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BUSINESS+LOGISTIC 02/2020

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Liebe Freunde von BUSINESS+LOGISTIC. Die neue Ausgabe BUSINESS+LOGISTIC 2/2020 widmet sich ganz den Auswirkungen der Corona-Krise. Wir geben einen Überblick darüber, was auf Europa als Okonomie im allgemeinen und die Ökonomien in Deutschland und Österreich im besonderen zukommt. Wir behandeln die wesentlichen Gründe, weswegen diese Krise in Europa überhaupt so dramatisch werden konnte und denen medial kaum Beachtung geschenkt wird: Die Nationalstaaterei der Regierungen und damit ihre geringe Bereitschaft zur Kollaboration. Die Logistikwirtschaft ist, ebenso wie viele andere Branchen, von den Shutdowns der Nationalstaaten hart getroffen. Dennoch sehen ihre Macher optimistisch der Zukunft entgegen. Lesen Sie in exklusiven Interviews in unserem HJS SPECIAL CORONA , wie die CEOs (vom Großkonzern bis zum KMU) in der DACH-Region mit der Krise fertig werden, welche Akzente sie setzen und wohin für sie die Reise geht. Lesen Sie aber auch, welche Knackpunkte es für sie zu bewältigen gilt. Darüber hinaus gibt es aber auch tolle Best Practise-Beispiele für den Erfindungsreichtum der Unternehmen, Lösungen für die Gesellschaft zu kreieren. Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre, Ihr BUSINESS+LOGISIC-Team HaJo Schlobach (Herausgeber und Chefredakteur)

SPECIAL CORONA „ DIE

SPECIAL CORONA „ DIE MASSNAHMEN GEHEN INSGESAMT IN DIE FALSCHE RICHTUNG. OFFENSICHT- LICH WIRD VERSUCHT, DAS SYSTEM ZU SCHÜTZEN UND NICHT DIE WIRTSCHAFT, DIE BRANCHEN UND DIE UNTERNEHMEN. “ Sonja Lauterbach, Neuro Leader Academy Österreich WKO nun sensible Unternehmensdaten der letzten Jahre zur Verfügung stehen und damit Missbrauch durch Funktionäre der WKO Tür und Tor geöffnet sind. Teilen Sie diese Kritik? S. Lauterbach: An Missbrauch will ich gar nicht denken und mich auch nicht an diesbezüglichen Mutmaßungen beteiligen. Wir leben in Zeiten steigender Cyber-Kriminalität. Da macht es mich nachdenklich, wenn hochsensible Daten mit Externen abgeglichen werden. Es ist für mich auch nicht nachvollziehbar, warum die WKO die Daten bis mindestens zehn Jahre nach Beendigung der Geschäftsbeziehung behalten darf, um sie erst dann zu löschen und zu anonymisieren, wie es in den Richtlinien steht. B+L: Was bedeutet das? S. Lauterbach: Das bedeutet nichts anderes, als dass sie bis irgendwann in die 2030er-Jahre nicht anonymisiert sind. Was genau mit den Daten diese lange Zeit geschieht, wer Zugriff hat und wofür sie verwendet werden, verraten die Richtlinien nicht. B+L: Kommen wir zu den EPU und Kleinunternehmen: Einer Ihrer Hauptkritikpunkte ist, dass insbesondere der Härtefall-Fonds die Welt der EPU und Kleinunternehmen gar nicht abbildet und deswegen viele aus dieser Gruppe keine Hilfe bekommen. Verstehen der Gesetzgeber und die WKO die Welt der EPU und Kleinunternehmen nicht? S. Lauterbach: Wenn man die Richtlinien liest, kann man zu keinem anderen Schluss kommen. B+L: Warum ist das so? Sonja Lauterbach: Einerseits liegt es an den Besonderheiten der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. Da gilt der Zeitpunkt, an dem der Kunde bezahlt – und den kann man nicht kontrollieren. Die Leistung wurde vorher erbracht. Auch lebt ein E/A-Rechner nicht vom Netto-Saldo des Jahresabschlusses. Sonja Lauterbach: Zweitens investieren Alleinunternehmer, wie alle anderen Unternehmen auch. Deshalb gibt es das Instrument des Verlustvortrags. Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, wie ein Verlust in einem Geschäftsjahr zustande kommt. Wie bei jedem Unternehmen. Es können Kunden ausfallen, Projekte schieflaufen – ganz normale Geschäftsrisiken. B+L: Bedarf es einer besonderen Lobbyarbeit? S. Lauterbach: EPU und selbstständig Erwerbstätige sind Individualisten und neigen nicht zur Vereinsmeierei. Sie haben jahrzehntelang verabsäumt, ihre gesamtwirtschaftliche Bedeutung aufzuzeigen. Jede zweite Firma im Land ist ein EPU. 60% aller Kammermitglieder sind EPU. 2017 haben EPU in Summe vier Prozent des BIP erwirtschaftet. Das ist mehr als im selben Jahr für die gesamte Bildung ausgegeben wurde. Und, da sie alleine Arbeiten, sind sie wichtige Auftraggeber für viele weitere Unternehmen. B+L: Viele aus der Gruppe der EPU und Kleinunternehmen sind sehr unzufrieden und würden gerne eine eigene Interessensvertretung gründen. Ist das sinnvoll? S. Lauterbach: Das ist verständlich, da sie bisher nicht vertreten wurden. Es genügt allerdings nicht, ein zwar neues, aber doch nur weiteres kleines Rädchen im alten System zu sein. Es braucht eine völlig neue Form. Die Frage der Finanzierung muss in diesem Zusammenhang ebenfalls mitgedacht werden. Aktuell ist die oberste Priorität, alle selbstständig Erwerbstätigen durch die Krise zu bringen. Dann muss man strategisch überlegen, in welcher Weise die Interessen am sinnvollsten vertreten werden können. Es gibt diesbezüglich viele innovative Möglichkeiten. B+L: Damit es nicht zum Bruch zwischen diesen beiden Gruppen, die immerhin einen Großteil der WKO-Mitglieder ausmacht, und der WKO kommt, was muss die WKO für diese Mitglieder tun? S. Lauterbach: Ganz einfach: Ihren Bestimmungszweck erfüllen und die Interessen von 60 Prozent ihrer Mitglieder tatsächlich vertreten. B+L:Es wurde bereits viel Vertrauen der EPU und Kleinunternehmen durch die WKO verspielt. Es gibt Funktionäre, welche diese Gruppe gar nicht als Unternehmer*innen betrachtet. Und jetzt scheint man sich bei der WKO auch mehr an den Bedürfnissen von Großunternehmen und Banken zu orientieren. So lautet jedenfalls die häufig geäußerte Kritik der Mitglieder. Ist das Vertrauen wieder reparierbar und wenn ja, wie? S. Lauterbach: Die WKO könnte beispielsweise die WKO-Broschüre „EPU- Mythen“ lesen. EPU sind auch keine Bittsteller oder, wie Karlheinz Kopf sie nannte ‚Hilfsbedürftige‘. Die WKO verteilt keine Spenden, sondern Steuergeld, das auch von Alleinunternehmern erwirtschaftet wurde. Es geht um Respekt und Kompetenz. Beides wurde bisher in der Krise nicht sichtbar. B+L: Was ist denn EPU und Kleinstunternehmen, die ja im Wesentlichen die Gruppe der KMU dominieren, so außergewöhnlich? S. Lauterbach: Die Charakteristik eines Alleinunternehmers unterscheidet sich von allen anderen Unternehmensformen. Sie sind nämlich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einer Person. Ebenso wie Anbieter und Nachfrager. Sie sind zudem enorm flexibel und können sich wie keine andere Unternehmensform an veränderte Rahmenbedingungen rasch anpassen. B+L: Viele Volkswirte halten EPU für die Basis jeder Ökonomie. Sie sind Betriebswirtin, haben aber auch einen profunden volkswirtschaftlichen Background. Teilen Sie diese Ansicht? S. Lauterbach: Ja! Denn EPU sind das Fundament jeder Branche – vor allem in den Regionen. Außerdem sind sie in der Regel Spezialisten mit JOURNAL 2/2020 38

