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BUSINESS+LOGISTIC 02/2020

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Liebe Freunde von BUSINESS+LOGISTIC. Die neue Ausgabe BUSINESS+LOGISTIC 2/2020 widmet sich ganz den Auswirkungen der Corona-Krise. Wir geben einen Überblick darüber, was auf Europa als Okonomie im allgemeinen und die Ökonomien in Deutschland und Österreich im besonderen zukommt. Wir behandeln die wesentlichen Gründe, weswegen diese Krise in Europa überhaupt so dramatisch werden konnte und denen medial kaum Beachtung geschenkt wird: Die Nationalstaaterei der Regierungen und damit ihre geringe Bereitschaft zur Kollaboration. Die Logistikwirtschaft ist, ebenso wie viele andere Branchen, von den Shutdowns der Nationalstaaten hart getroffen. Dennoch sehen ihre Macher optimistisch der Zukunft entgegen. Lesen Sie in exklusiven Interviews in unserem HJS SPECIAL CORONA , wie die CEOs (vom Großkonzern bis zum KMU) in der DACH-Region mit der Krise fertig werden, welche Akzente sie setzen und wohin für sie die Reise geht. Lesen Sie aber auch, welche Knackpunkte es für sie zu bewältigen gilt. Darüber hinaus gibt es aber auch tolle Best Practise-Beispiele für den Erfindungsreichtum der Unternehmen, Lösungen für die Gesellschaft zu kreieren. Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre, Ihr BUSINESS+LOGISIC-Team HaJo Schlobach (Herausgeber und Chefredakteur)

BUSINE$+FINANZEN BA

BUSINE$+FINANZEN BA EINKAUFSMANAGER INDEX Österreichs Industrie auf rasanter Talfahrt Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex hat mit 31,6 Punkten den Tiefststand während der Finanzkrise im Jänner 2009 unterschritten. Der Bank Austria EinkaufsmanagerIndex (BA EMI) sackte im April auf 31,6 Punkte auf ein Allzeittief ab. Die Volkswirte der Unicredit Bank Austria (UCBA) sprechen hier von einem „beispiellosen Abriss“ der Industrieentwicklung in Österreich. Eine Aussicht auf Erholung besteht lediglich in Best-Case-Szenarien. „ NACH DER UNTERBRECHUNG DER GLOBALEN WERTSCHÖPFUNGSKETTEN, DIE DER INDUSTRIE IM MÄRZ BEREITS SPÜRBAR ZUGESETZT HABEN, SORGTEN DIE WELTWEIT GESETZTEN BESCHRÄN- KUNGSMASSNAHMEN GEGEN DIE AUS- BREITUNG DES CORONAVIRUS IM APRIL FÜR EINEN NOCH STÄRKEREN EINBRUCH DER INDUSTRIEKONJUNKTUR (STEFAN BRUCKBAUER, CHEFÖKONOM. “ Stefan Bruckbauer, Chefökonom UC BA Nach ersten Rückschlägen zu Frühlingsbeginn ist die österreichische Industriekonjunktur mittlerweile komplett eingeknickt. „Nach der Unterbrechung der globalen Wertschöpfungsketten, die der Industrie im März bereits spürbar zugesetzt haben, sorgten die weltweit gesetzten Beschränkungsmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus im April für einen noch stärkeren Einbruch der Industriekonjunktur. Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex hat mit 31,6 Punkten sogar den Tiefststand während der Finanzkrise im Jänner 2009 unterschritten“, sagt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Krise dramatischer als 2008/2009 Im Vergleich zur Finanzkrise ist der aktuelle Rückgang der Industriekonjunktur nicht nur etwas stärker, sondern vor allem deutlich rascher erfolgt. Innerhalb von nur zwei Monaten fiel der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex aus dem Wertebereich über 50 Punkten, der Wachstum signalisiert, auf das neue Rekordtief und büßte dabei fast 20 Punkte ein, davon alleine mehr als 14 Punkte im April. Während der Finanzkrise betrug der stärkste monatliche Rückgang nur knapp mehr als 5 Punkte und bis zum Erreichen des Tiefpunkts dauerte es länger als ein halbes Jahr. Stärkster Rückgang ever. Der nach eigenen Angaben „stärkste und verhältnismäßig rascheste Rückgang“ seit dem 20-jährigen Bestehen des BA EMI, wurde durch den abrupten Einbruch der Nachfrage aus dem In- und Ausland verursacht. Das veranlasste die Betriebe zu einem massiven Zurückfahren der Produktion und zu einem starken Stellenabbau. RAINER STURM / PIXELIO.DE JOURNAL 2/2020 16

