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Handelsverband Journal RETAIL 2/2018

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Handelsverband Journal RETAIL 2/2018

— storys Am Puls der

— storys Am Puls der Zeit: die neue Online-Lehre E-Commerce-Kaufmann/-frau. Eine Ausbildungslücke wird auf Empfehlung des Handelsverbandes geschlossen: Im Herbst startet auch in Österreich eine maßgeschneiderte Ausbildung für den digitalen Handel. Wer heute eine Anschaffung zu machen hat, die über das Alltägliche hinausgeht, geht oft zunächst einmal ins Netz, schaut nach, welches Produkt er will und wo es am günstigsten zu haben und vorrätig ist. Mit dieser kleinen Recherche spart der Konsument Zeit und Geld – wenn er sich nicht überhaupt entschließt, das Stück im Webshop zu bestellen. Online gewinnt also sowohl zur Information als auch für den Kauf immer mehr an Bedeutung. Dem stationären Handel ist dadurch unverhofft ein zweites Standbein zugewachsen, das einerseits kaufunterstützend wirkt, andererseits aber mit größter Sorgfalt gepflegt und gehegt werden will. Denn genauso, wie die Menschen von einem stationären Geschäft zum anderen wechseln, tun sie das online auch. Für den heimischen Handel besteht Handlungsbedarf, denn die Statistiken zeigen seit Jahren, dass er durch internationale Internethändler wie Amazon oder Zalando viel Geschäft verliert. „Diese Kunden muss er wiedergewinnen, indem er die eigene Internet-Präsenz verstärkt und verbessert“, betont Michael Moser, Geschäftsführer des B2B-Händlers Kaiser+Kraft. Omnichannel-Handel lautet daher die Devise der „Es gibt einen Wettlauf um die besten Kräfte.“ Nicole Berkmann, Spar Stunde, Handel auf allen vorhandenen Kanälen. Soweit das die Online-Welt betrifft, ist es gar nicht so einfach zu realisieren: „Der Handel sucht händeringend nach digitalen Talenten“, so Moser. Das sieht auch Nicole Berkmann, Spar-Unternehmenssprecherin, so: „Es gibt einen Wettlauf um die besten Kräfte, schon allein deshalb, weil es rein demographisch immer weniger Nachwuchs gibt.“ Ein Berufsbild entsteht Um alldem entgegenzuwirken, ist seitens der Wirtschaft der dringende Wunsch entstanden, einen neuen Lehrberuf E-Commerce-Kaufmann/-frau einzuführen. Der Handelsverband hat sich als erste Organisation in Österreich für die neue Ausbildung eingesetzt. Alexander Hölbl, Leiter der Abteilung Berufsausbildung im Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW): „Wir haben das Berufsbild in Workshops mit Experten und interessierten Unternehmen sowie mit wissenschaftlicher Begleitung des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (IBW) erarbeitet. Damit haben wir jetzt erstmals die Möglichkeit, Fachkräfte auf diesem immer wichtiger werdenden Gebiet auszubilden.“ Mit 1. Juni hat das BMDW die Ausbildungsordnung veröffentlicht und den neuen Lehrberuf damit in Kraft gesetzt. Seine Absolventen werden den doppelten Vorteil haben, einen begehrten Bildungsabschluss zu besitzen und – in aller Regel – vom Lehrherrn übernommen zu werden. Gewichtiges Mosaiksteinchen Der neue Lehrberuf ist ein Steinchen in einem Mosaik, das bisher gefehlt hat – ein, wenn man an die wachsende Bedeutung des E-Commerce für den Handel denkt, zunehmend gewichtiges Steinchen. „Der E-Commerce-Kaufmann, die E-Commerce-Kauffrau wird jemand sein, der/die eine vorhandene digitale Plattform mit Leben erfüllt, sprich, sie mit Content, Artikeln, Preisen, Bildern, Onlinewerbung usw. speist. Die jungen Leute sollen und werden auch durchaus den Ehrgeiz entwickeln, ihr Unternehmen durch ihren selbstgeschaffenen Content auf der Suchmaschine nach oben zu pushen“, fasst es Kaiser+Kraft- Manager Moser zusammen. Spar-Sprecherin Berkmann ist zufrieden, dass damit jetzt eine Ausbildungslücke geschlossen wird: „Bisher gab es ja noch keine eigene Lehre mit E-Commerce-Anteil, sondern nur den Einzelhandelskaufmann mit dem optionalen Schwerpunkt ,Digitaler Verkauf‘. Die neue Lehre konzentriert sich hingegen auf den Verkauf über einen Webshop.“ Diejenigen, die zurzeit im E-Commerce arbeiten, haben oft Studiengänge wie Online-Marketing oder Fachhochschulen mit Medien- bzw. Marketingschwerpunkt absolviert und sind damit de facto überqualifiziert. „Oder es sind Quereinsteiger, die zum Teil von anderen Lehrberufen kommen oder vom jeweiligen Unternehmen angelernt worden sind. Der E-Commerce-Kaufmann ist auch weder ein Programmierer von Web-Inhalten noch ein Grafiker, der den Webauftritt gestaltet“, grenzt Hölbl den neuen Beruf ab. 18 — Juni 2018

