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LOGISTIK express Fachzeitschrift

GLOBALE

GLOBALE MÄRKTE Fusion der großen Drei? Der Luftfrachtmarkt Chinas befindet sich in einem gewaltigen Umbruch. Die großen Airlines des Landes der Mitte übernehmen zunehmend kleinere. Jetzt wird seitens der Zentralregierung sogar über eine Fusion der drei größten Fluglinien nachgedacht. Zudem dürfte sich künftig die Konkurrenz durch das Highspeed-Schienennetzwerk auswirken. Redaktion: DIRK RUPPIK Der Schock muss der chinesischen Regierung wohl tief in den Kochen gesessen haben, als sie in 2009 inmitten der globalen Krise die großflächige Restrukturierung des internationalen und inländischen Luftfrachtmarktes beschloss. Der inländische Luftfrachtmarkt brach von 11,9 Prozent Wachstum in 2007 auf 6,2 Prozent in 2008 durch die Krise und ebenso durch das Erdbeben in Sechuan ein. Der Analyst der China Merchants Securities Yao Jun sagte: „Die Restrukturierung des Luftfrachtbereichs wurde Anfang 2009 durch die staatliche Assets Supervision and Administration Commission (SASAC) und die National Development and Reform Commission (NDRC) ins Leben gerufen, als das Geschäft der Frachtfluglinien durch die Weltwirtschaftskrise stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.“ Unter anderem wird eine Fusion der großen drei – Air China, China Eastern und China Southern – in die Diskussion geworfen. Im Mai 2010 hat die Regierung laut South China Morning Post die Fluglinien nochmals aufgefordert, ihr Frachtgeschäft zusammenzulegen. Die Fluglinien auf dem chinesischen Festland haben sich über die Jahre einen Ruf erworben, unzuverlässig und unethisch zu sein, was laut China Morning Post dazu geführt hat, dass internationale Fluglinien einen Löwenanteil des internationalen Marktes für sich gewinnen konnten. Lernen müssen sie besonders in den Bereichen Management, On-Time-Performance und Logistik sowie dem Aufbau flächendeckender Netzwerke und lokaler Vertriebsdienste. Der Inlandsmarkt im Land der Mitte wird zu 80 Prozent durch die internationalen Integratoren FedEx, TNT, UPS und DHL beherrscht. Diese konnten in den 80er Jahren durch Joint-Ventures mit chinesischen Unternehmen in den Markt eintreten. Durch die Lockerung des Unternehmensrechts etablierten sie dann in den 90er Jahren ihre dominante Stellung im chinesischen Markt und lösten sich aus Joint-Ventures. Der internationale Luftfrachtmarkt mit dem gelben Riesen wird durch Air France, Lufthansa und Cargolux beherrscht. Auch hier soll die Fusion den eher bescheidenen Marktanteil der chinesischen Fluglinien von 30 Prozent anheben. In 2009 wuchs der chinesische Inlandsmarkt durch die wirtschaftliche Erholung um vielversprechende 12,3 Prozent. Fusionen der chinesischen Fluggesellschaften im vollen Gange Die großen Luftfahrtunternehmen im Land der Mitte müssen grundsätzlich marktorientierter arbeiten. Gebeutelt von Treibstoff- Hedgingverträgen zur Stabilisierung des Treibstoffpreises, einem Abfall bei der Nachfrage und anderen Betriebskosten erhielten zwei der drei großen Fluggesellschaften laut China Economic Review massive staatliche Unterstützung. China Eastern Holding strich einen Kapitalzuschuss von 290 Millionen US- Dollar (rund 223 Millionen Euro) im März 2009 ein. In 2008 empfing die staatliche Muttergesellschaft der größten Fluglinie des Landes, China Southern, rund 339 Millionen Euro. Seit dem dritten Quartal 2009 läuft das Geschäft der Fluglinien wieder profitabel. Für 2010 verkündete z.B. China Eastern Airlines einen fast zehnfach höheren Nettogewinn mit fünf Milliarden