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Handelsverband Journal RETAIL 3/2019

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Handelsverband Journal RETAIL 3/2019

— startups — storys

— startups — storys — storys startupwelt startupwelt selected by Werner Wutscher, Leiter des Handelsverband- Circles „Omnichannel & Innovation“ und Gründer von New Venture Scouting. Trinkwasser durch die Kraft der Sonne Naschen ohne Zucker 76 Prozent der Österreicher möchten ihren Zuckerkonsum einschränken. Das Wiener Startup Alpha Republic reagierte auf diesen Trend und brachte Ende 2017 Neoh auf den Markt. Das Versprechen: Geschmack wie ein Schokoriegel, Nährwerte wie ein Proteinriegel. Die „Neoh“-Riegel haben 90 Prozent weniger Zucker als vergleichbare Produkte, zu verdanken ist das Zuckerersatzstoffen wie Erythrit oder Xylit, die etwa in Beeren, Pistazien oder Karfiol vorkommen. Kaufen kann man sie unter anderem bei Spar, Hervis und in Fitnesscentern. Rund 9 Millionen Stück wurden bereits abgesetzt. Gründer Manuel Zeller hatte drei Jahre lang herumexperimentiert, bis er fand, was er suchte: einen Riegel, der sowohl gesund ist als auch schmeckt. ▸ neoh.com Foto: Neoh Reis aus dem Marchfeld Tausende Kilometer reist Reis für gewöhnlich um die Erde, ehe er auf österreichischen Tellern landet. Ein IT-Experte hatte vor einigen Jahren die „verrückte Idee“, das zu ändern: Auf dem Bauernhof seines Vaters nordöstlich von Wien begann Gregor Neumeyer, das exotische Getreide anzubauen. Der Plan ging zunächst in die Hose – aufgrund fehlenden Know-hows fiel die erste Ernte de facto aus. Experimente mit unterschiedlichen Reissorten und der Austausch mit internationalen Forschungseinrichtungen führten jedoch zu einer steilen Lernkurve und im Jahr 2016 zur ersten erfolgreichen Ernte von „ÖsterReis“. Überflutete Reisterrassen gibt es im Marchfeld dennoch nicht, angebaut wird im Trockenverfahren. Das biozertifizierte Nahrungsmittel ist im Webshop, direkt ab Hof oder bei ausgewählten Partnern, etwa Julius Meinl am Graben, erhältlich. ▸ oesterreis.at 30 — September 2019 Foto: ÖsterReis Klub der Urbanen Ein gutes Produkt ist nur die halbe Miete, es will auch gut vermarktet sein. Dabei hilft © UFB Urban Food and Beverage GmbH ein weiteres Austro-Startup: Urban Food and Beverage ist eine Vermarktungsplattform für innovative Lebensmittel und Getränke. 14 Marken aus sieben Ländern sind bereits im Portfolio, darunter etwa „Omi’s Apfelstrudel“, „mySmoothie“ oder „Organic Human“. Diese werden in hunderten Tankstellen, Drogeriemärkten, Gastronomiebetrieben und mehr als 3.000 Supermärkten in Österreich vertrieben. Weitere Dienstleistungen umfassen Marketing und Finanzierung. Gründer Julian Juen hatte zuvor den Kaktusfeigen- Drink „Kaahée“ entwickelt und am österreichischen Markt eingeführt. Nun nutzt er seine Erfahrung und Kontakte, um anderen Startups unter die Arme zu greifen. ▸ urbanfandb.com Bäume zum Kauen Herkömmliche Kaugummis bestehen zu einem großen Teil aus Erdölprodukten und Zucker. Auch hier bietet sich also eine Chance für nachhaltige und gesunde Alternativen. Ein Startup aus Österreich hat eine solche entwickelt: Der „Alpengummi“ besteht aus heimischem Föhrenharz, Bienenwachs und Birkenzucker. Für die Produktion wurde das alte Handwerk der Harzgewinnung bzw. Pecherei wiederbelebt, das mit dem Aufkommen von Kunststoffprodukten rasant an Bedeutung verloren hatte. Kaufen kann man den Bio-Kaugummi derzeit in knapp 20 Filialen des Drogeristen Prokopp sowie in über 30 kleineren Spezialgeschäften in Österreich und Deutschland. Bei der Fernsehshow „2 Minuten 2 Millionen“ haben die beiden Gründerinnen – und ehemaligen Boku-Studentinnen – übrigens Selbstbewusstsein bewiesen. Und ein