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Handelsverband Journal RETAIL 3/2019

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Handelsverband Journal RETAIL 3/2019

— research —

— research — wissenschaft — intern 2020 – Die Zukunft ist jetzt Prognose. Lange bot das Jahr 2020 den Fokuspunkt für Visionen, auch für den Handel. Doch nun steht es unmittelbar bevor. Das Zukunftsinstitut beschäftigt sich in seinem neuen „Retail Report 2020“ mit den Trends, welche schon jetzt sichtbar sind und die nächsten Jahre bestimmen werden. Virtual Shopping via QR? Roboter, die Verkäufer überflüssig machen? Drohnen, die Pakete ausliefern? Vieles in dieser Art wurde für das Jahr 2020 prognostiziert, wenig hat sich bislang wirklich bewahrheitet. Das heißt jedoch nicht, dass es überhaupt keine Trends gibt, welche die Handelswelt der kommenden Jahre bestimmen werden. Das deutschöster reichische Zukunftsinstitut nimmt in seinem neuen „Retail Report 2020“ genau diese Trends unter die Lupe und beschreibt anhand von vielen Praxisbeispielen, in welche Richtung sich der Handel entwickeln wird. Instant Shopping Das schnelle und hektische Leben der Konsumenten macht dem stationären Handel zu schaffen. Innovative Konzepte zeigen, wie Händler den ungeduldigen Kunden gerecht werden können. Das heißt vor allem, dass Händler genau dort sein müssen, wo der Kunde ist. Ein Beispiel dafür ist der schwimmende Supermarkt von Carrefour, an dem Yachtbesitzer anlegen können, oder das amerikanische Startup Atyourgate, welches die per App besorgten Einkäufe am Flughafen direkt in die Abflughalle bringt. Playful Stores Flächenproduktivität war gestern, künftig zählt das Erlebnis pro Quadratmeter. Denn während seit Jahren das Ende stationärer Geschäfte heraufbeschworen wird, feiern innovative Retailer und Marken das große Erlebnis auf großer Fläche. Besonders jüngere Konsumenten lassen sich für erlebnisreiche oder spielerische Einkäufe begeistern. Wie etwa beim norddeutschen Traditions-Warenhaus L&T, wo Kunden inmitten von Kleidern und anderen Produkten auf einer stehenden Welle surfen oder in einem Fitness-Center unter alpinen Bedingungen trainieren können. Event-Shopping Black Friday, Cyber Monday, Singles’ Day – der Handel scheint keine Möglichkeit auszulassen, Kunden mit Rabattaktionen an selbst kreierten Shopping-Tagen zu locken. Und die Konsumenten sind begeistert – noch. Schon zeigen sich bei den ersten Konsumenten Ermüdungserscheinungen, weswegen nicht der Preis, sondern das Erlebnis im Vordergrund stehen sollte. Die Drogeriekette dm hat die Rabattschlacht am Black Friday in einen „Giving Day“ umgemünzt und einen Teil ihrer Umsätze an gemeinnützige Projekte gespendet. Und der deutsche Outdoor-Händler Globetrotter machte ihn zum Werkstatt-Tag, an dem Kunden kostenlos ihre Ausrüstung reparieren lassen können. ImmoTail Wohnen über dem Supermarkt? Warum eigentlich nicht? Schließlich ist Wohnraum gerade in großen Städten zunehmend Theresa Schleicher ist Handelsexpertin beim Zukunftsinstitut und Autorin des „Retail Report 2020“. knapp, was dort über kurz oder lang Mischnutzungskonzepte an Bedeutung gewinnen lassen wird. Händlern kommt so eine wichtige Rolle bei der Schaffung von neuem urbanem Wohnraum zu. Bereits existierende Standorte müssen revitalisiert werden, um nicht als Enfant terrible des stationären Einzelhandels kostbare Flächen zu vergeuden. Der Trend zum ImmoTail zeigt, dass Händler ihre Standorte nicht mehr losgelöst vom Umfeld entwickeln können. Cashfree Retail Spätestens mit Apple Pay und Amazon Go ist das Bezahlen ohne Bargeld oder Karte zum Trend geworden. In Asien kann in ausgewählten Supermärkten von Alibaba und KFC-Restaurants mit einem Lächeln bezahlt werden. Die Erste Bank bietet die Bankkarte per Armband. Und Barclaycard kooperiert mit der Kaffeekette Costa