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Handelsverband Journal RETAIL 4/2018

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Handelsverband Journal RETAIL 4/2018

— lebensmittel

— lebensmittel lebensmittel Zwei Drittel des landwirtschaftlichen Einkommens von österreichischen Bauern sind Förderungen. Diese sind kaum noch wegzudenken und notwendig, um die vergleichsweise kleinstrukturierte Landwirtschaft in Österreich aufrechtzuerhalten. Öffentliche Gelder für Bauern Foto: Shutterstock/Jon Bilous Im globalen Preiskampf wäre es für die Bauern ohne gezielte Förderungen kaum wirtschaftlich, auf Umwelt- und Tierschutz besonders zu achten oder steile Flächen in Berggebieten zu bewirtschaften. Jede Zahlung ist in Österreich an eine Maßnahme gebunden, landwirtschaftliche Fläche zu bewirtschaften allein reicht nicht. Die Maßnahmen müssen konkreten Zielen dienen, etwa dem Umwelt- oder Tierschutz. Dass die Bauern Förderungen bekommen, und vor allem deren Höhe, sorgt immer wieder für Diskussion. Wenn man bedenkt, dass Förderungen im Schnitt 66 Prozent des landwirtschaftlichen Einkommens ausmachen, wird klar, welche Bedeutung diese für die Bauern haben. Die Landwirtschaft ist der größte Posten im EU-Budget. Die EU gibt europaweit pro Jahr 56,5 Milliarden Euro dafür aus. Österreich hat ein Agrarbudget von 1,9 Milliarden Euro, das sind 220 Euro pro Österreicher und Jahr. 61 Prozent davon kommen aus dem EU-Topf, 17 Prozent vom Bund und 22 Prozent von den Ländern. 70 Prozent der gesamten EU-Mittel, die Österreich erhält, gehen in die Landwirtschaft und die „Ländliche Entwicklung“. Wie viel wer bekommt, ist unter www.transparenzdatenbank.at einsehbar. Förderungen der ersten Säule zahlt die EU und sie werden als Direktzahlungen bezeichnet. Direktzahlungen bekommen praktisch alle Bauern, wenn sie landwirtschaftliche Flächen bewirtschaften und Basis-Umweltauflagen erfüllen. Pro Hektar erhalten die Bauern einen festgelegten Betrag, sofern sie grundlegende Umwelt- und Tierschutzauflagen erfüllen. Dieser wird 2019 um die 284 Euro pro Hektar betragen. Zu den Marktordnungsausgaben gehört unter anderem auch die finanzielle Unterstützung von Junglandwirten, die auch nach Fläche berechnet wird. Den zweiten Fördertopf gestaltet Österreich selbst, muss dafür aber die Genehmigung der EU einholen. Die EU gibt Grundsätze und Ziele vor, zu deren Erreichung die Zahlungen der zweiten Säule beitragen müssen. Das sind etwa konkrete Umweltschutzmaßnahmen. Die Gelder der zweiten Säule kommen zu 29,5 Prozent vom Bund und zu 20,4 Prozent von den Bundesländern. Die EU verdoppelt die Zahlungen, EU-Beiträge machen somit 50,1 Prozent aus. Zur zweiten Säule gehören Ausgleichszahlungen für jene Bauern, die in Regionen Landwirtschaft betreiben, die naturbedingt benachteiligt sind. Dazu gehören zum Beispiel Berg- und sonstige benachteiligte Gebiete. Das Agrar-Umweltprogramm ÖPUL ist zentraler Bestandteil der zweiten Säule. Für 2020 ist eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik geplant. Die EU-Kommission plant unter anderem eine neue Obergrenze für große Betriebe. Umwelt- und Klimaschutz sollen höhere Priorität haben als bisher. Land schafft Leben stellt das Thema Agrarsubventionen ausführlich und leicht ver ständlich auf seiner Webseite www.landschafftleben.at unter der Rubrik „Hintergründe“ dar. 20 — Dezember 2018

