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Handelsverband Journal RETAIL 2/2018

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Handelsverband Journal RETAIL 2/2018

— storys lebensmittel

— storys lebensmittel lebensmittel Viele Konsumenten wollen wissen, wie Lebensmittel erzeugt werden und wie es den Menschen und Tieren geht, die entlang der Wertschöpfungskette an der Erzeugung beteiligt sind. Der Verein Land schafft Leben beantwortet auf www.landschafftleben.at wichtige Konsumentenfragen zum Thema Lebensmittel-Kennzeichnung und zeigt, wofür welche Siegel bei jedem einzelnen in Österreich produzierten Lebensmittel stehen. Mit Brief und Siegel Fotos: Land schafft Leben In Österreich gelten hohe Tierschutz-, Umwelt- und Sozialstandards. So haben beispielsweise Masthühner in konventioneller Haltung in keinem anderen Land laut Gesetz so viel Platz wie in Österreich und der Schweiz. Und ausländische Erntehelfer bekommen höhere Mindestlöhne als in anderen Produktionsländern. Die Herkunft der Lebensmittel gibt also einen wertvollen Hinweis auf die Produktionsbedingungen. Die Lebensmittel werden nach den landesspezifischen gesetzlichen Bestimmungen hergestellt. Österreichische Sozial-, Umwelt- und Tierschutzstandards gelten für die Erzeugung im Inland, aber nicht für importierte Lebensmittel. Für diese sind gesetzliche Bestimmungen im Herkunftsland ausschlaggebend. Ist die politische Situation dort instabil oder das Gesetz lückenhaft oder schlecht kontrolliert, sind Ausbeutung von Mensch, Umwelt und Tier Tür und Tor geöffnet. Das rot-weiß-rote AMA-Gütesiegel auf Lebensmitteln steht für österreichische Herkunft und kontrollierte heimische Standards. Das grün-weiße EU-Bio-Siegel garantiert Bio-Landwirtschaft. Über Sozialstandards sagt Bio allein aber noch nichts aus. Es gelten die Sozialstandards im Herkunftsland, wiederum nur soweit diese vorhanden sind und kontrolliert werden. Das EU-Bio-Siegel muss mit einer Herkunftsangabe ergänzt sein. Zudem ist die Bio-Regelung in einer Reihe von Drittländern von der Europäischen Union anerkannt. Das bedeutet, das EU-Bio-Siegel steht sogar für die Einhaltung von EU-Standards bei Importen. Bei mehreren Rohstoffen kann die Herkunft „EU-Landwirtschaft/Nicht-EU-Landwirtschaft“ lauten und nur ein Hinweis auf die vielfältige Herkunft des Produktes sein. Für Konsumenten irreführend können Angaben wie „Hergestellt in Österreich“ sein. Die Verarbeitung muss zwar in Österreich erfolgen, die Herkunft der Rohstoffe bleibt aber offen. Generell gilt: Je mehr Zutaten ein Produkt enthält, desto schwieriger wird deren lückenlose Nachvollziehbarkeit. So muss zum Beispiel die Herkunft von Frischfleisch und Frischobst gekennzeichnet sein. Sobald das Fleisch oder Obst nur eine von mehreren Zutaten eines Produktes ist, gibt es keine verpflichtende Herkunftsangabe. Wer sich über die einzelnen Siegel informieren will, findet auf der Webseite des Vereins für Konsumenteninformation eine Auflistung und Bewertung von 104 Lebensmittelgütesiegeln. Diese werden entweder vom Staat oder von der EU vergeben, aber auch von privaten Lebensmittel-Produzenten und -Händlern, Interessenvertretern, Bio-Verbänden und Non-Profit-Organisationen. Ein wesentliches Qualitätskriterium sind dabei externe Kontrollen durch unabhängige Kontrollstellen. Diese werden bei staatlichen oder EU-Siegeln auf jeden Fall durchgeführt, aber auch bei vielen weiteren Siegeln. Land schafft Leben zeigt auf www.landschafftleben.at, wofür welche Siegel bei jedem einzelnen in Österreich produzierten Lebensmittel stehen. Ziel ist es, Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Konsumenten bei österreichischen Produkten Einfluss auf die Produktionsbedingungen nehmen können und mit jeder Kaufentscheidung den Weg von der Produktion beim Bauern bis hin zur Verarbeitung und zur Präsentation im Lebensmittelhandel beeinflussen. 24 — Juni 2018