BUSINE$+FINANZEN S. Lauterbach: Die WKO verteilt keine Spenden, sondern Steuergeld, das auch von Alleinunternehmern erwirtschaftet wurde. (Foto: Joachim Bergauer) FOTO: JOACHIM BERGAUER großer Fachkompetenz und Know-how. Diese Spezialisten werden gebraucht. B+L: Was unterscheidet EPUs noch von anderen Unternehmensformen? Sonja Lauterbach: EPUs ist vor allem auch ihre Unabhängigkeit wichtig. Die meisten Personen, die sich entschieden ein EPU zu werden, haben diese Form des Unternehmer*innentums sehr bewusst gewählt. Sie unterscheiden sich daher auch wesentlich von technologie-getriebenen Start-ups, die wachsen wollen. B+L: Warum ist die Vernachlässigung der EPU und Kleinstunternehmen für Österreichs Wirtschaft so problematisch? S. Lauterbach: Durch ihre Besonderheit sind sie spezialisierte Anbieter und wichtige Nachfrager. Und gleichzeitig muss man sie, wenn sie, wie gerade jetzt, systematisch in die Insolvenz getrieben werden, zu den Arbeitslosenzahlen addieren. Oder, wie es in einer WKO-Broschüre zu lesen ist: „EPU haben zusammen einen signifikanten Impact auf die Wertschöpfung in Österreich. Die wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen für EPU sind also von Bedeutung für die gesamte Wirtschaft.“ B+L: Kommen wir, vor diesem Hintergrund, noch einmal zurück zur Corona-Krise. Wie müsste ein Hilfspaket für EPU und Kleinunternehmen Ihrer Ansicht nach aussehen, „koste es was es wolle“? S. Lauterbach: Es müsste sich gerade für EPU und selbstständig Erwerbstätige nach dem Branchenumsatz orientieren, der als quasi Krisen-Grundsicherung monatlich ausbezahlt wird. Dadurch ließe sich die Insolvenz- Welle und die darauf zwingend folgende Kettenreaktion verhindern. Auf diese Weise könnte der Staat das Fundament jeder Branche sichern und ein Aufbau der Wirtschaft „danach“ – wann auch immer das sein wird – möglich werden. B+L: Danke für das Interview. X neuroleader.cc BUSINE$+LOGISIC 39 JOURNAL 2/2020

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