Angebot des Investors Hans Peter Haselsteiner abgelehnt, weil ihnen 150.000 Euro für 25,1 Prozent des Unternehmens zu wenig waren. ▸ alpengummi.at Foto: Urban Food & Beverage Foto: Wolfgang Riepl Interview. Es ist robust und wartungsfrei und vor allem ungemein nützlich für all jene, die es verwenden – und das könnten und sollten viele Millionen Menschen sein. Der Vorarlberger Martin Wesian hat das Messgerät Wadi entwickelt, um es überall dort zu vertreiben, wo verunreinigtes Trinkwasser ein Thema ist. retail: Was ist Wadi? Martin Wesian: Wadi – das Wort steht für Water Disinfection – ist ein Messgerät, das mittels eines Smileys auf dem Display anzeigt, wann verunreinigtes und in eine PET-Flasche gefülltes Wasser mittels Sonnenenergie sauber und trinkbar geworden ist. Außerdem nenne ich es eine „CO₂-Vermeidungsmaschine“, denn jedes einzelne Gerät spart durchschnittlich zwei Tonnen CO₂ pro Jahr ein, die ansonsten durch Abkochen des Wassers am offenen Feuer – die gängigste Form der Wasserdesinfektion – entstehen würden. Hunderte Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Das Wadi schafft hier auf denkbar einfache Weise Abhilfe: Es ist leicht zu bedienen, preisgünstig – 15 Euro Richtpreis – und wartungsfrei. Es hat zwei Jahre Garantie, aber die ältesten Geräte sind jetzt seit sieben Jahren im Feld und funktionieren nach wie vor tadellos. Und es ist annähernd grenzenlos skalierbar: In einer Schule in Uganda beispielsweise ist ein einziges Wadi in Betrieb. Die Schülerinnen kommen in der Früh, jede legt zwei Flaschen – eine für sich, eine für die Familie, ein paar zum Verkaufen – auf, insgesamt liegen da etwa 1.500 Flaschen in Reih und Glied im Schulhof. Während des Unterrichts kann mehrmals gereinigt werden, anschließend nehmen die Schülerinnen ihre Flaschen mit nach Hause. Wie kamen Sie dazu, das Wadi zu entwickeln, und wie funktioniert es? Ich hatte vor vielen Jahren einen Artikel über die SODIS-Methode – was für Solar Disinfection steht – gelesen und wusste daher, dass verunreinigtes Wasser, das man in Plastikflaschen füllt und der Sonne aussetzt, durch deren UV-Strahlung desinfiziert wird. Die Methode war bekannt, aber es gab nur Richtwerte, dass der Vorgang zwischen sechs Stunden und zwei Tagen dauert – nichts Genaues. Mich packte die Idee, ob man ein entsprechendes Messgerät entwickeln könnte, das technisch und wirtschaftlich machbar wäre und auch von den Betroffenen angenommen werden würde. Das erforschte ich im Rahmen einer Masterarbeit im Fach Wirtschaftsingenieurswesen. Danach trat ich in Kontakt mit der ETH Zürich und der Uni für Bodenkultur in Wien, mit Elektronikern, Mikrobiologen, Ärzten, Designern und Anthropologen, und nach zwei Jahren und Hunderten mikrobiologischen Tests war das Wadi so weit fertig, dass wir damit in Produktion gehen konnten. 2010 gründete ich Helioz, seither haben wir etwa 80.000 Stück produzieren lassen. Wie bringen Sie das Wadi unter die Leute? Zum einen arbeiten wir mit internationalen Organisationen wie der WHO, mit Hilfsorganisationen wie der Caritas, mit NGOs und lokalen und staatlichen Behörden in den betroffenen Ländern zusammen. Aber unsere hauptsächlichen Kunden sind jetzt Unternehmen in der DACH-Region, die sich im Rahmen von CSR-Vorhaben um CO₂-Neutralität bemühen. Bei unserem Projekt mit dem Lebensmittelhändler Hofer haben wir 10.000 Haushalte in Bangladesch, die bis dahin bis zu umgerechnet 15 Euro im Monat für Wasserdesinfektion aufwenden mussten, mit Wadis versorgt. Dieses Projekt spart Tausende Tonnen CO₂ pro Jahr ein, die von Hofer wiederum gekauft werden und so zu dessen CO₂-Neutralität beitragen. ▪ Harald Sager Fotos: Helioz September 2019 — 31

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