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märkte Mit 8.514.215

märkte Mit 8.514.215 Kilometern erstreckt sich Brasilien fast über die Hälfte des südamerikanischen Kontinents, rund 191,5 Millionen Menschen haben hier ihre Heimat. Bezogen auf das BIP von rund 1.600 Milliarden US-Dollar im Jahr 2009 stellt Brasilien die zehntgrößte Volkswirtschaft der Welt dar. Das Land besteht aus 26 Bundestaaten und dem „Distrito Federal“, von wo aus Brasilien regiert wird. Von Marajoara bis zur Demokratie Schon lange vor der Entdeckung durch die Europäer war das nach dem roten Edelholz „Brasil“ benannte Land besiedelt, vor allem im fruchtbaren Amazonas-Gebiet entstand die Marajoara-Kultur mit ihren weltbekannten Keramiken. Nachdem 1494 die beiden Seemächte Portugal und Spanien die Aufteilung Südamerikas im Vertrag von Tordesilhas beschlossen hatten, nahm am 22. April 1500 der portogiesische Seefahrer Pedro Alvares Cabral das Land bei seiner Landung für die portugiesische Krone in Besitz. Durch die Flucht des portugiesischen Königs João VI. vor Napoleon Bonaparte nach Brasilien, wurde die Kolonie im Jahr 1815 im Zuge des Wiener Kongresses mit Portugal gleichgestellt. Nach Phasen mit Militärdiktatur herrscht seit 1985 Demokratie, seit 2003 ist Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei PT Präsident Brasiliens. Starke Wirtschaft Brasilien zählt zu jenen Ländern, die die Wirtschaftskrise am besten überstanden haben. Im bereits schwächelnden Jahr 2008 betrug das Wachstum 5,1 Prozent, und auch im Jahr 2009 gab es positives Wachstum, wenn auch nur 0,1 Prozent. Die Prognosen für 2010 liegen bereits wieder bei 5 Prozent bei leicht rückläufiger Inflation. Die Gründe dafür sind zum einen das im Dezember gestartete Konjunktur- und Investitionsförderprogramm der Regierung, das die Reduktion von Steuern und bessere Kreditangebote zur Förderung von Investitionen im Güter- und Dienstleistungsbereich zum Ziel hat. Zum anderen werden die bevorstehenden Großereignisse – die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016 – für einen zusätzlichen Investitions- und Wachstumsschub sorgen. Der wichtigste Sektor ist der Dienstleistungsbereich, hier werden knapp 65 Prozent des BIP erwirtschaftet, gefolgt von der Industrie mit 30 Prozent. Lediglich 6 Prozent entfallen noch auf die vormals so wichtige Landwirtschaft. In Punkto Außenhandel steht die EU traditionell mit einem Anteil von rund 23 Prozent an Der „Jeitinho“– Way of Life Als fünftgrößter Staat der Erde ist die ehemalige portugiesische Kolonie Brasilien ein Zukunftsmarkt mit enormem Potenzial. Längst haben Industrie und Dienstleistungssektor der Landwirtschaft den Rang abgelaufen, Brasilien ist ein wichtiger Handelspartner geworden. Ein guter Grund, das Land und seine Menschen näher zu betrachten, denn der Brasilianische Lebensstil ist in der Tat ein ganz besonderer. Redaktion: aNGELIKA THALER erster Stelle, auch bei Investitionen hat die EU die Spitzenposition inne. Bilateral gesehen hat China die USA als wichtigster Handelspartner Brasiliens abgelöst. Getrübt wird das Verhältnis zwischen Brasilien und der EU vor allem in den Bereichen Landwirtschaft (Marktzugang, Subventionen) und EU-Immigrationspolitik. Während der deutschen EU-Präsidentschaft im 1. Halbjahr 2007 