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Binnenschiff Journal 3/2020

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Binnenschiff Journal 3/2020

BINNENSCHIFF

BINNENSCHIFF Journal 3/2020 | S16 Drinkable Rivers Flüsse sind lebenswichtig für alles Leben auf der Erde. Flüsse sind unsere Lebensadern. Wir können nicht ohne Wasser leben, wir sind Wasser. Alle Lebewesen sind Teil eines Einzugsgebietes, so dass wir alle von trinkbaren Flüssen profitieren könnten. REDAKTION: PETER BAUMGARTNER Foto:Drinkable Rivers Die COVID-19-Pandemie hat uns gezeigt, wie wichtig Hygiene und ein angemessener Zugang zu sauberem Wasser sind, um zur Vorbeugung und Eindämmung von Krankheiten beizutragen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist das Händewaschen eine der wirksamsten Maßnahmen, um die Ausbreitung von Krankheitserregern zu reduzieren und Infektionen zu verhindern. Aber Milliarden von Menschen fehlt es noch immer an einer sicheren Wasserversorgung. Nicht nur in Ländern außerhalb Europas, wo wir die herrschenden Zustände gerne ausblenden und wir uns als Europäer gerne in Sicherheit glauben. Covid hat uns gelehrt, wie trügerisch diese dumme Sichtweise ist. Aus der allgemeinen Wahrnehmung wird gerne ausgeblendet, dass es mangelhafte Hygienebedingungen und problematische Trinkwasserversorgung überall gibt - auch in Österreich. Ja sogar im Wasserschloss Schweiz. Verantwortlich für eine ausreichende Hygiene und für sauberes Wasser sind die Kommunen, deren Organisationen und letztendlich wir alle selber. Auch wenn es ständig Bemühungen gibt, zum Beispiel die Flüsse sauber zu halten, es ist ein Armutszeugnis, dass wir es nicht mal in Europa flächendeckend schaffen, unsere Lebensgrundlage – sauberes Wasser für alle – zu garantieren. Warum ist das so? Warum finden wir 2020 in unseren Gewässern alles was Gott und die Welt verboten hat?

Die Erklärung dürfte sein, dass wir bezüglich der Wasserverunreinigung nicht die Ursachen, sondern die Folgen bekämpfen. Gelangen irgendwo aus welchen Gründen auch immer, zehn Liter Öl in das Wasser, stehen sofort fünf Feuerwehren parat, um die sichtbaren Auswirkungen zu bekämpfen. Verseucht aber eine Industrieproduktion systembedingt permanent das Wasser und hält sich an die einmal im Jahr kontrollierten Grenzwerte, wird das hingenommen. Das Problem ist, es gibt nicht nur einen Emittenten, es gibt viele und es werden immer mehr. Das Ergebnis ist, dass wir inzwischen alle „Ausscheidungen“ in den Flüssen finden können. Dabei geht es gar nicht um die sichtbaren Probleme, die ein paar Liter Öl verursachen. Es geht um die unsichtbaren, massenhaft und flächendeckend auftretenden Stoffe. Wenn Wissenschaftler mehr zufällig draufkommen, multiresistente Keime, Plastik oder Chemikalien in hohen Konzentrationen finden, ist die Aufregung kurz groß – bevor man wieder zur Tagungsordnung übergeht. Die Menschen entlang der Flüsse leben aber vom Wasser, dass in bedenklichem Zustand durch ihre Leitungen fließt. Rund 20 Mio. Menschen, sagt die ICPDR, sind allein an der Donau auf das Trinkwasser aus diesem Fluss angewiesen. 59 Mio. leben vom Grundwasser aus dem Einzugsgebiet der Donau. Erheblich höher sind die Zahlen im Einzugsgebiet des Rheins usw. begleitet von der zunehmenden Wasserverknappung, hält die Gesellschaft dennoch konsequent an der falschen Praxis fest: Es wird versucht, die verheerenden Folgen einer verantwortungslosen Industrialisierung mit viel Geld zu beseitigen, statt die Ursachen mit aller Schärfe zu bekämpfen. Zwei Beispiele jüngster Katastrophen, die von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt stattgefunden haben zeigen, wie gerade die Pharmaindustrie (aber nicht nur die) unsere Lebensgrundlage verseucht: Forschenden in der Schweiz ist es gelungen, den Nachweis zu erbringen, dass ein einziges Pharmaunternehmen am Rhein das Gewässer durch die chemischen Einträge derart verunreinigt hat, dass sie sich zu einer vorsichtig formulierten Empfehlung genötigt sahen. „Die Konzentration ist in einer Größenordnung, dass es sinnvoll erscheint, über eine Verbesserung der betriebsinternen Abwasservorbehandlung nachzudenken.“ Es hat die Forscher überrascht, dass die chemische Verunreinigung selbst 100 Kilometer von der Emissionsstelle entfernt, noch immer in hoher Konzentration gefunden werden konnte.

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