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Binnenschiff Journal 4/2020

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BINNENSCHIFF

BINNENSCHIFF Journal 4/2020 | S30 Wasserbau - Wir schaffen neue Horizonte Wer kann das schon von sich mit Fug und Recht sagen? Es ist der Wasserbau, der tatsächlich in der Lage ist, neues Land zu schaffen, Grenzen zu verschieben und sogar bedrohtes Land zu schützen. REDAKTION: PETER BAUMGARTNER Electric Cutter Suction Dredger ECSD 650 Quelle: Damen Shipyards Es gibt aber auch Kritik am Wasserbau. Zum Beispiel aktuell bei der nun endgültig genehmigten Vertiefung der Elbe, wo nicht weniger als 40 Mio. Kubikmeter Baggergut bewegt werden sollen, damit auch die größten Containerschiffe den Hafen Hamburg jederzeit erreichen können. Erst im Juni dieses Jahres kam das derzeit größte Containerschiff mit 23.964 TEU Ladekapazität nach Hamburg. Solche Megaschiffe mit einem Tiefgang von mehr als 16 Metern können derzeit nur bei bestimmten Pegelständen die Elbe befahren. Ungeachtet aller Vorbehalte, kann man davon ausgehen, dass auch diese Schiffsgröße noch nicht das Ende der Fahnenstange ist und weitere Fahrwasser Anpassungen unter Abwägung von Umweltschutz und Wirtschaftsinteressen notwendig sein werden. Kritiker behaupten, dass durch den gigantischen Ausbau der Elbe, der Kannibalismus unter den Nordseehäfen weiter befeuert wird. Der Wasserbau selber, kann im Spiel der gegensätzlichen Interessen nur die Aufgabe des Erfüllungsgehilfen spielen und für sich danach trachten, den Betrieb so umweltschonend als möglich zu führen. Das wird durch Effizienz und Umweltfreundlichkeit zunehmend auch gemacht. Zum Beispiel arbeitet der Saugbagger Electric Cutter Suction Dredger (ECSD 650) der neuesten Generation von Damen Shipyards mit Elektromotoren bis zu einer Baggertiefe von 18 Metern und bei einer Leistung von 7.000 m3/h. Damit wird ein besonders lärmschonendes, abgasfreies Arbeiten garantiert. Neben Aufgaben für den Erhalt und Ausbau der nassen Infrastruktur, ist der Wasserbau auch immer öfter gefordert, Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Manche dieser von „Experten“ verursachten Fehlentwicklungen in der Natur sind irreversibel. Wie ein alternder Mensch dauerhaft auf die Betreuung eines anderen Menschen angewiesen ist, so gibt es Flüsse, die nur noch dank ständiger Begleitung des Wasserbaus, weiter ihren Lauf nehmen können. Typisches Beispiel ist die Wasserstraße Donau. „Die Donau ist aus dem Gleichgewicht geraten“, sagt der Flussforscher Helmut Habersack (BOKU Wien). Seit Jahrzehnten verbaut und zubetoniert, kommt das natürliche Geschiebeverhalten des lebenden Flusses zunehmend unter Bedrängnis. Stellt man sich den Sedimenttransport eines natürlichen Flusses als Fließband vom Gebirge bis zum Meer vor,

Donausand ist in der Bauwirtschaft beliebt Quelle IBBS dann ist dieses Fließband an vielen Stellen der Donau derart beschädigt, dass kein oder nur noch geringer Sedimenttransport möglich ist. Dies hat schlimme Auswirkungen. In Stauräumen lagert sich das Sediment ab, verändert die Leistungsbilanz der Kraftwerke negativ und hat Auswirkungen auf den Hochwasserschutz. Unterhalb von Kraftwerken fehlt das Sediment. Schlimmstes Szenario ist, dass die Flusssohle derart instabil wird, dass es zum Sohledurchbruch mit allen Konsequenzen kommt. Dann hilft nur noch die Notoperation durch den Wasserbau. In diesem Fall muss der Wasserbau Geschiebe dort wo es fehlt zugeben und/oder durch verschiedene Maßnahmen das Strömungsverhalten unterstützen. Jüngste Forschungsergebnisse (EU-Projekt Danube Sediment) haben gezeigt, dass die Donau bereits 60 Prozent weniger Schwebstoffe bis zum Schwarzen Meer transportiert. Die Größenordnung der Veränderungen im Flusshaushalt haben die Wissenschaftler überrascht und erstaunt. Obwohl, überraschend war eigentlich nur die Überraschung. Das Ergebnis der Forschung ist nur logisch. Mit der Entscheidung für das erste Kraftwerk an einem Fluss, wird die Büchse der Pandora geöffnet. Die neuen Forschungsergebnisse „fließen“ jetzt hoffentlich ohne „Ablagerungen“ in den neuen Gewässerbewirtschaftungsplan und Hochwasserrisikomanagementplan der Donau ein, damit der Wasserbau entlang der Donau rasch die richtigen Maßnahmen für die Notoperation setzen kann. Eine besondere Herausforderung dürfte die Beseitigung der Schlammproblematik in den Stauräumen werden. Gut möglich, dass man für dieses kohäsive Material noch neue Wasserbaumethoden entwickeln wird müssen. Dazu kommt noch, dass manche Sedimente durchaus von problematischer Qualität sein können. Also, nicht alles was da zutage kommen wird, kann die „Schottermizi“ verwenden. Die Internationalen Konferenz „River Basins“ wird sich im Dezember mit dem Thema „Feststoffe in Flusseinzugsgebieten – Bodenund partikelgebundene Schadstoffe“ beschäftigen. Die Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR), hat schon vor Jahren unter 93 untersuchten Sedimentationsbereichen 22 als Risikogebiete klassifiziert,

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