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LE-4-2009

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

IM Fokus Indien gilt

IM Fokus Indien gilt gemeinhin als das Land der Gegensätze und Extreme. Dies bezieht sich nicht nur auf den sozialen, kulturellen, geographischen, sondern auch auf den Geschäftsbereich. Einem indischen Sprichwort zu Folge, „lernt jeder Europäer, der nach Indien kommt, Geduld, wenn er keine hat, und er verliert sie, wenn er sie hat.“ Das Land der tausend Kulturen unterlag in den letzten Jahrtausenden vielen Einflüssen. Nicht nur die Dominanz des um 1500 vor Christus einwandernden nordischen Kriegervolkes der Arier über die dravidische Kultur - aus der das Kastenwesen resultiert - hat seine Spuren hinterlassen. Auch moslemische Mauren, Araber und Türken haben besonders den Norden des Subkontinents geprägt. Der Einfluss der britischen Kolonisatoren hat das moderne Indien geformt. Die Briten zeichnen für wichtige Charakteristika der größten Demokratie der Welt mit 1,15 Milliarden Einwohnern, wie Staatsaufbau, Infrastruktur, Rechtssystem, Amtssprache, etc. verantwortlich. Durch Mahatma Ghandhi und Jawaharlal Nehru wurde schließlich die Unabhängigkeit 1947 erzielt. Danach wurde das Land in das heutige Indien und das muslemische Pakistan aufgeteilt. Im Pakistan-Konflikt von 1971 spaltete sich Ostpakistan ab und wurde zu Bangladesch. Das Land umfasst heute ungefähr ein Drittel der Fläche der USA und besitzt ein sozialistisch geprägtes Wirtschaftssystem. Unter Premierminister Manmohan Singh wurde die wirtschaftliche Liberalisierung seit 2004 in Angriff genommen. Geschäftsgebaren In der Gesellschaft wie im Geschäftsgebaren spiegeln sich diese Einflüsse in unterschiedlichen Temperamenten und Verhaltensweisen wider, die ein potenzieller Investor bzw. Unternehmer beachten sollte. Das reicht von der „unreinen“ linken Hand mit der man auch als Linkshänder niemals einen Inder begrüßen sollte, bis zu der aus dem Kastenwesen rührenden peinlichst genau eingehaltenen Entscheidungskompetenz von Angestellten. Da Arbeiten gerne delegiert werden, missen indische Entscheidungsträger aus westlicher Sicht häufig ein gewisses Verantwortungsbewußtsein. Da muss dann schon mal der kleine Angestellte den Kopf hinhalten. Auch geographische Unterschiede sind zu beachten. Südindien gilt als eher liberal, während der Norden eher konservativ ist. In den Geschäftsmetropolen Delhi und Mumbai herrscht ebenfalls ein unterschiedliches Geschäftsklima. In der Hauptstadt Delhi ist der Einfluss der Bürokratie deutlich zu spüren. Die Korruption im Lande ist hoch und Bakschisch ist immer Indien - Investieren in der Krise In der Krise lockt das südasiatische Land mit Investitionsanreizen für ausländische Unternehmer. Die Binnenwirtschaft floriert aufgrund des guten Konsumklimas. Wer die Eigenheiten im Geschäftsgebaren und die Extreme im Land ertragen kann, dem stehen viele Industriebereiche und Investitionsmöglichkeiten offen. willkommen. Im modernen Mumbai walten schon eher die Gesetze des Marktes. Erste Treffen finden meist in einem Fünf- Sterne-Hotel statt, um dem Gast eine möglichst einfache Anreise und ein angenehmes Ambiente zu gewähren. Unbedingt muss die Stellung des Gegenübers und dessen Entscheidungskompetenz im Unternehmen herausgefunden werden. Dabei sollte beachtet werden, dass häufig gewaltig bei der Selbstdarstellung und der Darstellung der Beziehungen und der Unternehmenskompetenz übertrieben wird. Ebenso sollte das Beziehungsnetzwerk insbesondere zu staatlichen Vertretern und der Bürokratie überprüft werden. Erste Versprechen sollten nicht zu hoch bewertet werden. Bei den Qualitätsansprüchen klafft der Standard häufig weit auseinander. Bei indischen Geschäftsleuten geht das angestrebte Maß der Beziehung über das Geschäftliche weit hinaus. Geschäftliches und Freundschaftliches werden nicht auseinandergehalten. Lautstarke Diskussionen von indischen Geschäftspartnern untereinander in Verhandlungen können den Eindruck erwecken, man seie sich uneinig. Dies sollte man nicht falsch interpretieren. FOTO: ISTOCKPHOTO.COM 16 LOGISTIK express 4|2009 www.logistik-express.at

