ist in der Logistik nutzloses Verbrennen von Energie. “Teile und herrsche” sollte hier eher im Sinne von “teilen und führen” verstanden werden und diese Strategie ist dazu geeignet, Wettbewerbsnachteile auszugleichen. Auch wenn Einigkeit schnell zu Kumpanei führen kann und vor den Wettbewerbshütern landet, letzte Ressourcen in der Binnenschifffahrt lassen sich nur durch teilen, führen und kooperieren erschließen. Wie das funktionieren kann, zeigt zum Beispiel eindrucksvoll Imperial Shipping, ein weltweit agierendes Logistikunternehmen in der Binnenschifffahrt, mit seiner Unternehmensstrategie, die da lautet: Kooperation und Kombination der Logistiksysteme. Ship sharing ist eine wirksame Möglichkeit, um eine verbesserte Auslastung der Binnenschiffe und Ladegefäße zu erreichen. Ship sharing bringt außerdem Vorteile bei der Netzauslastung und dient somit auch dazu, einen Beitrag zu den Klimaschutzzielen zu leisten. Wie Shared Space, ist auch Ship sharing zwar schon länger in der Binnenschifffahrt in Anwendung, aber es gibt hier noch viel Potential zu heben. Gemeinsame Regeln für ein Ship sharing wurden bereits geschaffen und werden derzeit aktualisiert. Noch beschränkt sich die gemeinsame Nutzung aber hauptsächlich auf den Bereich der nichtmotorisierten Ladefahrzeuge wie zum Beispiel Schubleichter. Ein Uniconsult Konzept hat bereits im Jahre 2009 den Reedern empfohlen, den wachsenden Hinterlandverkehr durch eine Investitionstrennung zwischen Schiff und Schubleichter zu stärken. Eine absolut nachvollziehbare Empfehlung, wenn man weiß, dass die Auslastung und auch die Einsatzzeit von Schubleichtern nur knapp über 50 Prozent liegt. Gleichzeitig sind Staus in den Seehäfen an der Tagesordnung und die Verteilung der Waren in die Fläche droht zu scheitern. Hier liegen also noch Ressourcen brach, die der Binnenschiffslogistik und der Umwelt durch Ship sharing Auftrieb bringen könnten. Dem weltweiten Markt für gemeinsam genützte Fahrzeuge wird bis 2020 ein jährliches Wachstum von 35 Prozent zugetraut. Die Binnenschifffahrt und ihre gemeinsam genutzten Fahrzeuge stehen erst am Anfang dieser Erfolgsgeschichte. Die Seeschifffahrt ist jedoch bereits ein Schritt weiter. Mit „Vessel Sharing Agreement“ haben Maersk und MSC 2014 erstmals umgesetzt, was in der Binnenschifffahrt noch zu realisieren ist. Vom Time Magazine zu den innovativsten Ideen erkoren, macht der Megatrend Nutzen statt (allein) Besitzen auch vor der Binnenschifffahrt nicht halt und wird bald auch seine motorisierte Einheiten umfassen. Die römische Strategie „divide et impera“ ist in der Binnenschiffslogistik jedenfalls ein Aus-laufmodell. Künftig wird der gemeinsame Nutzen wertvoller Ressourcen im Vordergrund stehen und ein tragbares Fundament für den wirtschaftlichen Erfolg sein. (PB) Ship shared, ich will eine Transportaufgabe lösen und kein Millionen teures Schiff besitzen. ONLINE-TIPP Verkehrsexperte: www.verkehr-fraunhofer.de Beratungsexperten: www.uniconsulthamburg.de www.skilzz.at 32 LOGISTIK express 1|2015 LOGISTIK express 1|2015 33

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