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LE-4-2009

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

IM GESPRÄCH Schon vor

IM GESPRÄCH Schon vor Ihrer Geburt gründete Ihr Vater Herbert Koch erfolgreich das erste kika Einrichtungshaus, hat sich das auf Ihre Kindheit ausgewirkt? Natürlich hat es Auswirkungen, in solch einem Unternehmen aufzuwachsen. Ich bin nie dazu erzogen worden, die Firma zu übernehmen, auch wenn es vielleicht insgeheim ein Wunsch meines Vaters war. Im Gegenteil, meine Mutter war redlich bemüht, Kultur, Kunst und andere Themen in den Vordergrund zu stellen, aber natürlich stand bei allen gemeinsamen Mahlzeiten die Firma im Mittelpunkt. Sie wollte nicht noch ein Familienmitglied im Konzern aufgehen sehn, aber es war mir wohl schon in die Wiege gelegt – schließlich ging es nach meiner Geburt vom Spital aus mitten durch das Möbelhaus in die Wohnung. Später wurde nach der Schule der Ranzen hinter der Kassa versteckt und im Leiner gespielt, auch wenn der Filialleiter davon wenig begeistert war (lacht, Anm.). Das alles hat mich geprägt, ich weiß genau, wie man Bettwäsche zusammenlegt und ebenso, wo man sich vor Kunden verstecken kann. Das geht sogar so weit, dass ich in fremden Geschäften nicht aufhören kann, die Mitarbeiter und die Kunden zu begrüßen. Sind Sie schon einmal auf die Idee gekommen, etwas ganz anderes zu machen, nicht im Familienunternehmen zu arbeiten? Ursprünglich hatte ich nie geplant, im Unternehmen tätig zu sein. Die Film- und Musikproduktion ist es, woran mein Herz hing und zum Teil auch heute noch hängt, deswegen war ich auch oft und lange in den USA. Im Jahr 1999 gründete ich mit einem Partner gemeinsam eine Medienfirma, deren Anteile ich jedoch 2006 verkauft habe, um in keinen Interessenskonflikt zu geraten. Ich habe stets eine Verbundenheit mit dem Geschäft gespürt, darum habe ich 2002 auch meinen Vater gebeten, mir eine Chance zu geben. Ich habe ganz klein angefangen und mich langsam durch alle Abteilungen und Instanzen gearbeitet, schließlich gibt es 9.000 Mitarbeiter im Unternehmen, das bedeutet eine große Verantwortung. Der Kopf des Unternehmens muss der beste Mann/die beste Frau sein, unabhängig von der Familientradition, man muss sich den Posten erst verdienen. Die Firma darf keinesfalls der letzte Zufluchtsort sein, wenn nichts anderes mehr funktioniert, denn das kann schlimme Folgen haben. Worin unterscheiden sich Leiner/kika von anderen Möbelhäusern wie Lutz oder IKEA? „Der Kopf des Unternehmens muss der beste Mann bzw. die beste Frau sein, unabhängig von der Familientradition.“ paul koch Im Möbelhaus erwachsen werden Wer in Österreich Möbel kaufen möchte, landet mit großer Wahrscheinlichkeit früher oder später bei kika oder Leiner. In der bereits vierten Generation leitet Mag. Paul Koch die Einrichtungshäuser, deren Erfolgsgeschichte sein Urgroßvater Rudolf Leiner senior 1910 in St. Pölten startete. IKEA hat ein ganz anderes Konzept und ist nicht kopierbar, aber das wollen wir auch nicht. Der Leiner hat die Möbelgroßfläche erfunden und ist darin natürlich vom Mitbewerb kopiert worden. Es wird immer schwieriger, die Nase vorne zu haben und innovativer als die Anderen zu sein. Die Herausforderung ist, nahe am Kunden zu bleiben und sich weiterzuentwickeln. Die Kundennähe wird in unserem Unternehmen tatsächlich gelebt, unser Anliegen ist, Werte und die Firmenkultur zu erhalten. Das ist in Österreich natürlich leichter als in den neuen Filialen in Osteuropa, wo man uns noch nicht seit 100 Jahren kennt. Jeder Mitarbeiter kennt die Geschäftsführung, wir ziehen nicht anonym im 8 LOGISTIK express 4|2009 www.logistik-express.at