IM FOKUS Geförderte Projekte und SWZ Das südasiatische Land bekommt die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise voll zu spüren. Der IWF erwartet laut der deutschen GTAI ein reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von nur 4,5 Prozent in 2009 statt 7,3 Prozent im Vorjahr. Die Ursachen sind der geringe Kapitalzufluss aus dem Ausland und der nachlassende Handel. Die Regierung hat deswegen ein Konjunkturprogramm eingeleitet, in dessen Rahmen unter privater Beteiligung die Infrastruktur (200 Milliarden US-Dollar (rund 135 Milliarden Euro) bis 2012), insbesondere Häfen und Flughäfen, der Energiesektor (rund 169 Milliarden Euro bis 2017), die Kfz-Industrie, der IKT-Bereich und der Umweltschutz (rund 39 Milliarden Euro bis 2015) gefördert werden sollen. Weiterhin sollen 110 multimodale Logistikhubs mit einer gesamten Investitionssumme von 676 Millionen Euro gebaut werden. Der IWF erwartet, dass das Programm Wirkung zeigt und prognostiziert für 2010 einen BIP- Zuwachs von 5,6 Prozent. Des Weiteren sind Konsumanreize wie MwSt-Senkungen und branchenübergreifende Hilfsprogramme wie Kreditvergünstigungen im Infrastrukturbereich und die Unterstützung für Exportkredite geplant. Die Beteiligungsregeln von Tochtergesellschaften ausländischer Unternehmen „Die weltweit drittbedeutenste Wirtschaft bietet viele Einstiegsmöglichkeiten für Unternehmer.“ DIRK RUPPIK an weiteren indischen Unternehmen wurden gelockert. Direktinvestitionen sind nahezu immer über hundertprozentige Tochtergesellschaften möglich und unterliegen meist der automatischen Genehmigung. Das Einzelgenehmigungsverfahren wird zum Beispiel für Post- und Kurierdienste angewandt. Weitere mögliche Investitionsformen sind Repräsentanzen, Zweigstellen und Projektbüros. Laut dem indischen Ministerium für Handel und Industrie gibt es im Lande 335 genehmigte und notifizierte Sonderwirtschaftszonen (SWZ) wie in Cochin, Kandla, Visakhapatnam, Mundra. Allerdings überlegen sich laut Indian Reality News gerade viele SWZ ihren Status aufzugeben, da die Einnahmen durch die Inlandswirtschaft bedeutender sind als durch den Export. Darunter befinden sich Gujarat, Westbengalen, Orissa und Haryana. Eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt, dass 75 Prozent der Kapitalbildung aus inländischen Quellen stammt. Die österreichischen Direktinvestitionen in Indien sind bisher sehr gering. KOMMENTAR DIRK RUPPIK Fernost-Experte, Journalist Automobil- und Maschinenbauindustrie Die Kfz-Verkäufe sind im Finanzjahr 2008/09 (1. April bis 31. März) laut GTAI um rund fünf Prozent auf 1,9 Millionen Stück zurückgegangen. Bei den Nutzfahrzeugen ist der Absatz um fast 22 Prozent eingebrochen, wobei der Pkw-Bereich konstant blieb. Außer dem vorgezogenem Kauf von Bussen für das ÖVS existieren keine Fördermaßnahmen der Regierung. Die Lohnerhöhungen für Angestellte zwischen 30 und 60 Prozent werden aber das Konsumklima fördern. Besonders japanische und koreanische Automobilhersteller produzieren schon im Lande. Hyundai exportiert zum Beispiel rund 300.000 Automobile entsprechend einem Zehntel der Gesamtproduktion aus Indien heraus. Nissan verlagert seine Produktion von Kleinwagen für Europa nach Indien und will