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LE-4-2008

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

AKTUELL Marktwirtschaft

AKTUELL Marktwirtschaft – egal in welcher Ausrichtung – ist ohne Transport von Waren unmöglich. Egal, um welche Entfernungen es sich handelt, für die Verteilung von Rohstoffen und Produkten ist das Bewegen der Güter unabdingbar. In den letzten Jahren sind aufgrund der drohenden Umwelt-Klimakatastrophe die Vorschriften für die dabei freigesetzten Emissionen stets verschärft worden, Auflagen und Strafzahlungen reglementieren die Branche. Dabei werden allerdings ein paar wesentliche Faktoren übersehen: zum einen kann die technische Entwicklung kaum mit den immer höheren Forderungen mithalten, obwohl ein weltweiter Innovationswettstreit entbrannt ist. Zum anderen ist es vielen Transportunternehmern so gut wie unmöglich, ständig den Fuhrpark auszutauschen, ohne dabei immense Investitionsverluste kompensieren zu müssen. Und ein weiterer Faktor, den viele scheinbar nicht sehen wollen und der sich auch durch die verzweifelte Ausweitung der EU-Grenzen nicht beseitigen lässt: Emissionen kennen keine Grenzen. Solange diese – durchaus wichtigen! – strengen Auflagen nur innerhalb der Union gelten und unsere direkten Nachbarn weiterhin mit veralteten Fahrzeugen die Umwelt vergiften, kann das System nicht funktionieren, sondern beschränkt nur die Wettbewerbsfähigkeit derer, die sich an die neuen Regeln halten. Logistik Express hat sich diesbezüglich bei zwei Unternehmern umgehört, die genau wissen, wovon sie reden. Die Mär vom sauberen Transport Kaum ist Euro V in Kraft, ist schon Euro VI in aller Munde. Technische Entwicklungen laufen auf Hochtouren, um die Vorgaben zu erreichen. Doch was nutzt die Anstrengung, wenn nicht alle etwas unternehmen? TEXT: ANGELIKA THALER Vorbild für Europa „Österreichs Transporteure sind schon heute mit den modernsten und umweltfreundlichsten Fuhrparks unterwegs, im Osten hingegen sind die Entwicklungen noch lange nicht so weit“, ist Komm. Rat Johannes Hödlmayr, MBA, Vorstand der Hödlmayr International AG, Obmann der Sparte Transport und Verkehr sowie Mitglied des Erweiterten Präsidiums und des Wirtschaftsparlaments für die WKO Oberösterreich, überzeugt. Stolz sei er auch auf die Tatsache, dass die oberösterreichische Transportwirtschaft schon seit jeher Schulungen mit Hilfe des ÖAMTC machen würde, um durch optimales Fahrverhalten den Spritverbrauch und damit auch den Schadstoffausstoß zu reduzieren. Allerdings sei das Problem damit längst nicht behoben: „Unser hohes Roadpricing bringt viele Ost-LKW dazu, Österreich zu umfahren. Allerdings bleibt der Schmutz nicht an der Grenze stehen! Hier ist dringend eine europaweit einheitliche Messung und Regelung nötig“, so Hödlmayr resolut. Sehr enttäuscht zeigt er sich von den Ergebnissen des LKW-Gipfels: „Von allen Punkten unseres am 7. Juli übergebenen Forderungspaketes wurde lediglich auf die Versicherungssteuer eingegangen, alles andere bleibt unverändert. Um die Konsequenz daraus zu erkennen, muss man sich bloß die Insolvenzliste der Transportunternehmen für dieses Jahr ansehen.“ Im Gegensatz zu manch anderen Ländern würde die Regierung die Transporteure auch hinsichtlich der Förderungen zur Anschaffung der Euro V LKW – der Motor kostet zwischen 5.000 und 7.000 Euro mehr pro Fahrzeug – im Regen stehen lassen, nichts desto trotz verfüge Österreich über den modernsten Fuhrpark für gewerblichen Verkehr in ganz Europa. „Natürlich unterstützen wir den Umweltgedanken, allerdings müssen wir uns auch mit der Konkurrenz vergleichen, besonders mit den Ostverkehren, und wenn man lediglich die Kosten betrachtet, haben wir einen schweren Stand“, ortet Hödlmayr die Gefahr eklatanter Einbußen. FOTOS: ISTOCKPHOTO.COM (2) 6 LOGISTIK express 4|2008 www.logistik-express.at

