Aufrufe
vor 5 Monaten

LE-4-2009

  • Text
  • Transportlogistik
  • Intralogistik
  • Express
  • Jaklitsch
  • Logistik
  • Unternehmen
  • Austria
  • Wien
  • Mitarbeiter
  • Indien
  • Wirtschaft
LOGISTIK express Fachzeitschrift

IM FOKUS Prinzipiell

IM FOKUS Prinzipiell wäre die Sache ja sehr einfach, jede Abteilung legt ihre Kosten offen, dann hat man Transparenz geschaffen. Doch so einfach ist es leider nicht! „Alles steht und fällt mit der Qualität des vorhandenen Datenmaterials“, weiß Dr. Thomas Böger, Vice President Logistics, Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG. Die Voraussetzung ist also eine möglichst präzise und durchgängige Prozesskostenrechnung über die gesamte Supply-Chain. „Auf der Beschaffungsseite gibt es zumeist keine gravierenden Schwierigkeiten, die erforderlichen Daten zu ermitteln, da die Lieferantenstruktur fast ausnahmslos detailliert bekannt und aufgeschlüsselt ist. Auch beim letzten Schritt in der Logistikkette, der Distribution des Fertigproduktes zum Kunden, sind in der Regel abgestimmte Fachkonzepte vorhanden, die Transparenz schaffen. Beide Logistikkostenblöcke sind normalerweise stark im Fokus hinsichtlich Konzept- und Kostenoptimierungen. Aber in der dazwischenliegenden Wertschöpfungskette, da liegt zum Teil noch ungenutztes Optimierungspotenzial, da die einzelnen Prozessschritte nicht transparent genug sind“, ist Böger überzeugt. Interview mit THOMAS BÖGER Leiter Logistik Brose Gruppe Dies gilt in erster Linie für die Wareneingangs-, Lager-, Linienversorgungs-, und Versandprozesse sowie deren Zwischenstufen. Je nach Größe und Beschaffenheit des Unternehmens sind diese Stufen unterschiedlich stark ausgeprägt: „Manche sehen deshalb im internen Materialfluss alles als einen Kostenblock an, andere brechen ihn in einzelne Positionen bzw. Kostenblöcke mit entsprechender Kostenzuordnung auf“, erklärt Böger. Den „Alles steht und fällt mit der Qualität des vorhandenen Datenmaterials.“ Thomas böger Die gläserne Supply- Chain Kostentransparenz in der Logistikkette ist ein vielfach gefordertes, von Experten befürwortetes und trotzdem von den meisten Unternehmen kaum umgesetztes Thema. Doch was ist damit eigentlich gemeint, und was bringt’s? Zweck kennt Dr. Michael Karrer, Projektleiter Strategische Logistik, ZF Friedrichshafen AG: „Transparente, d.h. messbare Logistikkosten in der Supply Chain sind ein kritischer Erfolgsfaktor, nicht nur für die Verbesserung von Logistikprozessen innerhalb des Unternehmens, sondern auch für das Treffen richtiger Sourcing- und Distributionsentscheidungen.“ Mehr Details, bitte! Fakt ist: je genauer einzelne Kostenblöcke aufgegliedert sind, desto besser zuorden- und vergleichbar sind sie. Böger: „Bei einer Detailaufsplittung erkennt man sofort die Kostentreiber und kann den Hebel an der richtigen Stelle ansetzen.“ Unternehmen mit mehreren Standorten wären dadurch in der Lage, internes Prozess- und Kosten-Benchmarking zu betreiben und daraus abgeleitet an weiterer Optimierung gezielt zu arbeiten. Das weiß auch Karrer: „Ein prozessorientiertes Logistikcontrolling erhöht die Steuerbarkeit, da Leistungen und Kosten dort erfasst werden, wo sie erbracht bzw. verursacht werden - auf Ebene der einzelnen Wertschöpfungsprozesse.“ Ist es nämlich nicht möglich, produktspezifische Supply Chain Kosten dem jeweiligen Verursacher zuzuordnen, besteht die Gefahr der Quersubventionierung wenig erfolgreicher durch gute Kostenpositionen. Das bedeutet eine überproportionale Belastung mit Supply Chain Kosten einzelner Produkte, die dadurch an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen. Bei weiter verschärftem Kostendruck kann das im schlimmsten Fall sogar so weit führen, dass unwirtschaftliche Produkte nicht identifiziert und „gute“, also gewinnbringende Produkte, in weiterer Folge fälschlicherweise aus dem Portfolio gestrichen werden, während unrentable weiterhin im Sortiment bleiben. FOTO: ISTOCKPHOTO.COM 18 LOGISTIK express 4|2009 www.logistik-express.at

