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LE-4-2012

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AUTOMOBILLOGISTIK Aus

AUTOMOBILLOGISTIK Aus dem einstigen „Torschiff“ der Kreuzritter, wurde nach 900 Jahren ein hochmoderner Autotransporter. 550 Pkw werden in Köln ab Werk auf das RoRo-Binnenschiff INGONA verladen. Quelle: Ford Wasserstraßen für Neuwagen Trotz Absatzschwäche in Europa - keine Bremsspur auf der Wasserstraße für die Neuwagenlogistik. Think globally – Act globally! Das ist das Motto für die Unternehmen der Automobilindustrie. Redaktion: Peter Baumgartner Der Neuwagenmotor stottert durch Europa. Wer keine Arbeit hat, kauft sich eben kein neues Auto. Nur noch wenige Marken haben stabile Absatzzahlen, und Zuwächse gibt es praktisch nur noch bei den Premiummarken. Die Ratingagentur Standard and Poor‘s schätzt, dass die Zahlen aus guten Jahren erst 2018 wieder erreicht werden können. Aber global wächst der Automarkt trotzdem. Die Nachfrage in China oder in den USA wächst beispielsweise zweistellig. Allein deutsche Hersteller haben 2011 300.000 PKW nach China exportiert. Für die Autoindustrie heißt das, jede Exportchance sofort nutzen. Schließlich hat man in guten Jahren riesige Fabriken auf die grüne Wiese gestellt, die ausgelastet werden müssen. Auch wenn das Werks-Schließungsprogramm in Westeuropa schon voll angelaufen ist, in den osteuropäischen Staaten stehen viele junge Automobilfabriken, die ihre Investitionen erst verdienen müssen. Die Absatzkrise der Autobranche in Europa ist gleichzeitig eine große Chance für die Neuwagenlogistik. Im Osten investiert die Autoindustrie weiter fleißig, weil das niedrige Lohnniveau dort noch immer ein wesentlicher Entscheidungsfaktor für den Industriestandort ist und die Regierungen bei den Subventionen bereitwillig die Hosen runter lassen. Sogar Mercedes scheut sich nicht, ungarisch zu bauen. Das neue Werk in Kecskemét hat seinen Betrieb gerade erst aufgenommen und VW/Audi wird an seinem ungarischen Standort in Györ mit 7.322 Beschäftigten ab 2013 125.000 PKW vom Band laufen lassen. Eine für 2015 angekündigte Werkseröffnung soll sogar in der Lage sein, sagenhafte 1,5 Mio. Fahrzeuge pro Jahr zu fertigen. Suzuki fährt die Produktion in Esztergom auf 220.000 Pkw pro Jahr hoch, und obwohl Opel in Bochum dicht macht, in Szentgotthard entstehen zusätzlich 1.000 Arbeitsplätze. Insgesamt werden die deutschen Automobilbauer im Jahr 2012 weltweit 13 Mio. Pkw produzieren. Deutlich weniger als die Hälfte davon läuft noch in Deutschland vom Band. Das bedeutet erhebliche Herausforderungen an die gesamte Logistikkette von der Zulieferung über die Herstellung bis zum Vertrieb. Aber, anders als in ehemals kommunistischen Ländern, wird heute auch das beste Auto erst dann bezahlt, wenn es beim 14 LOGISTIK express Ausgabe 4/2012 www.logistik-express.com

AUTOMOBILLOGISTIK Kunden angekommen ist. “Die Logistik ist das Hochleistungsöl im Getriebe der Automobil- Lieferkette“ (Matthias Wissmann, Präsident des Automobilindustrie-Verbandes). Die Wasserstraße mit den Häfen und das RoRo-Binnenschiff spielen in der Pkw-Vertriebsorganisation (und in der Zulieferung) eine entscheidende Rolle. Im Gegensatz zu anderen Industriezweigen nützt die Autoindustrie seit Henry Ford I. bewusst die Nähe zur Wasserstraße und sichert sich durch eine trimodal ausgerichtete