AKTUELL Transport nicht Alleinverursacher Bei der ganzen Debatte über den Klimawandel und die Reduktion der CO 2 -Emissionen müsse man berücksichtigen, wer genau die Verursacher seien. „Insgesamt stammen 0,27 Prozent der weltweiten Emissionen aus Österreich. Aber die kommen genauso aus den Bereichen Landwirtschaft, Hausbau und Industrie. Wer nur die Transportwirtschaft an den Pranger stellt, dient keinesfalls der Sache“, ärgert sich Hödlmayr. Das Nachfolgemodell der Euro V LKW, die Euro VI Klasse, sieht er in weiter Ferne: „Die Hersteller arbeiten zwar daran, sind von der technischen Umsetzung aber leider noch weit entfernt. Dafür ist der Anteil der LKW am Gesamtverkehr viel zu gering.“ Ausreichende Kontrollen Im Bereich der Kontrollen im LKW-Verkehr sieht Hödlmayr keinen Intensivierungsbedarf: „Hier wird schon seit langem sehr scharf kontrolliert. Seit der Einführung des Digitaltachometers haben Fahrer ohnedies keine Chance mehr für unbemerkte Übertretungen. Interview mit JOHANNES HÖDLMAYR Hödlmayr International AG Allerdings gibt es noch viel zu wenige spezielle Parkplätze für LKW, um die Standzeiten ordentlich einzuhalten.“ Viele Fahrer hätten so keine andere Wahl, als weiterzufahren und dann bei Kontrollen keine Chance. Hier mangle es eindeutig am Verständnis, auch seitens der Bevölkerung: „Jeder setzt voraus, dass sein Essen pünktlich am Tisch steht, aber dass davor die Lebensmittel ins Geschäft transportiert werden müssen, so weit denkt fast niemand.“ Aktuell sei Österreich noch in der glücklichen Situation, niedrige Arbeitslosenraten und positives Wirtschaftswachstum zu verzeichnen, was Hödlmayr den ausgezeichneten heimischen Betrieben und der hervorragenden Verkehrswirtschaft zuschreibt. Aber: „Wenn man einen einzelnen Wirtschaftszweig würgt, geht es bald auch den anderen schlecht – denn heutzutage ist alles miteinander verstrickt und eng verwoben.“ Rasante Entwicklung „Die technische Entwicklung geht momentan sehr schnell, doch der Gesetzgeber ist noch schneller“, sieht Franz Wolfsgruber, Geschäftsführer Wolfsgruber Logistik GmbH und Obmann des Fachverbands für Güterbeförderung der WKO, ein Problem. Auch hinsichtlich der Verkehrspolitik gebe es Entwicklungen, jedoch für Wolfsgruber in die falsche Richtung: „Seit 1. November ist in Tirol auf der A12 das generelle Nachtfahrverbot für alle LKW außer Euro V in Kraft, was viele Frächter, die den Fuhrpark noch nicht zur Gänze umgestellt haben, in große Bedrängnis bringt.“ Noch mehr Sorgen bereitet ihm der nächste Schritt: ab 1. November 2009 sollen auf der A12 nachts überhaupt keine LKW mehr fahren dürfen. „Viele Unternehmen haben ihre Produktion auf Just-in-Time umgestellt und verlassen sich auf Lieferungen per Nachtsprung. Das ist dann unmöglich und wird dieses System ins Wanken bringen“, ist Wolfsgruber überzeugt. Fragliche Zukunft „Noch lassen die effektiven Auswirkungen der Finanzkrise auf die allgemeine Realwirtschaft glücklicherweise auf sich warten“, meint Wolfsgruber, „wenngleich es natürlich in der Automobilbranche und überall dort, wo viele Transporteure tätig sind, bereits zu drastischen Einbrüchen gekommen ist.