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Handelsverband Journal RETAIL 2/2018

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Handelsverband Journal RETAIL 2/2018

— auslage Die Pläne

— auslage Die Pläne des unsichtbaren Riesen Alibaba. Was hat der chinesische E-Commerce-Gigant in Europa vor? Auf eine Konfrontation mit Amazon legt er es – zumindest derzeit – nicht an, vielmehr soll europäischen Händlern beim Sprung nach Asien geholfen werden. Alibaba setzt seinen Wachstumskurs ungebremst fort: Der chinesische Konzern steigerte seinen Umsatz im per März zu Ende gegangenen Geschäftsjahr um 58 Prozent auf 39,9 Milliarden US­Dollar. In seinem Heimmarkt zählt er mittlerweile 552 Millionen zahlende Kunden – um knapp 100 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Der Jahresüberschuss betrug knapp 10 Milliarden US­Dollar. „retail“ hat mit Karl Wehner, der seit vergangenem Sommer die Geschäfte der Alibaba­Gruppe in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Osteuropa und der Türkei leitet, über die Strategie des Unternehmens gesprochen. retail: Alibaba ist eines der bekanntesten Unternehmen der Welt, aber zumindest in der österreichischen Öffentlichkeit so gut wie nicht präsent. Was machen Sie eigentlich hierzulande? Karl Wehner: In unserem Büro in München konzentrieren wir uns derzeit auf drei Aufgaben: Erstens wollen wir chinesischen Konsumenten den Zugang Karl Wehner, Ali baba- Chef in Mittel- und Osteuropa, begann seine Karriere im digitalen Handel Ende der 1990er Jahre bei Amazon Deutschland. Foto: Alibaba zu europäischen Handelsmarken ermöglichen, das bedeutet umgekehrt, europäischen Händlern dabei zu helfen, ihre Waren nach China zu verkaufen. Zweitens wollen wir chinesischen Touristen, die durch Europa reisen, diverse Services bieten. So kann man etwa in den Swarovski­Läden in Wien und Innsbruck bereits mit Alipay bezahlen. Und drittens bieten wir auch in Europa Technologie­Lösungen für Unternehmen an, etwa in den Bereichen Cloud Computing und Künstliche Intelligenz. Haben Sie auch vor, stärker als bisher europäische Konsumenten anzusprechen und AliExpress als Alternative zu anderen Online-Playern wie etwa Amazon zu etablieren? Das ist nicht unser Schwerpunkt. Für Alibaba liegen die Wachstumsmärkte in China, wo erst die Hälfte der Bevölkerung online ist, in Süd­ und Südostasien, vielleicht auch in Russland und in Südamerika. In Ländern wie Indien geht es nicht darum, einen bestehenden Handel noch einfacher zu machen, sondern Handel überhaupt erst zu ermöglichen. Es wäre nicht schlau, zum Beispiel in Österreich jemandem ein Stück des Kuchens wegnehmen zu wollen, wenn woanders riesige Potenziale gehoben werden können. Wie unterscheidet sich Alibaba von Amazon? Die unterschiedliche Philosophie sieht man sehr deutlich beim Thema Logistik: Durch das Alibaba­System werden täglich knapp 60 Millionen Pakete in Bewegung gesetzt. Gleichzeitig arbeiten bei uns nur um die 2.000 Personen in der Logistik. Alibaba besitzt keine Lager und keine große Lkw­Flotte, sondern stellt nur die technologische Infrastruktur zur Verfügung, an die sich große und kleine Zusteller anbinden können. Der Erfolg von Amazon gründet nicht zuletzt auf dem intelligenten Umgang mit Daten. Kann Alibaba da mithalten? Alibaba­Gründer Jack Ma betont seine Überzeugung, dass der Begriff „E­Commerce“ schon bald verschwinden wird. Die Frage ist nicht, ob etwas on­ oder offline geschieht, sondern ob es digitalisiert ist. Ein wesentlicher Teil unserer Ausrichtung besteht in der Verschmelzung von On­ und Offline, und dafür bieten Daten den Schlüssel. Ein Beispiel, wie Daten wahren Omnichannel­Handel ermöglichen: Die Uhrenmarke Casio hat in einem Einkaufszentrum in Shanghai einen kleinen Shop. Welche Uhren hier angeboten werden, hängt davon ab, was die Konsumenten im Umkreis von fünf Kilometern online suchen. Zugleich ist der Shop mit dem Casio­Store auf Tmall verknüpft. So können Konsumenten aus der gesamten Produktpalette auswählen und die gewünschte Uhr im stationären Geschäft abholen oder nach Hause liefern lassen. 6

Warum sollten europäische Händler, die den chinesischen Markt erobern wollen, mit Alibaba zusammenarbeiten? Wehner: Mit unseren Services erreichen wir in China jährlich 552 Millionen aktive Konsumenten. Die Produktsuche läuft in China nicht über Suchmaschinen, sondern zu einem großen Teil über unsere Taobao­App. Über das Alibaba­Ökosystem können wir die Kunden eindeutig identifizieren. Wenn zum Beispiel eine Marke wie Swarovski gezielt – aber anonymisiert – Personen ansprechen möchte, die Videos über Schmuck angesehen oder eine Reise nach Österreich gebucht haben, dann machen wir das möglich. Wir haben Daten aus zahlreichen Kanälen – hier wird Big Data wahrlich Realität. ▪ Gerhard Mészáros Alibaba und seine 40 Standbeine Wenn Alibaba-Manager über ihr Unternehmen sprechen, verwenden sie gerne Begriffe wie „Ökosystem“. Das sind seine wesentlichen Säulen: • Der Onlinehandel mit der B2C-Plattform Tmall.com (für chinesische Konsumenten), dem Marktplatz AliExpress, auf dem Endkunden weltweit von chinesischen Händlern und Herstellen kaufen können, der Plattform Taobao, auf der vor allem kleine Händler an chinesische Konsumenten verkaufen (quasi das chinesische eBay), der globalen Großhandelsplattform Alibaba.com und der chinesischen Großhandelsplattform 1688.com. Im März erhöhte Alibaba zudem seinen Anteil an der E-Commerce-Plattform Lazada, die in Südostasien eine starke Präsenz aufweist. • Der Bereich Medien und Unterhaltung mit vor allem in China aktiven Unternehmungen wie dem Videoportal Youku, das komplett übernommen wurde, oder dem Microblogging-Dienst Weibo, an dem Alibaba ein knappes Drittel hält – quasi die chinesischen Youtube und Twitter. • Ebenfalls vor allem in China werden über eigene Plattformen Services wie Essenszustellung (Ele.me), Fahrtenvermittlung oder Reisebuchungen angeboten. • Nicht zuletzt bietet Alibabas Tochterunternehmen Ant Financial den Bezahldienst Alipay an. Illustration: Shutterstock/9comeback 7

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