Logistik gegen Lieferschwierigkeiten optimal ab. Besonders im Seehafenhinterlandverkehr hat das RoRo- Binnenschiff die wichtige Funktion, die Leistungsfähigkeit der Seehäfen zu unterstützen, denn diese hängt nicht allein von der Größe ihrer Umschlagsanlagen ab. Ein Großteil der Ex- und Importe läuft über deutsche Seehäfen und die Rheinmündung. Exakt das Vertriebsgebiet der wichtigsten Pkw-Logistiker, für die das Binnenschiff sozusagen der Keilriemen zwischen Produktion und Exporthafen ist. Reißt dieser Keilriemen, bedeutet das eine schwere Störung für die Produktion und für die Häfen. Außerdem wird die „grüne Logistik“, deren Ansprüche vom Binnenschiff bestens erfüllt werden, immer wichtiger. Eine leistungsstarke Infrastruktur ist allerdings die Grundvoraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit der Binnenschifffahrt, die sich gegen eine starke Bahn- und LKW-Lobby behaupten muss. Volkswagen, weltweit zweitgrößter Autobauer, hat 2011 insgesamt 8,3 Mio. Fahrzeuge ausgeliefert. Logistische Überlegungen stehen bei VW immer im Spannungsfeld zwischen Kosten, Qualität, Liefertreue und den Umweltfreundlichkeitsaspekten. In Zukunft will Volkswagen daher mehr Fahrzeugtransporte über die Wasserstraße realisieren. Zu diesem Zweck wurde im Oktober 2012 ein modernes multimodales Logistikzentrum in Wolfsburg mit einem direkten Zugang zum Mittellandkanal errichtet. Über den Mittellandkanal können die Volkswagen via Rhein, Elbe und Weser alle wichtigen Seehäfen staufrei und ohne Wochenendfahrverbot erreichen. Darüber hinaus prüft Volkswagen die Nutzung neuer innovativer Binnenschiffe, die noch besser für den Pkw-Transport geeignet sein sollen. Die BLG Logistics Group feiert 2012 ihr 135-jähriges Jubiläum, der Konzern ist mit sieben eigenen Schiffen sowie mit vier Autoschubleichtern auf dem Rhein und der Donau einer der Marktführer in der Pkw-Wasserstraßenlogistik. BLG zählt nicht nur zu den Pionieren in der Branche, sondern sitzt am Weser-Hafen in Bremen und Bremerhaven praktisch am Startplatz für über 1.000 Häfen auf der ganzen Welt. Seit Beginn der Schifffahrtstätigkeit im Jahre 1983 hat BLG zwei Millionen Fahrzeuge über die Wasserstraße transportiert. Mit der aktuellen Flotte können 4.500 Pkw gleichzeitig transportiert werden. Besonders die Möglichkeit, einen Linienverkehr zu realisieren, macht das Binnenschiff für BLG attraktiv. Außerdem ist das Schadensrisiko beim Transport der kostbaren Fracht mit dem Binnenschiff vergleichsweise deutlich geringer und noch dazu günstiger als mit Bahn oder LKW. Unausgelastete Transportkapazitäten und die ökologischen Vorteile der Binnenschifffahrt tragen für BLG weiter positiv zur Entscheidung pro Wasserstraße bei. Mit drei Seehafenterminals und fünf Inlandterminals hat BLG außerdem ein perfektes Umschlagsnetz für das Binnenschiff mit der Pkw-Ladung aufgebaut. Weitere fünf Inlandterminals werden gemeinsam mit Partnern betrieben. Zum Beispiel mit Interrijn Autotransport, ein Logistiker, der selber schon 25 Jahre Wassererfahrung hat und mit einer eigenen Spezialflotte jährlich 200.000 Pkw über die Wasserstraße abwickelt. Ein RoRo-Pkw-Binnenschiff ist ein schwimmendes Parkhaus und ersetzt 70 LKW im Straßenverkehr. Die global agierende Horst Mosolf Gruppe, transportiert jährlich 2,3 Mio. PKW und ist eine von Daimler mehrfach ausgezeichnete Pkw-Spedition. Seit 1955 stets