— storys Moser rechnet heuer mit plus/minus 100 Lehrlingen und glaubt, dass eine Klasse pro Bundesland zustande kommen wird: „2019 soll sich die Zahl der Neueinsteiger dann verdoppeln. Wir schätzen, dass die Lehrlinge zur Hälfte von KMU und zur anderen Hälfte von Großunternehmen aufgenommen werden.“ Moser geht jedenfalls schon mal mit gutem Beispiel voran und nimmt heuer bereits zwei Lehrlinge auf. Gleiches plant man laut Berkmann bei Spar. Ähnliche Prognosen gibt auch Alexander Hölbl ab, der „im Endausbau“ ein paar hundert Lehrlinge im Jahr erwartet. Zum Vergleich: Die klassische Einzelhandelslehre (Schwerpunkt Allgemeiner Einzelhandel) begannen im Vorjahr 1.160 junge Menschen. Einschließlich der 14 weiteren Schwerpunkte wie Textil­ und Lebensmittelhandel, Einrichtungsberatung, Sportartikel, Schuhe usw. waren es 4.854 Personen. Die neue Ausbildung hat das Zeug, zum attraktiven, „hippen“ Beruf für die Digital Natives zu werden: Er ist am Puls der Zeit und eines Wirtschaftszweigs, der sich rasch und in spannender, oftmals überraschender Weise weiterentwickelt. Moser nennt ein Beispiel: „Die Einrichtung von digitalen Virtual­Reality­Shops, bei denen man das Produkt realitätsnah zu sehen bekommt, könnte die bisherigen Präsentationen für bestimmte Sparten wie etwa den Möbeloder den Immobilienhandel revolutionieren.“ Sein Fazit: „Die jungen Leute werden Spaß mit ihrem Beruf haben!“ ▪ Harald Sager Das können die neuen Lehrlinge Technisch: ▪ Anwendung der betrieblichen Onlineshop-Managementsysteme ▪ Kenntnis und Analyse der Bestandteile eines Onlineshops (Navigation, Suche, Empfehlungsdienste) und Erfassen der betriebsüblichen Kennzahlen ▪ Kenntnis und Anwendung von Testmethoden und -Tools zur Bedienungsoptimierung und Weiterentwicklung des Onlineshops Kaufmännisch: ▪ adäquate Präsentation und Auspreisung der Waren ▪ Bearbeitung von Warendaten, Fotos, Bildern und Videos, Erstellung von verkaufsgerechten und suchmaschinenoptimierten Produktbeschreibungen ▪ Integrierung von Warendaten in den Onlineshop ▪ Mitwirkung bei der Werbung und deren Umsetzung durch Display-Marketing oder Erstellung von Newslettern ▪ Beobachtung sozialer Netzwerke im eigenen Unternehmen und zur Kundenansprache ▪ Interaktion mit den Kunden via E-Mail und Telefon, etwa bei Reklamationen ▪ Organisation der Logistik ▪ rechtliche Aspekte im Zusammenhang mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) Illustration: shutterstock/sliplee/SoRad Juni 2018 — 19

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