Aufrufe
vor 2 Jahren

Handelsverband Journal RETAIL 2/2018

  • Text
  • Will
  • Unternehmen
  • Handel
  • Wien
  • Amazon
  • Handelsverband
  • Alibaba
  • Konsumenten
  • Digitalen
  • Millionen
Handelsverband Journal RETAIL 2/2018

Viel Content, viel Speed

Viel Content, viel Speed Zugriff auf 40 Branchen Sourcing. Auch österreichische Unternehmen nutzen Alibaba.com für den Bezug vor allem von White-Label-Produkten. Die globale Großhandelsplattform Alibaba.com bietet nicht nur eine Vertriebsoption für B2B-Händler in alle Welt, sondern stellt auch eine Sourcing-Möglichkeit dar. Mehr als 160 Millionen Unternehmen weltweit greifen auf sie zurück, die meisten davon (26 Millionen) aus Russland. Die USA und Brasilien sind die nächstgrößeren Märkte. In einem Ranking der Länder, aus denen die meisten Anfragen kommen, liegt Österreich sogar in den Top 10. „Wir empfehlen unseren Händlern natürlich, für das Sourcing auch auf Alibaba. com zurückzugreifen“, sagt Chien-Hao Hsu von der Agentur Zeevan. Wobei es mit einem einfachen Mausklick für gewöhnlich nicht getan ist. So stelle die Sprache oft eine Hürde dar. Produkte aus mehr als 40 Branchen sind verfügbar, die stärksten Kategorien sind Konsumelektronik, Kleidung sowie Automobil und Motorräder. „Dabei geht es in erster Linie um OEMbzw. White-Label-Produkte“, so Hsu. Expertentipps für den Eintritt in den chinesischen E-Commerce-Markt. Auf welche Weise können österreichische Händler China als Absatzmarkt erobern? Zunächst ist zwischen Cross-Border-E-Commerce und dem eigentlichen „chinesischen“ E-Commerce zu unterscheiden. „Für Letzteren muss der Händler in China eine Firma gründen, die Importlizenzen für alle Produkte haben, die Ware mit chinesischen Etiketten versehen und sie in China lagern“, erklärt Georg Godula, Chef der Agentur Web2Asia, die bereits Firmen wie dm, Swarovski oder Metro beim Schritt in den chinesischen Online-Markt begleitet hat. Für das Cross-Border- Geschäft – etwa auf Tmall Global von Alibaba (www.tmall.hk im Gegensatz zum „normalen“ Tmall auf www.tmall.com) oder JD Worldwide (www.jd.hk) – hingegen benötigt der Händler all das nicht und kann somit seine Produkte aus dem Ausland an chinesische Konsumenten versenden. Alibaba-Manager Karl Wehner empfiehlt für einen Start auf Tmall, mit zertifizierten Umsetzungsagenturen zusammenzuarbeiten. Außerdem weist er auf Besonderheiten des chinesischen Marktes hin: „In Westeuropa ist dem Kunden wichtig, dass er den Einkauf so schnell wie möglich abschließen kann. In China ist unglaublich viel Content gewünscht. Die Konsumenten halten sich vor dem ersten Kauf einer Marke durchschnittlich zehn Minuten auf der Produktdetailseite auf, interessieren sich auch für die Firmenhistorie, stellen Fragen zum Unternehmen. Wenn die Antwort des Kundenservice länger als dreißig Sekunden auf sich warten lässt, ist das schon zu lange.“ Erster Schritt: Touristen ansprechen Zeevan-Gründer Chien-Hao Hsu empfiehlt österreichischen Händlern als ersten Schritt, chinesische Touristen anzusprechen – etwa mit Rabatt-Angeboten auf Wechat und stationären Bezahlmöglichkeiten wie Alipay oder dem großen Payment-Konkurrenten Wechat Pay. In einem zweiten Schritt kann dann ein Onlineshop eingerichtet werden. „Für bekannte Marken bieten sich Plattformen wie Tmall Global an“, meint Hsu. Kleineren Einzelhändlern empfiehlt er allerdings, sich mit einzelnen Produkten in einen bestehenden Shop auf Tmall.com einzumieten. Auch diese Produkte können auf diese Weise aus dem Ausland versendet werden. „Man darf nicht vergessen, dass ein eigener Shop sehr kostenintensiv und ein positiver Return on Investment nach einem Jahr eher unwahrscheinlich ist“, meint Hsu. „Es gibt Händler, die auf diese Weise Millionen US-Dollar verbraten haben.“ 8

