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LE-4-2011

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

BRANCHENLOGISTIK

BRANCHENLOGISTIK „Logistik für alle Fälle“ Ähnlich wie zu Kriegszeiten, wo die beste Logistik über Sieg und Niederlage entscheidet, so kann das beste Medikament nur dann Leben retten, wenn es zur richtigen Zeit, in tadelloser Qualität am richtigen Ort ankommt. Deshalb sind die Logistiker in der Pharmaindustrie ein zentrales Bindeglied in der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Redaktion: Peter Baumgartner Rund 20.000 Packungen hat eine durchschnittliche Apotheke auf Lager und wie überall, bedeutet ein hoher Lagerbestand Kosten, die durch abgelaufene Ware nochmals erhöht werden könnten. Gleichzeitig ist die Verfügbarkeit jedes Arzneimittels eine zentrale Verantwortung der Apotheker. Dass die ApothekerInnen dieser Aufgabe ganz gut gerecht werden, zeigt die Statistik in Österreich, wonach mehr als 96 Prozent der Kundenwünsche sofort erfüllt werden können. Hinter dieser Liefertreue steht der Pharmagroßhandel, der selber über riesige Lagemengen aus der Produktion verfügt und die Apotheken zweibis viermal täglich beliefert – natürlich mit lückenlosen Lieferdaten. Ist ein Produkt einmal nicht sofort verfügbar, so garantiert die flexible Medikamenten-Logistik eine Lieferung innerhalb weniger Stunden. Dabei geht es nicht bloß um die schnelle Lieferung, sondern insbesondere um die Einhaltung genau vorgeschriebener Vertriebswege. Zum Beispiel müssen bei bestimmten Medikamenten durchgehend gleiche Temperaturbedingungen vorgehalten werden, was nur mit entsprechenden Spezialtransporten möglich ist. Das kann ein Container mit autonomer Kühlung, aber auch ein wärmeisoliertes Flugzeug sein. Bei Medikamenten mit sensiblen Indikatoren kann es zudem behördliche Auflagen – ein sogenanntes kontrolliertes Distributionssystem – geben, das von den Logistikern größtmögliche Verantwortung abverlangt. Neben der Bedeutung für die Volksgesundheit, hat die Medikamenten-Logistik auch einen enormen Einfluss auf die Gesundheitskosten. In der EU gibt es bereits eine halbe Million unterschiedlicher zugelassener Medizinprodukte. Von der Zahnspange bis zum Tomographen. In Österreich produziert die Pharmaindustrie jährlich Medikamente im Wert von rund 2,25 Mrd. Euro. Etwa 10.000 zugelassene Arzneimittel sind hier im Verkehr. Insgesamt eine enorme Herausforderung für die Logistik. Ein kompliziertes System der Kostenaufteilung zwischen Fabrikabgabepreis, Logistik, Verkauf/Krankenhaus und Steuer bestimmt letztlich jenen Medikamentenpreis, der – so er unter den Erstattungskodex (Versicherungsleistung) fällt – wesentlich Einfluss auf die Gesundheitskosten hat. So entscheidet der niedergelassene Arzt oder das Krankenhaus durch die Medikamentenverschreibung über mehr als die Hälfte der gesamten Gesundheitskosten. Die Logistikkosten spielen dabei keine unwesentliche Rolle. Um die Logistikressourcen möglichst zielgerichtet und gewinnbringend einzusetzen, perfektioniert der Pharma-Großhandel seine Geschäftsabläufe permanent. Konsolidierung, Internationalisierung und Netzwerkbildung bestimmen über den Fortschritt im Pharma-Großhandel. Gleichzeitig entstehen neue Formen der Medikamenten-Logistik, die – nicht immer zur Freude der Großhändler – Nischen im System finden und den Logistikmarkt beleben. Peter BAUMGARTNER Logistik express Redaktion c/o freier Journalist Ein Beispiel ist die Bindung eines Vertragsgroßhändlers an einen Pharmaproduzenten, der dann nicht mehr selber Besitzer der Waren wird und der Hersteller selber über Rabatte und sonstige Bedingungen entscheidet. Ein anderes Beispiel ist der in Österreich aus gutem Grund verbotene Versandhandel von rezeptpflichtigen Medikamenten. Trotzdem wird er zum Leidwesen der niedergelassenen Logistiker in zunehmendem Maße in Anspruch genommen und von der Aufsichtsbehörde bekämpft. In anderen Ländern geht man aber bereits den Weg der regulierten Akzeptanz und versucht, die Vorteile des Versandhandels zu nützen. Eine Versandapotheke in der Schweiz befindet sich im Besitz von 2.000 Ärzten. 2010 hat das Unternehmen mit 300 Mitarbeitern, viele davon Logistiker, einen Umsatz von 490 Mio. Franken gemacht. Auf diese Form der Medikamenten-Logistik haben sich auch eigens qualifizierte Transport- Dienstleister spezialisiert, die in der Lage sind, zeit- und temperaturkritische Waren in jeder Liefergröße, an jeden beliebigen Ort der Welt zu liefern. Aber was ist, wenn Medikamente oder medizinische Geräte dort gebraucht werden, wo kein Kühlwagen hinkommt, weil es keine Straßen und schon gar keine Landebahnen gibt? FOTO: ISTOCKPHOTO.COM 36 LOGISTIK express Ausgabe 4/2011 www.logistik-express.com