— storys Malware nicht im Sortiment Cybersicherheit im Lebensmitteleinzelhandel. In Österreich ist die Branche, anders als in Deutsch - land, nicht als „kritische Infrastruktur“ eingestuft. Schützt sie sich ausreichend vor Internetbetrug, Mal- und Ransomware, sprich vor Cyberkriminalität? Foto und Illustration: Shutterstock/gray_and/magic pictures Alles, was mit „online“ zu tun hat, verzeichnet sagenhafte Wachstumsraten – so auch die Kriminalität im und aus dem Netz. Immer wieder werden etwa Firmen Opfer des „Fake President“-Tricks oder „CEO-Frauds“, bei dem eine gefälschte E-Mail eines hochrangigen Unternehmensmitarbeiters, am besten gleich des Vorstandsvorsitzenden, an die Buchhaltung ergeht, eine dringende Überweisung zu tätigen. Auch Anrufe, bei denen durch ein Computerprogramm die Stimme des Chefs imitiert wird, sind bekannt. Das Bundeskriminalamt stellt hohe Zuwachsraten bei der Cyberkriminalität fest: Österreichweit sind die Anzeigen im Vorjahr um 28 Prozent auf 16.800 gestiegen, wobei die Dunkelziffer mit Sicherheit hoch ist. Der Gesamtschaden wird auf mehrere Millionen Euro jährlich geschätzt. Deutschland schafft Branchen-Standard Wie steht es damit im Lebensmitteleinzelhandel (LEH)? In Deutschland wurde diesen Sommer ein eigener Branchen-Standard für Cybersicherheit namens B3S freigegeben. Dessen Richtlinien sollen gewährleisten, dass die Unternehmen des LEH ihre Informationstechnologie angemessen absichern. Der LEH wird in Deutschland als „kritische Infrastruktur“ eingestuft. In Österreich ist das anders: Zu den kritischen Infrastrukturen zählen hier etwa Telekommunikation und Energie, nicht aber die Lebensmittelversorgung. Im Jahr 2016 wurde zwar eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des LEH, des Innen-, Wirtschafts- und Landwirtschaftsministeriums sowie des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) zusammengestellt, doch das Projekt wurde von der neuen Bundesregierung nicht weiterverfolgt. Dazu berichtet Christoph Wenin, Datenschutzbeauftragter von Rewe International: „Man wollte ganz bewusst vom ,Gold-Plating‘, also von der nationalen Übererfüllung von EU-Vorgaben, abgehen.“ Konform mit der Norm Nicole Berkmann, Unternehmenssprecherin von Spar, sieht ihr Unternehmen auch ohne Branchen-Standard und Einstufung als „kritische Infrastruktur“ ausreichend vorbereitet: „Alle LEH-Unternehmen lehnen sich an die in der Industrie gängigen Standards an, zum Beispiel ISO 27001, die internationale Norm für Informationssicherheit. Wir sind auch mit dem Innenministerium eng vernetzt. Uns ist durch Cyberkriminalität bisher kein Schaden entstanden. Die Zahlungsverkehrs-Infrastruktur haben wir nicht bei uns, denn die Sicherheitsstandards sind bei den Bankenpartnern höher. Komplett geschützt kann man nicht sein – nur so gut wie möglich vorbereitet. Wir finden, dass wir von Spar das sind.“ Wichtiger als Software ist für Nicole Berkmann, „das Verhalten der Mitarbeitenden zu schulen und das Thema in den Köpfen zu verankern.“ Ähnlich gut aufgestellt ist laut Christoph Wenin auch die Rewe Group in Österreich: „Zum einen sind wir ISO 27001- zertifiziert und halten uns auch an die NIS-Richtlinie der EU zur Gewährleistung eines hohen gemeinsamen Sicherheitsniveaus von Netz- und Informationssystemen. Zum anderen haben wir in den letzten Jahren sehr viel in technische Sicherungseinrichtungen, vor allem aber in Mitarbeiterinformation und Sensibilisierungsmaßnahmen investiert. Nur um das Beispiel ,CEO-Fraud‘ oder auch einer Zahlungsaufforderung durch einen fiktiven Lieferanten zu nennen: Wir haben insofern vorgesorgt, als wir bei Überweisungen nach dem Vier-Augen-Prinzip vorgehen. Zudem wird angerufen und nach Belegen sowie Rechnungen verlangt.“ Handelsverband-Initiative für mehr Sicherheit Cyberkriminalität ist auch eines der Themen der bundesweiten Initiative „GEMEINSAM.SICHER beim Einkaufen“, einer Kooperation zwischen dem österreichischen Handelsverband und der Polizei. Die durch die Initiative geschaffene personelle Infrastruktur mit Sicherheitsbeauftragten und Sicherheitskoordinatoren wird von den Vertreterinnen und Vertretern des Handels österreichweit genutzt. Die Prävention von organisierter Bettelei, Ladendiebstahl und Bandenkriminalität, Cybercrime und der Schutz kritischer Infrastruktur (Terrorismusprävention) sind die Schwerpunktthemen der Kooperation. Der Handelsverband lud Ende November zudem zu einer Veranstaltung der Reihe [handels]zone zum Thema 360° Sicherheit im Handel, bei der renommierte Speaker wie Thomas Franke, Ge schäfts - führer des gemeinnützigen „Forum Ver - netzte Sicherheit“ und Christoph Wenk- Fischer, Geschäftsführer des BEVH, ihre Expertise teilten. ▪ Harald Sager Dezember 2018 — 21

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