dadurch fünf Prozent Kosten sparen. „Diese Einsparungen sind sehr bedeutsam. Das ist ein enormer Geldbetrag für uns“, sagt Colin Dodge, stellvertretender Geschäftsführer bei Nissan. Aber auch die Europäer schlafen nicht, in Puna wurde Ende März das neue Volkswagenwerk eröffnet. Der indische Hersteller Tata Motors hat Ende September den Nano – das erste 100.000 Rupien-Auto (aktuell rund 1.439 Euro) - auf den Markt gebracht und erwartet einen reißenden Absatz. Auch die Zulieferbranche ist mit einem Fertigungswert von rund 12 Milliarden Euro in 2007/08 stark vertreten. Im letzten Quartal 2008 ist der Absatz aber um 22 Prozent zurückgegangen. Die Produktion von Werkzeugmaschinen geht ebenfalls zurück. Die Indian Maschine Tool Manufacturers´ Association gibt einen 25prozentigen Rückgang bei der Maschinenproduktion an und erwartet einen weiteren Einbruch bis 2010. Neben Werkzeugmaschinen werden vor allem Bauund Textilmaschinen gefertigt. Der technische Rückstand bei den Werkzeugmaschinen wird durch Branchenvertreter auf zirka zehn Jahre geschätzt. Entsprechend hoch ist das Interesse bei der Kooperation im Entwicklungs- und Forschungsbereich. Gründe um in Indien zu investieren Zusammenfassend kann man sagen, dass die weltweit drittbedeutenste Wirtschaft neben den USA und China viele Einstiegsmöglichkeiten für Unternehmer bietet. Vorausgesetzt ist, man kommt mit den zuvor genannten Gegebenheiten des Landes und der Kultur klar. Ein Vorteil ist, dass Inder verglichen mit anderen Asiaten eher analytisch denken. Ein potenzieller Investor kann auf sehr gut ausgebildete Fachkräfte, insbesondere im IT- und Maschinenbaubereich sowie der Wissenschaft, bei relativ niedrigen Löhnen zurückgreifen. IT-Zentren wie Bangalore sind weltweit ein Begriff. Die Binnenwirtschaft floriert trotz Krise. Zudem kann Indien als Sprungbrett für den südostasiatischen Markt genutzt werden. Es bestehen beispielsweise sehr gute Beziehungen nach Malaysia und Singapur. Am 13. August wurde ein Freihandelsabkommen zwischen Indien und den ASEAN-Staaten in Bangkok unterzeichnet, das am 1. Januar 2010 in Kraft tritt. Das englische Rechtssystem, die Amtssprache, der gut entwickelte Finanzsektor sowie die genannten Fördermaßnahmen sind weitere Gründe, auf dem Subkontinent zu investieren. Eckdaten Einwohner: Multiethnisch, zirka 1,15 Milliarden | Fläche: 3.287.590 km² Grenzen: Hat Grenzen mit sechs Ländern: Pakistan, China (Tibet), Nepal, Bhutan, Myanmar, Bangladesch Staatsform: Demokratie mit sozialistisch geprägter Wirtschaft; Parlamentarische Bundesrepublik mit 28 Bundesstaaten und sieben bundesunmittelbaren Gebieten. Rechtssystem: Britisches „Common Law“ Amtssprache: Englisch und Hindi Hauptstadt: Neu-Delhi Staatsoberhaupt: Pratibha Patil Regierungschef: Manmohan Singh Unabhängigkeit: 15. August 1947 von der britischen Kolonialherrschaft Währung: 1 indische Rupie = 100 Paise Investitionen: In Form von hundertprozentiger Tochtergesellschaft, Repräsentanz, Zweigstelle oder Projektbüro Genehmigung: Automatische und Einzelfallgenehmigung Freihandelsabkommen: Mit ASEAN- Staaten, tritt am 1. Januar 2010 in Kraft www.logistik-express.at LOGISTIK express 4|2009 17

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