chinesischen Yuan (rund 540 Millionen Euro) und in der ersten Hälfte 2011 stieg er um 26 Prozent auf 280 Millionen Euro. Laut des in Shanghai ansässigen und in Hong Kong gelisteten Unternehmens liegt der DIRK REUPPIK Logistik express Redaktion c/o freier Journalist Grund des rasanten Anstiegs in der Erholung des Luftfrachtmarktes, der Übernahme von Shanghai Airlines und dem beträchtlichen Wachstum des Flugaufkommens durch die Shanghai World Expo. Laut der Hong Konger Schednet will Peking nun die Fusion der Frachtsparten der großen Drei, um bis zu 70 Prozent der internationalen Luftfracht von ausländischen Fluglinien wie Air France abzusaugen. Laut einer nicht genannten Quelle will die staatliche SASAC eine Beteiligungsgesellschaft für die neue Frachtlinie gründen. In diesem Rahmen würden die Liegenschaften von Air China im Austausch gegen Anteile an China Southern übergehen. Diese Anteile würden dann vom chinesischen Staat gehalten werden. Bisher gibt es kein Anzeichen, wann die Entscheidung für die Fusion getroffen werden soll. Die General Administration of Civil Aviation of China (CAAC) gibt dazu bisher keinerlei Aussage ab. „Ein erfolgreicher Zusammenschluss von chinesischen Frachtlinien wird FOTO: DIRK RUPPIK 42 LOGISTIK express Ausgabe 4/2011 www.logistik-express.com

Globale Märkte Kosten senken, die Effektivität anheben und langfristige Ziele erreichen helfen“, wurde Wei Zhenzhong, Generalsekretär der China Air Transport Association in der Cargonews Asia, im Juli zitiert. „Das Ministerium (für Transport) hofft, dass China wenigstens eine Frachtfluglinie unter die fünf weltgrößten in den nächsten Jahrzehnten bringt“, fügte Wei an. In Bezug auf die Fusion der großen Drei gab Air China Präsident Kong Dong zu, dass es solch einen Vorschlag gibt. „Air China würde aktiv beim Zusammenschluss teilhaben, falls dies verlangt würde.“ Der Geschäftsführer von China Eastern Ma Xulun dagegen wies die Spekulationen über eine Zusammenlegung entschieden zurück. Der Fusion stehen viele Hürden entgegen, wie z.B. die große Bandbreite von Flugzeugtypen, was die Wartungskosten hochtreiben würde. Der Anspruch auf die Führungsrolle wäre ebenso zu klären. Zudem sind die Fluglinien unterschiedlichen Alliancen beigetreten. Allerdings ist klar, dass die inländische Frachtflugzeugflotte mit 80 Flugzeugen im Vergleich zu mehreren hundert der internationalen Fluglinien zu klein ist, um den inländischen Markt zu beherrschen. Derweil verfolgen die großen Drei nun eigene Zusammenschlusspläne. Die Hong Konger Cathay Pacific hat 49 Prozent an Air China Cargo (ACC) im August letzten Jahres erworben. Sie kontrolliert nun zusammen mit Air China das Frachtfluggeschäft von ACC. Das Joint-Venture mit Sitz in Shanghai soll insbesondere sein Geschäft im Perl- bis zum Yangtseflussdelta ausweiten. Air China wird acht und Cathay weitere vier B747F einbringen. Die Fusion zwischen China Eastern und Shanghai Airlines wurde im Februar 2010 abgeschlossen. Laut Bloomberg News vom 20. Dezember wird China Eastern nun zusammen mit Singapore Air Cargo, einem Bereich der taiwanesischen Eva Air und der China Ocean Shipping (Group) Co. insgesamt rund 233 Millionen Euro in die Restrukturierung der Frachtfluglinie China Cargo stecken. Diese soll dann die Liegenschaften von Shanghai Cargo Airlines und Great Wall Airlines übernehmen. China Eastern hatte im März 51 Prozent von Great Wall übernommen. Der Präsident von China Eastern, Liu Shaoyong, hofft, dass die neue Fluglinie Dienstleister im Bereich Versorgungsketten mit Serviceleistungen sowohl am Boden als auch in der Luft