IM FOKUS LM10_Anz-Andrey:Layout 1 31.08.2009 10:22 Uhr Seite 25 Man nehme also ein Kostenrechnungsprogramm, vergleiche ein bisschen die Zahlen, und die Sache ist erledigt? „Echte, durchgehende Kostentransparenz erreicht man nicht von heute auf morgen, das ist die Folge jahrelanger Detailarbeit und entsprechender Weiterentwicklung. Alle Mitarbeiter müssen diese Philosophie verinnerlichen, wobei ein Top-Down-Ansatz sicherlich sehr hilfreich ist“, erklärt Böger. Die Initiative müsse vom Management ausgehen und auf alle Ebenen herunter gebrochen werden. Standardisierung Ein wichtiger Faktor für die Vergleichbarmachung des Zahlenmaterials ist die konsequente Vereinheitlichung der Abläufe und der Begriffs- und Kostendefinitionen. Hat man das geschafft, lassen sich Kosten bis in die Details analysieren. „Durch Rückgriff auf bestehende Controllingsysteme bei der Erhebung von Kostendaten kann der Implementierungs- und Reportingaufwand eines prozessorientierten Logistikcontrollings deutlich reduziert werden“, meint Karrer. „Im Prinzip geht es darum, zu erfahren, wofür genau man eigentlich Geld ausgibt“, bringt Böger es auf den Punkt. Leider gebe es kein Standardrezept für die Umsetzung, jedes Unternehmen müsse seine individuelle Lösung finden – abhängig etwa von der Struktur und den vorhandenen IT- Systemen und somit von den vorhandenen Systemdaten. „Messbare Logistikkosten in der Supply Chain sind ein kritischer Erfolgsfaktor.“ Michael karrer Interview mit Michael KARRER Projektleiter Strategische Logistik ZF Friedrichshafen AG 75x297+3 Verursachergerecht Es gibt mehrere Ansatzpunkte, Supply Chain Kosten gerecht ihren Verursachern zuzuordnen, um in weiterer Folge Kostensenkungspotenziale aufzuspüren und zu heben. Die Basis zur Bedienung der dafür nötigen Stellhebel ist die bereits gepriesene Schaffung der Kostentransparenz zur Ermittlung der Treiber. Die wesentlichsten Stellhebel sind unter anderem: 1) Die gezielte Steuerung der Kostentreiber Transparenz zu schaffen allein ist zu wenig, auch jene Kostentreiber sind ausnahmslos zu identifizieren, über die sich die Supply Chain- Kosten verringern lassen. 2) Die Angleichung des Leistungsportfolios an den Kundenwunsch hinsichtlich des Leistungsumfanges Oft lohnt sich die Nachfrage bei den Kunden, ob der angebotene Leistungsumfang je Produktgruppe überhaupt gewünscht wird. Nicht immer trifft die Einschätzung des Vertriebes die tatsächlichen Kundenanforderungen, oft wird beispielsweise eine etwas längere Lieferzeit durchaus in Kauf genommen. Über den dadurch entstehenden größeren Spielraum bei der Auslieferung ergeben sich möglicherweise alternative Transportrouten oder –medien, die zu Einsparungen führen können. Ein alter Spruch lautet „Durchs Reden kommen die Leut‘ zsam“, das bewahrheitet sich in diesem Fall. „Echte Kostentransparenz erreicht man nicht von heute auf morgen.“ thomas böger 3) Die Nutzung anderer, bereits bestehender oder alternativ zu entwickelnder Supply Chain Modelle Gelegentlich entsprechen die im Unternehmen existenten Supply Chain-Konzepte nicht den Anforderungen des jeweiligen Produktes. Die Definition zusätzlicher Standard-Supply Chain-Management-Modelle ermöglicht die kostenoptimale Zuordnung einzelner Produkte zur jeweils besten Abwicklungsmethode. Ein weiterer Vorteil der Kostentransparenz: künftige strategische Entscheidungen können mit höherer Evidenz getroffen werden. Nachhaltigkeit Ein bislang nicht berücksichtigter Aspekt ist das Thema Nachhaltigkeit. Verfügt man über konkrete Daten der Kostentreiber, lassen sich diese auch anderen Werten zuordnen, wie etwa dem CO2-Ausstoß oder dem Energieverbrauch. Daraus abgeleitete Nachhaltigkeitsanalysen geben Aufschluss über Einsparungspotenzial im Dienste der Umwelt. Die Plattform der Intralogistik 8. Internationale Fachmesse für Distribution, Materialund Informationsfluss 2010 2.- 4. März 2010 Landesmesse Stuttgart Die Branche bewegen Chancen nutzen Die Branche trifft sich in Stuttgart Jetzt Aussteller- Unterlagen anfordern www.logimat-messe.de +49(0)89/32391-253 www.logistik-express.at LOGISTIK express 4|2009 19

LOGISTIK express informiert

LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2018 Journal 4
LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2018 Journal 3
LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2018 Journal 2
LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2018 Journal 1
LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2017 Special 1
LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2017 Journal 4
LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2017 Journal 3
LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2017 Journal 2
LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2017 Journal 1
LE-4-2016
LE-3-2016
LE-2-2016
LE-1-2016
LE-4-2015
LE-3-2015
LE-2-2015
LE-1-2015
LE-3-2014
LE-2-2014
LE-1-2014
LE-4-2013
LE-3-2013
LE-2-2013
LE-1-2013
LE-4-2012
LE-3-2012
LE-2-2012
LE-1-2012
LE-4-2011
LE-3-2011
LE-2-2011
LE-1-2011
LE-4-2010
LE-3-2010
LE-2-2010
LE-1-2010
LE-4-2009
LE-3-2009
LE-2-2009
LE-1-2009
LE-4-2008
LE-3-2008
LE-2-2008
LE-1-2008
OEQA-2018-2
OEQA-2018-1

© Copyright 2018 LOGISTIK express® Markus Jaklitsch. Alle Rechte vorbehalten.