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Handelsverband Journal RETAIL 4/2018

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Handelsverband Journal RETAIL 4/2018

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— persönlich „Die Wahl zwischen Adipositas und Magersucht“ Interview. Lisa Eckhart hat einen ganz neuen, ausgesprochen scharfzüngigen und -sinnigen Ton ins deutschsprachige Kabarett hineingebracht. Den wendet sie nicht nur frontal auf ihr Publikum an, sondern auch auf unsere Konsum kultur – und auf deren Gegenteil, auf den vermeintlichen Nonkonformismus ihrer Generation und sogar auf die unvermeidliche politische Korrektheit. retail: Wie kann es sein, dass Sie von so vielen Schauspielschulen abgelehnt wurden? Ihre Präsenz hatten Sie damals doch sicher auch schon? Lisa Eckhart: Ja, doch eine störrische, die sich nicht mit fremden Texten befüllen ließ. Mit einer Gestik, einem Duktus, den man mir mit Weihwasser nicht hätte austreiben können. In einem Ihrer Programme sagen Sie „Kinderarbeit ist Ausbeutung, sicher. Aber viel schlimmer: Sie ist Stümperei.“ Wo kleiden Sie sich denn selbst ein? Bis ich mir einen Haus- und Hofschneider zu leisten vermag, muss ich mich mit Versace begnügen. Nur da finde ich Pomp, Exzentrik und einen Hang zum Barocken. Und niemand möge einwerfen, es ginge ums Geld. Ein einziger perfekter Anzug trüge einen Menschen durchs Leben. Wenn Sie provozieren, um die Leute zum Denken zu bringen, und Sie dann merken, dass das Publikum lacht, um zu zeigen, dass es verstanden hat – ist das nicht frustrierend? Nein, ich stehe schließlich auf der Bühne, weil ich keinen Widerspruch dulde. Bekundungen von Verständnis und Einsicht sind mir hingegen stets willkommen. Und Lachen ist doch weit -aus zivilisierter, als brüllte man mir lauthals ein „Jawohl!“ entgegen. Es gibt für mich überhaupt keine „falschen Lacher“. Wie reagieren Sie auf Publikum, das mit Ihnen nicht „mitgeht“? Wenn sie vor Ort nicht sofort mitgehen, bedeutet das noch lange nicht, dass sie mir niemals nachkommen oder klammheimlich folgen werden. Wenn Sie keine Vorbilder oder -läufer mit Ihrer Art des Auftritts haben, so zumindest Menschen, an deren Arbeit Sie sich orientieren? All jene, welche Ästhetik und Form als höchstes Gut erachtet haben, jene, welche stets verfochten: Dem Schönen wohnt das Gute inne, qualitativ wie auch moralisch. Dazu zählen für mich Goethe, leider nun mal auch Schiller und der herrliche Exzentriker Quentin Crisp. Und wann immer ich das Ziel aus den Augen verliere, reicht oftmals eine Zeile Nietzsche. Sie kommen vom Poetry Slam und machen jetzt Kabarett, warum? Mich stößt am Slam die unverzeihliche Demokratisierung von Kunst ab: „Alles ist Kunst, jeder ist Künstler.“ Hinzu kommt der faschistische Zwang zur Authentizität, was dazu führt, dass die Texte nicht welthaltig und kunstvoll sind, sondern oft nur der ungefilterte Ausfluss eines irrelevanten, meist leidenden Ichs. Roland Düringer geht in keine Supermärkte oder Einkaufszentren mehr, der kürzlich verstorbene Tom Wolfe hingegen meinte, dass die Konsumkultur unsere Welt bunter und reizvoller macht. Wie sehen Sie das? Maßlosigkeit in der Mäßigung, also völligen Verzicht, halte ich nur für bedingt besser denn besinnungslosen Konsum als identitätsstiftende Tätigkeit. Das hält sich ja dialektisch am Laufen. Dass Konsum die Welt reizvoller macht, will ich gar nicht bestreiten, aber die Menschen selbst entbehren jeglicher Reize. Sie degradieren sich selbst zu Zielgruppen, zu passiven, toten Konsumenten. Es ist die Wahl zwischen Adipositas und Magersucht. Das Ziel, die Auflösung des Ganzen, ist aber die Bulimie. In der Welt des Marketings zählen Sie zur Generation Y. Spüren Sie eine Art Gemeinschaftsgefühl mit Ihren Altersgenossen? Nein, wobei die Generation Y auch gar nicht auf ein Gemeinschaftsgefühl ausgerichtet ist. Sie predigt einen irregehenden Individualismus, der in einen gleichgeschalteten Brei aus vermeintlichen Nonkonformisten mündet. Sie ist arm an Erotik und reich an Vulgarität, rhetorisch höchstens minderbemittelt und dennoch immerzu am Reden. Nervt Sie politische Korrektheit? Nerven ist äußerst gelinde gesagt. Wir streichen damit unentwegt über eine schimmlige Wand, atmen kurz erleichtert auf und wundern uns dann, warum der rassistische und sexistische Sud immer wieder durchsickert. ▪ Harald Sager Foto: Franziska Schrödinger 46 — Dezember 2018

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