begann der politische Dialog, der im Februar 2010 erstmals auf die Außenminister-Ebene angehoben wurde. Die beim EU-Brasilien-Gipfel im Juli 2007 in Lissabon beschlossene strategische Partnerschaft wurde im Dezember 2008 vom II. Gipfel durch einen umfangreichen Aktionsplan konkretisiert. EU und MERCOSUL (gemeinsamer Markt Südamerikas, Anm.) streben ein Assoziierungsabkommen an, für das sich auch Brasilien besonders einsetzt. Herausforderung Infrastruktur Fernfahrer in Brasilien müsste man sein, denn das Fernstraßennetz – Rodovia – umfasst nahezu zwei Millionen Kilometer – allerdings sind nur an die zehn Prozent davon auch gepflastert. Der Rest sind zumeist staubige und holprige Erdpisten, so gesehen wohl doch besser mit dem Off-Road-Jeep als mit FOTOS: ISTOCKPHOTO.COM 38 LOGISTIK express 1|2010 www.logistik-express.com

Märkte dem LKW zu befahren. Die Fernstraßen sind nummeriert, je nach Bundesstaat und Richtung (Nord-Süd, Ost-West oder diagonal). Bei Schienentransporten steht man vor dem Problem, dass das Eisenbahnnetz im Vergleich zur Landesgröße sehr klein, oft nur einspurig und vor allem nicht einheitlich ist: aufgrund des Baus in unterschiedlichen Perioden gibt es Spurweiten von 600 mm, 1.000 mm und 1.600 mm, wobei die Strecken mit 1.000 mm überwiegen. Die abnehmende Bedeutung der Eisenbahn für den Güterverkehr führte zu einer Ausdünnung des Streckennetzes auf knapp 30.000 Kilometer, Hauptladegüter sind nach wie vor Erze und Rohstoffe, landwirtschaftliche Güter, Treibstoff, Papier, Holz, Kaffee sowie diverse Container. Heute erfolgen Transporte Großteils per LKW oder Schiff. Neben der langen Küstenlinie verfügt Brasilien dank der riesigen Flusssysteme (Amazonas, São Francisco und Tietê/Paraná) über etwa 50.000 km Binnenschifffahrtswege, die allerdings kaum genutzt werden. Mit über 350 Millionen Tonnen Frachtvolumen (2008) ist Brasilien die größte Schifffahrtsnation Südamerikas, die Handels- und Frachtflotte besteht aus etwa 475 Schiffen. Es gibt 30 Seehäfen, 16 davon sind modern ausgebaut, beispielsweise Santos, Belém, Rio de Janeiro, Rio Grande, Manaus und Porto Alegre. Aufgrund der langen Distanzen ist auch der Luftverkehr nicht zu vernachlässigen. Heute ist der Flughafen Viracopos (Campinas) im Nordwesten von São Paulo der wichtigste Frachtflughafen des Bundesstaates, da die Flughäfen Guarulhos und São Paulo ihre Kapazitätsgrenzen erreicht haben. Besondere Menschen Aufgrund seiner Geschichte als Kolonialstaat leben in Brasilien viele unterschiedlich große Minderheitengruppen. Davon sind 54 Prozent Weiße und 40 Prozent Mischlinge, fünf Prozent Afrikaner und Asiaten, und rund 730.000 Personen zählen zur Gruppe der Indigenen (indianische Ureinwohner). Es finden sich große Kolonien mit Menschen portugiesischen, italienischen, deutschen, nahöstlichen und japanischen Ursprungs – und doch unterscheiden sich beispielsweise „brasilianische Japaner“ von normalen Japanern: das Zauberwort lautet „Jeitinho“ (Verkleinerungsform von Jeito = Ausweg, Anm.). Die Brasilianer haben zum Überleben hochsensible Instinkte und listige Auswege entwickelt, voller Enthusiasmus, Lebensfreude und Leichtigkeit werden Probleme in Alltagssituationen – besonders im Umgang mit Behörden und Vorschriften – aus dem Weg geräumt. Dies gilt es in