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LE-4-2008

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

IM FOKUS Der Begriff

IM FOKUS Der Begriff MOEL oder auch CEE (Central and Eastern Europa) findet sich heutzutage in fast aller Munde, obgleich er nicht eindeutig festgelegt ist. Fix zu dieser Region zählen die Länder Estland, Lettland, Litauen, Ungarn, Tschechien, Polen, Kroatien, Slowenien, Bulgarien, Rumänien und die Slowakei. Je nach Anschauung umfasst das Gebiet auch noch Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Albanien, Mazedonien, Moldawien, Russland, Weißrussland und die Ukraine. Von Wiener Neudorf nach ganz Osteuropa Ein international tätiger und sehr bekannter Konzern, der von Wiener Neudorf aus erfolgreich seine Vermarktung in die MOEL organisiert, ist die REWE Group Austria. Ihr gesamtes Auslandsgeschäft wird über ein Tochterunternehmen, die Eurobilla AG, abgewickelt. Vor den Toren Wiens entwickelt das Eurobilla-Team landesspezifische Strategien und regelt den Know-how-Transfer für über 800 Marktfilialen in Tschechien, Kroatien, Bulgarien, Rumänien, Russland, Polen, der Slowakei, der Ukraine und zusätzlich noch in Italien. „Je nach Land erfolgt die Distribution individuell“, erklärt Christian Kern, Leiter des Logistikbereichs der Eurobilla. Dabei setze man auf einen Mix aus Standorten mit klassischem Zentrallager oder Regionallager – je nachdem, welche Lösung wirtschaftlicher sei – oft ergebe sich eine Mischung aus klassischer Lagerhaltung mit Cross-Docking. Die Ausnahmen seien Russland und die Ukraine, wo die Produzenten direkt an die Filialen liefern. „Einer unserer Erfolgsfaktoren ist unser flexibles, modular einsetzbares Logistiksystem, das sich je nach Standort in eigene Lager, Mietobjekte oder enge Zusammenarbeit mit Logistikdienstleistern aufteilt. Die Herausforderung ist, die optimale Mischung zu finden“, ist Kern überzeugt. Der Trend gehe seiner Meinung nach in dieser Branche jedoch eher in Richtung Zentralisierung. Bündelung als Kostenfaktor „Es ist ein ganz entscheidender Kosten- und damit auch Erfolgsfaktor, Transporte voll auszulasten“, stellt Kern fest. Im Zuge einer mehrstufigen Distribution würde der Konzern einzelne Warenlieferungen bündeln, um so gleich größere Mengen ausliefern zu können. Die Schwierigkeit dabei sei die Frage, von welcher Quelle das Produkt stamme und wie man die richtigen Lieferketten sinnvoll gestalten könne. „Im Gegensatz zu Österreich wird bei Eurobilla der Transport hauptsächlich über entsprechende Dienstleister und Spediteure abgewickelt“, ergänzt Kern. Best Practice im Osten Auf der Suche nach neuen Absatzmärkten haben viele Unternehmen bereits die MOEL-Länder für sich entdeckt, einige zögern diesen Schritt noch hinaus. Zu Unrecht? TEXT: ANGELIKA THALER Täglich neue Herausforderungen Auf die Frage nach den größten Herausforderungen im Kontakt mit den MOEL nennt Kern drei persönliche Highlights: Transport, Personal und flexible Rahmenbedingungen. „In allen Ländern steigen die Transportkosten stetig, trotzdem wächst das Verkehrsaufkommen viel schneller als die Infrastruktur. Über kurz oder lang resultieren daraus Transportbeschränkungen, wie die Citymaut in Bukarest“, erzählt er. Deshalb sei es in Zukunft so wichtig, den Ausbau der Häfen und der Straßennetze voranzutreiben - der Schienentransport spielt bei Eurobilla noch eine untergeordnete Rolle. „In boomenden Großstädten und deren Umgebung herrscht nahezu Vollbeschäftigung, die es besonders schwierig macht, passendes Personal zu finden“, spricht Kern ein heikles Thema an. Christian Kern Leitung Logistik Eurobilla Hier käme es oft zu Engpässen, allerdings seien diese im Retailsektor nicht ganz so schlimm wie in anderen Branchen. Schließlich noch der Punkt Rahmenbedingungen: „In diesen Ländern kommt es durchaus zu kurzfristigen Änderungen, weswegen die Möglichkeit der raschen Anpassung der Logistikprozesse unabdingbar ist. Mit ein Grund, warum Kontraktlogistiker derzeit so starken Zuspruch erfahren“, führt Kern aus. Einen weiteren Unsicherheitsfaktor nennt Kern: „Jede Zollabwicklung bedeutet eine gewisse Barriere, auch wenn diese meist unseren Lieferanten oder Spediteuren obliegt. Eventuelle Unregelmäßigkeiten erschweren die Planung. Innerhalb der EU ist der Transport erfreulicherweise einfacher.“ Qualität ist selbstverständlich Für einen Konzern, der hauptsächlich Lebensmittel vertreibt, zählt beste Qualität zur Unternehmensphilosophie. Dieser Anspruch betrifft natürlich auch den Logistikbereich. „Bei uns sorgen in der ersten Stufe die Transportdienstleister für die Einhaltung der Qualitätsstandards, außerdem finden neben der steten Wareneingangskontrolle in weiterer Folge auch Qualitätskontrollen durch eigene Mitarbeiter statt“, verrät Kern. Eurobilla stelle zudem sehr hohe Ansprüche an die beauftragten Transportunternehmen, so dürften beispielsweise LKW nicht älter als fünf Jahre alt sein. Auch die lückenlose Aufrechterhaltung der Kühlkette würde überprüft. „Wir haben gewisse Regeln als Standard für unsere Spediteure definiert, die genau eingehalten werden müssen“, erläutert Kern. Auch das Thema Nachhaltigkeit gewinne an Evidenz, Eurobilla führt derzeit mehrere Projekte in dem Bereich durch. Kern dazu: „Man muss hier weiterdenken, denn häufig ist ökologischer auch ökonomischer.“ 22 LOGISTIK express 4|2008 www.logistik-express.at