IM GESPRÄCH FOTO: ISTOCKPHOTO.COM Hintergrund die Fäden. Das kann aber auch nach hinten losgehen, etwa wenn man sich wie ein Idiot benimmt. Trotz aller Tradition herrscht eine gewisse Risikobereitschaft, das Verlangen nach Neuem. Darum haben wir jetzt in der SCS ein völlig neues Shop-Konzept entworfen, wo wir die Sortimentsanordnung anhand der Kundenbedürfnisse gewählt haben. Immerhin verzeichnen wir dort seit April doppelstellige Umsatzzuwächse, ich denke, das gibt uns Recht. „Das Ziel muss immer sein, vom ersten Tag an ersetzbar zu sein!“ Paul koch Interview von ANGELIKA THALER Redaktion Logistik Express Wie sehen Ihre beruflichen und privaten Ziele aus? Das Ziel muss immer sein, vom ersten Tag an ersetzbar zu sein. Es muss eine starke Nummer 2 geben, denn nur ein Zugpferd zu haben, ist gefährlich, es kann immer etwas passieren. Nicht auszudenken wo wir heute wären, wenn meinem Großvater etwas zugestoßen wäre, das Unternehmen wäre führerlos gewesen. Mein persönliches Ziel ist, irgendwann loslassen zu können. Die Firma läuft auch ohne unsere Familie, als Eigentümer kann man sich auf vielfältige Weise einbringen. Ich möchte eine schöne Zeit haben, Reisen, Kultur genießen, gesund und mit meiner Familie glücklich sein. Und ein bisschen Wohlstand hat auch noch niemandem weh getan (lacht, Anm.). Ich wollte immer eine Großfamilie, in Kürze erwarten meine Frau und ich unser erstes Kind. Im Leben geht es stets um die richtige Balance. Im letzten Jahr hat Ihr Vater die Geschäftsführung an Sie und Johannes Jungbluth übergeben, steht aber während der dreijährigen Übergangsfrist beratend zur Seite. Kommt es da manchmal zu Konflikten? Es gab eine sanfte Übergabe, ab Februar wechselt mein Vater in den Aufsichtsrat. Und er wird mit Sicherheit ein äußerst aktiver Aufsichtsrat! Es wäre dumm, einen Mann mit 40 Jahren Erfahrung und einer Vielzahl an Kontakten auszuschließen. Generell haben wir ein erfahrenes Team und ein sehr gutes Teamgefüge, alle zwei bis drei Wochen haben wir ein Meeting zu fünft. Mein Vater besucht die Filialen und besichtigt neue Grundstücke, nimmt sich aber generell schon sehr stark zurück. Natürlich gibt es aber auch kleine Differenzen, so haben wir beispielsweise eine unterschiedliche Auffassung hinsichtlich der Umsetzungsgeschwindigkeit von Änderungen, aber generell sehen wir Vieles gleich. Das hat auch mit unserer guten Gesprächskultur zu tun, wir suchen konstruktive Argumente ohne weiche Kompromisse. Was tun Sie, wenn Sie nicht arbeiten? Gott sei Dank muss ich mich nicht für den Urlaub anmelden. Glücklicherweise muss ich als Geschäftsführer nicht jedes kleinste Detail kennen, wie etwa die Bestellsoftware. Dafür hat man Leute, die das können und denen man vertraut – andernfalls hätte man keine Freizeit mehr. Man gibt die Strategie vor, das genügt. Man braucht ausreichend Freiheit, um neue Ideen zu finden, abzuschalten, sich in der Welt umzusehen. Dafür nehme ich mir gerne Zeit, wann immer es geht, verreise ich mit meiner Frau. Unser bevorzugtes Reiseziel sind die USA, am liebsten der tiefe Süden, dort haben meine Frau und ich auch das College besucht. Sport treibe ich hingegen kaum. Gibt es ein besonderes Ereignis oder Erlebnis, an das Sie oft zurückdenken? Letztes Jahr ist mein Großvater verstorben, schon vor seinem Tod war er ans Bett gefesselt. Wer ihn kannte, weiß, dass er ein sehr direkter und vehementer Mensch war. Eines Tages bin ich zu ihm gefahren, habe mich an sein Bett gesetzt und ihm erzählt, dass mich der Aufsichtsrat zum Geschäftsführer ernannt hat. Da hat er eine Flasche Wein verlangt und nicht locker gelassen, bis die Pflegerin ihm schließlich den Wunsch erfüllte und er mit mir anstoßen konnte. „Bist eh der einzig G’scheite. Hör den Leuten zu, aber sei auch nicht ihr Trottel“, hat er gesagt. Das war das letzte Mal, dass ich ihn lebend gesehen habe. Zur Person Mag. Paul Koch wurde am 8. März 1977 in Wien geboren. Er besuchte die Internationale Amerikanische Schule in Wien, ehe er ab 1995 die School of Management an der Boston University besuchte. Von 2004 bis 2006 absolvierte er eine Ausbildung an der IESE Barcelona. Er ist seit Juni 2004 verheiratet und erwartet im Dezember 2009 sein erstes Kind mit seiner Frau Gemy. Seit 2006 ist er im Familienunternehmen Leiner/kika tätig. Das Unternehmen kika: Es gibt 32 Einrichtungshäuser in Österreich, 6 in Ungarn, 5 in der Tschechischen Republik, 2 in der Slowakei, 2 in Kroatien, 1 in Serbien und 1 in Rumänien. Dazu kommt seit April ein Franchise-Möbelhaus in Moskau, ein weiteres mit kika als Franchisegeber ist 2010 in Tel Aviv geplant. Leiner: Die 17 österreichischen Einrichtungshäuser stehen in Salzburg, Vöcklabruck, Wels, Linz, Steyr, Amstetten, St. Pölten, Krems, Tulln, Langenzersdorf, Wien (2x), Vösendorf, Wr. Neustadt, Bruck a.d. Mur, Judenburg und Graz. Im September fiel der Startschuss für die Feierlichkeiten zum 100-jähriges Bestandsjubiläum in 2010. Die kika/Leiner Gruppe erzielte im Wirtschaftsjahr 2008/2009 mit rund 8.050 MitarbeiterInnen 1,265 Milliarden Euro Umsatz. www.logistik-express.at LOGISTIK express 4|2009 9

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