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Handelsverband Journal RETAIL 4/2019

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Handelsverband Journal RETAIL 4/2019

— storys Tu Gutes und

— storys Tu Gutes und verdiene Geld damit Social Commerce. Sozialunterneh mer packen gesellschaftliche Probleme mit Unternehmergeist an, Influencer nützen ihre Breitenwirkung – auch – für die jeweils gute Sache. Nichts spricht dagegen, dass man damit nicht auch Gewinne machen sollte. Unternehmer sind ein ganz bestimmter Typus: Wie andere auch haben sie Ideen, ja Geschäftsideen. Im Unterschied zu anderen fehlt ihnen aber nicht der Wille, die Courage und Tatkraft, sie auch umzusetzen. Marktlücken sind für sie nicht dazu da, nur erkannt, sondern besetzt zu werden. So manch eine „Marktlücke“ tut sich jedoch im Sozialen auf, etwa in Form von Missständen, Benachteiligung, gesellschaftlichen Problemen, die behoben werden könnten und sollten. Nur, wer soll sie füllen, wenn die öffentliche Hand oder NGOs es nicht tun? Und wie sollte man damit Geld verdienen? Die Antwort: Indem man Dienstleistungen wie etwa Beratung, Coachings oder Workshops anbietet, in denen die jeweilige Problematik direkt angegangen wird. Sozialunternehmen oder Social Enterprises tun genau das. Mentoring für Pflichtschulabsolventen Ein gutes Beispiel, wie so etwas funktionieren kann, ist das Wiener Unternehmen Sindbad: „Wir sind aus einem Mix aus sozialem Engagement und Unternehmergeist heraus entstanden, das heißt, wir gehen auf unternehmerische Weise an eine bestehende gesellschaftliche Herausforderung heran“, sagt Matthias Lovrek, Geschäftsführer und Head of Mentoring, der kurz nach Gründung des Unternehmens im Jahr 2016 dazustieß. Sindbad bietet ein Mentoringprogramm an, das junge „High Potentials“ aus Unternehmen mit Jugendlichen aus sozialen Brennpunktschulen zusammenbringt. Für Erstere ist die acht bis zwölf Monate dauernde Ausbildung – neben der grundsätzlich positiven Erfahrung, sich für sozial Schwächere einzusetzen – zugleich auch ein Persönlichkeitstraining: Sie erlernen soziale Kompetenzen wie die Entwicklung eines eigenen Führungsstils, zielgruppenfokussierte Kommunikation, den Umgang mit Rollenbildern, Erwartungshaltungen und Frustrationen und bekommen Einblick in Lebenswelten, mit denen sie ansonsten wenig Berührung haben. All das können die künftigen Führungskräfte in ihrem weiteren Berufsleben gut gebrauchen. Die Jugendlichen ihrerseits werden in ihrem Übergang von der 9. Schulstufe in einen Lehrberuf beziehungsweise eine weiterführende Schule begleitet – beispielsweise bei der Suche nach einer Lehrstelle – und profitieren von der Erfahrung und Hilfestellung ihrer Mentoren. Für die 15-Jährigen ist das eine besonders heikle Phase, denn nicht wenige steigen gleich oder bald nach der Pflichtschule aus – mit entsprechend ungünstiger Berufsprognose: 36 Prozent der Jugendlichen, die nur diesen Abschluss haben, landen in der Arbeitslosigkeit, ein Viertel der Lehrlinge brechen die Ausbildung vorzeitig ab, zwei von drei im ersten Lehrjahr. Ein zweites Programm, das Sindbad Lebensweltentraining, ist für Unternehmen konzipiert, die Lehrlinge ausbilden beziehungsweise die Absicht haben, das zu tun. Sie werden von Sindbad-Trainern beraten, wie sie potenzielle Lehrlinge für ihr Unternehmen gewinnen, wie sie mit ihnen umgehen und sie motivieren. Die Unternehmen machen sich so weit mit den „Lebenswelten“ von Lehrlingen vertraut, dass eine echte Kommunikation stattfinden kann. Sindbad finanziert sich durch die von den eigenen Trainern durchgeführten Coachings, die von den involvierten Unternehmen im Rahmen der beiden Programme zu bezahlen sind. Fotos: Goran Maric (l.) bringt Jugend - lichen mit „Three Coins“ Finanzwissen näher. Sindbad (M.) vernetzt High Potentials mit jungen Menschen aus Brennpunkt schulen und die Influencerin Madeleine Daria Alizadeh (r.) vermarktet nachhaltige Produkte. Fotos: Shutterstock/Sebos/Spirit Boom Cat; Three Coins, Sindbad, dariadaria/Maximilian Salzer 26 — September 2019