bestrebt, „den jeweils richtigen Verkehrsträger für alle Strecken und Ladungen zu finden“. Daher hat das Unternehmen mit dem RoRo-Schiff „Terra“ auch eine Legende unter den Pkw-Schiffen im Einsatz. Der Logistiker Willi Betz konnte 2011 den Umsatz trotz Wirtschaftskrise um 7 % steigern. Vor 65 Jahren noch ein Ein- Mann-Betrieb, ist Betz heute ein führender Logistikkonzern, der sich frühzeitig in Osteuropa etabliert hat und für den Grenzen nie ein Hindernis, sondern immer Herausforderung bedeutet haben. Mit dem Car-Terminal in Passau und den von dort abfahrenden Binnenschiffen ist Willi Betz in der Lage, größere Mengen an Fahrzeugen umweltverträglich auf der Donau Richtung Osten und zurück zu transportieren. Die Flotte umfasst fünf Motorgüterschiffe für das Befahren aller Wasserstraßen wie Rhein und Donau mit ihren Nebenflüssen und Kanälen. Auf der Donau verkehren vier RoRo Katamarane und zwei Schubverbände. Bereits seit 1982 sind die Ro- Ro Katamarane und Schubverbände auf der Donau zwischen Deutschland und Bulgarien unterwegs und transportieren neben PKW auch Schwer- und Übermaßtransporte. Zur Unternehmensgruppe gehören ebenso sechs Donauschiffe, die zum Beispiel Autos aus Rumänien nach Passau bringen, von wo aus sie an Händler in Deutschland verteilt werden. Wenn Pkw-Transporte von der Autobahn auf die Wasserstraße verlagert werden, können Spediteure große Mengen CO2 einsparen. Das Familienunternehmen Hödlmayr International AG, mit Tochterfirmen in 13 Ländern, transportiert 1 Mio. PKW pro Jahr und unterhält eigene Umschlagsanlagen für das Binnenschiff in Wien und in Györ. Vorstand Johannes Hödlmayr bricht eine Lanze für die Kombination aller Verkehrsträger - LKW/ Bahn und Binnenschiff. Die gleiche Strategie fährt die 1920 als Lagerhaus Maxglan gegründete Gesellschaft Lagermax aus Salzburg. Über die Häfen Wien, Constanza, Budapest und Bratislava ist der „Lead Logistics Provider“ mit der internationalen Binnenschifffahrt verbunden. Das Logistikunternehmen Gefco hat in Deutschland, im niederbayerischen Kelheim an der Donau, einen Standort für die Automobillogistik. Jährlich werden dort 14.000 Autos französischer Marken umgeschlagen. Ein Teil davon geht per Binnenschiff über den Main-Donau-Kanal und die Bundeswasserstraße Donau zum Händler. RoRo-Autotransporter werden in der Binnenschifffahrt schon seit 1982 eingesetzt. Die Spezialschiffe erreichen eine Länge von 135 Meter und können 600 PKW auf 5 Decks mit einer Gesamtstellfläche von ca. 4.000 m² laden. Einzelne Decks sind sogar in der Höhe verstellbar oder können, wenn niedrige Brücken zu passieren sind, ganz leicht abgebaut werden. Ausgestattet mit einem voll regulierbaren Ballastsystem können moderne RoRo- Autotransporter auf jeden erforderlichen Tiefgang getrimmt werden. Ein Europa ohne Grenzen ist auf dem Wasser längst Wirklichkeit. Die europäischen Binnenwasserstraßen verbinden nahezu alle bedeutenden Städte und Handelsplätze nicht nur in Europa, sondern weit darüber hinaus. 20 von 27 Mitgliedsstaaten haben ein Wasserstraßennetz und 12 Staaten sind mit internationalen Wasserstraßen verbunden. Somit können hunderte Städte über das 37.000 km lange Wasserstraßennetz in Europa schon jetzt direkt aus der Autofabrik beliefert werden. (PB) www.logistik-express.com LOGISTIK express Ausgabe 4/2012 15

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