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LE-4-2009

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

AKTUELL Fakt ist, mit

AKTUELL Fakt ist, mit herkömmlicher Technologie ist der Betrieb eines 40 Tonnen-LKWs über eine Strecke von 1.000 oder mehr Kilometern unmöglich. Tatsache ist aber auch, dass nicht alle Transporte über die Langstrecke laufen und so schwer sind. Auch die vermeintliche Null-Emission muss kritisch hinterfragt werden. Was erwartet uns also? Logistik Express hat sich auf allen Seiten umgehört, machen Sie sich selbst ein Bild. Ideale Voraussetzungen „Die E-Mobilität lebt davon, dass darüber gesprochen wird. Die Randbedingungen waren noch nie so günstig für ein Umdenken und das Einleiten nachhaltiger Maßnahmen wie jetzt“, ist Dr. Wolfgang Pell, Chief Research Officer, Österreichische Elektrizitätswirtschafts AG (Verbund), überzeugt. Interview mit Wolfgang Pell Chief Research Officer, Österreichische Elektrizitätswirtschafts AG Berechnet man die Herstellung mit ein, produziert ein durchschnittliches mit Treibstoff auf Rohölbasis betriebenes Fahrzeug 12 Kilogramm CO2 auf 100 Kilometer, ein durchschnittliches Elektrofahrzeug hingegen nur etwa drei Kilogramm. „So wie das Handy unser Kommunikationsverhalten beeinflusst hat, wird die Elektromobilität unser Mobilitätsverhalten ändern“, meint Dr. Christine Zach, Geschäftsführerin der ÖAMTC AKA- DEMIE, „sie bietet viele Vorzüge in Bezug auf Lärm und Emissionen, unabhängig davon, woher der Strom kommt, wird – im schlechtesten Fall zumindest – die Vorortemission reduziert. Das absolut erstrebenswerte Ziel lautet aber: Strom aus erneuerbaren Quellen für Elektromobilität. Vielfältige Treiber Nicht nur die Lärmbelastung und steigende Treibhausgasemissionen dienen als Treiber des Themas: „Zur Erreichung der EU-Ziele und zur Senkung der derzeitigen Importabhängigkeit bedarf es einer technologischen Lösung, hier bietet sich die E-Mobilität an“, so Pell. Zudem könne ein Innovationsschub der automotiven Branche aus der Krise helfen. „Die Bereitschaft zum Umdenken hängt in erster Linie vom Ölpreis ab“, stellt Dr. Gabriele Moser, Bauten-, Tourismus- und Verkehrssprecherin, Abgeordnete zum Nationalrat, Die Grünen, fest. Ist die Zukunft elektrisch? Eines der großen Schlagworte der Gegenwart ist die elektrische Mobilität. Gar verführerisch klingt der Gedanke der Null-Emission bei gleichzeitiger Lautlosigkeit. Doch ist das realistisch, oder war hier lediglich der fromme Wunsch Vater des Gedankens? Und ist das überhaupt auf LKW anwendbar, oder idealistische Träumerei? „Die E-Mobilität lebt davon, dass darüber gesprochen wird.“ CHRISTINE ZACH Elektro-LKW Zwar leider nicht in Österreich, aber immerhin in der Schweiz kommen im Zustelldienst vereinzelt Elektro-LKW der englischen Firma Modec zum Einsatz. Die kleinen Flitzer gibt es wahlweise als Kipper oder mit Boxenaufbau, allerdings beträgt die maximale Nutzlast 2 Tonnen. Mehr bewegen hingegen schon die Modelle des ebenfalls englischen Herstellers FOTO: ISTOCKPHOTO.COM 6 LOGISTIK express 4|2009 www.logistik-express.at