IM FOKUS Zentrale Planung – Expansion Osteuropa Wer von Österreich aus die Geschäfte in Ost- und Zentraleuropa steuert, bedarf einer besonders durchdachten und effektiven Logistikstrategie. TEXT: ANGELIKA THALER Essilor International S.A., Charenton-Paris, ist der weltweit größte Brillenglashersteller und existiert in Österreich bereits seit 1969. Seit 1995 betreut die Konzerntochter Essilor Austria GmbH mit ca. 200 Mitarbeitern insgesamt 13 Standorte in den 10 Ländern Österreich, Bosnien, Bulgarien, Kroatien, Montenegro, Polen, Rumänien, Serbien, Tschechien, Ungarn und der Slowakei. Ab Anfang 2009 wird auch Russland logistisch komplett integriert. Zentrale Planung für alle Standorte „Wir verwalten von hier aus die Lagerbestände aller 10 Länder, die – je nach Standort, Produkt- und Produktuntergruppe – einzeln disponiert bzw. parametriert werden“, erklärt Christoph F. Tamegger, zum Zeitpunkt des Interviews Logistic Manager Eastern Europe & Austria. „Das bedeutet eine hocheffektive Bestellung und Versendung von Produkten mit einem Servicelevel von 99,3 Prozent bei gleichzeitig voll optimierter Lagerhaltung.“ Die Herausforderung bestünde nun darin, die kleinstmögliche effektive Lagermenge für einen stabilen Servicelevel zu finden und gleichzeitig die Abschreibungsbeträge zu minimieren. Die Grundlage hierfür würde eine „Harmonisierung“ inklusive Forecasting bilden. „Ohne international einheitliche Abläufe ist eine effektive, also zeit- und kostensparende Ablauforganisation unmöglich. Ohne Forecasting kann eine markt- und saisonbezogene, langfristige Planung ohnehin nicht funktionieren“, ist Tamegger überzeugt. Daher würde auch die Definition und Implementierung neuer Abläufe von Österreich ausgehen. Doch damit nicht genug: „Wir servicieren die Filialen, indem wir ihnen bei täglichen Problemen Auskunft erteilen, ihre virtuelle Lagerhaltung organisieren und planen, Trainings veranstalten und ihren Wissensstand immer weiter aufbauen, bis eine eigenständige Logistik vor Ort entsteht. Hinzu kommt die umfassende Versorgung mit wichtigen Informationen“, berichtet Tamegger, der zu diesem Zwecke einen eigenen Logistik Report mit 10 verschiedenen, aussagekräftigen Statistiken sowie dem quartalsweisen LOG-Survey kreiert hat. Essilor verzichtet komplett auf einen eigenen Fuhrpark und arbeitet mit verschiedenen Paketdienstleistern zusammen. Herausforderung und Strategie „Eine der größeren Herausforderungen in Osteuropa ist die geringe Erfahrung im Bezug auf globales Teamwork und internationale Geschäfte“, meint Tamegger und konkretisiert: Mag. Christoph Tamegger, Logistic Manager Essilor „Englisch ist leider nach wie vor nicht selbstverständlich, die Sprachbarriere und damit die Gefahr von Missverständnissen darf man nicht unterschätzen.“ Letztere könnten sich negativ auf Zeit, Kosten und den Servicelevel und so indirekt auf den Umsatz auswirken. Auch das Personal ist in Tameggers Augen ein kritischer Punkt: „Der Kostenfaktor wirkt sich auf die Anzahl der Mitarbeiter aus, daher sollten vom General Manager bis zum Lagerarbeiter alle die Logistik und damit verbundene Verantwortlichkeiten verstehen.“ Tamegger: „Wenn man das Wissen, die Erfahrung, das nötige Know-how mitbringt und die Möglichkeiten und die Motivation hat, alles umzusetzen, kann man auch in Österreich einen durchaus erfolgreichen Standort führen. Viele Dinge, welche uns täglich als selbstverständlich erscheinen, Ideen, Entscheidungen usw. basieren auf Erfahrung. Durch die Weiterentwicklung der Logistik in Österreich bzw. der Investition in diese erspart man sich global gesehen natürlich wieder erhöhte Kosten. Outsourcing ist out „Meiner Meinung und Beobachtung nach geht der Trend aufgrund unterschätzter Kosten und Aufwände langsam aber definitiv vom Outsourcing in Osteuropa zurück zu einer bodenständigen Basis in Zentraleuropa“, stellt Tamegger fest. „Unser Plan war es, Österreich als Drehscheibe für den Logistikfluss und die Verwaltung sowie als Wissens- und Erfahrungsplattform zu nutzen, um die Expansion nach Osteuropa aufzubauen, worin wir gerade in den letzten eineinhalb Jahren große Erfolge erzielt haben.“ www.logistik-express.at LOGISTIK express 4|2008 23

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