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LE-3-2014

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LOGISTIK express Fachzeitschrift

INTRALOGISTIK Social

INTRALOGISTIK Social Media ist die Blaupause für Veränderungen Prof. Dr. Michael Henke, Institutsleiter am Fraunhofer IML, hat einen Plan: Er möchte die Nutzung von Industrie 4.0-Technologien weiter vorantreiben. Im Interview mit Logistik express erklärt der Supply-Chain-Experte wie. LOGISTIK express: Industrie 4.0-Innovationen begegnen den Unternehmen beinahe täglich - ob in der Fachpresse oder auch auf Messen. Würden Sie die Einschätzung teilen, dass die technischen Möglichkeiten in den vergangenen Jahren ein deutlich schnelleres Wachstum hingelegt haben als deren praktische Nutzung? Henke: In gewisser Weise ja. Anders als vielfach beschrieben ist Industrie 4.0 eben oft auch keine Revolution, sondern vielmehr ein evolutorischer Prozess. Auf der technologischen Seite haben wir zwar schon Einiges in den Händen. Aber all das Erreichte ist zu relativieren, wenn die Managementstrukturen noch nicht 4.0 sind. Konsequent weitergedacht heißt Industrie 4.0, dass sich auch die Unternehmen in ihren Organisationsformen selbst an die neuen technologischen Möglichkeiten anpassen und weiterentwickeln müssen. Hier stehen wir sicherlich erst ganz am Anfang. Viele Unternehmen beginnen gerade erst einmal damit, sich mit dem Einsatz der neuen Technologien auseinanderzusetzen. Manchen von ihnen fällt es dabei durchaus schwer, die konkreten Vor- und Nachteile der neuen Möglichkeiten zu erkennen und zu quantifizieren. Gemeinsam mit meinen Institutskollegen im Bereich der Unternehmenslogistik habe ich mich daher der Aufgabe verschrieben, die Managementthemen rund um das Thema Industrie 4.0 aufzugreifen und die Unternehmen auf ihrer Reise in die vernetzte Produktion und Logistik der Zukunft zu begleiten. LOGISTIK express: Wie wollen Sie auf diesem Feld Fortschritte erreichen? ^ Prof. Dr. Michael Henke, Institutsleiter am Fraunhofer IML Henke: Unser Ziel ist es zunächst, unternehmensspezifische Erkenntnisse zu gewinnen und sämtliche Informationen und Potenziale unternehmensspezifisch auszuwerten. Ich bin kein Freund davon, dogmatisch an das Thema heranzugehen und quasi per „Schalter umlegen“ den Einsatz von Industrie 4.0 in allen Unternehmen, unabhängig von Größe und Branche, zu fordern. Bestimmt werden wir auf eine Reihe von Unternehmen stoßen, die auch in Zukunft keine Industrie 4.0-Techniken brauchen. Wir werden auf der anderen Seite auch vielen Unternehmen begegnen, bei denen der Einsatz solcher neuen Technologien sehr sinnvoll ist. Genau das müssen wir im direkten Gespräch mit den Unternehmen ausloten. Im weiteren Verlauf unserer anwendungsorientierten Forschungsprojekte zum Management der Industrie 4.0 werden wir die individuellen Erkenntnisse verallgemeinern können, so dass unsere Ergebnisse auch allen anderen Unternehmen zu Gute kommen werden. 16 LOGISTIK express 3|2014 LEITARTIKEL BLICKPUNKT INTRALOGISTIK TRANSPORTLOGISTIK

