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LE-4-2013

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

Verkehr | TRANSPORT

Verkehr | TRANSPORT Keine überlangen Lkw auf Österreichs Straßen Verkehrswirtschaft und Verkehrspolitik lehnen die von der EU empfohlene Zulassung von überlangen Lkw auf Österreichs Straßen kategorisch ab. Der Logistik Express hat die Gründe für die Ablehnung recherchiert. Redaktion: Logistik express Die Aufregung war groß im österreichischen Verkehrsministerium an der Wiener Ringstraße am 15. April 2013: Die EU-Kommission hatte gerade angekündigt, künftig im EU-Europa überlange Lkw mit bis zu 60 Tonnen Gewicht und einer Fahrzeuglänge von bis zu 25 Meter zuzulassen. Doris Bures EU-Kommissar Siim Kallas legte einen überarbeiteten Entwurf der EU-Richtlinie 96/53/EG vor, wonach künftig „sichere und umweltfreundliche Lkw“ in größeren Dimensionen und mit mehr Ladung an Bord auf Europas Straßen fahren sollen. Österreichs Verkehrsministerin Doris Bures nahm diese Ankündigung zur Kenntnis und ließ unverzüglich die österreichische und europäische Öffentlichkeit wissen: Österreich werde der EU-Richtlinien-Änderung nicht folgen und mit allen Mitteln zu verhindern versuchen, dass überlange Lkw auf Österreichs Straßen fahren werden. „Gigaliner gefährden die Verkehrssicherheit, sie torpedieren die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene und Österreich müsste Milliarden Euro an Umbaukosten zahlen“, erklärte Alexander Klacska Bures und ließ keinen Zweifel daran, dass sie verkehrspolitisch die Zulassung von überlangen Lkw scharf ablehnt. „Wir haben unsere vehemente Ablehnung wiederholt deponiert und ich werde mich auf jeder Ebene gegen die Annahme des neuen Richtlinien-Vorschlages einsetzen“, unterstrich die Ministerin ihre Ablehnung. Dabei bekam sie überraschenderweise auch von der Verkehrswirtschaft Unterstützung. „Wir sehen keinen Bedarf für überlange Lkw in Österreich, weil sich das Land topographisch nicht für derartige Fahrzeuge eignet“, signalisierte Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Österreich, der Ministerin die Unterstützung der österreichischen Verkehrswirtschaft. Ein ökonomischer Grund für die Ablehnung der Branche: Auf Frächter und Spediteure kämen erhebliche Kosten für die Umstellung der Fuhrparks auf überlange Lkw zu, obwohl die überlangen Fahrzeuge nur auf wenigen Strecken einsetzbar wären, so Klacska. Österreichs Speditionswirtschaft kann dem Lang-Lkw einiges abgewinnen: Weniger wegen der größeren Gewichte, sondern wegen des größeren Ladevolumens, das en bloc abgefahren werden kann. Um beispielsweise 106 Paletten zu befördern, braucht es 20 Lkw mit je einem Gesamtgewicht von 7,5 Tonnen oder drei herkömmliche Lkw mit je 40 Tonnen. Die gleiche Ladung könnte aber genauso gut mit nur zwei Lang-Lkw mit je FOTO: ISTOCKPHOTO.COM 14 LOGISTIK express Ausgabe 4/2013 www.logistik-express.com