BRANCHENLOGISTIK Eine Ballonfahrt wäre da vielleicht noch eine, wenn auch nicht die schnellste Möglichkeit. Eine lange Tradition haben hingegen Krankenhaus- oder Sanitätsschiffe, die neben einer vielfach perfekten Krankenhausinfrastruktur natürlich auch über eine entsprechende Apotheke an Bord verfügen. Zuerst nur in Kriegsgebieten im Einsatz, werden diese schwimmenden Krankenhäuser heute nicht selten bei Naturkatastrophen eingesetzt oder sichern in abgelegenen Arbeitsgebieten, wie in Ölbohrgebieten oder als Begleitung einer Fischereiflotte, die medizinische Versorgung der Menschen. Anders als bei stationären Apotheken, die mehrmals täglich beliefert werden, können Apotheken auf See naturgemäß nicht just in time beliefert werden. Sie müssen entsprechend ihrer Aufgabe und ihres Einsatzgebietes ausreichend Lagerbestände vorhalten, damit die Medikamentenversorgung u.U. auch über mehrere Wochen reibungslos funktioniert. In diesem Fall ist nicht nur eine perfekte Logistik, sondern auch eine ausgeklügelte Lagerhaltung erforderlich, weil der verfügbare Raum auf einem Schiff ja meist stark begrenzt ist. Das derzeit größte zivile Krankenhausschiff ist 152 Meter lang und sieben Decks hoch. Medikamente im Container lernen schwimmen Kaum kleiner also als ein mittleres Krankenhaus, allerdings hat das Schiff nicht nur 24 Container gefüllt mit Krankenhaus- und Medikamentenbedarf an Bord, sondern natürlich auch den notwendigen Vorrat an Lebensmitteln, Versorgungsmaterial, Wäsche und Entsorgungsmaterial – meist für eine Einsatzdauer von 10 Monaten. Damit keiner der sechs OP-Räume oder die Intensivstation auf so einem floating Hospital unterversorgt ist, muss das Schiff notfalls über Hubschrauber versorgt werden. Besonders schwierig ist die Versorgung der Krankenhausschiffe von diversen Hilfsorganisationen, die irgendwo am Amazonas die entlegensten Dörfer versorgen oder den Brahmaputra entlang fahren, um die Menschen dort wenigstens gelegentlich mit den notwendigsten Medikamenten zu versorgen. Für diese Schiffe gilt nicht nur ein dauerhafter Spendenbedarf, sondern auch ein enormer logistischer Aufwand, um die medizinische Versorgung in der notwendigen Qualität garantieren zu können, weil sie über Wochen vollkommen von der zivilisierten Außenwelt abgetrennt operieren. Aber auch in Europa ist die notwendige medizinische Versorgung und Medikamenten-Lieferung nicht immer selbstverständlich. Wer denkt schon bei einer Inselwanderung auf Kreta, wo im Notfall der nächste Arzt oder das nächste Krankenhaus ist? Gäbe es da nicht ein Ärzteschiff, das auf der Insel stationiert und mit den notwenigsten Medikamenten ausgerüstet ist, so manche Patienten müssten weit über holprige Feldwege zum nächsten Arzt gebracht oder gar ausgeflogen werden. In Venedig wird so wie jeder andere Transport in den Lagunen, auch der Medikamententransport mit eigens dafür geeigneten Schiffen bewerkstelligt. Nur sie können über lange Strecken einen klimaneutralen Transport aller Pharmaprodukte garantieren. Ich gehe mal schnell zum Pillenautomat Noch ungeahnte Versorgungsmöglichkeiten bietet der