BUSINE$+FINANZEN Derzeit sind beinahe 600.000 Arbeitslose und 600.000 Kurzarbeiter gemeldet. In Abweichung zu einem gewöhnlichen Abschwung haben sich aufgrund der angebotsseitigen Störungen die Lieferzeiten verlängert. Gleichzeitig haben die Vormateriallager zugenommen. „Ohne diese Entwicklung wäre der Rückgang des Indikators deutlich stärker ausgefallen“, analysiert S. Bruckbauer die Situation. Beispielloser Kollaps der Produktion Die Maßnahmen zur Beschränkung des öffentlichen Lebens in Österreich haben teilweise Betriebsschließungen notwendig gemacht und verursachten infolge den stärksten jemals gemessenen Nachfragerückgang. Neben dem schwachen Neugeschäft war die österreichische Industrie auch in großem Umfang mit der Verschiebung oder sogar Stornierung von Aufträgen konfrontiert sowie einer generellen Ausgaben- und Investitionszurückhaltung der Abnehmer. Nur wenige Bereiche konnten von einer wieder etwas stärkeren Nachfrage aus China sowie nach medizinischer Ausrüstung profitieren. RAINER STURM / PIXELIO.DE Industrieproduktion auf Rekordtief „Die Produktion in der heimischen Industrie fiel aufgrund der schwachen Nachfrage aus dem In- und Ausland, der Unterbrechung der globalen Wertschöpfungsketten, Grenzschließungen und dem Lockdown in Österreich selbst auf ein Rekordtief von 17,2 Punkten“, bestätigt UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Das bedeutet im Klartext, dass mehr als 70 Prozent der heimischen Betriebe im April einen Rückgang der Produktion gemeldet haben. Besonders starke Einbußen verzeichnete dabei die Konsumgüterindustrie Trotz der starken Produktionsrücknahme sowie temporärer Betriebsschließungen nahmen die Auftragsrückstände der heimischen Betriebe weiter rasant ab. Erneut wurden viel mehr Aufträge abgearbeitet als neue hinzukamen. Schwieriges Lagermanagement Das Lagermanagement der österreichischen Betriebe war im April besonders stark gefordert. „Aufgrund der fehlenden Nachfrage und der rasanten Anpassung der Produktion konnte das Ziel der Kostenoptimierung in der Lagerhaltung im April nur schwer umgesetzt werden. Sowohl die Lagerbestände an Vormaterialien als auch an Fertigwaren stiegen. „Die Verkaufslager nahmen sogar mit Rekordtempo zu“, sagt W. Pudschedl. Unternehmen im Überlebenskampf. Der Anstieg der Bestände in den Fertigwarenlagern war nicht nur der geringeren Verkäufe geschuldet sondern auch Problemen bei der Auslieferung der Ware an die Kunden durch Grenzschließungen, verschärfte Frachtkontrollen bzw. Transportunterbrechungen. Aufgrund dieser angebotsseitigen Störungen verlängerten sich die Lieferzeiten den dritten Monat in Folge, entgegen dem Trend in einer gewöhnlichen Abschwungphase. Bei den Einkaufslagern war neben der unerwartet starken Produktionszurücknahme auch eine bewusste Lageraufstockung aus Vorsichtsgründen zu bemerken, um sich Rohstoffe und Vormaterialien für die zukünftige Produktion zu sichern. Preise weiterhin im Sinkflug Die verstärkte Bevorratung an Rohstoffen und Vormaterialien konnte den Rekordrückgang der Einkaufsmenge der österreichischen Betriebe im April als Folge der schwachen Auftragsentwicklung nicht verhindern. Und das, obwohl die Preise im April erneut gegenüber dem Vormonat sanken. Viele Rohstoffe wie vor allem Erdöl sowie viele Vormaterialien konnten im April noch günstiger als in den Vormonaten eingekauft werden. Allerdings löste der gestiegene Wettbewerb in dem schwachen Nachfrageumfeld einen beschleunigten Rückgang der Verkaufspreise aus. Im Vergleich zur Finanzkrise ist der aktuelle Rückgang der Industriekonjunktur nicht nur etwas stärker, sondern vor allem deutlich rascher erfolgt. (Foto: Rainer Sturm / www.pixelio.de) „ DIE PRODUKTION IN DER HEIMISCHEN INDUSTRIE FIEL AUFGRUND DER SCHWA- CHEN NACHFRAGE AUS DEM IN- UND AUS- LAND, DER UNTERBRECHUNG DER GLOBA- LEN WERTSCHÖPFUNGSKETTEN, GRENZ- SCHLIESSUNGEN UND DEM LOCKDOWN IN ÖSTERREICH SELBST AUF EIN REKORDTIEF VON 17,2 PUNKTEN. “ Walter Pudschedl, Ökonom UC BA „Unterm Strich belasteten die Preisentwicklungen im Ein- und Verkauf die Ertragslage der öserreichischen Betriebe im Durchschnitt stärker als in den Vormonaten“, meint W. Pudschedl. Kurzarbeit federt Personalabbau ab Die Anpassung der Produktionskapazitäten an den massiven Nachfragerückgang schlug sich im April auch in einem starken Stellenabbau via Kündigungen, der Nichtverlängerung oder der Annullierung von Verträgen und der Ausnutzung natürlicher Abgänge nieder. Der Beschäftigtenindex fiel innerhalb eines Monats um fast 10 auf 33,3 Punkte, den niedrigsten Wert seit elf Jahren. „Der Stellenabbau in der österreichischen Industrie ist zwar massiv, wird jedoch durch das Corona-Kurzarbeitsmodell deutlich gemildert. Dies zeigt sich darin, dass der Beschäftigtenindex im April mit 33,3 Punkten deutlich über dem Produktionsindex mit 17,2 Punkten liegt. BUSINE$+LOGISIC 17 JOURNAL 2/2020

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