Verkehr | TRANSPORT 40 Tonnen transportiert werden, argumentiert Wolfram Senger- Weiss, Präsident des österreichischen Zentralverbandes Spedition & Logistik. Mit nur zwei Lkw zu fahren würde bedeuten, 30 Liter Wolfram Senger-Weiss Treibstoff einzusparen und 13 Prozent weniger Lkw auf vielbefahrenen österreichischen Autobahnen zu haben. Dieser Argumentation will die Mehrheit der Österreicher offenbar nicht folgen. Einer Online-Umfrage des Autofahrerclubs ARBÖ zufolge, an der 4.000 Personen teilgenommen haben, sind 94 Prozent gegen überlange Lkw in Österreich. Der geänderte EU-Richtlinienvorschlag zielt konkret darauf ab, dass überlange Lkw über die Grenze fahren dürfen, wenn beide betroffenen Staaten damit einverstanden sind. Aus der Sicht von Bures könnte wegen der geographischen Lage Österreichs der politische und wirtschaftliche Druck aus Europa so groß werden, dass Österreich früher oder später gezwungen sein könnte, ebenfalls überlangen Lkw die Fahrt durch das Land zu erlauben. Im EU-Weißbuch Verkehr wird eine umfangreiche Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene für alle Transporte über mittlere und lange Strecken propagiert, die Zulassung von überlangen Lkw im grenzüberschreitenden Verkehr würde gerade das Gegenteil bewirken, nämlich die massive Verlagerung von Schwerverkehr auf die Straßen, wird in Österreich befürchtet. „Der Richtlinien-Vorschlag ist eine Abkehr der bisherigen Position der Kommission, die mehrfach erklärt hat, dass grenzüberschreitende Fahrten mit überlangen Lkw gegen geltendes EU-Recht verstoßen“, lautet ein weiteres Gegenargument aus dem österreichischen Verkehrsministerium. Belegt wird es mit Zahlen und Fakten aus drei Studien über die Auswirkungen einer EU-weiten Zulassung von überlangen Lkw: 5,4 Milliarden Euro müssten in Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen investiert werden, um sie für die 25 Meter langen Mega-Trucks aufzurüsten. Brücken und Tunnel, die in Österreich einen überproportional hohen Anteil von 15 Prozent des hochrangigen Straßennetzes ausmachen, müssten im Hinblick auf Tragfähigkeit, Tunnelsicherheit und Brandschutz speziell verstärkt und adaptiert werden. Der kombinierte Verkehr Straße-Schiene würde bei EU-weiter Zulassung überlanger Lkw 75 Prozent seines Volumens verlieren, was für Europas Bahnen zu einer echter Existenzbedrohung werden könnte. Und schließlich würden überlange Lkw die Verkehrssicherheit gefährden, argumentiert Bures. Brüssel schwächt ab: Alles nicht so schlimm Die österreichische Erregung über den geänderten Richtlinien-Entwurf blieb in Brüssel nicht unregistriert. Beamte der EU-Kommission gaben wenige Stunden nach der Wiener Ablehnung Entwarnung: Der Richtlinienentwurf enthalte keine Bestimmung, wonach Österreich den Einsatz dieser bis zu 25 Meter langen Lkw zulassen müsse, verlautete aus dem Umfeld von Kallas mit Adresse nach Wien. Demnach dürfen überlange Lkw nur in jenen EU-Staaten grenzüberschreitend eingesetzt werden, wo sie bereits zugelassen sind. Um der Besorgnis Österreichs und anderer Staaten entgegenzukommen, soll auch nur ein Grenzübertritt pro Fahrt erlaubt sein. Würden überlange Lkw nämlich öfter die Grenze passieren können, hätte dies Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit von Mitbewerbern, heißt es in EU-Kommissionskreisen. Blickt man auf Europas Landkarte, so fahren überlange Lkw lediglich in Finnland und Schweden. Das sind im Vergleich zum restlichen Europa dünn besiedelte Länder. Pilotversuche mit überlangen Lkw laufen derzeit in Dänemark, in den Niederlanden sowie in Deutschland, wo im Dezember 2011 eine Ausnahmeverordnung erlassen wurde, um überlange Lkw praktisch zu testen. Testversuche laufen in den deutschen Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Hessen, Thüringen, Sachsen und Bayern. In Schweden und Finnland werden die überlangen Lkw aus Sorge um mögliche Verstöße an der Grenze ent- und wieder beladen. In allen anderen EU-Ländern gibt es ähnlich wie in Österreich unterschiedliche Vorbehalte gegen überlange Lkw. Wie seitens der EU-Kommission verlautet, soll der grenzüberschreitende Einsatz der überlangen Lkw erlaubt sein, ohne dass EU- Mitgliedstaaten, die deren Fahrt verbieten, etwas ändern müssten. Unklar bleibt allerdings, was per Saldo passiert, wenn sich ein Land wie Österreich vehement gegen die neue Richtlinie stemmt. Denn eine explizite Ablehnung würde das Risiko von Wettbewerbsnachteilen in sich bergen, mit der Konsequenz, dass der EU-Binnenmarkt verzerrt würde. Der Gütertransport mit überlangen Lkw senkt die Transportkosten, weil weniger Fahrzeuge mehr Cargo befördern. Derzeit sind auf den EU-Straßen 6,5 Mio. Lkw unterwegs, rund eine Million davon könnte als Lang-Version fahren, so der dem Richtlinien- Entwurf zugrundeliegende Gedanke. Aus Sicht der EU-Kommission stehen neue Zulassungsbestimmungen für umweltfreundlichere Lkw im Mittelpunkt der geplanten Richtlinien-Änderung. So dürfen Lkw samt Anhänger in Europa normalerweise 18,75 Meter lang sein. Diese Länge darf nach dem Entwurf der EU-Kommission künftig um etwa einen Meter überschritten werden, wenn die Fahrzeuge künftig aerodynamischer gebaut werden und durch die Änderungen keine Gefahr für die Sicherheit besteht. Von einem aerodynamischeren Design erwartet sich die EU-Behörde einen um 7 bis 10 Prozent geringeren Treibstoffverbrauch sowie entsprechend weniger CO2-Ausstoß. Jörg Leichtfried, der österreichische EU-Parlamentarier und Chefverhandler des Europäischen Parlaments in Jörg Leichtfried der Causa Lang- Lkw, geht mit der EU-Kommission hart ins Gericht. Den von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas vorgelegten Vorschlag bezeichnet er sehr forsch als „gesetzgeberischen Pfusch“ und „frech“, weil einzelne Punkte offenbar die Handschrift wirtschaftlicher Interessen im Hintergrund trügen und im krassen Widerspruch zu früheren Aussagen von Kallas zu diesem Thema stünden. „Wir haben den Kommissionsvorschlag umgedreht und sind gegen grenzüberschreitende Fahrten mit Lang-Lkw“, betonte Leichtfried, der dem EU-Parlament in der ersten November-Woche einen Bericht des EP-Verkehrsausschusses zu diesem Thema vorlegte. Lediglich Finnland und Schweden sollten vom grenzüberschreitenden Fahrverbot ausgenommen werden, weil diese Länder Lang-Lkw in ihrem EU-Beitrittsvertrag niedergeschrieben haben. Bei Überladung von Lkw verlangt Leichtfrieds Bericht, dass in jedem Lkw ein Messgerät installiert sein soll, das dem Fahrer genau anzeigt, wie viel seine Ladung tatsächlich wiegt. Die weiteren Kritikpunkte beziehen sich auf die Energieeffizienz der Lkw, Straßensicherheit und Gewichtssensoren. (LE) www.logistik-express.com LOGISTIK express Ausgabe 4/2013 15

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