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LE-3-2016

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

TRANSPORT & LOGISTIK

TRANSPORT & LOGISTIK „Friends on the Road“ Trottel der Nation? Die Begriffe Verursacherprinzip und Verursachungsprinzip – also das Kostenzurechnungsprinzip - werden in der Umweltdebatte innerhalb der Logistik oft vermischt. Daraus entwickeln sich ganz eigenartige, am Thema vorbei laufende Diskussionen, die letztlich mit der Sache nichts mehr zu tun haben. AUTOR: PETER BAUMGARTNER PETER BAUMGARTNER Ein typisches Beispiel ist die Forderung nach einer flächendeckenden Maut. Sie soll den Verkehrsweg von der Straße auf die Schiene bringen und die „Verursacher“ von Straßenschäden – die Trucker – zur Kasse bitten. Ein Schuss ins Knie, wenn nicht begleitende Maßnahmen getroffen werden. Denn allein durch eine zusätzliche Maut wird im Sinne der Umwelt kein einziger Transport effizienter und kein Lkw wird deshalb von der Straße verschwinden – ganz im Gegenteil. So sinnbefreit kann nur argumentieren, wer zum Beispiel unter dem Artenschutz der Verfassung steht. Aber auch andere Eigenheiten lassen sich feststellen, betrachtet man Logistikdebatten aus der Vogelperspektive: Es gibt Berufsgruppen, die haben ein Imageproblem und es gibt welche, die haben überhaupt kein Image. Letztere können praktisch nichts Recht machen. Egal wie gut sie ihren Job machen oder wie wichtig sie für die Gesellschaft sind, sie werden immer die „Trottel der Nation“ sein. In der Logistik führen die Berufskraftfahrer die Trottel-Skala mit großem Vorsprung an. Schuld daran, so die Betroffenen, sind hauptsächlich die Medien, die nur den Fahrer auf „rollenden Zeitbomben“ und als Stauverursacher sehen oder ihn einfach als „Täter“ abstempeln und zur allgemeinen Bedrohung erklären. Kein Wunder, dass kaum noch qualifizierte Fahrer auf den „Bock“ steigen wollen. Johannes Hödlmayr, Vorstand der Hödlmayr International AG, plädiert dafür, dass der Lkw-Fahrer vom Image her einmal dort landen möge, wo der Pilot ist und die gleiche Wertschätzung erfährt. Ein frommer Wunsch, der wie andere Imageaktionen auch ins Leere läuft, wenn sich nicht grundlegende Änderungen bei der Auslegung des Verursacherprinzips finden. „ROTER TEUFELSSTEIN" FÜR SINNLOSE TRANSPORTE“ Schweiz vergibt Award für sinnlose Fahrten Ohne die Medien in Schutz nehmen zu wollen, oberflächlich betrachtet, gibt es tatsächlich Anlass zur Kritik am Fahrerberuf. Aber nach dem Verursacherprinzip ist der Kraftfahrer nur selten „schuld“. An dieser Stelle soll nicht näher eingegangen werden auf auslösende, negative Faktoren wie zum Beispiel: Lärmverursacher, Luftverpester, Schrott-LKW, Arbeitszeitüberschreitungen, zu wenig Pausen usw. Alle genannten Faktoren tragen in der Konsequenz zur Imageverschlechterung eines Truckers bei, machen ihn aber nicht zum Verursacher. Genauer hinterfragt soll an dieser Stelle das Thema „sinnlose Fahrten“ werden und ob Lkw- Fahrer (oder ihre Chefs) die Verursacher sind. Das Problem wird den Truckern umgehängt - wofür sie mit ihrem Image bezahlen – und fällt praktisch nie in den Verantwortungsbereich derselben. Dennoch ist es ein Problem mit sehr weitreichenden Folgen und es ist praktisch über das ganze Unionsgebiet verteilt. Die Schweizer Alpen-Initiative hat den Verursachern solcher Fahrten sogar einen eigenen Award namens „Roter Teufelstein“ gewidmet. Konsument, Industrie und das Dilemma mit der Verpackung Auslöser von „sinnlosen Fahrten“ ist in zunehmendem Maß jedoch der Konsument selber. Man denke nur an die leichtfertige Bestellung per Mausklick, die dann einen Tsunami von Retoursendungen auslöst und halb 46 LOGISTIK EXPRESS 3/2016

ARIEL PACKUNGSHÖHE GESAMT 43 CM SOMAT PACKUNGSHÖHE GESAMT 25 CM Bild: IBBS PREISVERDÄCHTIG - DIE LUFTGESCHÄFTE! Bild: IBBS Bild: ALPEN-INITIATIVE PERSIL PACKUNGSHÖHE GESAMT 46 CM Bild: IBBS leere Pakete im Kreis wandern lässt. Manche Online-Händler versuchen die Hohlräume zu nutzen und legen Werbematerial bei - das von den Empfängern gar nicht wahrgenommen wird und umgehend im Müll landet. Ein absolut perfektes Lehrstück, wie man nicht nur Hohlräume transportiert, sondern auch noch nutzlose Tonnage. Extrem hinderlich auf dem Weg zur intelligenten Verpackung und damit zur Vermeidung von „sinnlosen Transporten“ ist das Lagerdenken. Soll sich ja niemand getrauen, sich Gedanken über die Aufgabe des jeweils anderen im Spiel zu machen. Schön im „Kastl“ bleiben, lautet die Losung – auch wenn buchstäblich Millionen Euro auf der Straße verstreut werden. Außer den Konsumenten zählt auch die verladende Industrie zu Verursachern von sinnlosen Fahrten. Sie schickt den Frächter und mit ihm den „dummen“ Lkw-Fahrer mit Aufträgen auf die Reise, die an Sinnlosigkeit nicht mehr zu überbieten sind. Die Rede ist von Gütern, die so verpackt sind, dass sie dreißig und mehr Prozent Luft beinhalten. Auch wenn es dem Frächter - dank Computer gestützter Optimierungsprogramme – gelingt, den Lkw bis auf den letzten Zentimeter auszulasten, verbleiben immer noch große Hohlräume. Den größten „Roten Teufelstein“ dürften wohl Luftpolster Verpackungssysteme verdienen, die wahrscheinlich auch Auslöser für das Verlangen nach „Monstertrucks“ und „GigaLiner“ sind. Kunden kaufen Verpackung und weniger die Produkte, sagt die Motivforscherin Helene Karmasin dazu und sie drückt damit genau das aus, worauf Hersteller achten, damit sie ihr Produkt verkaufen können. Da kann eine Verpackung schnell auch einmal so groß oder noch größer sein, als das eigentliche Produkt. Mit Informationspflicht auf der Verpackung oder Produktschutz hat das dann nichts mehr zu tun und der Trucker weiß gar nicht, dass er hinter seiner Fahrerkabine hauptsächlich sinnlos Verpackung durch die Gegend transportiert. Oft kommt es auch vor, dass die Industrie ihren Kunden einfach etwas vorgaukelt und zum 47

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