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Handelsverband Journal RETAIL 3/2019

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Handelsverband Journal RETAIL 3/2019

— auslage

— auslage Illustration: Shutterstock/one line man viel öfter und schneller ändern, als man das von den herkömmlichen Geschäften kennt“, sagt Schneider. Dass sich Ikea trotz wachsendem Onlinegeschäft weiterhin so für den Retailhandel ins Zeug legt, erklärt der Deutsche mit einer Strategie des Miteinanders von Internet und Ladenraum. „Unsere Standorte sind nach wie vor unverzichtbar als Treffpunkt für die Kunden. Sie können sich dort austauschen, treffen auf die Marke, das Sortiment, trinken vielleicht auch einen Kaffee und kaufen nicht immer etwas. Die Hauptsache ist, dass sie sich wohlfühlen.“ Im intimen Baumarkt Auf den Wohlfühlfaktor setzt auch ein Handelsunternehmen, von dem man es aufgrund seiner Branchenzugehörigkeit zunächst nicht erwarten würde: Die britische Baumarktkette B&Q. Dass zwischen Schlagbohrern und Betonsackerln auch Platz für ein intimeres Einkaufserlebnis sein kann, beweist B&Q seit April mit dem Conceptstore „Good Home“, der in der Londoner Vorstadt Wallington testweise aufgesperrt hat. Der Versuchsballon unterscheidet sich grundsätzlich von seinen großen Brüdern – mit bescheidenen 150 Quadratmetern Verkaufsfläche kommt „Good Home“ gerade einmal auf den Bruchteil der Größe eines ausgewachsenen B&Q (bis zu 9.000 Quadratmeter), auch beim Sortiment setzt man auf klein, aber fein: Statt 40.000 Produkten werden im Mini- Markt nur 6.000 angeboten. Trotzdem müssen die Kunden nicht auf die volle Produktpalette verzichten, was nicht lagernd ist, kann über große Touchscreens im Geschäft geordert werden und soll schon in Minuten abholbereit an der Kassa liegen. Gleich wie Ikea versucht B&Q mit seinen kleineren Geschäften näher an die Innenstädte zu gelangen, zum autolosen Publikum, das sich über jedes Paket vor der Haustüre freut. Fazit: Wer im stationären Handel kreativ – und vor allem nah an den Kundenwünschen – agiert, muss die manchmal übermächtig scheinende Onlinekonkurrenz nicht fürchten. ▪ Josef Puschitz „Man kommt auch ohne doofe Gadgets aus“ Gert George berät Handelsunternehmen bei der Digitalisierung und ihren Ladenkonzepten. Dem stationären Handel legt er nahe, seine Produkte besser zu inszenieren. retail: Herr George, wie sehr sehen Sie den stationären Handel vom rasant wachsenden Onlinegeschäft gefährdet? Wird es in Zukunft überhaupt noch das klassische Geschäft geben, oder kaufen wir nur noch im Internet ein? Gert George: Den stationären Handel wird es weiterhin geben. Er wird aber weniger vom Wachstum des Onlinehandels tangiert, sondern vielmehr vom Wandel des Kundenverhaltens. Die Kunden wollen ihre Produkte einfacher, schneller und ständig verfügbar erhalten. Das hat der Onlinehandel aufgenommen und in ein Geschäftsmodell verwandelt, das äußerst gut funktioniert. Das hat zur Folge, dass die Kundenfrequenz an den Standorten zurückgeht, die Loyalität zu den Filialen nimmt ab. In den USA lässt sich schon erkennen, dass große Teile der Verkaufsflächen aus dem Verkehr gezogen werden, weil sie einfach nicht mehr erforderlich sind. Die Auguren sagen diese Entwicklung auch hierzulande voraus. Mit welchen Mitteln kann sich Offlineretail dann noch behaupten? Was muss ein Ladengeschäft heute unbedingt aufweisen, um weiterhin relevant zu sein? Der erste Schritt für jedes Unternehmen muss sein, das Geschäftsmodell zu hinterfragen. Warum soll ein Kunde überhaupt bei mir einkaufen? Es reicht nicht, als Möbelhändler 200 verschiedene Schlafzimmer anzubieten, das machen die anderen auch, das ist heute kein Kriterium mehr. Die Kunden brauchen Inspiration für die Gestaltung ihres Zuhauses, ein Erlebnis beim Einkauf. Manche Geschäfte versuchen so ein Erlebnis mit technischen Hilfsmitteln oder Klang- und Duftkonzepten zu kreieren. Ist das ein gangbarer Weg? In den meisten Fällen ist das eher eine Verzweiflungstat. Das sind die Gadgets, die den Händlern von Beratern eingeredet werden, aber nichts dazu beitragen, ordentlich am Geschäftsmodell Gert George zu arbeiten. Viel wichtiger ist, Kontaktpunkte zu den Kunden zu schaffen, sie sauber zu bedienen und um Gottes willen nicht noch den zehntausendsten Onlineshop aufzubauen. Ein blödes Geschäftsmodell bleibt auch dann blöd, wenn man es digital macht. Was sollen stationäre Händler stattdessen tun? Sie sollten nach Möglichkeit ihre Produkte inszenieren: Sie müssen die Haptik der Waren nutzen, Events auf der Fläche und Bringdienste anbieten. So haben sie eine Chance gegen Riesen wie Amazon, das seine 300 Millionen Produkte völlig emotionslos auflistet. Von so einem unüberschaubaren Sortiment im Internet sind die Kunden überfordert. Sie brauchen jemanden, wenn sie nicht wissen, was sie suchen. Das kann die Beratung im Geschäft wie niemand anderes. Foto: privat Kapsch BusinessCom We Know How to Shop. Shopping Experience auf höchstem Level — dafür sorgt Kapsch Digitalisierung mit umfassendem Know-how für Handelsunternehmer: Mit Smart Multimedia, Customer Experience und umfassenden Security Lösungen. www.kapsch.net 8 — September 2019 September 2019 — 9

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