Medikamentenautomat. Nach langen Rechtsstreitigkeiten ist die Abgabe von Medikamenten über Automaten in einigen Ländern unter bestimmten Umständen erlaubt. Mit dem Einzug von US-Pharmakonzernen in Europa wächst die Automatisierung, und die „Pille to go“ entwickelt sich langsam zu einer angenommenen Alternative. Besonders in ländlichen Gebieten, wo bereits der Arzt abgewandert ist und infolge auch die Apotheke zusperren musste, kann die Automatisierung künftig in der Medikamenten-Logistik eine hilfreiche Versorgungsergänzung bringen, meinen die Anbieter. „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie nicht den Apotheker, sondern lesen Sie lieber das Angebot Ihres Logistikers.“ PETER BAUMGARTNER Vor dem Hintergrund der wachsenden Gesundheitskosten scheint die logistische Maßnahme einer sogenannten Arzneimittelverblisterung eine erfolgversprechende Lösung zu sein, um den Arzneimittelabfall wirksam zu verringern. Bei der Verblisterung geht es um eine nutzergerechte Verpackung der Medikamente in meist wöchentlich benötigter Menge. 100er Packungen sind damit für den Endverbraucher nicht mehr notwendig. In Deutschland geht man davon aus, dass aus verschiedenen Gründen bereits 4.000 Tonnen Arzneimittelabfall pro Jahr entstehen – Tendenz steigend. Die industrielle Verblisterung wirkt dieser Tendenz entgegen. Es bleiben praktisch keine Tabletten übrig. Die Blisterwirtschaft verspricht den Krankenschwestern, dass das Handling in den Krankenhäusern wesentlich erleichtert wird, Einnahmefehler verringert werden und Logistikkosten in der Ver- bzw. Entsorgung dramatisch reduzierbar sind. In Österreich hat das erste Blisterzentrum 2011 den Betrieb aufgenommen. Paketzusteller mit Blaulicht Eine für Österreich neue Entwicklung in der Medikamenten-Logistik ist das Bestreben der Logistiker, dass für sie nicht mehr allein das Produkt, sondern auch der Patient selber im Mittelpunkt stehen soll. Beispielgebend dafür ist das Angebot eines Schweizer Pharma- Logistikers, der den Kunden zur „normalen“ Medikamentenzustellung individuelle Value- Added Services anbietet und mit dem Angebot HomeCare sogar weit in die persönliche Patientenbetreuung hinein arbeitet. Der innovative Pharma-Logistiker will auch Bindeglied zwischen Arzt und Patient sein. „Pure Arzneimittellogistik wird künftig zu wenig sein. In Zukunft braucht es Gesamtlösungen aus Distribution und Therapiebegleitung“, so das Zukunftsszenario in der Medikamenten- Logistik. Der demografische Wandel und der Wunsch vieler Menschen, im Alter oder bei Krankheit im gewohnten häuslichen Umfeld zu bleiben, beinhalten hohe Anforderungen an die Pflege und Versorgung und somit auch an die Logistik. Neue Logistikkonzepte, welche die Homecare Versorgung im Sinne einer Material- und Dienstleistungsversorgung im häuslichen Umfeld sicherstellen, werden benötigt. Die besondere Herausforderung dabei liegt in der Verknüpfung dieser Leistungen zu einem integrierten und effizienten Versorgungskonzept. (PB) www.logistik-express.com LOGISTIK express Ausgabe 4/2011 37

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