LOGISTIK express: Woran lässt sich der Nutzen von Industrie 4.0-Technologien festmachen? Was sind die Parameter? Henke: Es wäre schön, wenn sich dies in ein oder zwei kurzen Sätzen umschreiben ließe. Die Realität funktioniert aber leider anders. Die Frage nach dem Nutzen von Industrie 4.0-Technologien hängt in erster Linie mit dem individuellen Geschäftsmodell, der Kundenstruktur, den Absatzmärkten sowie natürlich auch den Investitionskosten zusammen. Liegen Informationen zu diesen Parametern vor, geht es dann darum, geeignete Messund Steuerungsmodelle zu entwickeln, um die Vorteile eines Technologieeinsatzes zu messen und quantifizierbar zu machen. Es werden also Kennzahlen benötigt, anhand derer es gelingt, entsprechende Handlungsalternativen abzuleiten. LOGISTIK express: Unterstützen Sie die Unternehmen bei diesem Prozess? Henke: Selbstverständlich. Wir bieten dazu viertägige Fokus Group-Veranstaltungen an, in denen wir genau diese Themen behandeln. Bei dieser Gelegenheit versuchen wir den Unternehmen gleichzeitig immer auch zu vermitteln, dass der Weg hin zum Einsatz von Industrie 4.0-Technologien zusätzlich auch mit der Bereitschaft verbunden sein muss, Informationen zu teilen. Viele Unternehmen bauen heute noch auf sehr starren Unternehmenshierarchien auf. Hier muss nach meinem Dafürhalten noch Einiges passieren. In einer Produktionswelt, in der Menschen, Bauteile, Transportgeräte und Maschinen miteinander vernetzt sind, braucht es sehr durchlässige Organisationsformen. Plastisch formuliert: Die Blaupause für Weiterentwicklungen von Unternehmen in Richtung Industrie 4.0 liegt in unseren Social Media-Kanälen. LOGISTIK express: Gerade kleine oder mittelständische Unternehmen sind manchmal froh, wenn es ihnen gelingt, das Alltagsgeschäft störungsfrei und termingerecht abzu- wickeln. Viel Spielraum, über den Tellerrand des Tagesgeschäfts hinauszublicken, bleibt solchen Unternehmen in der Regel nicht. Wird es darauf hinauslaufen, dass nur die größeren Unternehmen Industrie 4.0-Technologien in ihre Geschäftsabläufe implementieren? Henke: Ich denke, es ist grundsätzlich falsch, den Nutzen von Industrie 4.0-Technologien an der Größe eines Unternehmens auszumachen. Sicherlich ist es so, dass einige Großkonzerne mittlerweile selbständig auf die Weiterentwicklung der selbststeuernden Technologien und Techniken setzen. Einige dieser Unternehmen werden auf dem Weg dahin aber vielleicht erkennen, mit welchen Hürden es verbunden ist, völlig neue Produktions- und Organisationsstrukturen aufzusetzen. Kleinere Unternehmen sind dagegen weitaus weniger komplex organisiert. Dadurch können sie gerade organisatorische Weiterentwicklungen in der Regel erheblich schneller vorantreiben. LOGISTIK express: Der Begriff Industrie 4.0 wird zurzeit ja schon fast inflationär benutzt. Sehen Sie eine Gefahr, dass die Unternehmen der von der Thematik schon bald überdrüssig werden? Henke: Ja, diese Gefahr sehe ich wirklich. Und deswegen halte ich es für wichtig, neben den rein technologiegetriebenen Aspekten auch die betriebswirtschaftlichen Aspekte von Industrie 4.0 stärker in den Expertendiskussionen zu beleuchten. Dazu zähle ich ganz bewusst auch die Finanzierungsströme im B2B-Bereich. In einer Welt, in der sich Behälter zum Beispiel über ihre Herkunft sowie ihr Bestimmungsziel austauschen können, liegt es auf der Hand, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, ab wann Behälter zum Beispiel auch finanzielle Dinge wie das Zahlungsziel oder auch die Bankdaten des Zahlungsempfängers kommunizieren. Hierfür die entsprechenden Algorithmen zu entwickeln, ist noch ein großes künftiges Feld unserer interdisziplinären Logistik-Forschung. (WAL) Das Gespräch führte Karin Walter ^ Redakteurin: Karin Walter "Der Weg hin zum Einsatz von 4.0-Technologien muss mit der Bereitschaft verbunden sein, Informationen zu teilen." ONLINE-TIPP www.iml.fraunhofer.de/ MANAGEMENT UNTERNEHMEN JOB & KARRIERE TERMINE LOGISTIK express 3|2014 17

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