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LE-4-2011

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

UMWELT & TECHNIK Ende

UMWELT & TECHNIK Ende der Ölabhängigkeit – WASSER statt Benzin und Diesel! Unglaublich, aber wahr: Aus Gier nach Öl geführte Kriege und Ölpest in Gewässern könnten bald der Vergangenheit angehören, denn einem heimischen Wissenschaftler ist es gelungen, Öl und Diesel als Energieträger für Motoren durch Wasser zu ersetzen. Redaktion: Angelika Thaler die weitere Reaktion. „So entstehen spontan aus 2 Molekülen Aluminium und 3 Molekülen Wasser, Aluminiumoxid und 3 Moleküle Wasserstoff, die sich mit dem Luftsauerstoff sofort zu Knallgas (HHO Gas) verbinden und explodieren“, verdeutlicht der Erfinder. (Formel: 2 Al + 3 H2O -> Al2O3 + 3 H2). Derzeit entscheiden oft noch der Ölpreis und damit verbunden die Spritkosten über Wohl und Wehe einiger Transportunternehmen. Fast schon wöchentlich liest man über Tankerunglücke oder andere Katastrophen, wo Rohöl in Gewässer gelangt und unzählige Tiere das Leben kostet und in weiterer Folge nicht zuletzt die Nahrungskette des Menschen gefährdet. Leider sind die moderne Zivilisation und Wirtschaft jedoch ziemlich abhängig vom Öl, neben dem Transportsektor sind auch die Kosmetik-, Plastikund chemische Industrie in vielen Bereichen darauf angewiesen. Und die Ressourcen sind nicht endlos! Wäre es nicht ein Segen, könnte man Benzin und Diesel durch Wasser ersetzen und somit die Versorgung der anderen Bereiche auf lange Sicht sichern? Gewagtes Konzept? Alfred Klaar ist Manchen kein Unbekannter: schon im Jahr 2000 meldete der pensionierte Steuerberater und leidenschaftliche Tüftler ein Patent für ein Wasserstoff-Fahrzeug an, das leider nicht von viel Erfolg gekrönt ANGELIKA THALER Logistik express Redaktion war. Doch nun, nach über einem Jahrzehnt weiteren Forschens und Testens, will er den Durchbruch geschafft haben. „Die Basis bildet die thermische Dissoziation (Pyro-Thermolyse) von Wasser. Durch eine Kleinstbohrung durch die Mittelelektrode der Zündkerze wird mit Mikroaluminium-Partikeln versetztes Wasser direkt in den Zündfunken eingespritzt und dadurch Knallgas erzeugt. Das Gas explodiert und treibt den Motor an“, erklärt Klaar. Durch seine Reaktionsfreudigkeit entnimmt Aluminium dem Wasser die Sauerstoffmoleküle, dabei entstehen Wasserstoff und Energie. Zwar oxidiert das blanke Metall, aber durch den elektrischen Lichtbogen im Zündfunken (und damit über 2.000 Grad Celsius) schmilzt die Oxidkruste und ermöglicht Keine Nebenwirkung Als Abfallprodukt des Prozesses entsteht Aluminiumoxid, das weitläufig unter dem Begriff „Tonerde“ bekannt ist. Mit einem geeigneten Filter kann es aus dem ausströmenden Wasserdampf aufgefangen und weiterverwertet werden. Da die Grundbausteine des „Treibstoffes“ – Wasser, Aluminium und Luft – naturgemäß völlig ungefährlich sind, ist auch das Treibstoff-Transportproblem gelöst, mit dem Wasserstofffahrzeuge bislang zu kämpfen hatten. Das Knallgas wird bedarfsorientiert im Verbrennungsraum erzeugt und sofort verbraucht. Sogar den aus dem Auspuff kommenden Wasserdampf kann man auffangen, nach dem Abkühlen kondensiert dieser und kann in den Vorratsbehälter rückgeführt werden – dies kommt dem Traum eines Perpetuum Mobiles schon ziemlich nahe, wenngleich es natürlich nicht endlos funktioniert. Energierevolution Klaar ist davon überzeugt, dass seine Entwicklung eine Wende im Öldrama bedeutet, denn die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig: „Egal ob man nun einen Ottomotor im Fahrzeug oder ein Blockheizkraftwerk zur autarken Versorgung eines Einfamilienhauses mit dieser Technologie antreibt, Wasserstofftechnik wird in der zukünftigen weltweiten Energieversorgung eine große Rolle spielen“. Nicht zuletzt durch den Klimawandel ist es auch ein politisches Ziel, CO2- und andere schädliche Emissionen zu vermeiden – Wasserdampf und Tonerde sind im Gegensatz dazu unschädlich für die Umwelt. Zu schön, um wahr zu sein? Nicht alle sind von diesem Patent so begeistert wie Klaar. „Wir halten das für einen Scherz“, so die erste Reaktion von Dr. Rein- FOTO: ISTOCKPHOTO.COM 20 LOGISTIK express Ausgabe 4/2011 www.logistik-express.com

