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Binnenschiff Journal 4/2020

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Ferienzeit ist Zeit für Binnenschifffahrt, Wassersport, Öffentlicher Verkehr und Transport

BINNENSCHIFF

BINNENSCHIFF Journal 4/2020 | S10 Alle CargoCruiser befahren Wasserstraßen in Westeuropa. Leider hat sich in Osteuropa noch kein Kapitän gefunden, der als Fracht auch Passagiere mit an Bord nehmen möchte. Vielleicht gelingt es den Forschern der FH St. Pölten mit ihrem Projekt „CargoRider“ eine Plattform zu schaffen, damit Reisen auf dem Frachtschiff professioneller buchbar werden (E-Mail: frank.michelberger@fhstp.ac.at). Port viewing erweitert den Horizont Oft ist es so, dass die Menschen glauben, sie hätten in ihrer nächsten Umgebung schon alles gesehen. Stimmt aber meistens nicht. Manche Städte mit einem Hafen oder mehreren Häfen, haben auch Schiffe, die eine Hafenrundfahrt und sogar Hafenbesichtigung anbieten. Zum Beispiel mit dem Hafenschiff in Linz, das die größten Hafenanlagen in Österreich erkundet. Das Schiff passiert zunächst die „Kulturmeile“ mit den futuristischen Glasgebäuden des Ars Electronica Center, des Lentos Kunstmuseums sowie des berühmten Brucknerhauses, mit denen die Kulturhauptstadt Europas von 2009 ihrem Namen alle Ehre macht. Dann geht es weiter die Donau abwärts und den Fahrgästen öffnet sich plötzlich die Sicht auf eine völlig andere Seite der Stadt: Auf der rechten Donauseite pulsiert der „Herzschlag aus Stahl“ – im Linzer Hafenviertel. Die Fahrt führt vorbei am Winter-, Handels-, Tank- und voestalpine-Hafen. Linker Hand zeigt sich Linz hingegen von seiner natürlichen Seite, es eröffnet sich der Blick auf weite Grünflächen und Naturschutzgebiete rund um das Stadtgebiet. An der Traunmündung wendet das Schiff schließlich. Den krönenden Abschluss der Rundfahrt bildet die Einfahrt in den Hafen der ÖSWAG-Werft. Den Fahrgästen wird ein exklusiver Einblick in das emsige Treiben einer Schiffswerft direkt vom Wasser aus geboten. Manche Hafenrundfahrt kann man auch mit einem Landgang verbunden werden. So erhält man zum Beispiel einen Einblick, wo Container aus aller Herren Länder auf den Weitertransport warten. Sogar echte Konzertvorstellungen kann man bei einem Hafenbesuch erleben und so einen neuen Kulturgenuss erfahren. Das Ufer stets im Blick Auch eher weniger bekannt sind Flussfähren, weil man damit eher ein Transportmittel und Brückenersatz verbindet. Diese ursprüngliche Form der Flussquerung, ist vielleicht nicht zum Verweilen für mehrere Stunden gedacht. Obwohl, wer sich auf diese Art des Reisens einlässt, wird liebend gerne gleich mehrmals das Ufer wechseln. Und bestimmt ist eine Fahrt mit der Fähre in Verbindung mit einem Badetag in der Au oder einer Wanderung im Weingarten, der Höhepunkt eines Tagesausfluges. Ein Erlebnis der besonderen Art ist zum Beispiel die kurze Überfahrt mit der Fähre am Faaker See zur Insel. Dort kann man wahlweise eine Inselwanderung machen oder einen Badetag fern von jedem Rummel verbringen. Unwillkürlich wird man auf einer Fähre an das Wienerlied von Peter Herz und Hermann Leopoldi (1932) erinnert: Schön ist so ein Ringelspiel! Das is a Hetz und kost net viel... Damit auch der kleine Mann sich eine Freude leisten kann. Immer wieder fährt man weg und draht sich doch am selben Fleck. Man kann sagen, was man will, schön ist so ein Ringelspiel! Manche Fähren hängen noch an einem Fährseil, an dem die Fähre lautlos in der Strömung von Ufer zu Ufer gleitet. Andere Fähren, wie am Faaker See zum Beispiel, fahren frei mit einem Elektromotor und können schon mal auch eine Extrarunde drehen. Wer Lust hat, kann sich auch mit der Mythologie der Fähre beschäftigen und mit Schaudern daran denken, wie das jetzt wäre, mit der Überfahrt ins Totenreich. Auch die Beschäftigung mit der einst wirtschaftlichen oder religiösen Bedeutung von Fähren, kann einen Ferientag sicher mehr bereichern, als ein City-Hatscher bei 35 Grad im Schatten. Alle individuellen Angebote rund um die Binnenschifffahrt haben eines gemeinsam, nämlich die Nähe zum Wasser. Wer das Wasser schätzt, wird in der Binnenschifffahrt immer irgendwo den Traumplatz finden, wo alle Sinne angestupst werden und wo es sich lohnt zu verweilen.(PB)

In ihrer Erzählung „Die Fähre“ schreibt Ingeborg Bachmann im Sommer 1946: „Im hohen Sommer ist der Fluß ein tausendfältiger Sang, ein Chor, der, vom Gefälle getragen, das Land rundum mit Rauschen erfüllt. Nahe am Ufer aber ist er stiller, murmelnder und wie in sich selbst versunken.“ Bachmanns Fährmann, Josip Poje, „kann viele Stunden ruhig stehen oder liegen, er kann Tag für Tag das gleiche Wasser hören…“. Quelle: IBBS

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