— storys Finanzkompetenz erlernen Das Social Enterprise Three Coins hat eine ähnliche Zielgruppe wie Sindbad, nämlich Jugendliche und junge Menschen unter 30. „Die Problematik, die wir erkannt haben und adressieren, ist, dass Finanzkompetenz nirgendwo unterrichtet wird. Viele junge Leute verlieren durch irrationales Konsumverhalten den Überblick über ihre Finanzen und verschulden sich. Bestimmte Industrien wie die Anbieter von Smartphone-Games, die anfangs gratis sind und mittels ,In-Apps‘ im Spielverlauf kostenpflichtig werden, sind daran nicht unschuldig“, erklärt CEO Goran Maric. Sein Unternehmen hat das gekontert, indem es ein eigenes Game namens Cure Runners entwickelt hat, das nach den gleichen Abenteuer- Mustern funktioniert wie die anderen auch, den Spielern aber nebenbei auch Finanzkompetenz beibringt. Das Spiel ist Bestandteil von Workshops für Schüler und Lehrlinge sowie Sozialund Jugendarbeiter zum Thema Finanzkompetenz, die von Three Coins-Trainern geleitet werden. Es ist auch bereits nach Deutschland und in die Schweiz lizenziert worden. In der Zwischenzeit hat Three Coins seine Beratungsaktivitäten und „Financial Literacy“-Module auch auf Unternehmen – insbesondere Finanzdienstleister mit Blick auf deren Kunden – ausgedehnt. Denn, so Maric: „Wir sind draufgekommen, dass die Problematik gesamtgesellschaftlich ist und sich nicht auf junge Menschen beschränken lässt.“ Digitale Aktivistinnen Bloggerinnen, Influencerinnen und ihre männlichen Pendants erzählen liebend gerne über ihr Leben, was ihnen so passiert und auffällt, wofür und wogegen sie sind, welche Musik sie hören und wo auf der Welt sie sich gerade herumtreiben. Sie kommunizieren über Kanäle wie Youtube oder Instagram, per Podcast oder Blog, und wenn sie das mit einer gewissen Lässigkeit tun, etwas zu sagen haben und gut aussehen, finden sie sich plötzlich, Neudeutsch gesagt, als „Role Model“ mit Hunderttausenden Followern wieder. Man könnte das für ein lustiges Hobby mitteilungsbedürftiger junger Leute halten, aber die Empfehlungen in Sachen Mode, Accessoires, Sportausrüstungen und so weiter sind mit Links beziehungsweise Markennamen versehen, und auf Instagram beispielsweise tauschen sich die Influencer mit ihren Followern auf der „Direct Message“-Leiste über die Vorzüge empfohlener Produkte aus. Was kann sich ein Hersteller mehr wünschen? Die Industrie hat die Vorbild- und Breitenwirkung der Influencer erkannt und lässt sich das auch einiges kosten. Auch die Plattformen selbst: So sollen Youtuber zwischen 1 und 2 Euro pro 1.000 Videoaufrufe bekommen. Madeleine Daria Alizadeh, die unter dem Namen „dariadaria“ eine der erfolgreichsten Influencerinnen hierzulande ist, tut das zwar auch, sie hat aber zugleich auch ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit und die vielfach suboptimalen Produktionsbedingungen in der Modeindustrie entwickelt. So hat sie in ihrem – zwischenzeitlich eingestellten – Blog zusätzlich zur Erwähnung der Kleidung, die sie trug, immer auch dazugeschrieben, was davon nachhaltig beziehungsweise vegan produziert wurde und was nicht. Man kann sich vorstellen, dass das bei einigen ihrer Modekunden weniger gut angekommen ist. Sie selbst hat daraus jedenfalls die Konsequenz gezogen, ihr eigenes Label „dariadéh“ für nachhaltig hergestellte Freizeitkleidung zu gründen. Zudem nützt sie ihre Kanäle – den Podcast „a mindful mess“ und den Instagram- Account mit 260.000 Abonnenten –, um Themen anzusprechen, die dem reinen Spaß- und Konsum-Image, das vielen Influencerinnen anhaftet, nicht unbedingt entsprechen: Umwelt- und Tierschutz, Veganismus, weibliche Selbstermächtigung. Alizadeh hat sich zur, wie sie es nennt, „digitalen Aktivistin“ weiterentwickelt und setzt ihre Breitenwirkung für gute Zwecke auf verschiedensten Feldern ein: So besuchte sie in Zusammenarbeit mit NGOs ein Flüchtlingscamp, half bei der Schließung eines heruntergekommenen Zoos im Gazastreifen, dokumentierte die Arbeit von Kautschukzapfern im Amazonas und von nachhaltiger Baumwollproduktion in Indien. Jana Kaspar spielt in der gleichen Liga wie Madeleine Daria Alizadeh. Janaklar, so ihr Nom de Plume, ist Mitte zwanzig und Menschen über dreißig vermutlich nicht bekannt. Aber unter ihren Alterskollegen ist sie, als Youtuberin mit mehr als 460.000 und als Instagrammerin mit über 160.000 Abonnenten, ein Star. Das liegt vor allem an ihrer natürlichen Art, mit der sie über Themen wie Selbstbewusstsein, finanzielle Unabhängigkeit, Haarpflege oder Veganismus – den sie praktiziert – spricht; oder auch über einen minimalistischen Lebensstil – wie miste ich aus, wie konsumiere ich wenig, darf ich noch fliegen? –, der Wanderungen mit Alpakas und Backpacking auf Hawaii freilich nicht ausschließt. ▪ Harald Sager September 2019 — 27

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