UMWELT & TECHNIK hard Gschöpf, Referent für Verkehr, Tourismus, Post/Telekom und Alpenschutz der Grünen. Auf Nachfrage wird er deutlicher: „Alles, was bisher zum Thema Wasserauto vorgestellt wurde, war Betrug – das beste Beispiel dafür war Daniel Dingel, der deswegen auch im Gefängnis sitzt.“ So sehr solch eine Erfindung wünschenswert wäre, er selbst bezweifle, dass es funktioniert: „Woher kommt die Energie, die alles in Gang setzt? Elektrolyse hat einen zu geringen Wirkungsgrad, Energiezufuhr von außen wäre für die Energiebilanz wiederum nicht sinnvoll.“ Doch angenommen, es funktioniert wirklich, sollte der Staat dann solche Patente sichern, ehe sie in einer Schublade verschwinden? Gschöpf: „Es gibt das Modell Better Place, wo sich der Staat auf ein landesweites System mit bestimmten Herstellern festlegt, derzeit wird es in Israel, Dänemark und Japan getestet. Allerdings ist meiner Meinung nach der Staat nicht der beste Eigentümer. Wenn man flott Ergebnisse haben möchte, ist ein wirtschaftlicher Akteur, wie ein Automobilhersteller, die bessere Wahl.“ Wasserstoff als Treibstoff Der Gedanke, Wasser(stoff) als Energiequelle für Fahrzeuge zu nutzen, ist nicht neu. Als Bestandteil des Wassers ist er in großen Mengen verfügbar und in molekularer Form (H2) auch – und das ist die Voraussetzung für die Nutzung – brennbar. Probleme bereitete bislang vor allem der Transport, denn Wasserstoff ist nicht nur ein explosives Gemisch (ab einer Konzentration von 18 Prozent), er ist auch durch seine anderen Eigenschaften ein schwer zu transportierendes Element: Durch die geringe Teilchen-/Energiedichte braucht man beispielsweise im Vergleich zu Erdgas drei Mal so viel Platz oder Druck zur Speicherung. Zudem sind die Wasserstoffmoleküle sehr klein, wodurch der Tank aus besonders „Wasserstofftechnik wird in der zukünftigen weltweiten Energieversorgung eine große Rolle spielen.“ Alfred Klaar hochwertigem Material sein muss, um dicht zu sein. Glücklicherweise ermöglicht die Technik bereits Drucktanks mit bis zu 1.200 bar, wodurch dieses Problem keines mehr ist. Manchmal wird bei Fahrzeugkonzepten auch auf Flüssigwasserstoffspeicherung gesetzt: der verflüssigte Wasserstoff (LH2) wird bei Temperaturen unter -252,8 °C und Umgebungsdruck gespeichert. Leider gehen beim Verflüssigen einmalig etwa 20 Prozent des Energiegehaltes verloren. Carbazol Mitte des Jahres sorgten Schlagzeilen für Aufsehen, dass ein „Wundersprit“ gefunden worden sei: die giftige Chemikalie N-Ethylcarbazol (C12H9N), kurz Carbazol genannt, hat die Eigenschaft, Wasserstoff speichern zu können. Der Vorteil: dies ist bei normalen Temperaturen und ohne den normalerweise erforderlichen hohen Druck möglich, dabei ist Carbazol genauso flüssig wie vergleichsweise Benzin und man könnte daher die normale Tankstelleninfrastruktur und bestehende Auto-Tanks nutzen. Hierbei wird Carbazol allerdings nur als ETS (Energie Tragender Stoff) eingesetzt, es verbraucht sich nicht. Die Flüssigkeit wird mit Wasserstoff angereichert, der zum Antreiben einer Brennstoffzelle verwendet werden kann. Das energiearme Carbazol wird dann an der Tankstelle gegen energiereiches ausgetauscht. Geht es nach den beiden Professoren Wolfgang Arlt und Peter Wasserscheid von der Uni Erlangen-Nürnberg, die diese Möglichkeit gerade erforschen, wird Carbazol bereits in acht bis 10 Jahren serienmäßig Elektrofahrzeuge antreiben. BMW und Daimler hingegen stehen dem Stoff sehr skeptisch gegenüber, insbesondere da für die Auslösung des Wasserstoffs mehr als 80°C nötig sind – und das ist weit mehr, als die Brennstoffzellen benötigen. Hinzu kommt der höhere Verbrauch, der einen größeren Tank nötig macht. Dafür gäbe es – wie bei allen Elektroautos – keine Emissionen. Doch obwohl Mercedes sich mit dem Citaro immerhin bereits im Stadium der Vorserienentwicklung eines neuen Brennstoffzellen-Busses befindet und schon im Jahr 2009 auf der Hannover Messe diverse Brennstoffzellen-Hybrid-LKW präsentiert wurden, ist hinsichtlich der Nutzfahrzeuge auf den Straßen von dieser Technologie noch nichts zu sehen. Fazit Im Gegensatz zum Jahr 2000 ist das Medienecho auf Klaars Patentmeldung eher dürftig ausgefallen. Zu gering ist scheinbar das Vertrauen in die Realisierbarkeit. Oder sind wir der Öllobby schon so hörig, dass wir die einfachste Lösung gar nicht in Betracht ziehen? Oder noch schlimmer – fließt Geld, um diese Nachricht unter den Tisch zu kehren? Wie auch immer das Ergebnis aussieht, Fakt ist, dass seit kurzem 7 Milliarden Menschen unseren Planeten bevölkern, und der Hunger nach Rohstoffen dramatisch wächst. Wenn auch nur die Hälfte davon ein benzinbetriebenes Auto besäße, würden nicht nur weitere Kriege ausbrechen, der Klimawandel wäre wohl bereits in 10 Jahren vollzogen. Und dann gute Nacht, schöne Welt. (AT) Info: a.thaler@logistik-express.at Multitalent Foto: Stefan Nagengast Multitasking in der Öko-Liga. Die Nutzfahrzeuge von Goupil. Für viele Anforderungen mit großem Nutzen. Vor allem für die Umwelt, weil hybrid oder elektrisch. www.kht-thaller.at Infoline: Vertriebszentrum Ost: 01/61 62 300 Vertriebszentrum West: 07243/51500 Zentrale-Süd: 04212/29600 www.esch-technik.at www.logistik-express.com LOGISTIK express Ausgabe 4/2011 21

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