— auslage Nach Amazon: Kommen jetzt die Chinesen? E-Commerce. Alle schauen auf Amazon, aber die nächste große Innovationswelle wird aus dem Osten kommen. Alibaba und JD.com treiben ihre Expansion in Europa sehr unterschiedlich voran. Sind die chinesischen Online­Giganten wie Alibaba und JD.com eine Chance oder eine Gefahr für die europäischen Händler? Auf der einen Seite bieten ihre Plattformen eine Brücke, um neue Absatzmärkte im Fernen Osten zu erschließen. Auf der anderen Seite könnten sie ihrerseits die europäischen Konsumenten stärker ins Visier nehmen. Und damit die – durch Amazon bereits nachhaltig erschütterte – Retail­Branche noch weiter in Bedrängnis bringen. „Es ist bemerkenswert, wie rasch neue Player in den Fokus gerückt sind“, sagt Alexander Pöhl, Oliver­Wyman­Experte für Einzelhandel. Das Beratungsunternehmen warnte kürzlich davor, dass die etablierten Händler von der neuen Handelskraft überrollt werden könnten, sofern sie nicht auf ihre Kunden noch individueller und innovativer zugehen. Die Experten schätzen etwa, dass Alibaba und JD.com, Alibabas Hauptkonkurrent in China, bereits im Jahr 2025 mit rund 550 Milliarden Euro mehr Umsatz als die zehn größten deutschen Handelsgruppen erwirtschaften könnten. Wie verträgt sich das mit der Ansage von Alibaba­Manager Karl Wehner (siehe Interview auf Seite 6), sich auf die Wachstumsmärkte in Asien konzentrieren zu wollen? „Man muss zwischen den Expansionsstrategien von Alibaba und JD.com unterscheiden“, meint Pöhl. JD.com hat klare Pläne für den amerikanischen und europäischen Markt angekündigt. Der Konzern eröffnete kürzlich ein Büro in Paris und möchte eine Milliarde Euro in den Aufbau eines Logistiknetzes in Frankreich investieren, auch für Großbritannien und Deutschland gibt es entsprechende Pläne. In den USA soll in einem ersten Schritt die chinesische Community in Los Angeles angesprochen werden. „Silicon Valley der Handelsszene“ „Alibaba hingegen dürfte sein Hauptaugenmerk in den kommenden Jahren eher auf Asien legen“, meint Pöhl. „Das bedeutet aber nicht, dass nicht auch bei uns Dinge vorbereitet werden.“ So errichtet Alibaba derzeit in Europa viele Touchpoints für Konsumenten, wie etwa Möglichkeiten, um in Geschäften mit Alipay zu bezahlen. Das richtet sich derzeit vor allem an chinesische Touristen, aber es legt zugleich die Basis, um in Zukunft auch europäische Konsumenten anzusprechen. „Wer unterschiedliche Möglichkeiten – vom Einkauf über Logistik bis zu Payment und weitere Services – so verzahnen kann, dass der Konsument gar keine andere Plattform mehr benötigt, der wird am Markt erfolgreich sein“, sagt Qin Li, ebenfalls Oliver­Wyman­Expertin. „Wer in Zukunft eine solche Plattform in Europa etablieren kann, ist noch offen.“ Amazon hat den Vorteil, dass es sich bereits ein großes Vertrauen erarbeitet hat. Es könne aber ebenso gut eine asiatische Plattform sein, die in Europa Fuß fasst. Nicht zuletzt, da sich China neuerdings als „Silicon Valley der Handelsszene“ erwiesen habe: „Was Amazon medienwirksam in den USA pilotiert, gehört in Asien mitunter fast zum Alltag“, heißt es seitens Oliver Wyman. „Viele europäische Händler verfolgen jeden Schritt von Amazon im Westen, doch die große Innovationswelle wird aus dem Osten kommen. Ob kassenlose Supermärkte, Pop­up­Showrooms oder Mobile Commerce – die Chinesen treiben die Zukunft im globalen Handel voran.“ ▪ Gerhard Mészáros Gateway2Asia: Neues Handelsverband-Service für den Mittelstand Der Handelsverband unterstützt mit der Initiative Gateway2Asia seine Mitglieder, ihr Geschäft Richtung Asien zu erweitern. Partner wie die Agenturen Web2Asia oder Zeevan stehen mit ihrer Kompetenz zur Seite. Auch am eCommerce Day geht es um die Expansion nach China & Co. Weitere Informationen auf: www.handelsverband.at/gateway2asia Illustration: Shutterstock/9comeback 9

MJR MEDIA

LOGISTIK express informiert Entscheider, Entscheidungsträger aus Industrie / Handel / Logistik über Trends & Märkte und bietet das umfangreichste Informationsportal im deutschsprachigen Raum. Mehr auf logistik-express.com / network.logistik-express.com

transportlogistik.business / ecommerce-logistik.business / mylogistics.business / mobilitaet.business / binnenschiff-journal.at / umwelt-journal.at

© Copyright 2019   |   LOGISTIK express   |   Markus Jaklitsch   |