AKTUELL Smith Electric Vehicles: 7,5, 10 oder gar 12 Tonnen Nutzlast sind möglich. Eine Anfrage bei beiden Unternehmen hat jedoch ergeben, dass in absehbarer Zukunft kein Vertrieb für Österreich geplant ist. Interview mit Gabriele Moser Abgeordnete zum Nationalrat, Die Grünen Herausforderung Infrastruktur „Hier sind noch viele Fragen zu klären“, weiß Zach: „Zahlt der Energieversorger den Aufbau der Infrastruktur? Oder der Einzelkunde? Und welchen Strom kaufe ich? Denken wir an eine Abrechnungseinheit im Fahrzeug, gibt es ein weiteres Problem, denn nur weil ich eine Steckdose habe, darf ich noch lange keinen Strom verkaufen, somit darf niemand bei mir aufladen außer mir selbst. Hier bedarf es völlig neuer Denkmodelle, auch für Fuhrparks.“ Einen weiteren Knackpunkt ortet Pell: „Es bedarf einer Steuerfunktion, damit es zu Spitzenzeiten, wenn viele Anwender ihre Fahrzeuge aufladen wollen, zu keiner Netzüberlastung kommt.“ Eine Möglichkeit, hier entgegenzuwirken, seien Pumpspeicherkraftwerke, wie der Verbund sie bereits betreibe. Vergleich Elektrobus Manche erinnern sich vielleicht noch an die O-Busse (Oberleitungsbusse), wie es sie heute noch in Linz und Salzburg gibt. Für den flexiblen Gütertransport ist das an die Oberleitung gebundene System natürlich völlig unbrauchbar. Aber inzwischen geht es auch anders: Intensiv mit dem Thema Elektrobus beschäftigt ist die Firma Viseon Bus GmbH: „Dank induktiver Batterieladung kann heute die Oberleitung eingespart werden“, erklärt Ing. Christian Vana, Leiter Entwicklung SonderTransportSysteme. „An vorbestimmten Haltestellen wird ein Speicher mit Schnellladefähigkeit, beispielsweise ein Ultracap, nachgeladen. Zwischen den Ladestationen wird aus dem Speicher gefahren, für Unabwägbarkeiten empfiehlt sich eine Generatorengruppe“, geht er ins Detail. Ein weiterer Vorteil des Systems: bei Bremsvorgängen wird die abzubauende kinetische Energie in Strom umgewandelt und damit der Speicher geladen. Eine Umlegung der Idee für Lieferfahrzeuge mit festgelegten Routen wäre durchaus naheliegend. „Der lokale Lieferverkehr ist der Sektor 1 zur Umstellung, auch die Postzustellfahrzeuge waren früher elektrisch“, erinnert Moser. Bitte warten „Bis die Batterietechnologie so weit ist, unsere Erwartungen hinsichtlich Leistungsfähigkeit zu erfüllen, wird es noch einige Jahre dauern“, bedauert Zach und sieht die Gefahr, dass das Thema dadurch wieder an Bedeutung verlieren könnte. Moser prognostiziert eine andere Verschiebung der Energiequellen: „Das Betreiben von Fahrzeugen mit Biogas ist aus heutiger Sicht viel realistischer. Die Technik ist mit jener des Rohöl-Verbrennungsmotors viel eher vergleichbar als mit Batterie-Systemen. Um im Logistiksektor auf E-Mobilität umzustellen, ist leider noch eine richtiggehende Batterie-Revolution nötig.“ „Um im Logistiksektor auf E-Mobilität umzustellen, ist eine richtiggehende Batterie- Revolution nötig.“ Gabriele Moser Info Ultracaps: Der Speichermechanismus von UltraCaps besteht in einer Ladungsverschiebung an der Grenzfläche zwischen Elektrode und Elektrolyt, der sogenannten elektrischen Doppelschicht. Durch den Einsatz von Aktivkohlevliesen kann die Belagsfläche so stark vergrößert werden, dass sich in Verbindung mit einem Phasenabstand im Nanometerbereich Kapazitätswerte von einigen Farad bis zu mehreren Kilofarad ergeben. Das derzeit leistungsfähigste käufliche Muster stellt der B49300 von EPCOS dar mit einer Kapazität von 2700 F bei einer Nennspannung von 2.3 V = 7142 J gespeicherter Energie. UltraCaps eigenen sich besonders für jene Fälle, wo große Energiemengen schnell gespeichert und bereitgestellt werden müssen. Quelle: http://www.imab.tu-bs.de RangeExtender: Dieser Reichweitenverlängerer ist ein serieller Hybridantrieb. Der Verbrennungsmotor kommt nur zum Einsatz, wenn die Batterie schwach/leer ist. Interview mit Christine Zach Geschäftsführerin der ÖAMTC AKADEMIE Vergleich Privatverkehr Das größte Hindernis für den flächendeckenden Umstieg auf Elektrofahrzeuge ist die Reichweite. Dabei ist das gerade im Individualverkehr eine faule Ausrede: „85 Prozent der Tagesleistung eines PKW liegen unter 50 Kilometern, die Ladung dafür dauert etwa 20 Minuten“, gibt Pell zu bedenken. Hier setzt auch Zach an: „Schon heute könnte ein Großteil des Individualverkehrs durch E-Mobile abgedeckt werden, beispielsweise als Zubringer für Pendler zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Natürlich kann man das Nutzerverhalten nicht vorschreiben, aber es gilt, sinnvolle Einsatzmöglichkeiten zu beschreiben.“ Als Stichwort fällt ihr etwa eine alternative Verwendung des derzeit eher stiefmütterlich behandelten Wechselkennzeichens ein. „Geht man beispielsweise von einer Implementierung des Gesamtsystems inklusive des Kreislaufs erneuerbarer Energien auf Basis von 250.000 Elektrofahrzeugen in Österreich bis 2020 aus, bedeutet das eine Netto-Reduktion der benötigten Energiemenge um 2 TWh jährlich aus Treibstoffersparnis. Das entspricht 500.000 Tonnen CO2 oder 225 Millionen Liter Rohöl“, nennt Pell beeindruckende Zahlen. In absehbarer Zukunft wird der Schwerverkehr wohl nicht elektrisch betrieben werden können, eher noch mit Hybridantrieb. Durchaus denkbar ist jedoch der Einsatz für Lieferdienste, die Paketzustellung und gemischte Fuhrparks. Wenn dann noch sichergestellt wird, dass es sich um ökologische Stromquellen handelt, steht der Erreichung der EU-Ziele nichts mehr im Wege. Austrian Mobile Power (AMP) Im Juli gründeten österreichische Spitzenunternehmen aus Energiewirtschaft, Industrie und Forschung diese Plattform, um unser Land ins Zeitalter der Elektromobilität zu führen. Aktuelle Partner sind der Verbund, Siemens Österreich, KTM, Magna, AVL List und das AIT (Austrian Institute of Technology). Die Vision von AMP ist e 3 mobil - elektrisch, erneuerbar und emissionsfrei. Das ambitionierte Ziel ist, dass bis 2020 zumindest 100.000 Elektro-KFZ in wenigstens einem städtischen Ballungsraum unterwegs sind. Momentan beginnt ein Pilotversuch in einer Modellregion mit 100 Fahrzeugen. „Ich rechne mit einer Massenproduktion von Elektrofahrzeugen im Jahr 2012“, ist Pell optimistisch. Und wer weiß, vielleicht ist das der nötige Push für die Forschung, damit in dieser Richtung auch bei LKW endlich was weitergeht. www.logistik-express.at LOGISTIK express 4|2009 7

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