— storys Disruption im Payment-Sektor? Payment. Der Technologie- Konzern Amazon spielt seine Stärke aus und nimmt das Finanzgeschäft ins Visier. Geplant ist ein Bankkonto für Amazon-Kunden. Die internationale Bankenszene ist alarmiert. Der Onlinehändler Amazon plant laut US-Medienberichten den Einstieg in das Bankgeschäft und verhandelt unter anderem mit JP Morgan Chase über ein künftiges Girokonto-Modell. Ein Schritt, der Experten nicht wirklich überrascht. „Amazon hat als Onlinehändler den direkten Kundenkontakt und verfügt aufgrund der Daten auch über viel Wissen über diese Kunden. Damit können jedem Käufer sehr treffend die entsprechenden Produkte angeboten werden, auch aus dem Finanzbereich“, sagt Stefan Pichler, Professor für Banking and Finance an der WU Wien. Nach dem Lebensmittel- und Gesundheitsgeschäft nimmt der einst als Onlinebuchhändler gestartete Technologiekonzern die nächste Branche ins Visier. Zwei entscheidende Erfolgsfaktoren für diesen Markt hat Amazon, das im Vorjahr drei Milliarden Dollar Gewinn erwirtschaftete: Technologie und Kapital. Von allen möglichen Akteuren, neben dem chinesischen E-Commerce-Händler Alibaba expandiert auch Apple mit seinem Zahlungsdienst stark, ist Amazon aufgrund seiner Marktstellung der gefährlichste Wettbewerber. „Das Hauptmotiv für diesen Schritt ist, die heute unter 18-Jährigen mit Finanzdienstleistungen in einem zusätzlichen Geschäftsfeld zu binden. Diese Zielgruppe wird von Banken und Kreditkartenfirmen noch nicht adäquat abgedeckt“, sagt Stefan Schneider, Handelsexperte und Inhaber von CardsConsult. Amazon sei als allgegenwärtiger Onlinehändler nahe an der Lebensrealität junger Käufer und könne hier früh punkten. Synergien für das Stammgeschäft Ein Engagement des Technologieriesen im Finanzgeschäft ist nicht neu. „Über Amazon Lending vergibt das Unternehmen in den USA etwa Kredite an kleine Händler, die über den Marktplatz Produkte verkaufen. Amazon Pay wird in Europa sowohl bei eigenen Kunden als auch als zusätzliches Zahlungsmittel bei anderen Onlinehändlern eingesetzt“, so Schneider. Mit Amazon Cash können Käufer Bargeld auf ihr digitales Konto laden und die eigene Amazon-Kreditkarte gibt es bereits bei JP Morgan. Der Schritt zum günstigen Konto-Modell ist allerdings weit mehr als eine Zusatzleistung. Das US-Unternehmen kann künftig Gebühren für Finanztransaktionen sparen, wenn das Geld für die Web-Einkäufe direkt vom Amazon-Konto kommt. Darüber hinaus erhält Amazon neue Daten zum Ausgabeverhalten seiner Kunden. Die Erkenntnisse aus dem Finanzangebot könnte der Anbieter Illustration: Shutterstock/Slavoljub Pantelic wiederum im Onlinehandel nutzen, um seine Preispolitik anhand der maximalen Zahlungsbereitschaft für bestimmte Waren zu gestalten. Europa ist anders Gegen einen Frontalangriff auf den Finanzsektor spricht die Tatsache, dass Amazon keine eigene Banklizenz anstrebt. „Das Bankgeschäft ist ein stark reguliertes Feld mit strengen Vorschriften. Die Kooperation mit einer etablierten Bank macht Sinn“, meint Pichler. Traditionsanbieter kann die Web-Firma dennoch empfindlich treffen. „Wie auch immer das Angebot in den USA aussehen wird, es wird sich nicht eins zu eins im europäischen Markt umsetzen lassen. Hier gelten andere Regeln wie die Datenschutz-Grundverordnung und die beliebteste Zahlungsart im Onlinehandel ist in Deutschland und Österreich nach wie vor der Kauf auf Rechnung“, so Schneider. ▪ Christiane Kaiser-Neubauer Juni 2018 — 25

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