Handelsbeziehungen zu beachten! Geschäfte laufen viel stärker auf der Beziehungs- als auf der Funktionsebene ab, persönliche Verpflichtungen und Gefallen zählen für Brasilianer oft mehr als schriftliche Vereinbarungen. Improvisationsfähigkeit ist eine der wichtigsten Eigenschaften, wer steif ist oder beispielsweise in Verhandlungen auf einen starren Ablauf nach Tagesordnungspunkten besteht, hat meist schon verloren. Schafft man es als Europäer nicht, die Sympathie des Verhandlungspartners zu gewinnen, sind positive Ergebnisse fast unmöglich zu erzielen. Passt jedoch das Vertrauensverhältnis, lässt man durchaus mal eine Drei „gerade“ sein. ANGELIKA THALER Redaktion Logistik express Fachmedium Exportschlager Biotreibstoff? Brasilien zählt zu den führenden Produzenten und auch Nutzern von Biotreibstoffen aus Sojabohnen und Zuckerrohr. Seit transgenetische Hefe als Treibmittel zugelassen wurde, lässt sich aus dem Zuckerrohr statt nur Ethanol nun auch Biodiesel herstellen. Ab 2011 möchte die Firma Usina Boa Vista in Pirenópolis als erstes Unternehmen weltweit 2 Millionen Tonnen Biodiesel aus Zuckerrohr herstellen. Derzeit muss Brasilien noch Diesel importieren, da die Erdölvorkommen Brasiliens sich nicht zur Dieselproduktion eignen – weswegen in dem Land bislang keine Diesel-PKW produziert sondern nur importiert werden dürfen. Mittlerweile fahren in Brasilien mehr als 90 Prozent der verkauften Neuwägen mit einem Benzin-Ethanol-Gemisch. Im nächsten Schritt soll Flugzeugtreibstoff aus Zuckerrohr hergestellt werden, ab 2012 sind Tests geplant. Klappt alles wie geplant, wird Brasilien nicht nur unabhängig(er) von Ölimporten, es kann auch Überschüsse exportieren und damit den wachsenden Bedarf in Europa decken. Einziges Risiko: für den Anbau von Zuckerrohr und Sojabohnen werden ehemalige Rinderweiden genutzt, wodurch die Viehzüchter weitere Regenwälder für Weideland abholzen könnten. Problemfeld Bildung Wie in vielen Entwicklungsländern geht die Armut der untersten Bevölkerungsschicht mit Analphabetismus einher, mehr als 22 Millionen Menschen können nicht oder nicht ausreichend Lesen und Schreiben, rund 80 Prozent der Erwachsenenbevölkerung haben den mittleren Bildungsabschluss (educação básica , 11 Schuljahre) nicht erreicht. Im krassen Gegensatz dazu stehen die teilweise hoch angesehenen Hochschulen und Universitäten, an denen nach amerikanischem System gelehrt wird. Eine der größten und bedeutendsten Universitäten Brasiliens ist die 1934 gegründete Universidade de Sao Paulo (USP). Bei qualifiziertem Personal fand in den letzten Jahren eine enorme Entwicklung statt, gleichzeitig herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit, weswegen ausländische Arbeitskräfte nur bei Nachweis besonderer Qualifikationen eine Arbeitsbewilligung erhalten. Das Land Amtssprache: Portugiesisch Hauptstadt: Brasília Staatsform: Präsidiale Bundesrepublik Fläche: 8.514.215 km² Einwohnerzahl: 191.5 Mio. (Schätzung für 2009) Bevölkerungsdichte: 22,5 Einwohner pro km² Die gesamte Grenzlänge Brasiliens beträgt 15.887 Kilometer und ist damit nach der Volksrepublik China und Russland die drittlängste Landgrenze der Erde. Quelle: wikipedia.org www.logistik-express.com LOGISTIK express 1|2010 39

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