und bringt den Bezahlchip gleich im wiederverwertbaren Kaffeebecher unter, verbunden mit einer App, die jederzeit das aktuelle Guthaben anzeigt. Innovative Konzepte wie diese zeigen, wie in Zukunft gezahlt werden kann. ▪ Arndt Müller Illustration: Shutterstock/LittlePerfectStock Wie und wo kauft die Generation Z? Befragung. Die 15- bis 22-Jährigen sind die Shopper von morgen. Genau deshalb lassen sich aus ihrem jetzigen Einkaufsverhalten Schlüsse ziehen, in welche Richtung sich der Handel entwickeln könnte. Und die sind durchaus überraschend. Das Erstaunlichste zuerst: Die ganz Jungen, in der Sprache der Trendforscher „Generation Z“ genannt, kaufen am liebsten im stationären Handel. Das zumindest gilt, wenn man die Ergebnisse der neuen Befragung von Handelsverband und Mindtake genauer unter die Lupe nimmt. Denn zählt man die Kategorien Shopping-Center (Spitzenreiter mit 26 Prozent), Einkaufsstraßen (13 Prozent), Supermarkt (11 Prozent) und Geschäfte abseits von Einkaufsstraßen zusammen (7 Prozent), ergibt das beinahe doppelt so viel wie die Kategorien des E-Commerce (zusammen 34 Prozent). Heißt das, stationäre Händler können auf Marketingaktivitäten im Internet verzichten? Natürlich nicht. Denn logischerweise sind die 15- bis 22-Jährigen als „Digital Natives“ im Netz aktiv, wie man schon an ihren Antworten zu den bevorzugten Social-Media-Kanälen erkennt. Mehr als 91 Prozent verwenden Whatsapp, fast genauso viele Instagram (84 Prozent) und Youtube (80,2 Prozent). Interessant hierbei: Facebook spielt wirklich kaum mehr eine Rolle, wie auch schon frühere Umfragen gezeigt haben. Nur mehr 6 von 10 jungen Menschen treiben sich dort herum, den Messenger nutzen gar nur 35,2 Prozent. Influencer überzeugen Wie wichtig das Internet für die Kaufentscheidungen der Teens und Twens ist, zeigen die Antworten auf die Frage nach den Informationsquellen, die vor dem Shopping konsultiert werden. Hier führen Suchmaschinen, allerdings knapp gefolgt von Mund propaganda. Immerhin knapp die Hälfte der Befragten erkundigt sich direkt im Geschäft. Eine Zwitterstellung nehmen die Influencer ein: Sie sind im Netz, wirken aber bestenfalls wie gute Bekannte oder sogar Freunde. Und genau das kommt an, denn mehr als die Hälfte der befragten Jung-Shopper hat bereits mindestens einmal ein von einem solchen Einflüsterer beworbenes Produkt gekauft, ein guter Teil auch Quelle: Mindtake/Handelsverband schon mehrmals. Entscheidend dafür war nicht nur die Produktpräsentation, sondern auch der Mensch, der das Produkt im Netz beworben hat. „Immerhin 8 Prozent haben auch schon mal direkt auf der Website eines Influencers geshoppt", bestätigt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. ▪ Arndt Müller Welche Informationsquellen nutzt du für den Kauf von Produkten? Suchmaschinen (z.B. Google) Familie, Freunde, Bekannte Infos im Geschäft/beim Händler Infos auf Webshops (z.B. Zalando) Social Media (z.B. Facebook) Websites von Unternehmen Vergleichsportale (z.B. idealo) Online-Medien (z.B. derstandard.at) TV Zeitungen/Magazine Blogs/Foren Radio Sprachassistenten (z.B. „Alexa“) Sonstige Hast du schon einmal ein Produkt gekauft, weil es von einem Influencer präsentiert wurde? Ja, zumindest einmal Ja, mehrmals Ja, auch direkt über den Webshop des Influencers 30,9 % 12,9 % 8,1 % 48,1 % nein 7,5 % 5,1 % 2,2 % 26,7 % 24,0 % 21,0 % 20,0 % 18,2 % 46,1 % 44,6 % 42,8 % 40,8 % 67,9 % 63,4 % Was hat deine Kaufentscheidung ausgelöst? 82,1 % Die Produktpräsentation hat mich überzeugt 75,6 % Der/die Influencer/in hat mich inspiriert 71,0 % Ich vertraue den Empfehlungen des Influencers 63,4 % Beim Kauf des Produkts gab es einen Rabatt 41,2 % Ich bin dadurch Teil einer Community Illustration: Shutterstock/venimo 32 — September 2019 September 2019 — 33

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