werden könnte. Nur China Southern ist bisher keinerlei Fracht-Joint-Venture eingegangen, wohl war das Unternehmen aber im Gespräch mit Air France. Die Verhandlungen platzten dann allerdings durch den Einfluss der Weltwirtschaftskrise. Die Fluglinie mit Sitz in Guangzhou ist 2007 der SkyTeam-Allianz beigetreten, in der Air France-KLM auch Mitglied ist. China Southern hat wie die anderen beiden Frachtfluglinien Verträge mit dem Versorgungsketten-Dienstleister Sinotrans-Changjiang Group geschlossen. Luo Laijun, Geschäftsführer des Frachtbereichs von China Southern, sagte: „Was auch immer passiert, die nächsten zwei bis drei Jahre werden entscheidend für die chinesischen Frachtfluglinien sein. Der Schlüssel ist, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die Ausweitung der aus- und eingehenden internationalen Fracht zu beschleunigen.“ Frachtflugzeugmarkt im Aufwind Boeing prognostiziert das Wachstum des globalen Luftfrachtmarktes für die nächsten 20 Jahre auf durchschnittlich 5,9 Prozent jährlich. Bis 2029 soll sich das Volumen des Marktes verdreifachen. Die Anzahl der Frachtflugzeuge weltweit wird um ein Drittel von 1.755 in 2009 auf 2.967 in 2029 wachsen. 1.282 Frachtflugzeuge sollen außer Dienst gestellt werden und 2.494 werden bis 2029 der globalen Flotte hinzugefügt. Allerdings haben sich die Frachterträge in den letzten 20 Jahren um durchschnittlich 4,9 Prozent jährlich verringert. „Die asiatischen Luftfrachtmärkte werden weiterhin die Industrie anführen. Allein der innerasiatische Markt wird jährlich um 7,9 Prozent wachsen“, heißt es in der Studie des Flugzeugbauers aus Seattle. Er trägt zu 15,8 Prozent an der weltweiten Luftfrachttonnage bei. Die Weltmacht China dominiert hier fast alle wichtigen Handelsverbindungen (acht von zehn) - z.B. China – Korea, China – Japan. Das chinesische BIP wuchs laut Gtai um 9,6 Prozent in 2010 und ist für 2011 auf 8,6 Prozent prognostiziert. Allein der inländische Luftfrachtmarkt des gelben Riesens trägt mit 9,3 Prozent zur globalen Tonnage bei. Das Land ist zu einem der Hauptfertigungsländer geworden. Die meisten Produkte wie Computer, Telekommunikationsausrüstungen sind für den Export bestimmt und werden per Luftweg transportiert. „Die Exporte in andere asiatische Länder, Europa und Nordamerika haben das Wachstum des Inlandmarktes angetrieben“, stellt Boeing fest. In 2009 expandierte dieser um 12,3 Prozent. Der Schlüssel zum Wachstum liegt im weiteren Ausbau der Infrastruktur innerhalb Chinas. Bis 2029 sagt der Flugzeugbauer ein Wachstum des Inlandmarktes um 9,2 Prozent voraus. Highspeed-Schienennetzwerke Einen großen Einfluss auf diese Prognose wird der Ausbau des Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnnetzwerkes mit 13.000 km Streckenlänge bis 2012 haben. Die japanische Investmentbank Daiwa Capital Markets schätzt, dass die chinesische Luftfahrtindustrie rund 1,5 Milliarden US-Dollar (rund 1,16 Milliarden Euro) Ertrag in 2012 durch den Wettbewerb mit dem Hochgeschwindigkeitsnetzwerk (HGN) verlieren wird. Air China, Southern Airlines und China Eastern Airlines würden demnach 24, 50 und 68 Prozent ihres geschätzten Nettoprofits in 2011 verlieren. Daiwa sagte: „Wir erwarten, dass es China Southern und China Eastern aufgrund ihrer geringeren Gewinngrundlage stärker treffen wird.“ Es bleibt abzuwarten, ob die Fusion der großen Drei tatsächlich stattfindet und wie groß der Einfluss des HGN ausfällt. Der Countdown bis 2012 bleibt also spannend. (DR) www.logistik-express.com LOGISTIK express Ausgabe 4/2011 43

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