“ Die Folgen daraus lägen klar auf der Hand: neben Personalreduktionen aufgrund rückläufiger Auftragszahlen würde es zu Verkleinerungen der Fuhrparks kommen. Das Gegensteuern sei aus seiner Sicht in dieser Situation besonders schwierig: „Aufgrund des Aufschwungs der letzten Zeit und des starken Wirtschaftswachstums gibt es am Markt sehr hohe Kapazitäten an verfügbaren Fahrzeugen. Zum Teil liegt das natürlich auch an der Ostöffnung, durch den Wegfall der Einzelfahrtgenehmigungen und die Verteilung von EU-Fördermitteln sind in unseren Nachbarländern ebenfalls größere Fuhrparks entstanden.“ Neukunden ließen sich bei zurückgehender Nachfrage und großem Dienstleistungsangebot nur über den Preis finden, was angesichts der ohnedies durch gestiegene Kosten angespannten Preissituation in der Branche die Zukunft nicht gerade rosig erscheinen lasse. „Ohne Transporteure gäbe es keine Wirtschaft.“ FRANZ WOLFSGRUBER Politiker gefordert „Es wäre an der Zeit, dass Politiker unsere Branche endlich als vollwertigen Partner und Wirtschaftsfaktor anerkennen, denn ohne Transporteure gäbe es gar keine Wirtschaft“, fordert Wolfsgruber. Bislang sei nämlich auf die Forderungen und Wünsche kaum oder gar nicht eingegangen worden, vielen Entscheidungen und Regelungen würde der Praxisbezug fehlen. „Es gibt zwar das Mittel der Stellungnahmen, für die wir uns auch viel Zeit nehmen, aber leider werden diese nicht berücksichtigt“, bedauert Wolfsgruber. Von der neuen Regierung wünscht er sich eine Wiederabschaffung des Mineralölsteuerzuschlages, eine Absenkung der KFZ-Steuer auf das EU-Mindestmaß sowie eine Einstellung der 60er-Begrenzung für LKW bei Nacht auf einigen Autobahnen. „Die Sinnhaftigkeit dieser nächtlichen Geschwindigkeitsbegrenzung ist nicht erwiesen, im Gegenteil. Die langsamen Fahrzeuge bedeuten eine zusätzliche Gefahr für PKW und sind zudem länger unterwegs“, erklärt Wolfsgruber. Zudem würden einheitliche Regelungen für Gesamtösterreich fehlen, die derzeitige Praxis mit Zusatztafeln sei oft verwirrend. Auch Gebietsumfahrungen sind ihm ein Dorn im Auge: „Durchfahrtsverbote, die lange Umwege bedingen, schaden der Umwelt mehr als sie nutzen, denn dadurch erhöht sich der Treibstoffverbrauch. Es ist nun einmal Tatsache, dass Ziel- und Quellverkehr nicht auf der Autobahn stattfinden kann.“ Konsument mitverantwortlich „Ist es wirklich notwendig, jedes Produkt sofort zur Verfügung haben zu müssen?“ fragt Wolfsgruber und erklärt: „Wenn jeder in seinem persönlichen Konsum ein wenig mehr Geduld hätte und auf Waren wie beispielsweise Möbelstücke auch ein wenig warten könnte, wären nicht so viele Kleinlieferungen nötig. Dann könnte man durch Bündelungen die Fahrzeuge auslasten und etliche Fahrten einsparen.“ Euro V Grenzwerte Interview mit FRANZ WOLFSGRUBER Wolfsgruber Logistik GmbH CO (Kohlenmonoxid) 4g/kWh HC (Kohlenwasserstoffe) 0,55 g/kWh NOx (Stickoxid) 2 g/kWh Partikel 0,03 g/kWh Rauchtrübung 0,5 -1 g/kWh Quelle: www.umweltbundesamt.at www.logistik-express.at LOGISTIK express 4|2008 7

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